Symbolbilld: Ein Arm mit Hämatom (Quelle: imago/Maria Reichenauer)
Audio: rbb 88.8 | 01.03.2019 | Ricardo Westphal | Bild: imago/Maria Reichenauer

Hilfsangebot der Berliner Charité - Gewaltschutzambulanz meldet viermal mehr Opfer als 2014

Opfer von Gewalt wissen oft nicht, an wen sie sich wenden sollen. Seit 2014 können sie die Gewaltschutzambulanz der Berliner Charité aufsuchen. Dort werden Verletzungen untersucht und dokumentiert. Die Zahl der Fälle ist in den vergangenen fünf Jahren stark gestiegen.  

Gewürgt, geschlagen, getreten: Seit Eröffnung der Berliner Gewaltschutzambulanz vor fünf Jahren haben rund 4.700 Menschen dort um Hilfe gebeten. Rund 2.500 von ihnen hatten nach Gewalterfahrungen sichtbare Verletzungen.

Bei fast der Hälfte der Fälle gehörten Partner oder Ex-Partner zu den Tätern, bei einem knappen Drittel (31 Prozent) kannten sich Täter und Opfer, wie die Einrichtung der Charitè am Freitag mitteilte. Drei Viertel der erwachsenen Gewaltopfer waren Frauen, ein Fünftel aller Betroffenen Kinder. Bei der Hälfte der Kinder (51 Prozent) bestätigte sich der Verdacht auf eine Gewalttat.

Mehr als 100 Fälle pro Monat

Die Zahl der untersuchten Taten in der Ambulanz pro Jahr hat sich seit 2014 mehr als vervierfacht. 2014 wurden noch 307 Fälle registriert. 2018 waren es bereits 1.381 und damit im Schnitt mehr als 100 Fälle pro Monat, wie die Senatsverwaltung für Justiz am Freitag mitteilte.

Die Gewaltschutzambulanz gehört zur Berliner Charité. Grundidee war die Schaffung eines niederschwelligen Angebots für Gewaltopfer, um erlittene Verletzungen rechtsmedizinisch untersuchen und dokumentieren zu lassen. Beides erfolgt durch Gerichtsmediziner - vertraulich und kostenlos.

Über Strafanzeige kann später entschieden werden

Dabei müssen die Gewaltopfer nicht sofort entscheiden, ob sie Anzeige erstatten. Die Dokumentation zählt aber bei einer Verhandlung vor Gericht. Gefördert wird die Ambulanz derzeit mit einer Million Euro pro Jahr aus dem Haushalt des Justizsenats.

Häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, interpersonelle Gewalt und Kindesmisshandlung werden von der Charité als weit verbreitete Probleme mit schweren, meist sehr langwierigen gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen gesehen.

Sendung: Abendschau, 01.03.2019, 19.30 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    "Daran wird der 8. März als gesetzlicher Feiertag für Frauen nichts ändern können." - Er kommt jährlich etwas nüchterner daher als der Muttertag und macht das Beleuchten der Auswirkungen eines in erster Linie männlich ausgeprägten Musters hoffentlich eher möglich. Und einiger anderer änderungswürdiger Verhältnisse auch. Trotz Tabuisierung wird der 8. März vielleicht ein freundlicher "steter steinhöhlender Tropfen". ... wer weiß, welche Me-too-Debatten noch eröffnet werden.

  2. 1.

    Daran wird der 8. März als gesetzlicher Feiertag für Frauen nichts ändern können.

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