Ein Polizeibeamter zeigt bei einem Pressetermin die Handhabung einer Elektroimpulswaffe. Quelle: dpa/Paul Zinken
Bild: dpa/Paul Zinken

Einsatz in Berlin-Kreuzberg - Polizisten setzen Messerangreifer mit Taser außer Gefecht

Weil er seine Lebensgefährtin attackiert haben soll, haben Berliner Polizisten einen Messerangreifer mit einer Elektroschock-Pistole, einem sogenannten Taser, außer Gefecht gesetzt. Das teilte die Berliner Polizei am Dienstag mit. Der Einsatz fand in einer Kreuzberger Wohnung in der Adalbertstraße statt.

Trotz entsprechender Aufforderung habe der Mann seine zwei Messer nicht abgelegt. "Als der 34-Jährige die Hand mit einem Messer hob, löste ein Beamter den Taser aus", sagte ein Sprecher der Polizei. Der 34-Jährige wurde am Montagmittag vorübergehend festgenommen und in ein Krankenhaus gebracht - dort wurde er laut den Angaben wegen seines psychischen Zustandes weiter beobachtet. Seiner 30 Jahre alten Lebensgefährtin soll er eine Schnittverletzung am Oberschenkel zugefügt haben. Sie wurde in einer Klinik behandelt. Die Polizei stuft den Vorfall als häusliche Gewalt ein.

Die mit dem Taser ausgestatteten Beamten wurden laut Angaben extra für den Einsatz angefordert. Zunächst hatten deren Kollegen dem Angreifer den Schusswaffen-Einsatz angedroht. Ein Fachkommissariat des Landeskriminalamtes prüft nun, ob der Taser-Einsatz zulässig war.

Gewerkschaft fordert Taser als "zusätzliche Hilfsmittel"

Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, erklärte nach dem Einsatz in einer Mitteilung: "Wir sehen anhand dieses Falls, dass der Taser als Einsatzmittel den Handlungsrahmen sinnvoll erweitert und durch ihn schlimmere Folgen verhindert werden können." Aus diesem Grund befürworte die Gewerkschaft auch die Einstuftung von Tasern als "zusätzliche Hilfsmittel" im Berliner Gesetz über die Anwendung unmittelbaren Zwanges für Polizisten. 

Um die Einführung von Taser-Pistolen für die Berliner Polizei zu prüfen, testen einige Streifenpolizisten in Teilen von Kreuzberg und Mitte die Geräte seit Februar 2017 in einem Probelauf. Sie sollen diese einsetzen können, um in bestimmten Situationen den Griff zur Pistole zu vermeiden. Angreifer werden mit dem Taser kurzzeitig außer Gefecht gesetzt, aber nicht ernsthaft verletzt. Bislang sind in Berlin Einzelfälle bekannt, in denen Streifenpolizisten die Geräte nutzten, etwa um Selbsttötungen zu verhindern.

Sendung: Abendschau, 12.03.2019, 19.30 Uhr

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5 Kommentare

  1. 5.

    "Da ändert es nur wenig, wenn von einer tödlichen auf eine vermeintlich nicht-tödliche Waffe zurückgegriffen wird."
    Ich denke, für den Betroffenen ändert das eine ganze Menge. Ob man kurzzeitig außer Gefecht ist oder tot, macht doch einen gewaltigen Unterschied.

  2. 4.

    Welcher Personenkreis wird denn dann in Zukunft zu einem Einsatz mit häuslicher Gewalt geschickt? Gibt es dann Psychologen, PSychiater und Priester auf Streife?
    Wann hätte die Polizei denn in dieser Situation übernehmen dürfen? Wenn der Mann seine Lebensgefährtin erstochen hätte oder auch dann nicht weil es ja aus einer psychischen Extremsituation erfolgt ist?

  3. 3.

    Keine Ahnung was du für ein Kunde hier bist ?!
    Aber geh mal hin zu so einem Einsatz, wenn dort ein Irrer mit einem Messer rumfuchtelt. Dann fängst du natürlich an darüber nachzudenken, ob der arme Irre,eventuell tödlich verletzt werden könnte ??!! Dein Ernst....ich glaube es ja wohl nicht, hier so ein Unsinn abzulassen.
    Zumal ja hier die Polizei auf Streife schon genug zu tun hat !

  4. 1.

    Auch hier, wie für alle anderen Bereiche der Polizeiarbeit auch, gilt: Nicht die Erhöhung von Befugnissen, sondern die Erhöhung der Ausbildungsqualität und -quantität muss das Ziel sein. Dass Polizist*innen die ungeeingetesten Personen sind im Ungang mit selbst- oder fremdgefährdenden Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, zeigen die zahllosen, selbstredend unnötigen, Tötungen durch die Polizei. Da ändert es nur wenig, wenn von einer tödlichen auf eine vermeintlich nicht-tödliche Waffe zurückgegriffen wird. Es gibt jahrelange Studien zu Fällen unabsehbaren Risikos beim Einsatz dieser nichtsdestotrotz Waffen, der bei besonders ungünstigen gesundheitlichen Voraussetzungen der Zielperson zu derem Tod führen kann.

    Es ist nicht diese blinde Sorglosigkeit im Erweitern von Befugnissen, sondern die Ausblendung, dass die Polizei schlichtweg nicht angemessen ausgebildet ist und sein kann für Personen in psychischen Krisen. Dafür gibt es andere zu fördernde Berufe.

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