Symbolbild: Brandenburg: Ein Bagger belädt neben der Autobahn A 14 einen LKW mit Abraum. (Quelle: dpa/Stache)
Video: Brandenburg Aktuell | 04.03.2019 | Friedrich Herkt | Bild: dpa/Stache

Großprojekt in Brandenburg - Anwohner klagen über geplanten A14-Ausbau

Die Arbeiten auf dem ersten Drittel der neuen A14-Strecke in Brandenburg sind beendet, schon führen die Pläne für den nächsten Abschnitt Richtung Süden zu Ärger. Anwohner fühlen sich von der neuen Strecken-Variante überrumpelt. Von Britta Streiter

Remo Kraft aus Lindenberg lebt 130 Meter von der geplanten Trasse der A14 entfernt. Vor 70 Jahren haben seine Großeltern ein Haus im Naherholungsgebiet bei Wittenberge gebaut, mitten im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe. "Bald ist es vorbei mit der Ruhe und dem Frieden, das wird Stress ohne Ende. Ohne Gehörschutz und Gasmaske kann man hier nachher nicht mehr wohnen", sagt er. Seine Stimme zittert vor Erregung. Was ihn besonders ärgert: Für Fälle wie ihn baut die Planungsbehörde DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) normalerweise bis zu sieben Meter hohe Lärmschutzwände, für ihn aber nicht.

Denn in Lindenberg sei es nach Angaben der DEGES zu teuer, Lärmschutzwände für nur ein Grundstück hochzuziehen. Der Autolärm würde bei Remo Kraft also Tag und Nacht ungehindert ins Haus dröhnen. Das Übrige tut der Westwind, der den Krach bis ins ganze Dorf trägt. Für Krafts Grundstück hat die DEGES einen sogenannten passiven Lärmschutz vorgesehen. Projektleiter Holger Behrmann: "Das sind Maßnahmen, die man an der Gebäudehülle des betroffenen Wohnhauses vornehmen kann, zum Beispiel eine Fassaden- oder Fensterdämmung."

Komplette Bungalowsiedlung von Lärm betroffen

Für Remo Kraft ist das kein Trost. Eigentlich wollte seine Tochter mit dem Enkelkind das Haus übernehmen: "Das kann man doch einer jungen 35-jährigen Frau mit Kleinkind nicht zumuten. Da müsste man ja den ganzen Tag drin sitzen."

Ein paar Meter weiter liegt eine hübsche Bungalowsiedlung mit 40 Häuschen. Auch für die Laubenbesitzer sind die aktuellen Planungen ein Albtraum. Denn auch zu ihnen würde der Autobahnlärm Tag und Nacht durchdringen. Aber da die Lauben nicht ständig bewohnt sind, muss die DEGES per Gesetz keinen Schutzzaun bauen.

Die A14 soll durch den Ort Lindeberg in Brandenburg führen. Quelle: Remo Kraft
| Bild: Remo Kraft

Selbst der Bürgermeister kritisiert den Streckenverlauf

Vor 20 Jahren hat sich hier der Wittenberger Gastronom Maik Kretschmann für viel Geld einen Lebenstraum erfüllt, einen schmucken Bungalow mit Wintergarten. "Man war damals froh, dass man hier überhaupt ein Grundstück bekommen hat." Genau hier, inmitten der Natur, wollte sich Kretschmann auch in den kommenden Jahren vom Kneipenstress erholen: "Ich wache nachts manchmal vom Igelschmatzen auf. Deshalb habe ich mir das aufgebaut. Und nicht, um irgendwann vom Verkehrslärm beschallt zu werden."

Drei Trassen-Varianten hat es seit Beginn des Planfeststellungsverfahrens vor zehn Jahren gegeben. Einmal sollte die Strecke genau zwischen den Dörfern Bentwisch und Lindenberg verlaufen, im zweiten Entwurf weiter nördlich, aber direkt im Vogelschutzgebiet.

Diese Variante hätte Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann, ein großer Befürworter der Autobahn, auch bevorzugt: "Die Trasse damals hat uns wesentlich besser gefallen, weil sie weiter von den Ortsteilen Lindenberg und Bentwisch entfernt war. Aus naturschutzrechtlichen Gründen wurde diese Trasse kassiert und eine neue entworfen, so dass wir halt mit dieser Trasse, wie sie jetzt ist, umgehen müssen."

Anwohner kündigen juristische Schritte an

Doch wie soll man damit umgehen, wenn man nicht weiß, ob man hier in Zukunft überhaupt noch leben kann und will? "Damit ist auch die Altersvorsorge im Eimer. Wer würde denn so ein Haus an der Autobahn kaufen? Das grenzt schon an Ausrottung", sagt Anwohner Remo Kraft.

Vier Wochen liegt der neue Entwurf für die knapp 18 Kilometer lange Strecke zwischen Karstädt und Wittenberge jetzt in den Gemeindeverwaltungen aus. "Ich werde auf jeden Fall Einspruch einlegen und viele Dorfbewohner haben angekündigt, sich mir anzuschließen", so Remo Kraft. "Vielleicht können wir bewirken, dass die Trasse ein paar Meter weiter in den Wald verlegt wird, wie wir bereits gefordert haben." Doch viel Hoffnung hat der Lindenberger nicht. Denn die Autobahn würde sich damit um etwa 500 Meter verlängern. Ob das der Bund finanzieren würde, ist fraglich.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 04.03.2019, 19.30 Uhr

Beitrag von Britta Streiter

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Wozu noch mehr Autobahnen. Es sollte doch jetzt die Verkehrswende kommen mit Vorrang für den Klimaschutz?

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