Archivbild: Ein Wolfswelpe läuft am 31.07.2013 auf einem Truppenübungsplatz in der Lüneburger Heide (Niedersachsen) (Bild: dpa/Bundesanstalt für Immobilienaufgaben/Fredy Lück)
Bild: dpa/Bundesanstalt für Immobilienaufgaben/Fredy Lück

Neue Siedlungsräume - Warum Wölfe auf Truppenübungsplätze stehen

Es klingt zunächst paradox, wird aber durch eine Studie belegt: Wölfe besiedeln lieber Truppenübungsplätze als Naturschutzgebiete. Die Forscher fanden auch heraus, welche Vorteile ein abgesperrtes Militärgelände für die Tiere mit sich bringt.  

Wölfe halten sich einer Studie zufolge lieber auf Truppenübungsplätzen auf als in  Naturschutzgebieten. Zwischen 2000 und 2015 entstanden 16 von insgesamt 79 neuen Wolfsgebieten auf Militärgelände. Dagegen wählten die Tiere Naturschutzgebiete nur 9 Mal als Lebensraum. Die restlichen Reviere lagen in anderen Gegenden.

Sterblichkeit geringer als in Naturschutzgebieten

Die Forscher gehen davon aus, dass die Vorliebe der Wölfe für Militärgebiete mit der geringeren Präsenz von Jägern dort zu tun hat - obwohl sie als streng geschützte Art ohnehin nicht geschossen werden dürfen. Es kommt aber immer wieder zu illegalen Abschüssen. Bei ihrer Analyse fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Sterblichkeit von Wölfen auf Militärgelände geringer ist als in Naturschutzgebieten.

Vanessa Ludwig vom Kontaktbüro "Wölfe in Sachsen" bestätigte, dass die Raubtiere mit Militärgelände gut zurechtkommen. "Wölfe fühlen sich auf Truppenübungsplätzen wohl, weil es dort aufgrund der Absperrung außer den militärischen Aktivitäten keine anderen Störungen gibt", sagte die Expertin. Spaziergänger, Radfahrer oder Pilzsucher seien für Wildtiere dagegen viel stressiger. Ilka Reinhardt, die Leiterin der Studie vom Lupus Institut, bezeichnete gelegentliche Schießübungen auf militärischen Anlagen als "gut berechenbare Störung" für die Tiere.

"Die kennen die Schießzeiten"

Da sich aus den gleichen Gründen auch die Beutetiere des Wolfes auf Militärgebiet wohlfühlen, sei zugleich das Nahrungsangebot für die Raubtiere größer, erklärte Ludwig. Wölfe registrierten genau, wo Jagden stattfinden und merkten sich das.

Reinhardt zufolge sind die Tiere auch in der Lage, Vorbereitungen auf Schießübungen mitzubekommen und rechtzeitig in Deckung zu gehen. Auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz in Sachsen witzelt man inzwischen schon: Die Wölfe würden die Schießzeiten besser kennen als mancher Soldat, sagte einst ein früherer Kommandeur.

Sendung: Antenne Brandenburg, 19.02.2019, 16.30 Uhr

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 4.

    Ähm, es ist ja nur ein Symbolbild, so viel ist mir auch klar, aber ist das abgebildete Tier nicht eher ein Goldschakal? Fellfarbe und Ohren lassen das zumindest vermuten. Diese Tiere werden häufig mit Wölfen verwechselt, wobei 'häufig' bezogen auf ihre geringen Zahlen hierzulande nur im Verhältnis zu verstehen ist. Aus Südosteuropa, woher so ein Goldschakal wohl gekommen sein könnte, ist ja auch schon mancher Wolf bis zu uns gewandert. Interessant finde ich auch, dass diese Tiere stammesgeschichtlich älter sind als der Wolf. Ist ja auch egal, welche Art es nun ist, sind beide faszinerend.

    Truppenübungsplätze sind in der Tat eine ungewollte Sonderform von Reservaten. Der Dokumentarfilmer Andreas Kieling hat doch auch mal in seiner Reihe "das grüne Band Deutschlands" (o.ä.) unter anderem auf die Vielzahl von unterschiedlichen Tieren, die sich an einem solchen Ort zurückziehen können, hingewiesen.

  2. 3.

    In der Regel wird auf Truppenübungsplätzen der Bundeswehr nicht scharf geschossen! Dort wird nur mit Übungsmunition geübt, umgangsprachlich Platzpatronen. Mit scharfer Munition wird nur auf baulich getrennten und abgesperrten Schießbahnen geschossen. Wölfe sind auf Truppenübungsplätzen deshalb keiner Gefahr ausgesetzt.

  3. 1.

    Was lernen wir daraus?
    Umweltschutz ist nichts für Säugetiere, diese sind aber lernfähig. Sie verstehen die Sprache der Gewalt. Es ist Teil ihres Lebens. Sie schützen sich. Der Mensch macht alles verkehrt die guten als auch die bösen und die dazwischen erst recht.
    Im übrigen gilt das auch für Lurche und Blindsowieso.
    Der Mensch hat ja auch gelernt das Stahlrösser durchaus stärker sind.
    Die Sau als auch der Wolf müssen das in der Nähe des Menschen des öfteren erfahren.

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