Kleiderspinde in der Feuerwache, Berlin-Schönefeld (Quelle: dpa/Burgi)
Audio: rbb 88.8 |06.02.2019 | Michael Ernst | Bild: dpa/Burgi

Marode Löschfahrzeuge - Berliner Feuerwehr nur noch bedingt einsatzfähig

Feuerwehrleute in Berlin schlagen schon länger wegen teils maroder Ausrüstung Alarm. Nun stellt sich heraus, dass das nicht nur für die Rettungskräfte ein Problem ist. Neue Zahlen zeigen, was die Materialmisere für die Einsatzfähigkeit bedeutet.

Lösch- und Rettungsfahrzeuge der Berliner Feuerwehr sind nur noch bedingt einsatzfähig. Das geht aus der Antwort der Innenverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe hervor.  Bei einem Trockenlöschmodell war demnach in zwei Monaten kein einziges Fahrzeug einsatzbereit - die Ausfallquote lag bei 100 Prozent.

Bei den Löschzügen betrug die Ausfallquote im vergangenen Jahr 17 Prozent, in Spitzenmonaten sogar mehr als 21 Prozent. Ein Fünftel der rund 190 Löschfahrzeuge stand also jeweils nicht zur Verfügung - vor allem wegen Schäden und langer Werkstattaufenthalte.

Rost, Ölverlust, Materialverschleiß

Ähnlich soll es bei Rettungswagen aussehen, von denen die Berliner Feuerwehr rund 250 im Bestand hat. Hier lag die Ausfallquote 2018 den Angaben nach bei 14,5 Prozent, in Spitzenmonaten bei mehr als 17 Prozent oder knapp darunter.

Den in die Jahre gekommenen Löschfahrzeugen macht nach Angaben von Innenstaatssekretär Torsten Akmann vor allem der Rost zu schaffen. Das betreffe auch die Aufbauten der Wagen. Zudem würden die Trägerteile der Aufbauten bei Einsatzfahrten durch "hohe Zug- und Druckkräfte" enorm in Mitleidenschaft gezogen. Mit der Folge, dass Reparaturen an den Fahrzeugen sich nicht auf die Beseitigung der Korrosionsschäden beschränken, sondern häufig komplizierter sind und länger dauern. Zudem würden einige Fahrzeuge Öl verlieren. 

160 Millionen Euro Investitionsstau

Schon länger klagen Feuerwehrleute über hohe Arbeitsbelastung und veraltete Ausrüstung. Die Löschfahrzeuge im Berliner Fuhrpark sind auch deshalb so rost- und schadensanfällig, weil viele von ihnen älter als 20 Jahre sind. Grund für die Misere: Frühere Senate haben nicht genügend in neue Technik investiert. Im Vorjahr bezifferte die Innenverwaltung den Investitionsstau allein im Feuerwehr-Fuhrpark auf 160 Millionen Euro.

Mit Neubeschaffungen von jährlich 18,4 Millionen Euro will die rot-rot-grüne Koalition in Berlin diese Lücke nun schrittweise schließen. Die Opposition hält das für unzureichend und fordert höhere Investitionen. 

Der FDP-Abgeordnete Luthe bezeichnete den Kurs der Senatsverwaltung als "betriebswirtschaftlichen Irrsinn". Der Senat solle nicht "immer wieder neues Geld in umweltbelastende Altfahrzeuge stecken", sondern in "einen modernen Fuhrpark mit geringen Ausfallzeiten investieren". Geld sei da, es fehle wohl am Willen.

Sendung: Inforadio, 06.02.2019, 13:00 Uhr

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Antwort auf [Berliner Retter] vom 07.02.2019 um 08:49
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12 Kommentare

  1. 12.

    Nun ja, das ist ein teilweise hausgemachtes Problem, weil die Berliner Feuerwehr als einzige große Berufsfeuerwehr Europas glaubt, seit ca. 20 Jahren mit Druckluftschaumanlagen auf ihren Löschfahrzeugen durch die Gegend fahren zu müssen, was pro Fahrzeug schonmal mehrere 10.000 Euro pro beschafftem Fahrzeug mehr kostet ("Listenpreise" liegen zwischen 50.000 und 80.000 Euro, wieviel der Hersteller [erstaunlicherweise seit Jahrzehnten immer der selbe, trotz EU-weiter Ausschreibungen] davon "realisiert" ist eine andere Sache - schließlich ist "Berlin" eine schicke Referenz), als ein entsprechendes Fahrzeug in Köln, München, FFM, Dortmund oder Hamburg - oder gar London, Birmingham, Manchester, Paris oder Wien. Die komplexe Technik wird auch entprechend höhere Instandhaltungskosten nach sich ziehen.

  2. 11.

    Herr Bauer, damit will ich sagen dass die FDP mit ihrer neoliberalen Ideologie nicht in der Lage ist, eine öffentliche Einrichtung wie die Feuerwehr zu sanieren. Die können nur abverkaufen, privatisieren, auf den Markt werfen - das ist die Ideologie und das Programm der FDP. Jetzt, wo man gerade anfängt, den Sanierungsstau bei der Feuerwehr abzuarbeiten, kann man sie doch nicht den Liberalen zum Fraß vorwerfen. Wenn sie das "inhaltsleer" finden, bitte schön, Ihre Meinung... Von der AfD zu reden, dazu mag ich mich gar nicht herablassen. Die haben genau so ein quatschiges, liberales Wirtschaftsprogramm, plus das ganze rassistische Geschrei... unwählbar der Haufen!

  3. 10.

    weil es schon stimmt, es wird etwas aufgebauscht, damit sich mehr bewegt. Die Fahrzeuge der Feuerwehr können Sie nicht mit normalen Fahrzeugen vergleichen. Schon alleine aufgrund der sehr geringen Kilometerleistung sagt zB das Alter der Fahrzeuge nichts aus. Und die "alte" Technik ist auch noch in eigenen Werkstätten zu warten. Alte Feuerwehrfahrzeuge sind daher sehr gefragt auf dem Zweitmarkt.

  4. 9.

    Was stimmt mit ihnen nicht? Berlin ist komplett herunter gewirtschaftet worden egal in welchem Bereich. Diese Meldung als populistisch zu bezeichnen ist einen Frechheit von ihnen.

  5. 8.

    Muss immer lachen, wenn nach Brücken, Schulen, BVG, Bundeswehr noch ein maroder Bereich auftaucht. Wir hatten jahrelang sprudelnde Steuereinnahmen und ganze Bereiche wurden parallel vernachlässigt und heruntergewirtschaftet. Die Kohle ist natürlich längst weg. Finanzminister hat sogar ein demnächst drohendes "Steuerloch" angekündigt.

  6. 7.

    @Insider

    Naja das bespringen der Fahrzeuge und kaum noch vollbesetzte Fahrzeuge empfinde ich als schlimm und das Fahrzeuge vom Rost zusammen gehalten werden bzw teilweise keine Reservefahrzeuge vorhanden sind ist schon ein Unding

  7. 6.

    Das ganze Thema ist populistisch gepuscht... So schlimm wie es dargestellt wird, ist es nicht. Wer allerdings nicht klagt, bekommt eben auch nichts.

  8. 5.

    Das Einzige, was in Berlin noch einsatzfähig ist, ist des roten Müllers äußerst verbrauchsstarke (Energieklasse G) Dienstlimousine mit maximalem CO2-Ausstoß. Fragt sich nur noch wie lange...

  9. 4.

    Was wollen Sie denn mit diesem inhaltsleeren Kommentar sagen? SPD/Linke und SPD/CDU und nun SPD/Linke/Grüne haben diese Situation geschaffen. Bleibt zur Sanierung entweder der Chaotenhaufen AfD oder die FDP - da weiss ich, wen ich wähle. Und Luthe ist auch der einzige, der mit seinen Anfragen auch zeigt, dass er die Situation begriffen hat und sich nicht von einer Hochglanzbroschüre blenden lässt - war sogar bei uns auf der Wache, ohne da Wirbel drum zu machen$

  10. 3.

    RRG redet viel und setzt sehr wenig um, also noch kein Grund zum feiern

  11. 2.

    Und wieder eine Berliner Institution tot gespart. Fangt endlich zu investieren. Berlin lebt zur Zeit nur in einem Provisorium und von ihrem guten Ruf !

  12. 1.

    Wenn ich auf der Suche nach Lösungen bin, um eine über Jahrzehnte kaputtgesparte öffentliche Einrichtung wie die Berliner Feuerwehr zu sanieren, dann ist die FDP wirklich der ALLERLETZTE auf der Welt, den ich um Rat fragen würde.

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