Symbolbild: Ein junger Mann zielt mit Pfeil und Bogen auf ein Wildschwein. (Quelle: dpa/Hildebrand)
Video: Brandenburg aktuell | 12.02.2019 | Beitrag von Max Kell | Bild: dpa/Wildschwein

Wildschwein-Jagd mit Pfeil und Bogen - Robin Hood ist zurück - in Stahnsdorf Forest

Das deutsche Jagdgesetz verbietet es eigentlich – doch weil die widerborstigen Tiere im Ort zur Plage geworden sind, will die Gemeinde Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) Wildschweine nun mit Pfeil und Bogen jagen lassen. Ein entsprechender Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung wird derzeit im Landwirtschaftsministerium geprüft. "Wir wären bundesweit die Ersten", sagt Bürgermeister Bernd Albers.

In der Umlandgemeinde im Südwesten Berlins gibt es laut Albers drei Rotten und insgesamt 20 bis 30 Schweine, die bereits den Zentralfriedhof und viele Gärten verwüstet haben - auch den des Bürgermeisters. Sie zeigten sich auch tagsüber. Wie das rbb-Magazin "Brandenburg aktuell" am Dienstag berichtete, drang ein Wildschwein kürzlich sogar in einen Friseursalon ein und warf Stühle um. Das Tier war offenkundig verwundet. "Ich habe laut geschrien, überall war Blut", sagte Besitzerin Hannelore Heinrich dem rbb.

Verwaltung prüfte mehrere Möglichkeiten

In der Verwaltung suchte man schon länger nach Möglichkeiten, wie der Wildschwein-Bestand verringert werden kann - bislang vergeblich. Duftzäune brachten nicht den gewünschten Erfolg. Pillen, die Nachwuchs verhindern, seien nicht praktikabel einsetzbar. Die Jagd mit dem Gewehr sei in dem dichtbewohnten Ort Jägern zufolge zu gefährlich. Querschläger könnten Unbeteiligte gefährden. Auch von Fallen aus DDR-Zeiten, sogenannten Saufängen, versprechen sich die Verwaltungsfachleute nicht viel. Rund 50 dieser Fallen gibt es in Brandenburg, die Methode ist auch unter Jägern umstritten.

Als letztes Mittel fiel den Waidmännern die Jagd mit Pfeil und Bögen ein. Wer einen Jagdschein habe, könne eine entsprechende Zusatzausbildung für die Bogen-Jagd absolvieren - inklusive theoretischer und praktischer Prüfung. Der Bürgermeister stellte sich hinter den Vorschlag - und die Verwaltung reichte Mitte Januar einen Antrag ein beim Brandenburger Landwirtschaftsministerium. Dort prüft man nun. Es müsse dabei sichergestellt sein, dass das Wild tierschutzgerecht getötet werde, sagte eine Sprecher.

In Madrid wurden bereits hunderte Wildschweine per Bogen erlegt

Laut dem Deutschen Bogenjagdverband werde diese Form der Jagd in 17 europäischen Ländern als waidgerechte Jagdart akzeptiert. Ein ausgebildeter und geübter Jäger könne mit superscharfen Carbonpfeilen auf die maximale Distanz von 25 Metern die Größe eines Handtellers treffen.

In Madrid wurden bereits Wildschweine im städtischen Raum mit Pfeil und Bogen erlegt. In einem zweimonatigen Pilotprojekt seien Hunderte Tiere getötet worden. Die Jäger saßen dabei in Bäumen und warteten nach Einbruch der Dunkelheit auf die Tiere, um sie zu erlegen. Laut einem TV-Bericht des ÖRF aus dem Januar 2017 hatte das Projekt guten Erfolg. "Die Tiere leben mit den Menschen zusammen und haben jede Angst verloren. Durch unser Eingreifen erkennen sie uns als Gegner und Gefahr und verändern ihr Verhalten. Das Gebiet, in dem Menschen leben, wird als Barriere begriffen, und sie ziehen sich zurück", sagte Emilio de la Cruz von der Madrider Wildkontrolle in dem Bericht.

Sind die Pfeile dann nicht auch für Menschen gefährlich, wenn der Jäger das Wildschwein nicht trifft?  "Wir halten das Risiko innerorts für vertretbar", sagt Bürgermeister Albers. Er will nun Vorbehalte über die Methode unter den Bürgern der Stadt ausräumen.

Bericht des ÖRF zu den Wildschwein-Jägern von Madrid

Sendung: Brandenburg aktuell, 12.02.2019, 19:30 Uhr

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Antwort auf [Armbruster] vom 22.02.2019 um 13:39
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9 Kommentare

  1. 9.

    Genau so ist es, ein schlechter Schuss mit dem Bogen und das Schwein wird sich den nächst besten Menschen, als Opfer für seine Schmerzen aussuchen, dann wird das Geschrei groß sein.
    Es verstößt außerdem gegen unsere Tierschutzgesetze, ich hoffe es hagelt Anzeigen. Einfach unmöglich was in diesem Land abgeht.

    Grüße

  2. 8.

    Richtig, der Vorteil von Armbrüsten liegt auf der Hand. Durch die gespeicherte Energie kann wesentlich ruhiger und genauer gezielt werden, als bei Bögen. Eine Armbrust kann von jedem Jäger bedient werden, ohne zusätzliche Ausbildung. Die Treffgenauigkeit auf 25m steht der einer Büchse, auf die gleiche Entfernung, in nichts nach. Ausrüstbar mit Zieloptiken, einfach zu handhaben, die Tötungswirkung ist gegeben, die Umfeldgefährdung und Lärmbelästigung ist gering und die Wildbretentwertung ist wesentlich geringer als bei Büchsenmunition.
    Nachteilig ist die recht geringe Entfernung, auf die man an die Sauen heranpirschen* muss, aber das macht die Jagd spannend und nimmt Jagdgegnern das Argument "Jäger lauern hinterrücks mit Präzisionswaffen und Hochgeschwindigkeitsgeschossen den armen, unschuldigen, chancenlosen Bambis auf...."

    Win-Win-Win Situation.... außer für die Sauen.

  3. 7.

    Ich hätte jetzt eher an Armbrust und Bolzen gedacht - aber Pfeil und Bogen - warum nicht? Es gibt sogar Experimentalarchäologen, die mit Atlatl und Atlatspeeren Wilschweine jagen.
    Anscheinend sind die heutzutage eingesetzen Bögen modernere Modelle mit Zielvorrichtung für verschiedene Entfernungen und einer Art Flaschenzug zum Spannen. Die Jäger stehen auf Plattformen in den Bäumen und tragen Tarnkleidung.
    Wenn jemand den Zaubertrank von Miraculix neu zusammenbrauen könnte, wäre das Wildschweinproblem aber auch schnell gelöst.

  4. 6.

    Dann mal Tipps in Spanien holen. Scheint dort gut zu laufen. Wäre auch was für Berliner Wildschweine

  5. 4.

    @rbb24: Benutzen Sie auch "automatische Text-Ergänzung"? " -"Ich habe laut geschrieben, überall war Blut", sagte Besitzerin Hannelore Heinrich dem rbb." Wäre "geschrieen" nicht das, was Sie zitieren wollten?

  6. 3.

    Ich denke nicht, dass man mit Pfeil und Bogen ein Tier tierschutzgerecht umbringen kann. Wenn der Schuss nicht perfekt das Herz trifft lebt das Tier noch zu lange weiter. Selbst wenn das Herz getroffen wurde, dauert der Tod deutlich länger als bei einem sauberen Schuss mit dem Gewehr. superscharfe Pfeile hin oder her.

  7. 2.

    Jo, supi - nächstens, schön beim Joggen am Kanal, kommt mir dann nicht Waldi (Bullterrier-Rüde ohne Leine) entgegen, sondern Babe, mit nem Pfeil im Popoloch! Da muss ich aufpassen, dass ich nicht über den dort wohnenden Biber stolpere bzw. über seine gefällten Bäume...
    Ach ja, wie schön ist doch die Natur... "Das wird toll, hast Du gesagt, nur wir und die Wildnis, hast Du gesagt" (Zitat VW-Werbung mit dem Bär).

  8. 1.

    wenn diese Form der Jagd in 17 europäischen Ländern als waidgerechte Jagdart akzeptiert ist und es einen Bogenjagdverband in Deutschland gibt, der sich dieser Aufgabe gewachsen fühlt, warum nicht ? ich sehe aber schon ein Wildschwein mit einem Pfeil im Körper , das noch nicht tödlich verletzt , in Panik "Amok" läuft und womöglich Unheil anrichten kann. Da aber das Projekt aus Madrid als durchaus erfolreich genannt wird , sollte man es versuchen Die Langbögen aus vergangenen Jahrhunderten hatten ja eine enorme Durchschlagskraft , zum Leidwesen der gepanzerten Ritter.

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