Die Bushaltestellen am Bahnhof Zoo sind fast menschenleer während des BVG-Warnstreiks der Busfahrer. (Quelle: Soeren Stache/dpa)
Video: Abendschau | 14.03.2019 | Sabrina Wendling | Bild: rbb/ Matthias Pohl

Tarifstreit der BVG - Rund 1.500 Busfahrer folgen Aufruf zum Warnstreik

Trams, U- und S-Bahnzüge waren am Donnerstag im Berufsverkehr voller als sonst. Denn die BVG-Busfahrer haben bis 22 Uhr gestreikt. Das große Chaos für Nutzer der Öffis blieb aus. Am Montag wollen Arbeitgeber- und nehmerseite wieder miteinander sprechen.

  • Der Warnstreik der BVG-Busfahrer am Donnerstag ist beendet.

  • Im Tarifstreit der BVG sind rund 1.500 Busfahrer dem Warnstreik-Aufruf der Gewerkschaft Verdi gefolgt. Die Beschäftigten legten von 3.30 bis 22.00 Uhr die Arbeit nieder.

  • Vor allem U- und S-Bahnen im Berufsverkehr am Donnerstag waren gut gefüllt. Auch auf den Straßen war es voller als üblich.

  • Der Warnstreik der BVG-Busfahrer hat offenbar zu keinen größeren Problemen im Berliner Nahverkehr geführt.
     
  • Besonders traf der Streik die Randbezirke der Stadt, die durch das U- und S-Bahnnetz nicht abgedeckt sind.
Fahrgäste verlassen am 14.03.2019 im Bahnhof am Alexanderplatz eine U-Bahn.
Die U-Bahnzüge waren am Morgen etwas voller als sonst. | Bild: dpa/Paul Zinken

Tram, U-Bahn und S-Bahn fahren

Überall sei es am Morgen etwas voller gewesen, sagte BVG-Pressesprecherin Petra Nelken am Donnerstag auf Anfrage von rbb|24. Aber nur jeweils einmal auf den U-Bahnlinien U6 und U7 sei es vorgekommen, dass die Züge nicht alle Fahrgäste hätten mitnehmen können. Die BVG und auch die S-Bahn habe längere Züge eingesetzt.

Auch private Buslinien, die im Auftrag der BVG fahren, sind wie gewohnt unterwegs. Diese 24 Buslinien verkehren allerdings vorwiegend am Stadtrand.

Passagiere steigen am 14.03.2019 am Flughafen Tegel in einen Shuttle-Bus, da aufgrund eines Streiks keine Busse der BVG verkehren (Bild: rbb/Phillipp Gerstner)
Bus-Shuttle am Flughafen Tegel | Bild: rbb/Phillipp Gerstner

Flughafen Tegel setzt eigenen Shuttle ein

Der Flughafen Tegel war durch einen Shuttle-Service der Fluggesellschaft an den U-Bahnhof Jakob-Kaiser-Platz angebunden. Lange Wartezeiten gab es dort am Morgen nach rbb-Informationen nicht. 

Betroffen von dem Warnstreik war auch der Ersatzverkehr für die Straßenbahnlinien M 4 und M 13. Auch die Buswerkstätten würden sich an dem Warnstreik beteiligen, teilte die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag mit. Der Sprecher der Gewerkschaft Verdi, Andreas Splanemann, zeigte sich zufrieden. "Die Bus-Depots sind voll", sagte er am Mittag.

Etwa 30 Prozent mehr Taxi-Aufträge

Auch auf den Straßen war laut der Verkehrsinformationszentrale viel los. In der Innenstadt hätte es sich gerade am Morgen und ab dem frühen Nachmittag gestaut. Regen und Wind hätten den Verkehr zusätzlich verlangsamt.

Statt in den Bus dürften viele Menschen ins Taxi gestiegen sein. Hermann Waldner von Taxi Berlin sagte, es seien etwa 30 Prozent mehr Aufträge als an einem normalen Donnerstag eingegangen. Die meisten Anfragen seien aus Bezirken außerhalb des S-Bahn-Rings gekommen. Auch der Sammelfahrtdienstanbieter Clevershuttle sprach von rund 20 Prozent mehr Anfragen als an anderen Wochentagen. Die Fahrzeuge sind anders als der Dienst Berlkönig der BVG auch außerhalb der Innenstadt buchbar. Beim BVG-Shuttledienst gab es keinen Fahrgastanstieg.

Am Montag soll es ein Verständigungsgespräch geben

Am Montag wollen beide Seiten wieder miteinander reden.

Petra Nelken, Sprecherin der BVG, sagte dem rbb. "Wenn man miteinander redet, kann man Missverständnisse abbaun, sagen, was man will und was man nicht will." Gespräche in dem Sinne hätte es bisher noch nicht gegeben.

Für den Verhandlungsführer von Verdi, Jeremy Arndt, war der Warnstreik ein "voller Erfolg", wie er am Abend im rbb sagte. Zum Tarifgespräch, das die Arbeitgeberseite heute für kommenden Montag angeboten hat, hieß es: "Wir werden den Montag abwarten. Sollte es keine Fortschritte geben, muss mit weiteren Warnstreiks gerechnet werden."
Im Falle eines Misserfolgs bei den Gesprächen sei man bereit "noch eine Kohle oben drauf zu legen", so Arndt.

Nächstes Treffen schon am 18. März

Mit dem Warnstreik wollte die Gewerkschaft in den laufenden Tarifverhandlungen Druck auf die Arbeitgeberseite ausüben. Verdi fordert unter anderem eine 36,5-Stunden-Woche für alle rund 14.000 Beschäftigten bei vollem Lohnausgleich. Die Arbeitgeberseite hält das nicht für umsetzbar. Sie hatte insgesamt rund zwölf Prozent mehr Lohn und Gehalt angeboten, allerdings innerhalb von fünf Jahren. Das wiesen die Gewerkschaften als unzureichend zurück.

Zweiter Ausstand in Folge

Erst im Februar hatten Beschäftigte der Berliner Verkehrsbetriebe ihre Arbeit niedergelegt. In der Zeit zwischen 3.30 Uhr und 12 Uhr fuhren in Berlin weder Trams noch U-Bahnen noch Busse, die von der BVG selbst betrieben werden. Bahnhöfe blieben bis in die Mittagsstunden geschlossen. Einen Notfall-Fahrplan gab es für die rund zwei Millionen Berufspendler in Berlin nicht.

Von dem Warnstreik ausgenommen waren ebenfalls Linien, die von Subunternehmen der BVG betrieben werden. 

Sendung: Abendschau, 14.03.2019, 19.30 Uhr

Kommentar

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Antwort auf [Bozi ] vom 14.03.2019 um 20:37
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45 Kommentare

  1. 45.

    Hallo das Verhalten von BVG Angehörigen ist unmöglich. Andere Zielgruppen können auch nicht Streicken wenn ihnen was nicht passt. Mit dem 24 Stunden Streik machen sie die Sache doch nicht besser. Wie viele sind auf dir BVG angewiesen.

  2. 44.

    Die U-Bahn war normal voll? Aber nicht in den Rush-Hours in der Innenstadt. Unsinn!

  3. 41.

    Hallo Bozi, hier nochmal, dieser Streik ist grundsätzlich richtig u.wichtig Punkt. Wenn ich zurückdenke an meine Zeit bei der DPAG, dann kann ich nur ein dickes Lob an Verdi aussprechen für ihren Kampf um den Mindestlohn, sowie gegen vorzeitige Entlassungen von älteren unbefristeten Kollegen u.Kolleginnen. Bis heute versucht die Gewerkschaft den Arbeitgeber Post dazu zu bewegen, endlich damit aufzuhören jetzt grundsätzlich nur befristete Kräfte einzustellen. Bisher ohne Erfolg, leider. Ich wünsche den BVG Bussfahrern und anderen einen fairen Lohnausgleich, so wie sie es verdient haben bei solch einer verantwortungsvollen Tätigkeit. An alle hier die Verdi kritisieren. Ihr macht es Euch zu einfach und scheut Euch den monatl. Beitrag an eine der Gewerkschaften zu entrichten. Solch Leute nenne ich Streikbrecher. MFG

  4. 40.

    @roger ihre 3000€ von 2008 sind absoluter Mumpitz die Zahl wurde damals von Herrn Sarrazin in den Umlauf gebracht um die Berliner gegen die Mitarbeiter der BVG Stimmung zu machen . Ich hatte 2006 bei der BVG angefangen und hatte 2008 ca. 1650€ Brutto Verdient . Hier die Momentane Lohn Tabelle nach TVN Berlin (die fahrer sind in der 5 eingruppiert ) https://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/tv-n/be?id=tv-n-be-2018&matrix=1

  5. 39.

    Nee, Kernphysik ist das Busfahren hier nicht, aber ein Physiker würde wohl nach einer Tour schreiend davon rennen!

  6. 38.

    Na ist ja suppi dass es Morgens in Tegel lief...ich durfte gerade nach 1 h warten auf ein Taxi ne halbe Stunde mit schwerem Gepäck zu Fuss zum Jacob Kaiser Platz latschen.
    Ab 20 h totales Chaos in Tegel. Was ne sch.... Klitsche Berlin doch iss!
    Trotzdem ist der Streik richtig! Die hart arbeitenden Berliner sollen mehr verdienen, nicht immer nur die Miet Haie, die das wenige hart verdiente Geld sofort wieder in den Rachen geschmissen bekommen!

  7. 37.

    Die 3000 € Brutto nehme ich sofort. Ich bin Busfahrer in einem privaten Betrieb in Berlin, wir fahren im Auftrag der BVG. Also Subunternehmer. 11,62 € die Stunde brutto. Im Reiseverkehr sind es 11,12 € brutto. Wir fahren alles was es gibt. Abgeordnete, Fußballer der ersten und zweiten Bundesliga usw.
    Da sollten sich die Leute mal Gedanken machen. Mein Monatslohn liegt immer zwischen 1800 und 2000 € netto für 220 Stunden im Monat.

  8. 36.

    Ein Busfahrer verdiente in Berlin mit ein paar Jahren Berufserfahrung und Zuschlägen um die 3000 Euro brutto. Und das sind Zahlen aus 2008. Die Angaben hier in den Kommentaren sind unrealistisch bzw absolute Einstiegsgehälter.
    Wenn mein Arbeitgeber schon so pleite ist, und noch dazu Unterbesetzung herrscht, dann quetsche ich ihn doch nicht noch weiter aus und fordere weniger Stunden und mehr Geld. Völlig abgehoben. Aber dumme Entscheidungen gehören bei Verdi einfach dazu, hat man ja jedes Jahr zu Weihnachten bei dem ach so schlimmen Arbeitgeber Amazon. Habe selber dort gearbeitet und fand den Lohn für diese Schnulliarbeit mehr als angemessen. Und dann kommt Verdi und fordert und fordert.. Da schämt man sich als Mitarbeiter für das Verhalten der Gewerkschaft. Einfach mal wirtschaftlich denken, und nicht immer nur im Guter Arbeiter, böser Arbeitgeber-Schema..

  9. 35.

    Ich musste mir frei nehmen. Ein Urlaubstag weniger. Mein Opfer für den heutigen Streik. Krieg ich auch nicht ersetzt. Gehaltserhöhungen wird es bei uns auch zukünftig eher weniger geben. Ich habe Verständnis für den Streik, aber jetzt muss bitte auch kein Heldenepos draus gemacht werden.

  10. 34.

    Verlierer sind doch bei einem solchen Streik eh nur wir Kunden der BVG. Wenn ich mal überlege, dass die BVG ein staatliches Unternehmen ist, holen die sich ihren Verlust über die Steuern oder teurere Ticketpreise wieder rein. Die Streikenen bekommen zwar für diesen Tag weniger Geld (durch Verdi und Co.) aber die sind auch nicht die Verlierer des Streikes. Sie müssen ja nicht mal ihre versäumte Arbeit nachholen, weil es nicht geht. Anders z.B. Lehrer die nach einem Streik den Stoff nach holen müssten - oder auch andere Berufe.
    ERGO: Dieser Streik bestraft nur einen - den BVG-Benutzer und damit den Falschen. Darüber sollte man mal nachdenken, bevor man streikt.

  11. 33.

    Ich hab die Passage mit dem Eigenlob im aktuellen "BVG PLUS"-Heft mal rausgesucht, da steht:
    "Such 2019 darf sich die BVG zu den besten Arbeitgebern Deutschlands zählen. Zum dritten Mal in Folge gehört die BVG nach Einschätzung des Top Employers Institute zu den Unternehmen, die mit herausragender Personalführung und -strategie ihre Beschäftigten in den Mittelpunkt stellen".... öhm, ja klar.

  12. 32.

    Alex weisst du uberhaupt was bus fahrer verdinnen hast du in dein leben bus gefahren wie wers mit ein schicht mit m48 durchfahren

  13. 31.

    Ja klar, Privatisierung !?! Dann denk aber auch daran, dass privatwirtschaftliche Unternehmen Gewinn erwirtschaften müssen. Was sich aber nicht rechnet wird auch nicht erbracht. Oder meinste bei privaten Busunternehmen arbeiten die Fahrer zum Nulltarif?

  14. 30.

    Erstens: Ich solidarisiere mich absolut mit diesem Streik. Er ist absolut gerechtfertigt. Ich habe enormen Respekt davor was die Fahre unserer öffentlichen jeden Tag leisten, auch wenn wir als Kunde wohl oftmals nicht verstehen was der Aufwand dieser Arbeit wohl ist. Nen U Bahnfahrer muss doch nur durch einen Tunnel fahren. Die Realität sieht aber sicher anders aus
    Zweitens: Es ist wie so an vielen Stellen in Berlin. Berlin war mal ein Bundesland wo man mit recht geringen Fixkosten gut Leben konnte. Preiswertes essen gehen, niedrige Mieten, niedriger Lebensunterhalt und dafür aber auch etwas geringerer Lohn im Vergleich zu anderen Bundesländern. Inzwischen ist aber alles rapide Gestiegen. Eine Miete kostet für viele bereits den gesamten Monatslohn, essen Gehen wird zum Luxus (Milchkaffee 3,00 „Kopfschüttel“) aber das was stetig gleich bleibt ist das Gehalt in Berlin. In den Medien wird nicht umsonst ständig mit anderen Ländern verglichen und das Fass ist einfach mal voll in dieser Stadt. Die Sturheit vom Senat und Arbeitgebern runiniert diese Stadt und da hilft auf die Dauer auch kein boomender Tourismus. Wenn Berlin seine Einwohner vergrault, was macht dann diese Stadt noch aus? Das wir Universal an der Spree haben? Eine Mercedes Benz Arena? Die 75 Einkaufsmeile unter Dach? Also neuer Slogan für Berlin: Berlin, reich aber geizig.

  15. 29.

    Und die Taxen fahren auch nicht. Zwei lange Schlangen Amt terminal A in Tegel. Willkommen in der unfähigsten Hauptstadt Europas

  16. 28.

    Die Lohnforderungen der Gewerkschaft sind eine Frechheit! Die derzeitige Bezahlung der Busfahrer (ca.1500 Euro) ist fair und sehr angemessen, unter Berücksichtigung der relativ geringen Qualifikationsanforderungen dieses Berufes. Der BVG Busfahrer ist nun wahrlich kein Kernphysiker oder eine sonstige Fachkraft. Es gibt andere Berufsgruppen (z.B. Erzieher) bei denen eine bessere Bezahlung notwendiger und angemessener wäre.

  17. 27.

    Da bin ich mal gespannt, ob Ver.di wirklich gut verhandeln will, oder nur heiße Luft verkündet. Da es bisher nur Warnstreiks waren, werden viele BVG'er einige Überstunden weniger bzw. unbezahlte Arbeitsstunden mehr haben. Der Berliner Senat wird langsam immer mehr in die Ecke gedrängt, was die Mehrausgaben betrifft. Bei einem Mehraufwand von bis zu 80 Millionen Euro jährlich (neues Komplettpaket) bei der BVG und die rund 900 Millionen durch den TVÖD, muss wohl von einer Privatisierung der Berliner S-Bahn Abstand genommen werden, da das Geld für den landeseigenen Fuhrpark (knapp 4 Milliarden Euro)in Zukunft nicht vorhanden sein dürfte. Hinzu kommen noch Wohnungsbau, Investition in die Bildung, Ausbau des ÖPNV bei BVG und S-Bahn und natürlich die Schuldentilgung (ab 2020 sogar die Schuldenbremse). Für das Dilemma bei der BVG sind SPD/Linke verantwortlich, da 2005 Harald Wolf (Die Linke) den TV-N zur "Chefsache" erklärte.

  18. 26.

    Dann machen sie den Job doch mal einen Monat lassen sich von Säufern und anderen Volk aufs Maul hauen dann reden wir weiter. Ich kann da jeden Busfahrer verstehen da zu der Stress auf Berlins Strassen ich als LKW Fahrer weis wo von ich rede.

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