Der 18-jährige Pele steht vor dem Eingang zum U-bahnhof Kaiserdamm (Quelle: rbb/Alina Ryazanova)
Audio: Inforadio | 21.03.2019 | Alina Ryazanova | Bild: rbb/Alina Ryazanova

Internationaler Tag gegen Rassismus - "Ich komme aus Deutschland und das haben alle zu akzeptieren"

Pele ist 18 Jahre alt, erfolgreicher Fünfkämpfer und lebt seit seinem sechsten Lebensjahr in Berlin. Wegen seiner dunklen Hautfarbe wird er oft im Alltag mit rassistischen Anfeindungen konfrontiert - vor allem in der U-Bahn. Von Alina Ryazanova

Pele Uibel kommt mir am U-Bahnhof Olympiastadion strahlend entgegen. Pele studiert Jura an der Humboldt-Universität Berlin. Der 18-Jährige ist in Charlottenburg aufgewachsen und gehört, wie er sich selbst beschreibt, zu den "People of Color". Aufgrund seiner dunklen Hautfarbe wird er oft mit Rassismus konfrontiert. Die U-Bahn bezeichnet er als Brennpunkt für solche Situationen. Nur ein Beispiel, von dem Pele berichtet: In der U2 am Kaiserdamm steigt ein älterer Herr mit Koffer ein und rollt mit diesem über seine Füße.

Jemand mit weißer Hautfarbe (...) wird nicht gleich gefragt, woher er kommt.

Pele aus Berlin

Gegenüber anderen Fahrgästen regt der Mann sich darüber auf, dass Peles Füße im Gang stehen, wie er erzählt. "Sie haben gefragt, warum er mich nicht direkt anspricht, sondern sich bei dem ganzen Zug aufregt", so Pele. "Er meinte, es sei nicht selbstverständlich, ob ich deutsch sprechen könnte." Aber jemand mit einer dunklen Hautfarbe könne seiner Ansicht nach genauso Deutsch sein, wie jemand mit einer weißen Hautfarbe. "Das Bild eines Deutschen geht immer noch sehr stark in eine Richtung und viele verstehen das nicht".

Pele war noch nie auf Jamaika

Peles Großeltern stammen aus Jamaika. Als einfache Fabrikarbeiter sind sie in den 1960er Jahren nach England gekommen, um dort mehr Geld zu verdienen, und holen ihre Kinder nach. In London lernt später ihr Sohn eine deutsche Frau, Peles Mutter, kennen.

Pele wird in London geboren. Als er sechs Jahre alt ist, zieht die Familie nach Berlin. Pele ist Deutscher und war noch nie auf Jamaika. Er träumt davon, eines Tages seine Verwandten auf der Karibik-Insel zu besuchen. Aber das möchte er nicht jedem erzählen: "Wenn mich jemand fragt, woher ich komme, antworte ich aus Deutschland. Erstmal aus Prinzip, weil ich genau weiß, das ist nicht die Antwort, die sie hören wollen." Oft würden sie noch mal nachhaken, wo er wirklich herkomme und wo seine Eltern geboren sind.

"Die Frage nach der Herkunft ist überhaupt nicht berechtigt"

"Genau das ist das Problem. Wenn ich sage, ich komme aus Deutschland, haben eigentlich alle das zu akzeptieren", sagt Pele. Seiner Meinung nach, sei diese Frage überhaupt nicht berechtigt. "Jemand in meinem Alter mit einer weißen Hautfarbe kann genauso gut aus Polen, aus Frankreich oder aus Österreich kommen. Der Unterschied ist: Er wird nicht gleich am Anfang des Gespräches gefragt, woher er kommt".

Seine Eltern haben Pele nach dem berühmten Fußballspieler benannt. Er ist auch Sportler geworden, aber der 18-Jährige ist Fünfkampf-Profi. Das bedeutet, er muss schießen, schwimmen, reiten, laufen und fechten. Im letzten Jahr belegte er bei den Olympischen Jugendspielen in Argentinien den vierten Platz für Deutschland. Nach diesem Erfolg wird er auf einer Veranstaltung in Berlin gefragt, für welches Land er eigentlich antritt.

Eine Hoffnung für mehr Toleranz: das Internet

"Rassismus ist allgegenwärtig, den erfahre ich täglich. Er wird als etwas hassbewegtes, bösartiges verstanden. Bei diesem Wort stellt man sich einen Nazi vor. Das ist aber für mich kein Spitzenreiter", meint Pele. Vielmehr ist Rassismus seiner Meinung nach etwas Unterschwelliges, "sogar ohne böse Absicht". Die "People of Color" leben in Berlin und sind in Deutschland großgeworden, aber man nimmt einfach an, sie kommen aus irgendeinem anderen Land, wo Menschen traditionell eine dunklere Hautfarbe haben, sagt der 18-Jährige. "Das ist aber kein jetziger Zustand von Deutschland."

Es könnten noch mehrere Jahrzehnte vergehen, bis die "People of Color" nicht mehr gefragt werden, wo sie herkommen, schätzt Pele. Eine Hoffnung sieht er aber im Internet. "In Zeiten von Social Media gibt es viele 'People of Colour', die im Rampenlicht stehen und ihren Followern über Rassismus berichten können." Das könnte auch dazu beitragen, dass ein Teil der Bevölkerung in eine tolerantere Richtung bewegt wird. Bis dahin wird er sich immer wieder erklären müssen, sagt der junge Mann und steigt wieder in die U-Bahn.

Sendung: Inforadio, 21.03.2019, 08:50 Uhr

Beitrag von Alina Ryazanova

Kommentar

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44 Kommentare

  1. 44.

    Das nennt sich "Ethnopluralismus". Moderner Rassismus. Ich bin auch auf die Erklärung gespannt^^

  2. 43.

    Oha, Sie gehen hier mit Ihrem Doktorgrad hausieren und behaupten ernsthaft, es gäbe eine "deutsche Ethnie"? Bitte führen Sie das mal aus, ich bin sehr gespannt.

  3. 42.

    Ich kann es einfach nicht verstehen, wie hier z.t. miteinander umgegangen wird. Auf einen Kommentar zu reagieren, eine andere Meinung zu haben, oder sich zu erklären oder zu wehren, das ist völlig legitim. Aber man kann immer öfter beobachten, dass gerade diejenigen, die am aggressivsten argumentieren und andere User angehen, selber am sensibelsten sind und gerne belehrend, geradezu „erzieherisch“ daher kommen. Wenn wir uns schon so bekämpfen und intolerant angehen, wie soll dann gesellschaftlich insgesamt Toleranz und Akzeptanz entstehen und wachsen können?

  4. 41.

    Wenn ich solch Erlebnisse, wie @ Störenfrieda im Kommentar 13 beschreibt lese, dann bin ich jedesmal überrascht, wenn sich andere erwachsene Personen im Abteil nicht äußern und nur ihre Klappe halten. Mir ist solch ein Verhalten von älteren Personen insbesonders gegen Schulkinder in der Vergangenheit schon vorgekommen und habe in einigen Fällen dann Partei ergriffen für diese Kids. Worauf mir einmal eine ältere Dame(?) ganz echauffiert sagte: sie müssen ein Lehrer sein. Darauf konnte ich nur schmunzeln. Ein anderes mal wies ich einen älteren Mann in die Schranken, der sogar drohend gegen zwei Schuljungs den Krückstock anhob. Es wurde mucksmäuschen still im Abteil als ich laut sagte: hier wird nicht geschlagen.

  5. 40.

    Sehr zutreffend Ihr Kommentar. Umgangsformen, Tugenden. Leute bleibt mal auf dem Teppich. Wenn ich anderen die Tür aufhalte und kein Danke höre, haben diese Personen auch nicht gleich falsche Umgangsformen. Obwohl ein Danke oder Bitte zu sagen kein Beinbruch ist. So etwas kommt nun mal vor. Jetzt auch schon Pele zu kritisieren weil er die Hände in den Hosentaschen hat, geht echt schon zu weit.

  6. 39.

    Ich finde es traurig u. schade, wie hier Pele zum "Internationalen Tag gegen Rassismus" instrumentalisiert wurde.
    Emotional kann ich alles nachvollziehen, was ihn momentan auf dem Weg zum Erwachsenen bewegt!
    Das ist eine andere Geschichte, und auch wieder nicht so einmalig in dieser (schon immer) kranken Metropole; wenn du Muster nicht bedienst, statt schön Bildung auf deinem Lebensweg bevorzugt hast.
    Ich mach aber mal an der Headline fest, und da wird es dünn "Internationaler Tag gegen Rassismus":
    Er hat seine Fähigkeiten beim Abitur nicht unter Beweis stellen dürfen?
    Er wurde nicht zum Jura-Studium an der HU zugelassen?
    Er hat keinen Sportclub in Berlin, bei dem er sich als Fünfkämpfer alles (sportlich) ausreizen kann?
    Was für eine Backpfeife für Lehrer, Betreuer, Trainer, (ehrenamtlich) Engagierte.
    Aber wir hatten einen repräsentativen Beitrag zum "Internationaler Tag gegen Rassismus", dank rbb.

  7. 38.

    Den farblichen Unterschied bei Menschen abzulehnen bedeutet, sich der Vielfalt der Natur entgegen zu stellen. Menschen entdeckten mittels der Gegensätzlichkeit die Philosophie des Yin und Yang, erfanden den Farbfernseher und den Binärcode. Übrigens, menschliche Tugenden bedürfen keiner bestimmten Hautfare, aber Hände in den Taschen wirkt flegelhaft.

  8. 37.

    In Ihren beiden Reaktionen auf die Kommentare der User schulmeistern Sie höchst aggressiv und bezeichnen beide Kommentare als „unredlich“. Und Sie schimpfen @T. Marquard aus wie ein ungezogenes Kleinkind. Ganz ehrlich? Die eigene Nase läßt grüßen, so herablassend und intolerant, wie Sie sich verhalten. Das disqualifiziert Sie, den Zeigefinger so hoch zu heben. „Was Du nicht willst das man Dir tu...“ ^^ Insgesamt kann ich nur betonen, wie befremdet, fast schockiert ich bin. Was hier z.t. geäußert wird ist haarsträubend. Wie sehen denn Deutsche eigentlich aus? Warum ist es wichtig, diese optischen, oberflächlichen Selektionen überhaupt vorzunehmen? Ich freue mich über einen jungen Mann, der eine Bereicherung darstellt. In allen Belangen. Hallo Pele, schön dass es Dich gibt.

  9. 36.

    Mal abgesehen vom juristischen "staatsbürgerschaftlichen" Aspekt (der hier gar keine Rolle spielt), wird jemand als "deutsch" anhand diverser Eigenschaften klassifiziert. Dazu gehört eben auch die Hautfarbe. Mit Rassismus hat das nichts zu tun, denn der hat eine wertende (!) Komponente, also "besser/schlechter als". Insofern sollten die Gutmenschen hier mal darüber nachdenken, ob sie die Rassismuskeule wirklich schwingen sollten. Der junge Mann wird als "fremd" klassifiziert, weil er nun mal dem als typisch angesehen Äußeren eines Deutschen nicht sehr nahe kommt. Diesen Fakt kann man ja wohl nicht negieren und auch keinem hiesigen "Biodeutschen" zum Vorwurf machen. Dass es nach der 100. Frage lästig wird zu erklären, dass man seit seinem 6. Lebensjahr in Deutschland lebt und ursprünglich aus xyz kommt, ist nachvollziehbar. Es gehört aber zur sozialen Interaktion als Zeichen von Interesse nun mal dazu. Wir leben (noch!) nicht im Kommunismus, wo alle "egal" sind.

  10. 35.

    Meinen Kommentar als "auf jeden Fall falsch" zu diffamieren, zeugt von dramatisacher Ahnungslosigkeit und mangelnden Umgangsformen. Wenn Sie den Unterschied zwischen Deutschen als Ethnie und deutschen Staatsbürgern nicht kennen, ist das Ihr Problem. Es ist Ihre Sache, sich weiterzubilden. Das berechtigt Sie aber noch lange nicht, sich derart zu gebärden und mir Volksverhetzung zu unterstellen. Das ist nicht nur unredlich, es ist auch ungezogen.

  11. 34.

    @rbb24: Na eben keinen. Darum geht es doch. Selbst wenn er z.b. eine doppelte Staatsbürgerschaft hätte, wäre es für mich selbstverständlich Peles Wunsch zu respektieren, als Deutscher akzeptiert zu werden. Wäre er im Pass Brite umso mehr, da er sich trotzdem als Deutscher empfände. Und da das einigen Usern hier sogar ohne diese Information schwer fällt, fände ich diesen Fakt sehr interessant.

  12. 33.

    Ab wann ist man denn Ihrer Meinung Deutscher? Muß man hier geboren sein? Müssen die Eltern, Die Großeltern, Urgroßeltern hier geboren sein?

  13. 31.

    Frage an rbb24: Warum gibt es keinen Hinweis auf die Staatsbürgerschaft von Pele? Denn es ist doch irrelevant, ob er Brite, Deutscher oder beides ist. Die Äußerungen von @Dr. Peter Müller und Rolf Ziegler sind auf jeden Fall falsch. Es ist und bleibt volksverhetzend und selbst wenn Pele Brite wäre, sich aber aufgrund seiner deutschen Mutter und seines Lebens hier als Deutscher fühlt, ist das nicht infrage zu stellen. Ist es nicht das, was sonst derart positionierte Wutbürger verlangen? Ja was denn nun? Es möchte ein junger Mann vorurteilsfrei als Deutscher akzeptiert werden. Das ist sein Recht. Und laut populistischer Propaganda seine Pflicht^^ . Anpassung, Integration...Danach ruft Ihr doch sonst so laut?! Tja. Ertappt. Schade ;-)

  14. 30.

    Ein kleiner Buchtipp, um sich mal richtig über das Thema zu informieren: Wulf D. Hund, „Wie die Deutschen weiß wurden-kleine Heimatgeschichte des Rassismus“ (bpb). Mal etwas über‘s Stammtischniveau hinaus^^.. Desweiteren ein Link zum Selbstcheck, wo man steht: https://www.zeit.de/campus/2018-05/diskriminierung-rassismus-aufmerksamkeit-alltag. Ein Fragebogen, der kaum Fragen über die eigene Positionierung offen läßt ;-)

  15. 28.

    Ich muss gestehen, dass ich aufgrund meiner Lebenshistorie nicht betroffen bin von dem Problem. Allerdings könnte ich mutmaßen, dass der Ton (wie so oft) die Musik macht. Wenn jemand ganz unbefangen, neugierig und freundlich fragt, wo kommst Du denn her, ist es evtl. ja leichter, sowas zu sagen, wie "aus Charlottenburg aber ganz ursprünglich mal aus London". Ich kann mir aber eine ganze Reihe von Intonationen, Körper- und Geistshaltungen vorstellen, die den Ton komplett verändern. Und für meine Begriffe bestünde für mich als(zugegebenermaßen nicht Betroffener)Zuhörer so eines Dialogs der Unterschied, wie ich das wahrnehme...

  16. 27.

    Bitte informieren Sie sich (als persönliche Fortbildungsmaßnahme) über den Unterschied zwischen ethnischem Deutschen und deutschem Staatsbürger. Vor diesem Huntergrund ist die Bemerkung von der Volksverhetzung nicht nur unredlich sondern ausgesprochen unqualifiziert. Nicht jeder ethnische Deutsche ist deutscher Staatsbürger, und nicht jeder deutsche Staatsbürger ist ethnischer Deutscher. Klingt komisch, ist aber so. Oder wollen Sie etwa der deutschen Minderheit in Dänemark absprechen, Deutsche zu sein?

  17. 26.

    Sie bestimmen jetzt, wie empfindsam andere Menschen sein dürfen? Gehts auch ne Nummer kleiner??? Das steht Ihnen überhaupt nicht zu. Pele und seine Familie werden sich diese Sensibilität mühselig „verdient“ haben, so wie die gesellschaftliche Stimmung derzeit ist, bin ich da ganz sicher. Der Eine ist halt empfindlich bezüglich des Alltagsrassismus, den er ertragen muss, der Andere z.b. beim U-Bahn fahren am Alex, wegen Angst vor Mördern. Jedem das Seine, gelle? ^^

  18. 25.

    Deutscher ist, wer die deutsche Staatsbürgerschaft hat. Wer anderer Meinung ist, darf sich als persönliche Fortbildungsmaßnahme mal das Strafgesetzbuch hinsichtlich z.B. Volksverhetzung durchlesen.

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