Archivbild: Demo zum Internationalen Frauentag am 8. März 2015 (Quelle: dpa/Geisler-Fotopress)
Audio: Inforadio | 02.03.2019 | Holger Hansen | Bild: dpa/Geisler-Fotopress

Debatte um den Frauentag - Erzbischof greift Rot-Rot-Grün wegen Feiertags am 8. März an

Am kommenden Freitag wird der Frauentag in Berlin zum ersten Mal ein gesetzlicher Feiertag sein - sehr zum Unmut der katholischen Kirche. Erzbischof Heiner Koch hat die rot-rot-grüne Regierungskoalition deshalb am Samstag ungewöhnlich scharf kritisiert.

Ungewöhnlich scharf hat der Berliner Erzbischof Heiner Koch am Samstag das rot-rot-grüne Regierungsbündnis angegriffen. Dabei geht es um den Beschluss des Abgeordnetenhauses, den Internationalen Frauentag am 8. März in Berlin zum offiziellen Feiertag zu erklären. Das Parlament hatte die Pläne der Koalition Ende Januar mit 87 zu 60 Stimmen gebilligt. Am kommenden Freitag wird der Frauentag nun zum ersten Mal als gesetzlicher Feiertag begangen.

"Das habe ich noch nie erlebt"

Im "Wort des Bischofs", einer Sendung der Katholischen Kirche, die immer am Samstag (im Wechsel mit dem Bischofswort der Evangelischen Kirche) auf der rbb-Welle 88.8 ausgestrahlt wird, sagte Koch: "Ich habe noch nie erlebt, dass erst feststeht, dass es einen neuen staatlichen Feiertag geben wird, und man erst danach überlegt, was man an diesem Tag denn eigentlich feiern oder bedenken will." Dass es kein christlich begründeter Feiertag sein sollte, sei vor allem von jenen Kräften "energisch postuliert" worden, "die unbedingt einen nicht-religiösen Feiertag forderten", fügte der Bischof hinzu.

Auch "altmodische Lebensweise" hat seine Berechtigung

Die Begründung der Linkspartei, der Internationale Frauentag solle ein starkes Signal im Kampf um die Gleichstellung der Geschlechter, gegen patriarchalische Herrschaftsstrukturen sein, erinnere ihn zwar an die Bibel-Geschichten über mutige, selbstbewusste und freie Frauen, so der Bischof.

Sich für die Freiheit von Frauen einzusetzen, sei eine politische und gesellschaftliche Aufgabe, das müsse aber auch für Frauen gelten, die sich für eine Lebensweise entscheiden, die der Mainstream als altmodisch ansehe. Die Renten für Frauen, die ihre Berufslaufbahn unterbrechen, um für ihre Kinder zu sorgen, seien eine einzige Ausbeutung und Diskriminierung.

Umfragen seien nicht berücksichtigt worden

Ferner kritisierte das Oberhaupt des Berliner Bistums, dass Meinungsäußerungen aus der Bevölkerung zur Wahl des neuen Feiertags nicht berücksichtigt worden seien. Die meisten Berlinerinnen und Berliner hätten sich in Umfragen "für das Reformationsfest oder den 9. November mit seinen so bedeutsamen und für uns alle wichtigen Erinnerungsinhalten" als zusätzlichen Feiertag ausgesprochen.

Dies habe die Regierungsparteien im Abgeordnetenhaus aber nicht umstimmen können, kritisierte Koch. "So viel Basisdemokratie scheint wohl doch nicht gefragt, wenn sie gegen das eigene Wählerpotential steht."

Sendung: rbb 88.8, 02.03.2019, 9.50 Uhr

Kommentar

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119 Kommentare

  1. 119.

    Was ist überhaupt ein Erzbischof? Und warum ist sein gefasel eine Nachricht wert?

  2. 118.

    Die Reportage war wirklich sehr interessant und von den Machern mutig, diese Sauerei mal aufzurollen. Ein Wunder, dass das ausgestrahlt werden durfte und die Anklägerinnen noch am Leben sind. Was mich wütend macht, ist, dass es weltweit bekannt ist und nichts rechtlich gegen diese Verbrecherbande unternommen wird. Ganz im Gegenteil, es wird vertuscht, bzw. totgeschwiegen. Von unseren Politikern kommt dazu gar nichts!!!!!

  3. 117.

    NN, Dienstag, 05.03.2019 | 16:08 Uhr:
    "Antwort auf [Das Fliegende Spaghettimonster] vom 05.03.2019 um 14:28
    Der Begriff Sekte passt nun nicht zur Römisch Katholischen Kirche. Sie hat sich nie sektiert. Sie ist eine Weltkirche."

    Na dann ist Scientology wohl auch keine "Sekte", sondern eine "Weltkirche".

    Ich finde jedenfalls keinen Unterschied in der Gefährlichkeit von Katholischer kirche und Scientology. siehe z.B. arte 5.3. 20:15 wie sich katholische Pfaffen mit dem Segen des Vatikan Ordensschwestern als Prostituierte halten und mittels Gehirnwäsche zu Schwangerschaftsabbrüche zwingen. Wenn das mal keine Sekte ist!

  4. 116.

    Berlin, Montag, 04.03.2019 | 23:24 Uhr:
    "Erschreckend, welche Länder diesen Tag als Feiertag haben: Angola, Armenien, Aserbaidschan, Burkina Faso, Eritrea, Georgien, Guinea-Bissau, Kasachstan, Kambodscha, Kirgisistan, Kuba, Laos, Madagaskar, Moldau, Mongolei, Nordkorea, Nepal, Russland, Sambia, Tadschikistan, Turkmenistan, Uganda, Ukraine, Usbekistan, Vietnam und Weißrussland. In China ist der Nachmittag für Frauen arbeitsfrei. Und nun auch das demokratische Berlin.... Sozialismus pur."

    Wenn man sucht, findet man für jeden Tag schlechte Beispiele. Wir lassen uns aber nicht von Diktaturen vorschreiben, welche Feiertage wir nicht zu feiern haben.

    Und wer das als "Sozialismus bezeichnet", der hat ein grundlegendes Problem mit der Demokratie!

  5. 115.

    Orbi, Montag, 04.03.2019 | 23:13 Uhr
    "Der Erzbischof hat zutreffend festgestellt, dass Meinungsäußerungen in der Bevölkerung ignoriert wurden. Und eine Besinnung auf die christliche Kultur stünde auch Berlin gut. So wahr mir Gott helfe."

    1. Es werden IMMER Meinungsäußerungen ignoriert, weil die politik NIE auf ALLE Meinungsäußerungen eingehen kann. Dieser Erzbischof hat da nicht mehr Beachtung verdient als jeder andere Berliner. Sein Amt als Sekten-Ortsgruppenführer macht ihn nicht wichtiger als alle anderen.

    Welche Besinnung auf "christliche Kultur"? Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Eifersucht (1. Gebot), Sippenhaft (1. Gebot)?

    Nee, nee, nee, die Anhänger der christlichen Sekten sind eine Minderheit im - zum Glück - laizistischen Berlin und haben der Mehrheit daher nichts vorzuschreiben!

  6. 114.

    "Sie ist eine Weltkirche."

    Und warum? Die katholische Kirche hat ganze Landstriche mit "Flamme und Schwert" erobert (erobern lassen) und wer nicht zum katholischen Irrglauben übertreten wollte oder abwich wurde brutal ermordet.

    Dazu gehört die Ausbeutung Südamerikas ebenso wie die Reconquista und die Inquisition. Hätte es Kopernikus, Giordano Bruno und Galilei nicht gegeben, wir würden immer noch glauben die Erde wäre der Mittelpunkt der Welt, weil es diese Sekte so wollte. Bruno wurde deswegen der Ketzerei und Magie für schuldig befunden und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

    Sie könnten also mit der Aussage recht haben die katholische Kirche wäre keine Sekte, sie war und ist tausendmal mächtiger, gefährlicher, brutaler und heimtückischer als es je eine Sekte sein könnte.

  7. 111.

    Bitte was für eine „christliche Kultur“? Wir sind maximal christlich-traditionell orientiert. Das ist Wunschdenken, was Sie da äußern. Mehr christliche Feiertage werden uns zu braven Christen machen? Ich respektiere alle Gläubigen, egal woher sie kommen, egal welchen Gott sie verehren. Solange auch ich respektiert werde, dass ich das nicht tue. Aber hier tun einige User so, als wenn die christliche Welt noch in Ordnung wäre. Das ist sie aber nicht. Die meisten angeblichen Christen nutzen Kirchen doch ohnehin nur als Orte, um ihren Familien-Events eine coole Location zu geben. Oder ist für Sie schon jemand ein Christ, der in weiß heiratet, oder sein Kind taufen läßt? Das macht „Christ sein“ null aus. Das ist Bigotterie. Wer am 8. März keinen Frauentag möchte, kann doch statt dessen in die Kirche gehen. Steht doch jedem frei. Oder etwas Gutes tun. So wie die Brandenburger „Christen“ das am Reformationstag tun. Die kommen in Rudeln nach Berlin zum Shoppen. Ob das christlich ist? ;-) Ich meine das nicht böse, aber Christen gibt es nur noch ganz, ganz wenige. Aber viele, die sich dafür halten. Sich „Christ“ zu nennen ist meist nur ein Lippenbekenntnis. Da nützen keine 100 weiteren religiös-orientierten Feiertage mehr etwas dran.

  8. 110.

    Natürlich wünscht man das nicht nur uns Frauen. Allen einen schönen Feiertag! Darum geht es ja. Mal gönnen können und nicht immer nur meckern ;-)

  9. 109.

    Wie hält es denn der Erzbischof mit den Meinungsäußerungen der Mitglieder seiner Sekte, z.B. den Mißbrauchsopfern, die jahrzehntelang mißbraucht wurden und jetzt von den Kirchenoberen ein zweites Mal vergewaltigt werden indem man die Taten weiterhin vertuscht und totschweigt?

    So wahr ich Gott helfe!

  10. 108.

    gönne ich nicht nur den Frauen, ich gönne ihn besonders allen Männern. Ich werde das lange Wochenende genießen. Drei Tage frei.

  11. 107.

    Für mich ein weises und wahres Schlusswort. Ihnen einen schönen Frauentag!

  12. 106.

    Was nennen Sie " christliche Kultur " Ich möchte diese " christliche Kultur " nicht angehören und lege mehr Wert auf ein menschliches Zusammenleben. Welche grausame Verbrechen die Verantwortlichen der " christlichen Kultur der letzten 2000 Jahre abgeliefert haben, können Sie aus den Geschichtsbücher entnehmen.


    Die neuesten Verbrechen sind der, der Kindesmissbräuchen der letzten Jahrzehnte, durch Mitarbeiter ( Priester ) der kath. Kirche. Leider kommen diese schweren Verbrechen in alle Gesellschaftsstrukturen vor.

    Wie die kath. Kirche mit der Aufklärung und Mitarbeit der letzten Jahre umgegangen ist, auf Bezug des Kindesmissbrauchs ist schon sehr beschämend. Nur auf Zeit spielen, die Verbrecher schützen und die Opfer, teilweise mit läppischen Entschädigungssummen, ohne Anerkennung einer Schuld, abfinden. Nein, wenn das Ihre " christliche Kultur ist, verzichte ich auf diese Kultur. Es gibt bessere Kulturen ! Die Bischöfe gehören auch auf der Anklagebank.

  13. 105.

    Und alle gläubigen Verfechter der christlich orientierten Feiertage gehen jetzt mit gutem, von Nächstenliebe geprägtem, Beispiel voran und gönnen, gerne unterlegt mit einem Gebet, den Frauen Berlins einen schönen Feiertag! Schön dass es Euch gibt, ihr Schwestern, Mütter, Großmütter, Freundinnen, Tanten uvm. Ich freue mich auf Freitag, nehme zwar den Titel des Tages nicht allzu ernst ;-), werde aber jede Minute genießen. Ein freier Tag ist wie ein Geschenk Gottes. Hallejuja :-)

  14. 104.

    Finde ich auch. Her mit den christlichen Feiertagen, dann wird Berlin auch ganz doll fromm. Amen :-DDD

  15. 103.

    Falsch. Der User hat das nicht geschrieben, Sie verdrehen seine Worte zu Ihren Gunsten. Zumal Luther auch ohne die Nazis ein Antisemit war. Und was für einer. Und ja, ihm sind positive Einflüsse zuzugestehen, das macht seinen offen zutage getragenen Judenhass aber nicht besser. Grad heutzutage, wo der Antisemitismus wieder stärker wird, kann das nicht einfach ignoriert, oder mit seinen anderen Errungenschaften „ausgeglichen“ werden. Selbst die Kinder in der Schule werden darüber aufgeklärt. Was soll also die Diskussion?

  16. 102.

    Erschreckend, welche Länder diesen Tag als Feiertag haben: Angola, Armenien, Aserbaidschan, Burkina Faso, Eritrea, Georgien, Guinea-Bissau, Kasachstan, Kambodscha, Kirgisistan, Kuba, Laos, Madagaskar, Moldau, Mongolei, Nordkorea, Nepal, Russland, Sambia, Tadschikistan, Turkmenistan, Uganda, Ukraine, Usbekistan, Vietnam und Weißrussland. In China ist der Nachmittag für Frauen arbeitsfrei. Und nun auch das demokratische Berlin.... Sozialismus pur.

  17. 101.

    Der Erzbischof hat zutreffend festgestellt, dass Meinungsäußerungen in der Bevölkerung ignoriert wurden. Und eine Besinnung auf die christliche Kultur stünde auch Berlin gut. So wahr mir Gott helfe.

  18. 100.

    Unsinn! Ideologische Betrachtunge stellen sie doch an! Verdrehungen und Unterstellungen kommen noch dazu, das ist das was hier schier unglaublich ist. Erbärmlich ist es noch obendrein.

    Luther war unbestritten Antisemit! Deshalb haben ihn die Nazis vereinnahmt. Was ist daran nicht zu verstehen?

    "1543 forderte er die evangelischen Fürsten zur Versklavung oder Vertreibung der Juden auf und erneuerte dazu die judenfeindlichen Stereotype, die er 20 Jahre zuvor verworfen hatte. Damit überlieferte er diese in die Neuzeit."

    https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther_und_die_Juden

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