Symbolbild: Zwei Personen telefonieren (Quelle: dpa/Ulrich Baumgarten)
Audio: Kulturradio | 15.02.2019 | Claudia Baradoy | Bild: Ulrich Baumgarten

Projekt in Potsdam - Schnelle Übersetzungshilfe für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer

Wenn Formulare oder ein Mietvertrag für Geflüchtete übersetzt werden müssen, kommen ehrenamtliche Helfer oft an ihre Grenzen. Hier bietet das Potsdamer Projekt "Telefonjoker" Unterstützung. Alle Anfragen werden jedoch nicht beantwortet. Von Claudia Baradoy 

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 186.000 Asylanträge gestellt. Bei den ersten Schritten in der neuen Heimat unterstützen viele ehrenamtliche Helfer die Flüchtlinge. Doch wenn es um spezielle Sprachprobleme geht, brauchen die Helfer oft selbst Unterstützung. Diese bietet seit einem Jahr ein Hilfsprojekt in Potsdam: eine Telefonhotline, die beim Übersetzen hilft. Täglich zwei bis drei Anrufe gehen hier ein – aus dem gesamten Bundesgebiet. Übersetzt wird in die Sprachen, welche die meisten Flüchtlinge sprechen: Arabisch und Persisch.

Ins Leben gerufen hat das Projekt die Gesellschaft für Inklusion und Soziale Arbeit für die vielen ehrenamtlichen Flüchtlings-Initiativen im Land. Denn da ergäben sich oft sehr spontan Situationen, in denen ein Übersetzer gebraucht werde, erklärt Projektleiterin Mai Micklisch. Bezahlen könnten die Ehrenamtlichen, die ja selbst auch unentgeltlich arbeiteten, einen solchen Übersetzer aber nicht. 

"Wir sind der Joker"

Hier setzt die Telefonhotline an. Mai Micklisch hat ihrem Projekt den Namen "Telefonjoker" verpasst. Der Name ist nicht zufällig der berühmten Ratesendung von Günther Jauch entlehnt, erklärt sie: "Es ist tatsächlich so! Wir sind der Joker, wenn man sich sprachlich nicht mehr zu helfen weiß."

Täglich von 14 bis 17 Uhr sind zwei Kollegen in dem kleinen Büro in Büro in Potsdam-Drewitz der "Joker" und helfen, wenn Formulare vom Jugendamt oder anderen Behörden übersetzt werden müssen. Zum Beispiel bräuchten Geflüchtete oft ein Schreiben vom Jobcenter, wie groß die Wohnung sein darf oder wie viel sie kosten darf, so Micklisch. Auch wenn bereits eine Wohnung gefunden sei, gebe es Bedarf: "Dass man den Mietvertrag gemeinsam durchgeht und da nochmal die wichtigen Punkte erklärt - auch die Hausordnung. Das ist immer ganz wichtig." Manchmal sind die Übersetzer per Telefon auch ins Arztzimmer zugeschaltet und helfen beim Gespräch zwischen Doktor und Patient. 

"Telefonjoker" nicht für alle Anliegen

Im Team arbeiten zwei festangestellte Mitarbeiter und mehrere ehrenamtliche Helfer - darunter auch Menschen, die vor Jahren selbst als Flüchtlinge nach Potsdam kamen. Die Übersetzung läuft anonym - erfasst wird lediglich die Postleitzahl, wo der Anrufer lebt.

Alle Anfragen nimmt der "Telefonjoker" aber nicht an: "Wir machen keine Beratung", sagt Mai Micklisch. Es kämen Anrufe, wo gefragt wird: "'Können Sie mir da weiterhelfen? Ich brauche diesen und jenen Schein'", erzählt Micklisch. Und fügt hinzu: "Da sagen wir: Nein, das können wir nicht." Denn die Übersetzer wüssten ja nicht, in welchem Kontext die Menschen leben. "Was wir machen, ist die reine Übersetzung", betont Micklisch.

Finanziert wird das Projekt vom Bundesinnenministerium und dem Brandenburger Sozialministerium. Es läuft noch bis Mitte 2020.

Sendung: Kulturradio, 15.02.2019, 19:04 Uhr

Beitrag von Claudia Baradoy

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1 Kommentar

  1. 1.

    Das Bundesinnenministerium und das Brandenburger Sozialministerium besitzen sympathische Züge.

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