Ein sonniger Wintertag an der Havel im Naturpark "Westhavelland" (Quelle: dpa/Pleul)
Bild: dpa/Partick Pleul

Bilanz für Berlin und Brandenburg - Winter kann Defizite nach Dürresommer nicht ausgleichen

Sonne satt, milde Temperaturen und kein Regen in Sicht – ist dieser Winter die Verlängerung des Dürresommers 2018? Experten sagen: Ein Dürrewinter war es bislang nicht, doch das Frühjahr sollte besser Regen bringen. Von Claudia Stern

Montag, 25. Februar 2019. Sonnenschein, kein Wölkchen am Himmel, 15 Grad in Potsdam. Normal wären für einen 25. Februar fünf Grad gewesen - ganze zehn Grad weniger. Dabei ist dieser Tag keineswegs ein Ausreißer: Seit dem 14. Februar wurden in der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes auf dem Potsdamer Telegraphenberg fast täglich Höchstwerte im zweistelligen Bereich gemessen. Ausnahmen lieferten lediglich der vergangene Freitag und Samstag mit Tageshöchstwerten um die fünf Grad. Die kälteste Nacht des Monats war die auf vergangenen Samstag mit minus 4,2 Grad, mäßigen Frost unter minus fünf Grad gab es nicht, die ersten acht Februartage und -nächte waren in Potsdam sogar komplett frostfrei.

Insgesamt ist der Februar 2019 in der Region damit im Durchschnitt ganze vier Grad zu warm: Das langjährige Mittel liegt bei 0,2 Grad, der tatsächliche Wert liegt bislang bei 4,2 Grad. Damit war es in Berlin-Brandenburg auch zwei Grad wärmer als im Bundesschnitt. "Wir hatten in diesem Februar bisher eine fast schon frühlingshafte Lage in der Region, auch wenn es nachts teils noch recht kalt war", sagt Meteorologe Heiko Wiese im Gespräch mit rbb|24. Spitzenwerte von 16 Grad wären auch für kühle Tage im Mai oder Juni nicht ungewöhnlich, so Wiese weiter.

Viel Sonne und kein Regen in Sicht

Hinzu kommen viel Sonne und deutlich zu wenig Niederschläge. Bis jetzt liegt der Februar mit 97 Sonnenstunden schon 30 Prozent über dem langjährigen Mittel. Die Niederschläge hingegen liegen mit 23,5 Litern pro Quadratmeter bei nur zwei Dritteln des Mittelwerts. Dabei wird es voraussichtlich bleiben: "Es wird in Sachen Niederschlag nichts Nenneswertes mehr dazukommen", sagt Wiese.

Vielmehr wird der Februar dem Meteorologen zufolge mild zu Ende gehen – mit viel Sonne und zweistelligen Temperaturen bis zur Wochenmitte, dann wird das Wetter "ein bisschen kippen", eine westliche Strömung bringt Wolken und Tiefdruckeinfluss, wahrscheinlich aber ohne Regen bei Tageshöchstwerten zwischen zehn und zwölf Grad.

Januar war ein Schritt in die richtige Richtung

Doch was sagt uns diese vorläufige Februar-Bilanz? Erleben wir nach dem heißen Dürresommer 2018 gerade einen zu milden und zu trockenen Winter, der weit hinter den Erwartungen von Mensch und Natur zurückbleibt? Jein, sagen die Experten.

Zu warm waren in der Region tatsächlich auch die übrigen Wintermonate Dezember und Januar. In Sachen Niederschlägen fällt die Bilanz aber immerhin durchwachsen aus. Auf einen relativ trockenen Dezember mit Niederschlagsmengen, die bei zwei Dritteln des Normalwerts lagen, folgte ein immerhin "leicht überdurchschnittlich nasser Januar", sagt Wiese. 50 Liter Regen pro Quadratmeter fielen in Potsdam, das sind 15 Prozent mehr als das langjährige Mittel.

Vor dem Hintergrund des Dürresommers 2018 sei die Niederschlagsbilanz des Winters eher schlecht. Aber "der Januar war ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Wiese. Die Hoffnung liegt jetzt also auf dem Frühjahr.

Berlin hofft auf weitere Niederschläge

Das bestätigt auch Derk Ehlert von der Berliner Umweltverwaltung. Die hydrologische Lage in Berlin habe sich "auf niedrigem Niveau stabilisiert", sagte er rbb|24 auf Anfrage. Die Pegelstände der Spree seien derzeit normal, der Zufluss nach Berlin sei stabil und auch die Sulfatwerte lägen im mittleren Bereich. Allerdings sei man durch den heißen und trockenen Sommer 2018 mit einem "großen Defizit in den Winter gegangen", so Ehlert.

Vor allem im Schichten- und Grundwasser sei der Bedarf an Niederschlag groß gewesen. Auch die Reserven in den Talsperren in Südbrandenburg und Sachsen, aus denen die Spree gespeist wird, waren im Verlauf des vergangenen Jahres zurückgegangen. Um das auszugleichen, seien die Niederschläge in den Wintermonaten zu gering gewesen, so Ehlert.

Pegelstände in Brandenburg stabil

Die Situation kurz vor Frühlingsbeginn ist also keineswegs luxuriös – in Berlin ebenso wenig wie in Brandenburg. Auch dort sind die Grundwasserspiegel nach dem Dürresommer und einem mäßigen Winter niedrig und dürsten nach einem "kontinuierlichen, schönen englischen Winterregen", sagte Sebastian Dosch vom Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde rbb|24. Die Pegelstände der Oder hingen allerdings weniger von den Niederschlägen in Brandenburg als von denen in Polen und Tschechien ab, wo die Oder in erster Linie gespeist werde.

Aktuell sei man mit den Pegelständen und der Abflussmenge der Oder "relativ zufrieden", sagt Dosch. "Wir sind im sogenannten Mittelwasserbereich." Das bedeute, dass Güterschiffe bei einer Fahrrinnentiefe von anderthalb bis gut zwei Meter die Oder "ganz ordentlich" entlangfahren können. Zwar sei man an der Oder derzeit weit entfernt von Hochwasser, sodass auch die Schneeschmelze in Polen und Tschechien voraussichtlich kein großes Problem werden dürfte. Trotzdem erwartet Dosch 2019 nicht unbedingt ein besseres Schifffahrtsjahr an der Oder. Man sei schlichtweg abhängig von regelmäßigen Niederschlägen.

An der Elbe herrschen derzeit "ausgezeichnete Verhältnisse für die Schifffahrt", sagte Tjark Hildebrandt, Leiter des zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Magdeburg, rbb|24. Nachdem die Elbe im vergangenen Jahr wegen der Trockenheit monatelang mit Niedrigwasser zu kämpfen hatte, habe sich die Situation seit Anfang des Jahres normalisiert. Da man im Frühjahr noch von der Schneeschmelze im Riesengebirge profitieren werde, hätte der relativ niederschlagsarme Februar keine Auswirkungen auf die Pegelstände der Elbe. Wichtig sei, dass es im Frühjahr und Sommer keine ähnlich anhaltende Trockenheit gebe, wie im vergangenen Jahr.

Brandenburgs Wälder weiter zu trocken

Deutlich zu trocken und zu mild war der Winter 2018/19 hingegen für Brandenburgs Wälder. Der Waldbrandschutzbeauftragte des Landes, Raimund Engel, sagte rbb|24, die Niederschläge seien ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen und "der heiße Stein ist noch aus dem letzten Jahr vorhanden". Das heißt im Klartext: Der erhoffte niederschlagsreiche Winter ist ausgeblieben und somit konnten die Defizite aus dem vergangenen Sommer bei Weitem nicht ausgeglichen werden.

Die Waldböden sind laut Engel nur bis zu etwa einem halben Meter Tiefe durchfeuchtet. Darunter befinde sich die trockene Erde aus dem vergangenen Jahr. Die Decke aus Laub und Nadeln sei zudem durch den Wind, die Wärme und die niedrige Luftfeuchtigkeit der vergangenen Tage und Wochen bereits wieder ausgetrocknet. Die Konsequenz: Noch bevor die Waldbrandsaison am 1. März offiziell beginnt, sind die ersten beiden Waldbände des Jahres auch schon wieder Geschichte. Am Sonntagabend wurden die Einsatzkräfte zu einem Feuer im Calauer Ortsteil Werchow (Oberspreewald-Lausitz) gerufen, bereits am 19. Februar brannte in Groß Leine in der Märkischen Heide (Dahme-Spreewald) der Waldboden auf einer Fläche von 300 Quadratmetern. Helfen könnte nun nur noch ein "sehr, sehr nasses Frühjahr", so Engel. Doch das wolle er auch niemandem wünschen.

Natur kurz vor der Explosion

Noch einen Effekt hat der milde und sonnige Februar: Die Natur ist der Zeit weit voraus. "Wenn es so weitergeht, dann wird sie im März regelrecht explodieren", sagt Meteorologe Heiko Wiese. Das ist zum einen problematisch für Allergiker. So wurde an der Messstelle der Freien Universität in Berlin-Dahlem bereits am 20. Februar eine sehr starke Belastung durch Erlenpollen gemessen (2.000 Erlenpollen und 200 Haselpollen pro Kubikmeter Luft).

Auch für die Obstbauern in der Region ist der Mix aus viel Sonne, milden Temperaturen und ein bisschen Regen in den vergangenen Wochen kritisch. Denn wenn die Bäume zu früh zu stark austreiben, steigt die Gefahr von Frostschäden. Das aktuell frühlingshaft milde Wetter ist dem Meteorologen zufolge nämlich trügerisch. Auch wenn ein Kälteeinbruch derzeit nicht in Sicht sei: "Ich würde den Winter auch noch nicht abschreiben."

Beitrag von Claudia Stern

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 13.

    G.M. Genau. Sie haben völlig recht. Nichts tun, sich über den gefundenen Wunderdoktor freuen, der das eigene Nichtstun beglaubigt und sich gut fühlen, echte Selbstzufriedenheit. Sollen die anderen aufgeregt sein - da sind Sie tolerant. Das ist wirkliche die günstigste Kombination aus Kompetenz und Gelassenheit. Bravo!

  2. 12.

    Dt. könnte seinen gesamten CO2-Ausstoß im Land auf null bringen und hätte keinen Einfluss darauf, wie der ganze CO2-Ausstoß außerhalb der Landesgrenzen weitergeht und das Klima beeinflusst.
    Dt. hat schon stark heruntergefahren, aber es ist "in", eine Massenhysterie trotz der im internationalen Vergleich guten Position zu pflegen und möglichst die hiesige Wirtschaft ruinieren zu wollen. Der CO2-Ausstoß weltweit muss konsequent ignoriert werden, um überhaupt so ggü. der eigenen Wirtschaft herumtönen zu können. Ich kann hier gar nicht hinschreiben, wie "schlau" sowas ist. Verschrottung moderner Dieselautos ist natürlich auch ökologischer Quark, da die Produktion am meisten Belastung erzeugt, aber über was freut man sich nicht alles (Sozialneid spielt auch gern mit).

  3. 11.

    Youtube-Videos sind mir keine seriöse Quelle, da kann sich auch jemand mit dem "Wachturm" in eine Fußgängerzone stellen. Ebenso ein oberflächlicher Blick auf seine Internetseite - gellend, schrill, nach meinem Eindruck höchst unseriös. Wenn Sie das glauben wollen und sind zufriedenstellt, meinetwegen.

  4. 10.

    Vermutlich sind hier direkte Links zu YouTube-Inhalten nicht so gern gesehen.
    Daher empfehle ich einfach mal ein kurzes Nachschlagen betreffs eines Videos mit dem Titel "Prof. Dr. Lüdecke (EIKE) zerlegt CO2-Klimahysterie im Bundestag".
    Ich bin zugegebenermaßen selbst kein Experte, halte seine Erläuterungen und Schlussfolgerungen aber für plausibel.
    Sollte sich Deutschland wirtschaftlich wirklich schwer schädigen, um NICHTS zu errreichen?

  5. 9.

    Der „menschengemachte“ Anteil scheint zu überwiegen:“Der IPCC schreibt in seinem 2013 erschienenen fünften Sachstandsbericht, dass es extrem wahrscheinlich ist, dass die Menschen mehr als 50 % der 1951–2010 beobachteten Erwärmung verursacht haben. Nach der besten Schätzung stimmt der menschliche Einfluss auf die Erwärmung in etwa mit der insgesamt beobachteten Erwärmung während dieses Zeitraums überein.[63] Eine neuere Untersuchung beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass der in den letzten 60 Jahren registrierte Anstieg der Globaltemperatur ohne anthropogene Treibhausgas-Emissionen ähnlich hoch ausgefallen wäre, mit lediglich 0,001 %.“

    Die Frage ist, wer sich und anderen davon immer noch Besitzstand und Profit verspricht.

  6. 8.

    @Tremor „Nicht jedes Wetter ist eine Katastrophe, und nicht jede Katastrophe ist menschengemacht.“ Sie dementieren etwas, was niemand behauptet hat. Das erinnert mich an das Zifferblatt einer stehengebliebenen Armbanduhr, die zweimal täglich die richtige Zeit anzeigte.

  7. 7.

    Hauptsache die Arbeitsplätze in der Kohleindustrie werden gesichert.

  8. 6.

    Wir tun zweifellos recht viel, um der Erde möglichst viel Schaden zuzufügen (ich empfehle übrigens kinomäßig die Siebziger, da waren Dystopien - so absurd es auch klingen mag - populär).
    Aber ich bleibe dabei:
    Nicht an allem Schlimmen ist der Mensch schuld.
    PS: Hoffentlich wird Ihre Prophezeiung nicht wahr - ich hasse Hitze.

  9. 5.

    Es werden immer mehr Landstriche für den Menschen unbewohnbar werden. Die Menschen werden auf immer kleiner werdenen Raum leben. Die Lebensmittelversorgung wird da nicht mithalten können. Das Problem Menschen wird sich also von selbst erledigen. Wie schnell das alles passieren wird ist die grosse Frage.

  10. 4.

    Es geht um das Gesamtbild. Plastik im Ozean etc.

    Ich tippe mal, dass es dieses Jahr noch heißer wird als 2018. Mal sehen wie lange die Äcker von den konventionellen Landwirten dann ohne Wasser auskommen.

  11. 2.

    Wohlgemerkt: Kein Dürrewinter wegen REGENS.
    An den letzten (tiefen) Schnee in Berlin kann ich mich nicht mehr erinnern.
    Wann war der nochmal?

  12. 1.

    Vielleicht muss sowas passieren wie bei dem Film "12 Monkeys". Der Mensch zerstört anscheinend den Planeten völlig.

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