Menschen genießen das sonnige Wetter auf einem Grünstreifen am Potsdamer Platz. (Quelle: dpa/Zinken)
Video: Brandenburg Aktuell | 16.02.2019 | J. Wochnik-Sachtleben | Bild: dpa/Zinken

Meteorologe: So hohe Temperaturen im Februar "sehr selten" - Berlin und Brandenburg genießen den Vorfrühling

Auf ein so warmes Februarwochenende warten die Berliner und Brandenburger jahrzehntelang: Dass man jetzt im T-Shirt die Sonne genießen kann, ist wirklich ungwöhnlich, erklärt Meteorologe Ronny Büttner. Jetzt können auch die Gärtner loslegen.

rbb: Frühling mitten im Winter, da kriegt man Lust auf Eisessen und Ausflüge. Ist das Wetter wirklich so ungewöhnlich?

Ronny Büttner: Ja, es ist tatsächlich sehr selten, was wir erleben. Und man kann das auch in Zahlen fassen:  Das kommt so etwa alle 20 bis 30 Jahre mal vor, und wir liegen 9 bis 12 Grad über dem zu erwartenden Mittel. Üblicherweise hätten wir Mitte Februar 3 bis 5 Grad als Höchstwerte.

Fliegen auch schon Pollen?

Der Polllenflug – das werden die Allergiker unter uns jetzt merken - wird zulegen. Aufgrund der milden Witterund und des Sonnenscheins, den wir abbekommen, ist mit einem Aufleben von Hasel- und Erlenpollenflug zu rechnen.

Die Sonne lockt ja auch allerlei Krabbeltiere an die Luft. Wer fühlt sich den bei diesen Temperaturen schon jetzt wohl?

Man sagt, so ab etwa 10 Grad fängt die Natur an, sich zu bewegen. Erste Bienen wurden gesichtet, im Westen und in der Mitte Deutschland. Die werden wir auch in den nächsten Tagen zu Gesicht bekommen. Mal gucken, ob sich auch erste Krokusse zeigen.

Sind das denn schon die Vorboten des Frühlings?

Man kann das als Vor-Frühlingsphase betrachten, die kommen immer mal wieder vor. Man muss aber sehr weit zurückgucken: Am 11. Februar 1899 hatten wir auch schon mal 18 Grad. Diese Phasen gehen einher mit Hochdruckgebieten, die drei bis fünf Tage stabil über uns liegen, mit reichlich Sonnenschein und warmen Temperaturen. Das heißt aber nicht, dass das der Frühlingsdurchbruch ist. Das werden wir im Laufe der kommenden Woche erleben: Da sinken die Temperaturen wieder langsam, liegen aber noch über der Norm bei 7 bis 10 Grad. Und dass wir noch im Winter sind, merken wir in den Nächten, da ist noch Luftfrost möglich.

Was können Hobbygärtner diesem Wetter abgewinnen?

Man kann zumindest die Beete vorbereiten. Und man kann die Aussaat von Kalt-Keimern wie Enzian, Schwertlilie, Christrosen und Frauenmantel schon beginnen. Auch Dicke Bohnen, Feldsalat oder Spinat können gesät werden. Bei Möhren wäre ich noch vorsichtig,  weil die empfindlicher sind. Und im Obstgarten, da steht jetzt der wichtigste Monat für den Baumschnitt an.

Das Interview führte Stephan Ozsváth, rbb-Inforadio.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

5 Kommentare

  1. 5.

    Statistisch fehlt bei uns gerade der Temperaturausgleich zurück zur Mitte: Nach dem heißen Sommer hätten wir erfahrungsgemäß einen besonders kalten Winter haben sollen. Wenn der ausbleibt, stimmen die bisherigen Klimamodelle nicht mehr.
    Dann wird es vielleicht wieder so heiß und trocken werden bzw. auf jeden Fall unberechenbarer als früher.

  2. 3.

    Ich hoffe nur das es kein Vorbote für den nächsten Jahrhubdertsommer ist. Letztes Jahr hat mir erstmal gereicht...

  3. 2.

    Meine Bienen fliegen schon seit Donnerstag! Und hatte sogar schon Pollen im Gepäck!

  4. 1.

    erste blühende Schneeglöckchen und einen bereits geöffneten gelben Krokus habe ich schon entdeckt. Und heute flogen einige Zitronenfalter umher sowie Winterlibellen.

Das könnte Sie auch interessieren

Zelten mit Blick in den Himmel (Quelle: rbb/ Susanne Hakenjos)
rbb / Susanne Hakenjos

Zeltsurfen in Brandenburg - In fremden Gärten frei campen

Wild-Campen oder Biwakieren sind verboten. Outdoor-Fans finden aber Möglichkeiten, ihr Zelt legal und sogar kostenfrei auf fremden Grundstücken aufzuschlagen - über eine digitale Landkarte. Das findet immer mehr Unterstützer. Von Susanne Hakenjos