Symbolbild: Berliner Kinderärzte unterstützen Masern-Impfpflicht (Quelle: dpa/Laurent Gillieron)
Video: rbb24 | 25.03.2019 | Andreas Jöhrens | Bild: dpa-Symbolbild/Laurent Gillieron

Experten befürchten Epidemien - Auch Berlin debattiert über eine Masern-Impfpflicht

Angesichts befürchteter Masern-Epidemien in Deutschland denkt die Große Koalition derzeit über eine Impfpflicht nach. Berliner Kinderärzte finden das eine gute Idee: Mit Freiwilligkeit komme man da einfach nicht weiter. Die Gesundheitssenatorin sieht das ein bisschen anders.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) will die Menschen beim Thema Masern lieber mit Argumenten zur Impfung bewegen als mit Zwang. "Wir sind überzeugt, dass es andere Wege gibt, die Impfquote in Berlin zu verbessern", sagte sie. Kolat verwies auf einen Plan des Landes, Impflücken mit konkreten Maßnahmen zu schließen. "Hier geht es beispielsweise darum, bei den Einschulungsuntersuchungen gleichzeitig eine Impfberatung und falls gewünscht auch eine Impfung anzubieten", sagte die Senatorin. Sollte auf Bundesebene eine Impfpflicht eingeführt werden, werde Berlin das aber umsetzen.

Kinder- und Jugendärzte aus Berlin unterstützen eine Impfpflicht gegen Masern. "Auch aufgrund der immer wieder auftretenden schweren Epidemien stehen wir für eine Impfpflicht für Kinder", sagte Jakob Maske, Berliner Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Versuche, das Problem anders in den Griff zu bekommen, seien bislang gescheitert. In Deutschland setze man seit Jahren auf Freiwilligkeit, doch noch immer sei der Impfschutz nicht ausreichend.

Masernwelle 2015 in Berlin

Anlass für die Diskussion sind Überlegungen in der Großen Koalition, eine Impfpflicht gegen Masern einzuführen. SPD-Fraktionsvize und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte dem Redaktionsnetzwerk RND gesagt, er sei darüber mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Gespräch und "zuversichtlich, dass wir demnächst einen entsprechenden Vorschlag vorlegen können".

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte im Januar berichtet, dass weltweit die Zahl der Fälle von Masern im Jahr 2017 um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen ist. Zu einem Anstieg kam es demnach zuletzt auch in der WHO-Region Europa: Im Jahr 2017 seien dort 23.927 Menschen erkrankt - 2016 waren es nur 5.273.

Den bundesweit größten Ausbruch in den vergangenen zehn Jahren gab es 2015 mit 2.465 Fällen, davon entfiel etwa die Hälfte auf Berlin. Aktuell ist die Zahl rückläufig. 2017 gab es in Berlin laut Robert Koch-Institut 69 Erkrankungen, 2018 waren es 30 Fälle und in diesem Jahr vier Infektionen.

Über eine Impfpflicht wurde in Deutschland bereits wiederholt diskutiert, vor allem nach regionalen schweren Masernausbrüchen. Anlass der aktuellen Debatte ist eine verstärkte Häufung von Masernfällen unter anderem im Raum Hildesheim.

Sendung: Inforadio, 25.03.2019, 12:45 Uhr

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Hier noch einige fachliche Anmerkungen zu diesen Meldungen der Medien. Geimpft wird seit den 50 iger Jahren mit dem Maserimpfstoff Virus des Genotypes A, steht auch im Internet. Es gibt weltweit insgesamt 24 Genotypen vom Virus inklusive Untertypen. Die Maserausbrüche beziehen sich meistens auf andere Stämme, was auch nicht unbedingt untersucht wird. Ist zu teuer. Das RKI nimmt nur die gemeldeten Fälle mit in die Statistik auf. Steht im RKI Bulletin. Ob die gemeldeten Fälle nochmals labordiagnostisch untersucht werden, weiß keiner, nur die Institutionen RKI, Gesundheitsamt selbst wissen das. An dieser Stelle werden hier keine Fragen gestellt. Warum wird die Bevölkerung hier nicht adäquat aufgeklärt? Somit erklärt sich hier von selbst was die Wahrheit und was nicht. Steht auch alles in den Beipackzetteln, denn Impfstoffe sind Medikamente, man braucht ja das als Arzt und Apotheker nicht erklären.

  2. 2.

    Selbst das RKI sagt, dass Masern rückläuig ist. Ob da dann wohl eine Lobby dahinter steckt?
    Und wenn man sich verschiedene Medien durchliest, ähneln sich viele Texte auffällig. Statt einfach nur "abzuschreiben" sollte mal anständig recherchiert werden.

  3. 1.

    Und in Kleinmachnow darfste wegen eines Windpockenkindes nicht in die Schule oder Kita... offenbar werden andauernd diese Krankheiten verwechselt. Was juckt, ist gefährlich *augenroll*

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