Mit Schutzanzug, Handschuhen und Feinstaubmaske ausgerüstet beseitigt ein angehender Forstwirt bei Müllrose (Oder-Spree) Ambrosiapflanzen (Quelle: dpa/Pleul).
Audio: Antenne Brandenburg | 20.03.2019 | Dominik Lenz | Bild: dpa/Patrick Pleul

Zehn-Punkte-Katalog für Brandenburg - Bürgermeister fordern Unterstützung im Ambrosia-Kampf

Jeden Sommer macht die Ambrosia Allergikern in Berlin und Brandenburg zu schaffen. Besonders betroffen ist die Lausitz. Mit einem Zehn-Punkte-Katalog fordern Bürgermeister deshalb nun Hilfe zur Eindämmung der hochallergenen Pflanze vom Land Brandenburg.

Die Ambrosia ist ein seit Jahren wachsendes Problem in Berlin und Brandenburg. Besonders betroffen ist die Lausitz. Dort hat sich die hochallergene Pflanze, die ursprünglich aus Nordamerika stammt, zu einem scheinbar übermächtigen Feind entwickelt. Bundesweit zählt der Süden Brandenburgs sogar zu den am stärksten belasteten Gebieten.

Zehn Kommunen haben sich deshalb nun im Kampf gegen das Unkraut zusammengeschlossen. Mit einem Zehn-Punkte-Forderungskatalog, der am Dienstag dem brandenburgischen Umweltministerium übergeben wurde, fordern sie Unterstützung vom Land, um die Ausbreitung der Pflanze endlich eindämmen zu können.

Privatpersonen zur Ambrosia-Bekämpfung verpflichten

Es sei fünf vor zwölf beim Thema Ambrosia, man fühle sich allein gelassen, sagt der Bürgermeister von Calau, Werner Suchner (parteilos). Denn wenn die Gemeinde an einer Stelle versuche, die Ausbreitung der Ambrosia einzudämmen, blühe sie eben an anderer Stelle auf. "Da muss also ein gemeinschaftliches Handeln her", sagt Suchner.

Werde nicht sofort gehandelt, prophezeien die Bürgermeister nicht nur Beseitigungskosten in Millionenhöhe, sie warnen auch vor einer Zunahme von Asthma und Allergien, Bindehautentzündungen oder Ekzemen, die Pollen der Ambrosia können die Krankheiten, tränende Augen und starke Hautrötungen verursachen. "Man sieht von Jahr zu Jahr, dass diese Ambrosia-Ausbreitung sich immer mehr verstärkt", sagt der Bürgermeister von Kolkwitz, Karsten Schreiber (SPD).

Konkret fordern die Stadtoberhäupter von Drebkau, Vetschau, Calau, Forst, Welzow und Spremberg sowie die Bürgermeister der Gemeinden Schenkendöbern, Neuhausen/Spree, Kolkwitz und des Amtes Altdöbern beispielsweise ein Landesbudget zur Bekämpfung der Pflanze, Unterstützung durch den Landesbetrieb Straßenwesen, mehr Aufklärung und eine Meldepflicht. Außerdem sei eine klare Rechtsgrundlage nötig, damit auch Privatpersonen zur Bekämpfung der Ambrosia verpflichten werden können, sagt der Bürgermeister von Vetschau, Bengt Kanzler (parteilos). "Sicherlich ist es ein scharfes Schwert, aber ich glaube, wir kommen daran nicht vorbei." Die im Herbst 2018 geschaffene Stelle eines Ambrosia-Beauftragten im Land Brandenburg müsse zudem dauerhaft bestehen bleiben, so die Lausitzer Bürgermeister.

Bürgermeister treffen auf offene Ohren im Landtag

Übergeben haben die Lausitzer Bürgermeister ihr Papier an den zuständigen Referatsleiter im Landwirtschaftsministerium - Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) war am Dienstag außer Haus, wollte es aber offenbar auch nicht entgegen nehmen. Im Landtag treffen die Bürgermeister dagegen auf offene Ohren. Der agrarpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Wolfgang Reuk, spricht sich klar für die geforderte Rechtsgrundlage aus: "Mir wäre es sehr lieb, wenn auch Private verpflichtet werden könnten, das Kraut rauszureißen, weil am Ende wirklich nur eine konsequente Beseitigung dazu führt, dass man dieser Plage Herr wird."

Dass die Landesregierung das Thema verschlafen habe, mag er allerdings nicht auf sich sitzen lassen und verweist auf den Ambrosia-Beauftragten. Anke Schwarzenberg von der Linksfraktion fügt hinzu, dass bereits ein Maßnahmenkatalog auf dem Weg sei. Nur: "Die Pflanze ist schneller in ihrer Ausbreitung, als dass die Aktivitäten, die bisher auf den Weg gebracht worden sind, wirken könnten." Sie hoffe, dass eine Landesverordnung noch rechtzeitig vor der Ambrosia-Saison im Spätsommer wirksam werden kann, so Schwarzenberg weiter.

Stadtteil Adlershof in Berlin besonders betroffen

Ein Problem stellt die fortschreitende Ausbreitung der Ambrosia auch in Berlin dar. Im vergangenen Sommer bündelte die Stadt deshalb erstmals seine Kräfte zur Bekämpfung der hochallergenen Pflanze. Im am stärksten betroffenen Bezirk Treptow-Köpenick startete die Freie Universität Berlin (FU) ein Pilotprojekt. Im Stadtteil Adlershof gibt es bereits regelrechte Plantagen mit mehr als 100.000 Pflanzen.

Neben einer genauen Kartierung der betroffenen Flächen wollen die Forscher in dem Projekt Methoden erproben, wie der mehrjährigen Variante der Pflanze am besten beizukommen ist. So soll zum Beispiel getestet werden, ob eine Mahd kurz vor der Ambrosia-Blüte den Pollenflug minimieren kann. Dafür wurde eine Koordinierungsstelle geschaffen, der für zwei Jahre rund 300.000 Euro zur Verfügung stehen.

Nur komplettes Herausreißen hilft

Der Grund, warum sich die Ambrosia besonders im Südosten der Stadt vorkommt, erklärt sich durch eine besonders starke Bautätigkeit in den vergangenen zehn Jahren. Von dort aus werden die Samen der Pflanze nach Erkenntnissen von Experten durch Erdverlagerungen über ganz Berlin verteilt.

Samen können 40 Jahre lang im Boden überleben und wieder neu keimen. Einen wirksamen Schutz bietet deshalb nur ein komplettes Herausreißen der Pflanzen und ihrer Wurzeln.

Im Land Brandenburg gibt es eine spezielle Handy-App, über die Standorte der Ambrosia gemeldet werden können. Die Freie Universität Berlin (Teil des Berliner Aktionsprogramms gegen Ambrosia) führt einen Ambrosia Atlas, bei dem die letzten Einträge aus dem Jahr 2018 stammen.

Ambrosia (Quelle: rbb|24)
Ambrosia-Verbreitung Quelle: Ambrosia-Atlas/Freie Universität Berlin | Bild: rbb|24

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