Archivbild: Feuerwehrleute löschen den Brand an einem ehemaligen Pumpwerk an der Onkel Tom Straße in Zehlendorf.Hunderte Notrufe und Rettungseinsätze - bundesweit wollen am Montag 41 Berufsfeuerwehren per Twitter über ihren Alltag informieren. (Quelle: dpa/Zinken)
Video: Abendschau | 11.02.2019 | Rainer Unruh | Bild: dpa/Zinken

Zwölf Stunden Social-Media-Offensive - Die Feuerwehr twittert den alltäglichen Wahnsinn

112 - diese Nummer ist kein Spaß und sollte wirklich nur im Notfall gewählt werden. Und um das allen zu erklären, gab die Feuerwehr am Montag einen Einblick in ihren Alltag: Sie twitterte von 8 bis 20 Uhr über ihre Einsätze und die täglichen Schwierigkeiten ihrer Arbeit.

Mit einem sogenannten "Twitter-Gewitter" haben am Montag die Rettungskräfte deutlich gemacht, dass der Notruf 112 nur genutzt werden sollte, wenn wirklich Not besteht. Anlass war der Europäische Tag des Notrufs 112, der vor zehn Jahren ins Leben gerufen wurde - nachvollziehbarerweise findet er immer am 11.2. statt.

"An diesem Tag werden wir die Alarmschwelle ein bisschen reduzieren", hatte der Feuerwehrmann und Projektleiter Frederic Finner angekündigt.

Dabei sollten die Nutzer erstmal einen Einblick bekommen, welche Einsätze es überhaupt gibt. Bei größeren Einsätzen wollte die Feuerwehr dann auch Details live posten und twittern - unter dem Hashtag #112live. Die Berliner nahmen den Hashtag #berlin112 dazu, in Brandenburg machten #Cottbus112 und #Potsdam112 mit.

Nur bei jedem dritten Notruf rückt die Feuerwehr aus

Täglich fast 4.000 Mal wird der Notruf 112 der Berliner Feuerwehr inzwischen gewählt. Manche Anrufer sind in höchster Not, andere wollen nur mal eben eine Kopfschmerztablette oder noch schlimmer - sie rufen einfach zum Spaß an.

Nur durchschnittlich bei jedem dritten Anruf rücken die Rettungskräfte tatsächlich aus. Im Jahr 2017 waren das knapp eine halbe Million Einsatzfahrten. Im vergangenen Jahr war die Feuerwehr noch häufiger unterwegs.

Über große und kleine Probleme

Zugeparkte Einfahrten, Staus, in denen auch die Blaulicht-Fahrzeuge nicht weiterkommen oder Pöbeleien gegen die Notfallretter, wie erst vor wenigen Tagen in Kreuzberg, wo Sanitäter tätlich angegriffen worden sein sollen - es sollte über die alltäglichen Schwierigkeiten informiert werden, mit denen es die Feuerwehrleute bei ihren Einsätzen zu tun haben.

Über Twitter, Instagram oder Facebook konnte man live erfahren, warum die Feuerwehrleute ausrücken und was sie am Einsatzort erleben.

Die Social-Media-Experten der Feuerwehr um Projektchef Frederic Finner hatten außerdem kleine Filmclips vorbereitet, die auf Instagram laufen sollten, Reportagen, in denen die Arbeit der Höhenretter oder der Feuerwehrtaucher vorgestellt werden und Tweets mit Daten und Fakten über die Berufsfeuerwehr.

Bundesweit beteiligten sich insgesamt 41 Berufsfeuerwehren am "Twitter-Gewitter".

#112live: So twittert die Feuerwehr in Berlin und Brandenburg

Sendung: Inforadio, 11.02.2019, 07:00 Uhr

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Busspuren nach links zu verlegen, macht wenig Sinn, da die Busse zum Halten nunmal rechts heranfahren müssen. Das würde jedesmal einen Spurwechsel bedeuten und - falls Stau herrscht - die Busse daran hintern, an die Haltestellen heran zu fahren.

  2. 6.

    @Don von Vleet: Ja, von mir aus auch 500 oder 1.000 €.
    Was ich meinte war, dass man solche „Spaßanrufe“ nicht ungestraft lassen sollte.

  3. 5.

    Damit die Rettungskräfte nicht im Stau feststecken, dagegen helfen doch vielleicht mehr Busspuren. Und zwar nicht auf der rechten Spur, sondern die linke Spur soll zur Busspur werden(dann parkt die keiner zu). Bei Haltestellen kann man es so wie bei der Strassenbahn machen. Die Autofahrer müssen warten bis alle ein- und ausgestiegen sind. Wenn Blaulicht kommt, dann muss der Bus stehen bleiben, und die Retter können links (Gegenfahrbahn ist auch Busspur) überholen oder rechts wenn Platz ist. Dann haben die Rettungskräfte immer mindestens eine Spur, die sie benutzen können.

  4. 4.

    Das kann m. E. schon allein deshalb keine Straftat sein, weil die Grenze des Missbrauchs ggf. schwer zu ziehen ist. Nur in sehr eindeutigen Fällen, bspw. bei Jugendlichen.

    Straftat hieße ja, dass sie von Staats wegen auch verfolgt werden muss, soweit ein Anfangsverdacht dazu auftaucht. Dazu ein Beispiel: Vor Jahren sah ich bei einem Spaziergang durch den Stadtteil eine rauchende Mülltonne, die vor einem Haus abgestellt war. Der Blick hinein zeigte eine kleine Flamme darin, die leicht hat gelöscht werden können. Ich klingelte am dazugehörige Hausflur und bat die Parterrebewohnerin, mir ggf. einen Eimer Wasser auszuhändigen angesichts der beschriebenen Beobachtung. Daraufhin sie verdutzt: "Ist das nicht Aufgabe der Feuerwehr?" Da konnte ich nicht mehr an mich halten "Dann lassen Sie´s eben einfach brennen! Guten Tag."

  5. 3.

    Lieber Tom, es geht um die Gefahrenabwehr und die Rettung von Menschen und Güter. Da von 100 EUR für den Missbrauch des Notrufes als "angemessen" zu fabulieren, ist absurd. Ich glaube eher 500 bis 1.000 EUR sind eher angemessen.
    Stellen Sie sich vor, Sie benötigen Hilfe, die Sie aber nicht bekommen, weil ein hirnloser "Spaßvogel" die Kräfte anderen Orts binden.
    Wenn es aber zu Personenschaden gekommen ist, der hätte verhindert werden können, muss eine Haftstrafe zwingend erfolgen.

  6. 2.

    Ist denn die missbräuchliche Nutzung des Notrufs nicht sogar eine Straftat?
    Also 100 € Bußgeld fände ich dafür angemessen.

  7. 1.

    Ein genaues Abbild der täglichen Einsätze zu bekommen, dafür taugt so eine Maßnahme m. E. nicht. Denn die potenziellen Bewerber würden das offenbar als langatmig und langweilig empfinden. Dies deshalb, weil ein Brand gemeinhin eben nichts Spektakuläres ist, sondern etwas sehr Unterschiedliches, dem man sich eben tatsächlich nähern muss, um ihn löschen zu können. Das können distanzierte Bilder über twitter u. ä. eben nicht bieten.

    Dies ist ja auch der Grund, weshalb Medien-Berichte über Brände in aller Regel von Foto- und Bildagenturen "nachbearbeitet" werden. Da, wo nur hellgrauer Rauch ist, muss der dunkelgrau eingefärbt werden, da, wo nur dunkelgrauer Rauch zu sehen ist und die Flammen verdeckt im Gebäude, müssen die Flammen lichterloh aus den Fenstern schlagen.

    Selber glaube ich, dass auf das Spektakuläre vorabonnierte Menschen für die Feuerwehr nicht zu gebrauchen sind. Die können eigentlich nur hastig rumagieren.

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