Ziegelsteine sind vor einer Veranstaltung zum Baustart für den Kirchturm vor der nachgebildeten Fassade der früheren Garnisonkirche zu sehen (Quelle: dpa/Hirschberger)
Video: rbb24, 18.02.2019, Norbert Polster | Bild: dpa/Hirschberger

Umstrittener Wiederaufbau in Potsdam - Erste Ziegel für den Turm der Garnisonkirche gesetzt

Für den Turm der Garnisonkirche Potsdam ist am Montag der erste Ziegelstein vermauert worden. Damit habe der Hochbau des Turmes begonnen, erklärte die Stiftung Garnisonkirche Potsdam. Am Beginn der Hochbauarbeiten nahmen den Angaben zufolge zahlreiche Ehrengäste teil, darunter die Frau des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, Marianne von Weizsäcker, und der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Berliner Bischof, Wolfgang Huber. Die Verlegung der ersten sieben Steine sei durch das Friedensgebet von Coventry begleitet worden.

Initiativen sind gegen Wiederaufbau

Die ausführende Dresdner Firma werde hier nun insgesamt rund 2,3 Millionen Ziegelsteine verbauen, hieß es am Montag. Wie beim historischen Bau werde die gesamte Wandkonstruktion bis zur Höhe von etwa 60 Metern in Mauerwerk aus normalformatigen Ziegeln ausgeführt.

Kritiker lehnen den Wiederaufbau vor allem wegen der Militär- und NS-Geschichte der 1945 im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstörten und 1968 in der DDR abgerissenen Barockkirche ab. Die Bauarbeiten an dem Kirchturm hatten im Herbst 2017 begonnen. Der Bund fördert das 40-Millionen-Euro-Projekt mit zwölf Millionen Euro. In zwei bis drei Jahren, so der bisherige Zeitplan, soll der Turm mit einer Aussichtsplattform fertig sein.

Sendung: Inforadio, 18.02.2019, 15:30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

12 Kommentare

  1. 12.

    Die Attrappe des Turms der Garnisonskirche wird nie eine Bereicherung der Stadt sein. Das kulturhistorisches Erbe der Garnisonskirche besteht im Militarismus, Untertanentum, Antidemokratie und Antisemitismus.

  2. 11.

    Das ist der gute Nebeneffekt des GK-Turms: Provokation, Stachel der Geschichte. Er fordert die Auseinandersetzung mit der Geschichte heraus. Warum alles immer politisch korrekt und dem Zeitgeist verpflichtet, der sich eh schnell ändert? Und eine optische Bereicherung des Stadtbildes allemal. Damit sich auch noch in 20 Lenzen die Leute mit dem erhobenen Zeigefinger ärgern.
    LG Bärtram

  3. 10.

    Geldverschwendung und nach dem Wiederaufbau ein Tummelplatz für Ewiggestrige und Neonazis. Ob das der Plan des Wiederaufbaus ist?
    Vielleicht nimmt das der Berliner Senat zum Anlass, das Gefängnis von Rudolf Hessen wieder aufzubauen, weil es sich so hervorragend in die Spandauer Stadtgeschicht einfügt.

  4. 6.

    Über den Wiederaufbau des Turmes der ehemaligen Garnisonkirche freue ich mich sehr. Wenn ich vielleicht den "Restaufbau" der Kirche nicht mehr erlebe, befriedigend bleibt das Gefühl, daß die städtebauliche Entwicklung Potsdams in die richtige Richtung geht. Ich habe in dieser Stadt 2 meiner schönsten Lebensjahre zugebracht und das trotz 0-Aussicht auf Restauration der historischen Bauten. Und nun dieses Streben nach Schönheit allenthalber. Danke liebe Initiatoren, danke liebe Stadtverantwortlichen!

  5. 5.

    zu 1
    Die Mehrheit der Heiden wird also ausgeschlossen?
    zu 2
    Die Attrappe des Turms der Garnisonskirche wird nie eine Bereicherung der Stadt sein.
    zu 3
    Das kulturhistorisches Erbe der Garnisonskirche besteht im Militarismus, Untertanentum, Antidemokratie und Antisemitismus. Der politische nach Weg nach Ausschwitz begann neben München eben auch in Potsdam.

    Mit den Gegen-Argumenten haben Sie sich nicht beschäftigt. Sonst wäre bekannt ihnen bekannt, daß die Mehrheit der Potsdamer Bürger und deren Vertreter Attrappe des Turms der Garnisonskirche ablehnen.

  6. 4.

    Vielleicht noch aufschlussreich ist, dass die Kirche aus mehreren Gründen wiedererrichtet wird:
    1. Als ausdrückliches Versöhnungsprojekt, das seinen geistigen Ursprung in der Inspiration zweier junger Pfarrer hatte: Martin Vogel und Gregor Hohberg. Der Zweite ist heute maßgeblicher Initiator des Hauses of One, des Bet- und Lehrhauses der drei großen Religionen Christentum, Judentum und Islam.
    2. Als Bereicherung der Stadtgestalt, denn der Stadtkern "franst" genau hier an dieser Stelle förmlich aus.
    3. Als kulturhistorisches Erbe, ohne das eine Stadt wie Potsdam nicht gedacht werden kann. Gleichauf mit der umgebenden Kulturlandschaft, namentlich Sanssouci, Park Babelsberg, Neuer Garten, Sacrow und - auch das - Park Glienicke bis hin zur Pfaueninsel, auch wenn das im äußersten Südwesten von Berlin liegt.

    Das eine kann nicht gedacht werden ohne das andere. Ausdrückliche Gegen-Argumente kürzen die Geschichte immer ein und wollen sie auf ganz wenige "Linien" begrenzen.

  7. 3.

    Gutes Projekt und eine gute Investition. Weiter so.

  8. 2.

    Ich wünschte mir, die zahlreichen Ehrengäste würden sich für die Implementierung des UN-Übereinkommens für die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Bundesland Brandenburg gleichermaßen engagieren. Obgleich die UN-BRK als Völker-, EU- und Bundesrecht ratifiziert wurde, ist kein Amtsträger befähigt, individuelle Barrieren behinderter Menschen zu erkennen und zu beseitigen, und auch wegen Umsetzungsdefiziten durch fehlende Schulungen, das Bewusstsein für die Würde und Rechte behinderter Menschen bei Entscheidungsfindungen einzusetzen. Dieser Turm besitzt daher mMn nur den Wert eines Macht- und Prestigeobjekts; ein Publikumsmagnet, der finanzielle Einnahmen sichern soll.

  9. 1.

    Also auf dem Weg zur Partnerstadt von Babel. Potsdam hat auch im III. Reich versagt.

Das könnte Sie auch interessieren

Luftbild vom Einkaufszentrum in Wildau nach dem Brand
rbb/Tino Schöning

Verdacht auf Brandstiftung - Einkaufszentrum in Wildau abgebrannt

In Wildau (Dahme-Spreewald) ist am Dienstagmorgen ein Einkaufszentrum in Brand geraten. Als die Feuerwehr eintraf, stand das Gebäude bereits voll in Flammen. Ein Großteil des Daches stürzte ein. Auslöser des Brandes war offenbar ein angezündetes Sofa.