Symbolbild - Eine Bierflasche steht auf einem Tisch vor einem Mädchen, dass mit einem Erwachsenen diskutiert (Bild: dpa/Alexander Heinl)
Audio: Radioeins | 22.02.2019 | Interview mit Projektleiter Johannes Lindenmeyer | Bild: dpa/Alexander Heinl

"Lieber schlau als blau" in Templin - Projektleiter verteidigt Alkohol-Experiment für Schüler

Nach der Beschwerde einer Mutter über das Alkoholexperiment "Lieber schlau als blau" an einer Oberschule in Templin hat der Leiter das Präventionsprojekt verteidigt.

Ein 15-jähriger Schüler hatte eine Einverständniserklärung für das Trinkexperiment mit nach Hause gebracht, auf dem Eltern erkären sollten, ob ihr Kind daran teilnehmen und wie viel es trinken darf. Daraufhin hatte sich seine Mutter beschwert - auch gegenüber der Lokalzeitung "Nordkurier".

"Wir animieren niemanden zum Trinken", sagte Johannes Lindenmeyer, Leiter der Salus Suchtklinik in Lindow, jetzt der Deutschen Presse-Agentur. 85 Prozent der erwachsenen
Bevölkerung würden jedoch regelmäßig trinken. "Und wir müssen davon ausgehen, dass die meisten Jugendlichen früher oder später auch Alkohol trinken", sagte Lindenmeyer zur Begründung für das Experiment.

Im Gespräch mit der rbb-Welle Radioeins äußerte Lindenmeyer Verständnis für die Beschwerde: "Ich kann schon verstehen, dass Eltern erst einmal stutzen." Der Alkohol werde den Kindern aber nicht im Unterricht gegeben, da die Schule "alkoholfreier Ort bleiben" müsse. Stattdessen finde das Experiment nach der Schule und nur mit Einverständniserklärung der Eltern zur Abholung ihrer Kinder statt.

Projekt "Lieber schlau als blau" läuft seit über zehn Jahren

Das Projekt "Lieber schlau als blau" habe sich außerdem als wirksam herausgestellt: In einer Studie mit 700 Schülern habe er aus einer Gruppe die Hälfte der Jugendlichen am Projekt teilnehmen lassen und die anderen nicht. Nach sechs Monaten, sagte Lindenmeyer dem rbb, "konnte man sehen, dass die, die am Projekt teilgenommen haben, signifikant seltener Alkohol getrunken haben und vor allem weniger viel getrunken haben".

Seitdem das Projekt im Jahr 2008 gestartet ist, haben mehrere tausend Schüler in Brandenburg daran teilgenommen. In über zehn Jahren sei das die erste Beschwerde, sagte Projektleiter Lindenmeyer.

Sendung: Radioeins, 22.02.2019, 14:40 Uhr

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8 Kommentare

  1. 8.

    Einer der wenigen Kommentare, die die Funktion dieses Projektes erschließen. Es geht in diesem Projekt um das Trinken in die bewusste Handlung einzubeziehen. Durch das bewusste Handeln wird der Körper anders wahrgenommen. Jeder der Teilnehmer kann anschließend genau sagen, wie hoch die Trinkmenge war und ab wann und wie er den Alkohol spürte. Versuchen Sie mal einem Heranwachsenden/Erwachsenden eine vernünftige Antwort nach einem Alkoholabusus abzuverlangen, der in einem "normalen" Saufgelage entstanden ist. Ich kann die Aussagen Prof. Lindenmeyer nur bestätigen. Das gleichnamige Buch von Lindenmeyer kann ich nur empfehlen. Leider hat im Vorfeld ein Radiosender aus Berlin dieses Projekt völlig falsch interpretiert, sodass ich zuvor auch eine andere Meinung zu diesem Projekt hatte.

  2. 7.

    Lebendiger, lebensnaher und zeitgemäßer Unterricht in Ehren, aber das Thema Alkohol, Drogen und Sexualität haben lediglich in Theorie etwas in der Schule zu suchen. Vordringlicher wäre es, Bildungsdefizite durch Lehrermangel, Unterrichtsausfall und G8 auszugleichen und wieder verstärkt Elternarbeit zu betreiben. Diese kümmern sich dann um den Rest. Das hat in der Schule nichts zu suchen, das ist absurd.

  3. 6.

    Wir führen die Kinder ja nun auch nicht an Heroin oder synthetische Drogen heran, um sie vor den Gefahren zu warnen... Was für ein Mist...

  4. 5.

    Auf welche pädagogisch sinnvolle Weise haben Sie sich denn mit Ihren Kindern diesem Thema genähert?

    Die Mutter hatte doch die Möglichkeit "nein" zu sagen und hat das genutzt. Warum also so ein Gewese um die ganze Sache machen?

  5. 4.

    Nur weil man die negativen Folgen von Alkohol kennt, heißt das nicht, dass man dann automatisch kein Alkohol missbraucht. Unserer heutigen Jugend wird doch der Missbrauch von Alkohol vorgelebt - schaut in die Polizeinachrichten: Wie oft gibt es Unfälle oder Kriminalitätsdelikte in Verbindung mit Alkohol? Täglich! Wie viele Menschen trinken in der Öffentlichkeit, nicht nur in Bars und Kneipen, sondern auch auf dem Weg von der Arbeit Alkohol? Das Bild, dass sich implementiert hat, ist doch: Alkohol gehört dazu! Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass diese Kinder auf lange Sicht gesehen einen Bogen um diesen machen.
    Der begleitete Alkoholkonsum könnte daher ein Ansatz sein. Hier wurde das Einverständnis der Eltern und Schüler eingeholt, das Maß beachtet und es gibt die gesetzliche Absicherung. Hier geht es nicht darum Kinder betrunken zu machen. Besser so, als allein mit Freunden! In der 9. Klasse haben die meisten Schüler doch sowieso schon Kontakt mit dem Thema gehabt.

  6. 3.

    Wenn Eltern oder andere sorgeberechtigte Erwachsene dabei sind und das ausdrücklich erlauben, dürfen Jugendliche zwischen dem 14. und 16. Lebensjahr Bier, Wein oder Sekt verzehren. An der Supermarktkasse gilt daher: Kein Alkohol unter 16.

    Personen ab 16 Jahren dürfen Bier, Wein oder Sekt kaufen und konsumieren. Ausnahme sind Spirituosen, also hochprozentige alkoholische Getränke - diese dürfen in Gaststätten, Verkaufsstellen und generell in der Öffentlichkeit erst ab 18 Jahren gekauft und getrunken werden - auch dann, wenn die Eltern dabei sind. Das Abgabe- und Konsumverbot gilt auch für alle Mischgetränke, die Spirituosen enthalten - und zwar unabhängig vom Alkoholgehalt des gemischten Getränks.

  7. 2.

    Sind Eltern nicht mehr in der Lage ihre Kinder allein vom Alkoholkonsum abzuhalten, ihnen Grenzen und Folgen von Missbrauch darzulegen?
    Ich habe 4 Kinder im Alter von 10 bis 25 Jahren, die alle im Land Brandenburg zur Schule gehen/ gegangen sind und von diesem " Projekt " noch nie gehört.
    Ich kann die Mutter gut verstehen und frage mich ernsthaft wessen angeblich pädagogisches Konzept dahinter steckt.
    Mal sehen, wann dem kontrollierten "Grasrauchen" oder dem "Medikamentenmissbrauch" ein "Projekt" gewidmet wird.

  8. 1.

    Unglaublich! Ich bin hin- und hergerissen zwischen Neugier und Ablehnung. Wobei ich überzeugt bin, dass es andere Möglichkeiten gibt dem Alkoholkonsum nicht zu verfallen. In unserer Gesellschaft ist die Droge Alkohol ja nach wie vor anerkannt und wird bagatellisiert. Schwieriges Thema. Meinem Kind würde ich diese Studie nicht erlauben! Auch nicht mit LSD, Koks, etc.

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