Unfall mit Radfahrer und Reisebus, bei dem Radfahrer am Bein verletzt wurde (Bild: imago/Selchow)
Bild: imago stock&people

Citizen-Science-Projekt an der TU - App soll Gefahrensituationen für Berliner Radler erfassen

Fast jeder Berliner Radfahrer erlebt gefährliche Situationen, die in keiner Statistik auftauchen. Eine App der TU Berlin will nun sichtbar machen, wo es in Berlin besonders häufig brenzlig wird für Radfahrer. Mitmachen kann jeder.

Knappe Überholmanöver von Fahrzeugen in unzureichendem Abstand, plötzlich abbiegende Autos, vor denen man bremsen muss - solche Situationen hat wohl jeder Berliner Radfahrer schonmal erlebt. Von Verkehrsstatistiken werden aber nur Unfälle erfasst. Forscher der Technischen Universität Berlin wollen das ändern - und haben deshalb die "SimRa"-App entwickelt, mit der solche Beinahe-Unfälle statistisch ausgewertet werden können.

Seit August letzten Jahres tüfteln sie an der App, unter Federführung des Informatikers David Bermbach. "Wir wollen eine möglichst umfassende Übersicht über Orte in der Stadt bekommen, an denen es Gefahrenhäufungen gibt", sagt der Juniorprofessor.

Testversion schon am Start

Die neu entwickelte App kann erkennen, wann Radfahrer zum Beispiel stark bremsen, beschleunigen oder plötzlich ausweichen müssen. Die Forscher nutzen unter anderem Sensoren und die GPS-Technik in den Handys. Derzeit läuft eine Test-Version, die von etwa 20 Radfahrern genutzt wird. "Voraussichtlich in vier Wochen startet unsere App dann offiziell", sagt Bermbach. Er hofft, dass möglichst viele Berliner mitmachen und ihre Daten hochladen. Dies sei anonym möglich. "Der Zeitaufwand für die Nutzung liegt bei etwa zwei Minuten pro Fahrt", so Dermbach.

"Simra" wird als so genanntes Citizen-Science-Projekt von der Technischen Universität Berlin für drei Jahre gefördert. Diese Projekte unterstützen die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern mit Bürgern. Wer mitmachen möchte, kann sich in einen E-Mail-Verteiler aufnehmen lassen und wird über den aktuellen Stand informiert [tu-berlin.de].

ADFC: Radverkehr nimmt Jahr für Jahr zu

Laut Allgemeinem Deutschen Fahrradclub (ADFC) nimmt der Radverkehr in Berlin jedes Jahr weiter zu. "Auch in diesem Winter fahren viel mehr Menschen mit dem Fahrrad als noch im vergangenen Winter", berichtet Sprecher Nikolas Linck. Die elektronischen Fahrradzählstellen hätten im Januar 2019 etwa 900.000 Radfahrer erfasst, rund 100.000 Radler mehr als noch im Vorjahres-Monat.

Innerhalb des S-Bahnrings werden laut Linck mittlerweile mehr Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt (18 Prozent) als mit dem Auto (17 Prozent).

Jahr für Jahr verunglücken und sterben allerdings auch Radfahrer im Straßenverkehr: Die Zahl der Unfälle von Radfahrern bewegte sich im vergangenen Jahren jeweils um die 5.000. 2018 kamen elf Radfahrer ums Leben, 2017 waren es neun.

Senat will Verkehrssicherheit für Radler erhöhen

Für den rot-rot-grünen Berliner Senat ist es ein wichtiges Anliegen, die Verkehrssicherheit von Radfahrern erhöhen. Am sichtbarsten sind bislang die rot und grün markierten Radwege, die an manchen Straßen bereits im Stadtbild auftauchen - mancherorts auch mit Pollern, damit sie nicht zugeparkt werden können.

An fünf Straßenkreuzungen will Berlin zudem einen Grünpfeil an Ampeln testen, der nur für Radfahrer gilt. Die Verkehrszeichen sollen im ersten Quartal dieses Jahres angebracht werden, möglichst im Februar, teilte die Senatsverwaltung für Verkehr mit.

Von Mai bis Juli sollen an den Kreuzungen Erhebungen zum Verkehrsaufkommen gemacht werden, die dann mit älteren Daten verglichen werden sollen.

Sendung: Inforadio, 17.02.2019, 13 Uhr

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21 Kommentare

  1. 21.

    Es wird immer Regelbrecher (auf allen Seiten)im Straßenverkehr geben! Der andauernde Hass ist zwar nachvollziehbar, aber sollte trotzdem dem Kerninhalt dieses Beitrages nicht überschatten. Es geht um mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Auch Fahrradfahrer haben ein Recht, sicher an Ziel ankommen zu dürfen!

  2. 19.

    Kann ich gut nachvollziehen!! Mir gehen rücksichtslose Fahrradfahrer auf dem Bürgersteig tierisch auf die Nerven!!! Z.B.Reichenberger Straße, wo 99% völlig selbstverständlich auf dem Bürgersteig fahren und das nicht defensiv....wenn ich morgens mit Hund aus dem Haus komme,muss ich erstmal vorsichtig schauen,damit wir keinen Rad behindern..und wenn sie an meinen angelehnten Hund vorbeirasen und dieser sie aus Schreck anbellt,beschweren die sich noch lauthals!!Bitte,wenn schon Bürgersteig,dann DEFENSIV!!!

  3. 18.

    Ein Gegenbeispiel: Wenn Radfahrer auf dem Gehweg fahren, gibt es kein Verständnis. In der 30-Zone der Kita meines Kindes z.b., gibt es zwei Kindergärten und eine Grundschule. Eine kleine, enge, leicht kurvige Straße. Seit knapp 8 Jahren, seitdem mein 1. Kind in diese Kita kam, beobachte ich den Verkehr. Es sind maximal ein Drittel der Autofahrer, die unter 50 durch dieses Sträßchen düsen. Ich kann alle Radfahrer verstehen, die sich dort nicht auf die Straße trauen. Sie werden oft abgedrängt und in Gefahr gebracht. Initiativen seitens der Anwohner und der Kita, dass dort Bodenschwellen, Poller o.ä. installiert werden, wurden vom Senat abgelehnt. Auch in solchen Gebieten müßte dringend etwas zum Schutz der Fußgänger und Radfahrer getan werden. Kita-Eltern, die aufs Rasen angesprochen wurden, tun das übrigens ab. Da gab es schon mehrfach "Aktionstage". Fast alle nehmen ihr Fehlverhalten und die Gefahr, die von ihnen ausgeht, nicht wahr. Wird aber ein Radfahrer auf dem Gehweg gesichtet, ist das Geschrei groß ;-) Deswegen werde ich nicht müde für mehr Selbstkritik und Toleranz zu plädieren.

  4. 17.

    @Tabea L.: Mir fällt gerade auf, dass ich Autofahrer gern Empathie dafür bekommen würde, dass ich in Situationen, in die ich durch für mich unberechenbares und in meinen Augen höchst selbstgefährdendes Verhalten meist männlicher Radfahrer gerate. Der „Gipfel“ war das austestende, kalkulierte Erzwingen einer Vollbremsung durch einen querenden erwachsenen männlichen Radfahrer, der dann unerkannt und rechtlich nicht verfolgbar verschwand. Es ist nicht so, dass solches täglich passierte, aber ich muss immer mit solch „individuellem Regel-brechen “ rechnen - das bedeutet Stress! Soweit zu „die armen Radfahrer“.

  5. 16.

    Das ist ja richtig, ich ärgere und erschrecke mich auch über solche Aktionen von Radfahrern. Genauso wie über Rot zu fahren, ohne Licht, rücksichtslos auf Gehwegen zu rasen uvm. Ich versuche einfach nur beide Seiten zu sehen. Im Gegenzug gibt es zuhauf Radfahrer, die sich an die Regeln halten, von Autofahrern aber bedrängt, genötigt und in Gefahr gebracht werden. Ich plädiere einfach für mehr Verständnis, Rücksichtnahme und Toleranz auf allen Seiten. Dieses selbstgerechte Rumgehacke aufeinander ist kontraproduktiv und gefährlich. Jedes Verkehrsopfer ist eines zuviel.

  6. 15.

    Liebe Redaktion: Ihr habt ADAC und ADFC etwas durcheinander gebracht.

  7. 14.

    "Für den rot-rot-grünen Berliner Senat ist es ein wichtiges Anliegen, die Verkehrssicherheit von Radfahrern erhöhen." Selten so gelacht, hust, keuch, röchel! In Kreuzberg ist nur FLICKWERK sichtbar. Wer die Drecksluft überlebt, die nachweislich seit der Einführung der Luftreinhalterichtlinie zu giftig ist, wird zusammen mit den Bussen durch den Dauerstau von Autos z.B. in der Oranien- und Adalbertstraße behindert. Es gibt in ganz Kreuzberg einzig den Moritzplatz als kleine immer noch gefährliche Insel aus der "Radfahrhölle" von der Oranienstraße im Westen mit den total kaputten Radwegen kommend zurück in die Parkplatz"straße" östlich vom Moritzplatz zur absoluten Parkverbots"straße" östlich vom Oranienplatz, wo das Parkverbot auch in der 2. und nicht vorhandenen 3. Spur offenbar keinen Autoparker interessiert, weiter in die breite Wienerstraße wo der Radweg unnötig direkt an der Bushaltestelle auf dem "Geh"weg vorbeigeführt wird, um dann sofort wieder in parkenden Autos zu enden ....

  8. 13.

    @ Tabea L. Ich vermute, dass Sie die geschilderte Situation noch nicht verstanden hatten. Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin und werde von einem Radfahrer ohne Not rechts überholt, OBWOHL dort fast kein Platz ist, so dass ich mich wundere und fürchte, dass er sich stark gefährdet - dann ist das ähnlich der Schilderung von Eve. Was wollen Sie machen, wenn Leute sich hastig noch gegen alle Vorsicht mit Karacho durchdrängeln? Ich kann mich mit meinem Auto schließlich nicht in Luft auflösen.

  9. 12.

    Werden Manöver, die Radfahrer auf dem Bürgesteig machen, auch berücksichtigt? Ich komme mir an einigen Stellen als Fußgänger wie eine Slalomstange vor....

  10. 11.

    Die armen Radfahrer...wie traurig empathielos Ihre Aussage. Tun Ihnen verunfallte Radfahrer nie leid, oder nur nicht, wenn sie, Ihrer Meinung nach, "selbst schuld" sind? Wie sieht es bei Fußgängern aus? Solch ein selbstgerechtes Verhalten macht mir Angst. Wir Autofahrer machen auch ständig Fahrfehler. Sind dabei aber ziemlich sicher, im Gegenteil zu Radlern und Fußgängern. Jede Maßnahme, die Unfälle verhütet oder Aufschluß über darüber gibt, ist willkommen. Daumen hoch!

  11. 10.

    Ich stimme Ihnen komplett zu. Teilweise ist der Hass gegen Radfahrer, der hier zu diesem Thema immer wieder zu lesen ist, unerträglich. Kein Wunder dass so viel passiert, Hass macht blind, sicherlich dann auch im Strassenverkehr Radfahrern gegenüber. Niemand behauptet, dass Radler alles richtig machen, ich selbst ärgere mich oft genug. Aber was hier z.t. geäußert wird, ist ignorant und respektlos und entschärft sicherlich nicht die Verkehrsproblematiken. Das geht nur mit Toleranz und Rücksichtnahme von allen Seiten.

  12. 9.

    Ich möchte mal allen einen Artikel ans Herz legen. Hinter jeder Zahl ein Mensch

    "Immer wieder machen tödliche Radunfälle Schlagzeilen. Im Verborgenen bleiben dagegen die Schicksale der vielen Menschen, die ihr Leben lang unter den Folgen eines Unfalls zu leiden haben."

    https://radzeit.de/hinter-jeder-zahl-ein-mensch/

    In der gleichen Radzeit: Platz da?! Die „Radmesser“-Erfinder im Interview

    "1,50 Meter Abstand müssen Autofahrer beim Überholen von Radfahrern halten. Die Realität fühlt sich oft anders an, wenn wir auf dem Sattel sitzen. Eine Gruppe junger Journalisten und Wissenschaftler will es genau wissen."

    https://radzeit.de/platz-da-die-radmesser-erfinder-im-interview/

  13. 8.

    Hätten Sie alles gelesen und Verstanden, dann hätten Sie erkannt das es darum geht das ich per App nichts bestimmen kann wo Gefahren lauern. Ich kann ganz schnell mithelfen, das z.B. der Große Tiergarten der Unfallschwerpunkt Nummer 1 wird.
    Wirklich helfen Unfallschwerpunkt zu erkennen wird nur der Mensch, also hier die Polizei, die das ganze Geschehen sieht, da wir aber davon zu wenig haben, kommen wir erstmal nur mit gegenseitiger Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer (auch der Radfahrer) aus.

  14. 7.

    @ Deutsche Gasfußgesellschaft - Die größten Kritiker der Elche sind öfter selber welche! - Sie schrieben "... Leider sieht man hier, dass der Hass mancher Leute auf das Fahrrad so pathologisch ist, dass sie ... " - Ihr Anfang war noch sachlich - und das brächte einen Meinungsaustausch voran. Sie können nicht wissen, ob Hass das Motiv war. Sie können nicht wissen, ob es pathologischer Hass war. So werden Sie wohl NICHT gehört werden!

  15. 6.

    Würde gerne dran teilnehmen!
    Gerne auch inklusive "eigene Fahrfehler", warum auch nicht?
    Frau ist doch lernfähig.
    Auch eine sicherheitstechnische Beratung ist willkommen.
    Gutes Projekt.

  16. 5.

    @Initiatoren der App: Erfasst die App eher „Zügigkeit“ des Vorankommens/plötzliche Stockungen oder auch, ob und wo Radfahrer auf Gehwegen unterwegs sind (und nicht selten Fußgänger - milde ausgedrückt - verunsichern und „beeinträchtigen“). Das müsste spätestens für die nach Projektanschluss vermutlich beanspruchte Objektivität der Untersuchung berücksichtigt werden.

  17. 4.

    Die meisten tödlichen Unfälle von Radfahrern entstehen NICHT durch Fehler der Radfahrer! Solche Fake-News und Falschaussagen darf man nicht unwidersprochen lassen. Leider sieht man hier, dass der Hass mancher Leute auf das Fahrrad so pathologisch ist, dass sie sofort gegen jede Massnahme querulieren, die die Situation von Radfahrern verbessern soll - selbst gegen die Verkehrsunfallforschung!

  18. 3.

    Erkennt die App auch die Fehler der Radfahrer, weshalb die meisten Unfälle passieren.
    Was ist ist Fussgänger die von Radfahrern in Gefahr gebracht werden.
    Also besser nicht die App einführen, sondern endlich Kontrollen durch Polizisten die das richtig einschätzen können.

  19. 2.

    Dass fast jeder Berliner Radfahrer gefährliche Situationen erlebt, habe ich neulich erst wieder festgestellt. Da will mich ein Radfahrer in der 30-Zone überholen, weil ihm ich mit 30 (an einem Kindergarten) offenbar zu langsam war. Hat wegen Gegenverkehr nicht geklappt, also hat er mich rechts(!) überholt, wo etwa 50cm Platz waren. Ja, die armen Radfahrer.

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