19.02.2019, Berlin: Aufgrund eines Stromausfalls ist die Straßenbeleuchtung im Stadtteil Köpenick nicht im Betrieb (Quelle:
Audio: Inforadio | 28.02.2019 | Martin Adam | Bild: dpa/Jörg Carstensen

"Kontraste"-Recherche - Kein bundesweiter Notfallplan bei großflächigem Stromausfall

Ein Blackout legte kürzlich Berlin-Köpenick über 30 Stunden lang lahm. Was würde im Falle eines noch größeren Stromausfalls passieren? Nach Recherchen des ARD-Magazins "Kontraste" gibt es keinen bundesweiten Notfallplan.

Für den Fall eines großflächigen und langanhaltenden Stromausfalls in Deutschland existiert kein Notfallplan. Das ist das Ergebnis von Recherchen des ARD-Politikmagazins "Kontraste".

Demnach liegt die Zuständigkeit für die Krisenbewältigung nach Angaben des Bundesinnenministeriums bei Ländern und Kommunen. Es gibt zwar ein gemeinsames Lagezentrum von Bund und Ländern, hier werden aber lediglich Informationen gesammelt und Hilfsleistungen wie die Verteilung von Notstrom-Aggregaten koordiniert, wie "Kontraste" herausfand.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz kritisierte diesen Zustand als nicht mehr zeitgemäß. Er wolle nicht am Prinzip des Föderalismus rütteln, habe aber Zweifel, dass im Ernstfall die Zusammenarbeit von Bund und Ländern ausreichend geregelt sei.

Verteilung von Treibstoff problematisch

Ende 2017 hatte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) einen Leitfaden für Treibstoffversorgung bei Stromausfällen veröffentlicht. Darin wurde unter anderem erklärt, wie die Verteilung von Treibstoff gesteuert werden könnte und welche Einrichtungen bei der Notfallversorgung bevorzugt behandelt werden sollten.

Die Treibstoffversorgung sei der Schlüssel zur Bewältigung eines großflächigen Blackouts, sagte BBK-Präsident Christoph Unger damals. Nach spätestens 72 Stunden sind nämlich auch Notstrom-Aggregate auf frischen Diesel angewiesen. Bislang seien allerdings nur die wenigsten Tankstellen notstromversorgt, was die Versorgung im Krisenfall erschwere, so Unger.

Deutschland hat Treibstoffvorräte für 90 Tage eingelagert. Es gebe also "kein Mengenproblem", wie Unger beteuerte, aber "ein Verteilungsproblem" - denn die Tanklager benötigen ebenfalls Strom. Sie verfügen zwar über Notstrom-Aggregate, doch diese werden vorwiegend für den Brandschutz benötigt. Für Dinge wie das Abpumpen von Treibstoff stehen sie hingegen meist nicht zur Verfügung.

Deshalb riet der neue Leitfaden unter anderem zur Einrichtung spezieller Schwerpunkt-Tanklager, die auf solche Notfälle eingerichtet sind. Für die Umsetzung der Empfehlungen sollten die Bundesländer und die Landkreise verantwortlich sein.

Ein tagelanger Stromausfall in Deutschland sei "unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich", warnte Unger.

Köpenick über 30 Stunden lahmgelegt

In der vergangenen Woche war in großen Teilen des Bezirks Berlin-Köpenick über 30 Stunden lang der Strom ausgefallen, nachdem bei Bauarbeiten mehrere Erdkabel beschädigt worden waren. Betroffen waren etwa 31.000 Haushalte und 2.000 Geschäfte.

Durch den Stromausfall fielen teilweise auch der Mobilfunk und das Festnetz aus, weil auch Router und Handymasten Strom benötigen. Feuerwehr und Polizei waren entsprechend schwer zu erreichen. Die Rettungskräfte hatten in Köpenick den Bürgern geraten, direkt zur nächstgelegenen Feuerwache oder Polizeidienststelle zu gehen oder zu fahren. Auch viele Taxifahrer könnten über ihr Funknetz Retter alarmieren. Das Deutsche Rote Kreuz forderte im Nachgang eine Verbesserung der Informationskanäle für den Notfall.

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10 Kommentare

  1. 10.

    Immer, wenn igendein Vorkommnis passiert ist (Anschlag, Stromausfall o.ä.), sagt der Senat/Regierung, dass etwas passieren muss. Aber was passiert hinterher? Eine Diskussion nach der anderen, aber weiter nichts! Da werden "hunderte" von Untersuchungsausschüssen ins Leben gerufen und Schuldige gesucht (und nie gefunden, wenn ja, bekommen diese einen noch höherbezahlteren Posten (siehe Schönefeld). Diese Untersuchungsausschüsse verschlingen immer mehr Geld, was die Politik nicht hat, nur, damit irgendwelche Politiker etwas zu tun haben. Oder hat eine von euch schon ein Ergebnis gehört (was im Zusammenhang mit dem Stromausfall, Anschlag, ... steht)? Schönefeld wird wohl eine lebenslange Dauerbaustelle bleiben, aber dafür können nicht genug Gelder fließen (vor Allem für die Chefetage)! Wer bezahlt die Politiker mit den Steuern, die die eigentliche Schuld, meiner Meinung nach, tragen? Die machen sich bloß nicht daraus!!!

  2. 9.

    "weniger Strom" wäre dann aber auch nicht vorhanden, wenn es zu einem Blackout käme.
    :)

  3. 8.

    Jeder sollte mal mit weniger Strom auszukommen versuchen klarzukommen, anstatt immer mit standby und Stromfressern zu agieren.
    Weniger ist mehr, dann brauchts keinen Atom/Kohle/Windkraftwerksstrom. Dann reichen Gaskraftwerke und Photovoltaik aus.
    Würden Gesellschaft und Politik mal die Augen öffnen, könnte man viele Probleme lösen, aber die Wirtschaft mit ihrer Lobby hat etwas dagegen und die Leute rennen ihnen blind wie die Lemminge hinterher.
    Nachdenken war gestern.

  4. 7.

    Sehe ich auch so.
    Aber sicherheitshalber ist die CDU (Huch!) mal wieder von ihren Werten abgerückt und hat beschlossen, die AKWe einzumotten.
    Wegen der vielen Erdbeben in Deutschland.

  5. 6.

    Ein "Unfall" war nicht durch menschliches Versagen verursacht worden. Eher trafen unglückliche Umstände zusammen. Dadurch aber die Atomkraft zu verteufeln?
    Wie sieht es mit brennenden Windräder aus, oder den Bau in Naturschutzgebieten, in Vogelflugrouten?
    Was passiert bei Windstille und dem extrem steigenden Strombedarf, durch E-Mobilität.
    Also ehrlich: lieber ein AKW, als hunderte Windkrafträder.

  6. 5.

    Habe ich behauptet, dass dieser Unfall etwas mit einem von beidem zu tun gehabt hätte?
    Ich halte Grüne nur bez. Energiefragen für generell unqualifiziert
    Und wenn es (wie in dieser Meldung) um "großflächige und langanhaltende Stromausfälle" geht, denke ich dabei eher an stadtweite Vorkommnisse, deren Behebung zeitlich nicht absehbar ist.
    Eine Partei, die Wind- und Solarenergie propagiert (und falls uns das Wetter mal im Stich lässt, müssen wir umweltschädlich erzeugten Strom aus dem Ausland dazukaufen), ist da vermutlich nicht der richtige Problemlöser.
    Die Grünen stehen für vieles. Für Sicherheit aber eher nicht.

  7. 4.

    Aufgrund von Bauarbeiten an der Allendebrücke lagen beide Stromkabel direkt nebeneinander.

    Eine andere Lösung gab es nicht. Oder sie wäre sehr teuer gewesen. Gegen offensichtliche Menschliche Fehler kann es keinen Schutz geben.

    Das hat nichts, aber auch gar nichts mit den Grünen oder dem Abschaffen des Atomstromes zu tun. Atomstrom hat schon mindestens zwei schwere Unfälle verursacht.

  8. 3.

    Mit Grünen über Energie zu reden ist so, als unterhielte man sich mit Katzen über Hundezucht.
    Zunächst mal wäre zu klären, warum das Stromnetz eigentlich großflächig ausfallen könnte.
    Wer oder was könnte dafür verantwortlich sein.
    Und dann sollte darüber nachgedacht werden, wie man solche Vorkommnisse verhindern könnte.
    Was schlimmstenfalls als nächster Schritt zu erfolgen hätte, sollte sicher nicht an den Beginn der Diskussion gestellt werden.
    Systemrelevanter Verbindungen zu isolieren, scheint mir ein guter Anfang zu sein.
    Sind kritische Kraftwerkskomponenten mit dem Internet verbunden?
    Falls ja: Muss das so sein?
    Könnte sich Kraftwerksbetreiber auch trotz Stromausfall bei einer entsprechenden Hotline melden?
    Vorsorgen ist besser als Nachsorge.


  9. 2.

    Gut, der Stromausfall war bautechnisch bedingt, sollte uns aber darauf vorbereiten, dass das jeden Tag passieren könnte. Das Abschalten der AKWs, der forcierte Kohleausstieg, der Glaube daran, dass Wind- und Sonnenenergie diese Lücke auch nur Ansatzweise schließen wird, werden uns Besseren belehren.

  10. 1.

    Stromausfall dr X Bericht-. Da brauch ich keine Recherche das sagt mir mein gesunder Menschenverstand, Berlin hat für nix einen Notfallplan, egal ob Stromausfall oder Terrorangriff.
    Das ist die Tatsache. Die Medien geben uns tagtäglich zu verstehen dass Berlin auf alles gut vorbereitet sei, ist es aber nicht . Man muss nur Augen und Ohren aufmachen dann sieht und hört man doch die ganze Misere in der Berlin steckt. Und da wird sich auch nichts ändern denn Berlin sitzt auf einen riesen Schuldenberg und da können die Einnahmen noch zu sprudeln es ist kein Geld da weil Schulden abgebaut werden. Berlin hängt und wird immer am Tropf des Landesfinazausgleiches hängen. Komisch die Bayern schaffen es nur Berlin nicht?! Tja, manch Spielerei der Senatoren Berlin kommen den Land sehr teuer.

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