Ein Polizeiauto und ein privater PKW nach einem Zusammenstoß auf der Grunerstraße in Berlin-Mitte (Quelle: rbb/David Donschen)
Video: rbb|24 | 06.02.2019 | | Bild: rbb/David Donschen

Tödlicher Unfall mit Streifenwagen im Januar 2018 - Polizist am Steuer soll betrunken gewesen sein

Vor einem Jahr stößt in der Berliner Grunerstraße ein Streifenwagen mit einem Auto zusammen. Die 21-jährige Fahrerin stirbt. Gegen den Polizisten am Steuer ermittelt die Staatsanwaltschaft. Nun hat sie Hinweise bekommen, dass der Mann betrunken gewesen ist.

Dieser Beitrag wird nicht mehr aktualisiert. Die neuen Entwicklungen können Sie hier nachlesen.

Nach einem tödlichen Verkehrsunfall am Alexanderplatz im Januar 2018 mit einem Polizeiauto gibt es neue Erkenntnisse. Bei dem Unfall kam eine 21-jährige Frau ums Leben, die beiden Polizisten wurden schwer verletzt. Der Polizist am Steuer soll betrunken gewesen sein. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Berlin, Silke Becker, bestätigte den Verdacht am Mittwoch  rbb|24. Zuerst hatte die Berliner Morgenpost [externer Link] berichtet. 

Eigentlich standen die Ermittlungen bereits im vergangenen Herbst vor dem Abschluss. Dann aber habe die Nebenklagevertretung anonyme Hinweise bekommen, die an die Ermittlungsbehörde weitergegeben wurden, sagte Becker. Daraufhin beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft Patientenakten, aus denen hervorgehe, dass der Fahrer zum Zeitpunkt der Blutentnahme im Krankenhaus alkoholisiert war, bestätigte Becker. Sein Alkoholwert soll bei etwa 1 Promille gelegen haben.

Es ist noch nicht klar ob und wenn ja wieviel Alkohol der Fahrer zum Unfallzeitpunkt im Blut hatte. Am Unfallort selbst war keine Atemalkoholkontrolle durchgeführt worden. Das ist auch nicht vorgeschrieben, sondern passiert nur dann, wenn es aus Sicht der Beamten am Unfallort Verdachtsmomente für so einen Test gibt. Fahrer und Beifahrer des Polizeiwagens waren schwer verletzt ins Krankenhaus gekommen und operiert worden.  Ab 1,1 Promille ist die sogenannte "absolute Fahruntüchtigkeit" erreicht. Die Wahrscheinlichkeit, einen Unfall zu verursachen, ist zehnmal höher als unter nüchternen Bedingungen.

Anwalt der Nebenkläger möchte sich nicht äußern

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun neben fahrlässiger Tötung auch wegen Straßenverkehrsgefährdung durch Trunkenheit gegen den Polizisten. Der Anwalt der Nebenkläger, den Eltern der jungen Frau, wollte sich am Mittwoch auf Nachfrage von rbb|24 nicht zu den anonymen Hinweisen äußern.

Er wollte auch keine Einschätzung abgeben, wieso es so lang gedauert habe, bis der Verdacht bekannt geworden war. Der Anwalt begründete dies mit dem laufenden Verfahren. Bevor er Angaben machen könne, müsse zunächst Anklage erhoben werden. Dies sei aber auch mehr als ein Jahr nach dem Tod der Frau nicht absehbar.

Polizeipräsidentin: "Verdacht erschüttert"

Das Polizeiauto war am frühen Nachmittag des 29. Januar auf der Grunerstraße in Berlin-Mitte mit dem Kleinwagen der 21-jährigen Reinickendorferin zusammengestoßen. Der Einsatzwagen war zu diesem Zeitpunkt laut der Staatsanwaltschaft mit mehr als 90 Kilometern pro Stunde unterwegs. Zuvor sollen die Polizisten sogar mit Tempo 134 durch die Stadt gerast sein. Die Fahrerin des Renault Clio war noch am Unfallort gestorben. 

Die Polizei schrieb am Mittwochmorgen auf Twitter, dass neue Erkenntnisse zu dem Unfall vorlägen. "Der Unfall war entsetzlich, an Schwere kaum zu übertreffen." Auch wenn Fragen nach Schuld und Verantwortung grundsätzlich erst nach Ende der Ermittlungen mit dem Urteil des Gerichts geklärt werden könnten, erschüttere bloß der Verdacht, so die Polizeipräsidentin Barbara Slowik in dem Tweet. "Ich sichere der Familie zu, dass ich mit vollem Nachdruck und rückhaltlos alles zur Aufklärung Erforderliche beitragen werde", versprach Slowik. Darüberhinaus aber gibt es von Seiten der Polizei keinerlei Auskünfte.

Frau wollte einparken

Die Ermittler konnten Datenspeicher in beiden Fahrzeugen auswerten, dadurch erhielten sie genaue Hinweise zum Hergang des Unfalls. Demnach wollte die 21-Jährige gerade auf dem Mittelstreifen einparken, als der Polizeiwagen in die Fahrerseite ihres Autos krachte. 

Nach bisherigen Ermittlungen sei das Einsatzfahrzeug auf Höhe der Rathauspassagen "im rechten Winkel" auf den Renault geprallt. Das Polizeiauto sei "mit Sonder- und Wegerechten", also mit Blaulicht, auf der äußersten linken Spur der Grunerstraße unterwegs gewesen. Damit fuhr es direkt an den Parkhäfen entlang, die auf der Mitte der Grunerstraße angeordnet sind. Die Polizisten waren auf dem Weg zum Potsdamer Platz, von wo aus ein Raubüberfall gemeldet worden war - das stellte sich später als falscher Alarm heraus.

Bei einer Mahnwache Ende Januar am Unfallort, genau ein Jahr nach dem Todestag ihrer Tochter, kritisierten die Eltern, dass die Aufklärung des Falles nicht voranginge. "Es gibt keine Anklage, keinen Prozess. Es ist für uns ganz schlimm, dass unser Kind gestorben ist und einfach nichts passiert", sagte die Mutter dem rbb.

Sendung: rbb 88,8, 06.02.2019, 9 Uhr

Kommentar

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50 Kommentare

  1. 50.

    Zur Beobachtung... das würde einiges klären. Da ist jemand, der bei ca. 1 Promille wirr redet, vielleicht Gangunsicherheiten zeigt, seltsam reagiert. Das könnte ein Schock sein - aber auch Alkohol. Da beobachtet man als Doc gerne etwas genauer, nimmt Blut ab. Drogen, Alkohol - aber auch eben Infarkt, Schilddrüse, Hormone, Doping (Muckibude), alles mögliche.

    Und dann kommt man rasch auf Alkohol.

    Schon klar, dass bei mir im KH nie auf Alk geprüft wurde.

  2. 49.

    Zitat BP: Vor einer OP werden auch die Blutwerte gecheckt. Bei Ihnen nicht? Zitat Ende.
    Nein - bei mir nicht. Nicht auf Alk.
    Liegt es daran, dass ich "ein Määädchen bin"?
    Oder dass ich keine Fahne habe vor der OP?
    Vielleicht ist mein Beruf auch so piefig und erhaben über alle Zweifel, dass Alk ausgeschlossen wird?

    Vielleicht auch, weil es kein Unfall bei maßgeblicher Geschwindigkeitsübertretung war als Ursache für die OP?

  3. 48.

    Woher nehmen Sie nur diese Deutungshoheit. Sie tun so, als ob Sie alles durchblicken, unterstellen vieles und verurteilen dann... Sie tun mir Leid mit Ihrer Wut. Alles was Sie sagen ist falsch, aber ok, wenn Sie meinen... Aber lassen Sie bitte wenigstens die Beleidigungen und Verallegmeinerungen. Schönen Abend noch.

  4. 47.

    Diffamiert hat sich die Polizei selbst, sollte es so sein, dass ein besoffener Polizist eine junge Frau totgefahren hat und die Umstände ein Jahr lang von der Polizei vertuscht wurden. Auch in Zeiten des Personalmangels sollten diesen wichtigen Beruf nur die Vorbildlichsten und Besten ausüben. Betrunkene Raser, und nicht jeder der besoffen fährt ist ein „armer kranker Alki“, mancher ist einfach nur ein A........, sind es, die ihre hart arbeitenden, ehrlichen Kollegen in Verruf bringen und nicht ich, die dieses gravierende Fehlverhalten kritisiert. Mein Mitgefühl gilt einzig den Angehörigen!

  5. 46.

    PS: Da die Verteidigung jetzt argumentiert, der alkoholisierte Fahrer hätte sich erst im Rettungswagen auf 1 Promille alkoholisiert, kann eine schwere Verletzung bei ihm ausgeschlossen werden. Schwer Verletzte bringen das in Rettungswagen einfach NICHT. Wäre in der Form außerdem ähnlich zu Komatrinken.

    AB 0,8 PROMILLE: ... können uns kaum noch konzentrieren und es kommt zum Tunnelblick. ...verlängert sich unsere Reaktionszeit um etwa 30 bis 50 Prozent u...Gleichgewichtsstörungen zu kämpfen. Gleichzeitig werden viele euphorisch, enthemmt und überschätzen sich, eine gefährliche Kombination. Der Rausch ist für unser Umfeld kaum zu übersehen.

    1,0 BIS 2,0 PROMILLE: RAUSCHSTADIUM: ...kommt es zur weiteren Verschlechterung der Sehfähigkeit und vor allem des räumlichen Sehens. Wir sind verwirrt und haben deutliche Sprech-, Reaktions-, Gleichgewichts- und Orientierungsstörungen.

  6. 45.

    Stationäre Aufnahme ist ja nicht mit "schwerer Verletzung" gleichzusetzen, sondern kann auch der Beobachtung dienen.

  7. 44.

    Nicht bei euch, aber in Artikeln vom Tagesspiegel: https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/berlin-mitte-21-jaehrige-stirbt-nach-unfall-mit-polizeiauto/20903400.html ("Die beiden Beamten in der Streife sollen verletzt worden sein, laut Polizei allerdings nicht schwer. Sie sollen aber stark unter dem Eindruck des Geschehens stehen.") und https://www.tagesspiegel.de/berlin/unfall-in-berlin-mitte-toedlicher-crash-polizeiauto-fuhr-tempo-130/22917104.html "Die beiden Polizisten im Streifenwagen waren leicht verletzt worden. "

    Laut der alten Polizeimeldung wurde aber einer der beiden wohl tatsächlich stationär aufgenommen. https://www.berlin.de/polizei/polizeimeldungen/pressemitteilung.670829.php

  8. 43.

    In welchen Berichten wird von "leichten Verletzungen" gesprochen?
    In unserem Artikel von vor einem Jahr steht Folgendes:
    "Wie der stellvertretende Polizei-Sprecher Thomas Neuendorf rbb|24 sagte, starb die Fahrerin des Renault Clio noch am Unfallort...Die beiden Polizisten seien schwer verletzt und in ein Krankenhaus gebracht worden." (https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2018/01/berlin-mitte-ein-toter-nach-zusammenstoss-mit-polizeiauto.html)

    Freundliche Grüße aus der Redaktion!

  9. 42.

    Der Streifenwagen soll mit 134 km/h, somit viel zu schnell, unterwegs gewesen sein. Aufprall mit 90 bedeutet also, dass schon eine Bremsung stattgefunden haben muss.
    Wer die Straße kennt weiß, dass das ne recht langgezogene Linkskurve ist. Bei der Geschwindigkeit hatte die Frau weder eine Mitschuld noch irgend eine Chance. Mein herzliches Beileid an die Eltern.

  10. 41.

    Du hast nicht ganz unrecht, doch auch bei ABS werden Bremsspuren erzeugt, zwar unregelmäßiger, aber sie sind i.d.R. vorhanden (gennant "Regelflecken") - und bei einer Vollbremsung unbedingt.

  11. 40.

    Fakt ist, der EWA (Einsatzwagen) war auf der vorfahrtsberechtigten Straße, mit Sonder und Wegerechten unterwegs.

    Wenn bei einem VU ein Fahrzeug der Polizei beteiligt ist, wird dieser Unfall immer von Beamten einer anderen Dienststelle aufgenommen.
    Das wird so gemacht um den Vorwurf der Befangenheit vorzubeugen.

    Es ist sehr tragisch wenn ein junger Mensch bei einem Unfall ums Leben kommt.
    Aber auch den beiden verunfallten Polizisten wird es mit Sicherheit nicht gut gehen.

    Letztlich wird die Schuldfrage bei Gericht geklärt.

  12. 39.

    Die Feststellung von Atemalkohol und später Blutalkohol wäre hier Pflicht gewesen, da ein Mensch gestorben ist. Wie kann man sagen, dass dafür die Anhaltspunkte nicht gegeben wären? Ist das ein Witz? Und wie kommt man jetzt plötzlich darauf, dass die Polizisten schwer verletzt gewesen seien?

  13. 38.

    Plötzlich waren sie schwer verletzt. In Berichten von vor einem Jahr waren sie nur leicht verletzt. Für letzteres spricht auch die Beschädigung des FuStw.

  14. 37.

    Bericht des rbb lesen : "Fahrer und Beifahrer des Polizeiwagens waren schwer verletzt ins Krankenhaus gekommen und operiert worden." Vor einer OP werden auch die Blutwerte gecheckt. Bei Ihnen nicht?

  15. 36.

    Ich denke nicht, dass mit Sonderrechten das Recht gemeint ist, andere evtl. unter Alkoholeinfluss totzufahren. Weiter denke ich, dass Sie anders schreiben würden, wären Sie selbst betroffen.
    Hier scheint sich, am Tathergang und auch an manchen Komentaren, die schlechte Moral an der Polizeischule, über die in jüngster Zeit auch häufig berichtet wird, fortzusetzen. Recht und Gesetz gilt auch für die Polizei. Wer das in Frage stellt, hat am ehesten bei der Polizei nichts zu suchen.

  16. 34.

    Es ist einfach nur unverschämt, so einen extremen Einzelfall dazu zu benutzen, um unsere Polizei zu diffamieren. Vielleicht werden Sie selbst mal Opfer eines Überfalls, dann würde ich Sie gerne an ihre Worte erinnern. Meinen herzlichen Dank an alle Polizisten, die tagtäglich ihre Gesundheit riskieren, um uns zu schützen.

  17. 33.

    BP, warum wurde im Rahmen der Behandlung im KH der BA-Spiegel gemessen? Das hat bei mir noch nie jemand gemacht im KH, kann ich das reklamieren??

    Oder hatte der Fahrer ne Fahne?

    Woher kommt das interne Wissen überhaupt, was Sie hier preisgeben?

    Bei diesem Fall ist alles merkwürdig...

    Der Fahrer hat seltsamerweise auch nicht zugegeben, getrunken zu haben, gleich vor Ort. Alkoholiker geben das ja normalerweise nie zu.

  18. 32.

    Mal davon abgesehen, dass der Verweis auf Rambo in Bezug auf den entsprechenden (ersten) Film geradezu paradox ist, müssen u. a. Polizisten halt schnellstmöglich zu ihrem entsprechenden Einsatzort gelangen.
    Es könnte Gefahr im Verzug sein und/oder Straftäter könnten entkommen.
    Und ob es sich um falschen oder richtigen Alarm handelt, ist freilich kaum vorhersagbar.
    Alkoholkonsum ist keine Krankheit, Alkoholismus aber schon.
    Doch die Diskussion jetzt schon auf dieses Thema auszuweiten, erscheint mir verfrüht.
    Zunächst mal wäre zu erklären, OB der entsprechende Polizist betrunken war und falls ja: in welchem Maße, aus welchem Grund und welchen Einfluss dies auf das Geschehen hatte.
    Es ist leicht, den Stab über jemanden zu brechen.

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