Ein Mann stütz beim Freitagsgebet in der Mevlana-Moschee in Kreuzberg den Kopf auf die Hände. Quelle: dpa/Christoph Soeder
Audio: Inforadio | 15.03.2019 | Nachrichten | Bild: dpa/Christoph Soeder

Zahlreiche Tote nach Attacken auf Moscheen - Berliner erschüttert über Terroranschlag in Neuseeland

Die Attentate auf zwei Moscheen mit mindestens 49 Toten stuft Neuseelands Premierminsterin Jacinda Ardern als Terrorakt ein. Das allgemeine Entsetzen und die Trauer sind groß - auch in Berlin.

Der Angriff im neuseeländischen Christchurch, den Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern am Freitag als "Terrorakt" einstufte, hat in Berlin Bestürzung und Entsetzen ausgelöst. "Ich bin mit den Berlinerinnen und Berlinern schockiert von diesem monströsen terroristischen Massaker", ließ der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) über die Homepage der Senatskanzlei mitteilen. Berlin sei und bleibe die "Stadt der Freiheit" - erst recht in diesen Stunden und gerade für muslimische Mitbürger.

Bei dem mutmaßlichen Terrorangriff auf zwei Moscheen in Christchurch waren am Freitag mindestens 49 Menschen getötet worden. Mehrere Dutzend muslimische Gläubige kamen mit teils schweren Schussverletzungen ins Krankenhaus.

Entsetzen in der Ibn Rushd-Goethe Moschee in Berlin-Moabit

Auf Nachfrage bestätigte die Senatskanzlei der Deutschen Presse-Agentur, dass das Brandenburger Tor nicht in den Farben Neuseelands angestrahlt wird, wie es schon nach anderen Anschlägen der Fall war. Dies sei nach einer internen Richtlinie nur vorgesehen, wenn Partnerstädte von Berlin oder Städte, zu denen eine besondere Verbindung bestehe, betroffen seien. Das sei bei Christchurch - trotz allen Mitgefühls - nicht der Fall.

Bereits am Freitagmorgen hatte sich die Ibn Rushd-Goethe Moschee in Berlin-Moabit zu den Anschlägen geäußert. "Wir sind zutiefst erschüttert", hieß es in einer Mitteilung. "Es macht uns immer wieder fassungslos, wie Religion als Grund instrumentalisiert wird, um kranke Wahnvorstellungen zu befriedigen, Gesellschaften zu spalten und unschuldige Menschen in den Tod zu reißen."

Isrealische Botschaft äußert sich bestürzt

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland zeigte sich auf seiner Homepage betroffen: "Wir beten für die Opfer, trauern um sie und sind in Gedanken bei den Angehörigen", wird der Vorsitzende Aiman Mazyek zitiert. Der Zentralrat rief auf, für die Toten zu beten. In vielen Moscheen würden am Freitag ohnehin im Rahmen der "Wochen gegen Rassismus" die Freitagspredigten den Kampf gegen alle Formen der Menschenfeindlichkeit behandeln.

Die Berliner Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement und Internationales, Sawsan Chebli (SPD), äußerte sich über Twitter: "Diese Menschen sind nicht Opfer eines einzelnen Mörders. Sie sind Opfer der weltweiten Stimmungsmache gegen den Islam und Muslime." Von der Botschaft Neuseelands in Berlin hieß es auf Nachfrage, man könne zu den Vorkommnissen kein Statement abgeben. Die israelische Botschaft schrieb auf Twitter: "Wir sind bestürzt und fassungslos über die Nachrichten aus Christchurch. Terror und Hass dürfen niemals und nirgendwo akzeptiert werden."

Sendung: Inforadio, 15.03.2019, 17 Uhr

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 10.

    Was macht es für einen Unterschied, ob ein Täter behauptet, im Namen einer Religion oder Ideologie gehandelt zu haben oder ob er vorgibt, der Hund seines Nachbarn hätte es ihm befohlen?
    Es ist grotesk, das Gesabbel eines Irren aufzugreifen, um es politisch zu instrumentalisieren.
    Wenn man regelmäßig bei den Untaten muslimischer Terroristen darauf verweist, das alles habe nicht mit dem Islam zu tun, warum sollte dann bei eine solchen Untat irgendetwas über irgendwen (außer den Täter) aussagen?
    Entweder man bringt Mörder mit ihren vorgeblichen Motiven in Verbindung oder man lässt es.
    Ab er nicht: Mal so - mal so, je nachdem, wie es einem gerade passt.

  2. 9.

    Dann bin ich mal gespannt wie sie darüber denken wenn ein Mörder, der sich auf den Islam beruft, als Islamist bezeichnet wird.

  3. 8.

    Sie haben ja ganz recht! Aber genau diese fatale Unterscheidung zwischen "uns" und den "anderen" und das Geschwätz von einem angeblichen "Großen Austausch" der "Unseren" durch die "Anderen" hat diesen Täter angetrieben. Und die Theorie dazu kommt aus Europa (aus Frankreich) und findet ja auch bei "unseren" Rechten (die sich dann "Identitäre" nennen) reißenden Absatz (und manchmal eben leider auch im bürgerlichen Feuilleton …).

  4. 7.

    Sehr zutreffend. Mein Beileid für die Angehörigen der Opfer und baldige Genesung wünsche ich all den Verletzten.

  5. 6.

    Stimmt schon aber mitfühlen kann ja jeder in seinem Herzen gründlich tun und wenn es echt ist, strahlt davon auch was nach außen und wird im Berlin zu sehen sein, und zwar nicht nur am Brandenburger Tor, sondern überall da, wo mitfühlende BerlinerInnen sind. Es kommt auf die eigene innere Haltung an, die immer auch als äußere sichtbar ist.
    Nicht immer über "die Politik(er)" meckern, selber Fatbe bekennen. Wer meckert, sieht aus wie jemand der meckert und strahlt kein Mitgefühl aus. Darum ging es doch aber, oder?

  6. 5.

    Ja Frau chebli
    Es waren Menschen die gestorben sind es war ein Mörder der getötet hat.
    Es waren nicht
    die unsrigen
    die eurigen
    die anderen
    Das verstehen kann man nur
    wenn mannicht religiös verblendet ist.

  7. 4.

    Mein Mitgefühl gehört den Familien der Getöteten und den Verletzten. Es ist Zeit, dass die Länder gemeinsame Strategien gegen Fundamentalismus und Hass jeder Art entwickeln.

  8. 3.

    Genau, manchmal hilft es, Politik weniger mit Scheukalppen und Engstirnigkeit zu betreiben... als ob es einen Unterschied mache, ob es eine Partnerstadt oder nicht ist, die betroffen ist. Den Opfern und Angehörigen sollte "auch so" Mitgefühl demonstriert werden.

  9. 2.

    Dass das Brandenburger Tor nicht in den Landesfarben Neuseelands angestrahlt wird - was für ein Armutszeugnis für Berlin, den Senat und den Regierenden Bürgermeister der Stadt. Die offizielle Begründung: "keine Partnerstadt" Aber auch Orlando und Jerusalem sind keine Partnerstädte von Berlin, und hier wich man von der Regel ab und illuminierte das Tor.

  10. 1.

    Beileid den Angehörigen der Opfer und gute Besserung für die Verletzten

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