Kriminaltechniker der Berliner Polizei untersuchen das Haus der Schwester der verschwundenen 15-jährigen Rebecca am 01.03.2019 (Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka)
Video: Abendschau | 06.03.2019 | Kerstin Breinig | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Chef-Ermittler bei "Aktenzeichen XY" - Rebecca hat Haus wohl nicht mehr selbstständig verlassen

Die Polizei geht fest davon aus, dass Rebecca nicht mehr am Leben ist. Das gehe aus ausgewerteten Kommunikationsdaten hervor. Das Mädchen habe das Haus wohl nicht mehr selbstständig verlassen, sagte der Leiter der Mordkommission am Mittwochabend im ZDF.

16 Tage nach dem Verschwinden der 15-jährigen Rebecca hat die Berliner Polizei am Mittwochabend weitere Ermittlungsdetails bekanntgegeben. Sie erhärten den Verdacht, dass Rebecca wahrscheinlich nicht mehr am Leben ist. "Wir gehen inzwischen fest davon aus, dass es sich um ein Tötungsdelikt handelt", sagte der Leiter der Dritten Mordkommission, Michael Hoffmann, in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst".

Wichtige Hinweise durch Telefon- und Routerdaten

Wenn man die verschiedenen Ermittlungen übereinanderlege, darunter auch das Telefonverhalten Rebeccas und die Auswertung der Routerdaten aus dem Haus ihrer Schwester und des Schwagers im Ortsteil Britz, komme man zu dem Schluss, "dass Rebecca das Haus nicht verlassen haben dürfte", sagte Hoffmann. Zum fraglichen Zeitpunkt, also am Morgen des 18. Februar, seien die Schülerin und ihr dringend tatverdächtiger Schwager allein im Haus gewesen, ergänzte Hoffmann.

Die Annahme, dass Rebecca das Haus gegen 7.15 Uhr verlassen hat, um zur Schule zu gehen, lässt sich aufgrund dieser Ausführungen nicht mehr aufrechterhalten. Rebecca hatte die Nacht im Haus ihrer Schwester und ihres Schwagers verbracht. Noch in der Nacht oder am Morgen verschwand sie. Kurz darauf wurde ihr Handy dauerhaft abgeschaltet.

Polizei startet neuen Zeugenaufruf

Der Schwager Rebeccas sei dringend tatverdächtig, sagte Hoffmann. Der 27-Jährige werde des Totschlags verdächtigt und befinde sich seit Montag Untersuchungshaft - "schweigt aber zur Sache", sagte der Leiter der Mordkommission.

Am Mittwochvormittag hatte die Polizei einen neuen Zeugenaufruf gestartet. Damit bittet sie um Hinweise zu Rebeccas Schwager und dem Fahrzeug, mit dem er am 18. und 19. Februar möglicherweise unterwegs war. Dabei könnte die Spur ins benachbarte Brandenburg führen.

Das Auto, das der Schwester und dem Schwager von Rebecca gehört, ein himbeerroter Renault Twingo in Metallic-Lackierung, sei am Tag, als Rebecca verschwand, östlich von Berlin auf einer Autobahn registriert worden, teilte die Berliner Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch über Twitter mit.

Auto zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) festgestellt

Das Fahrzeug wurde demnach um 10.47 Uhr auf der A12 zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) gesichtet. Am darauffolgenden Tag sei es dort um 22.39 Uhr erneut festgestellt worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll in diesem Zeitraum allein der verdächtige Schwager Zugriff auf das Auto gehabt haben.

Die Mordkommission hält die neue Spur für so relevant, dass sie am Mittwoch nicht nur Fotos des Renault veröffentlichte, sondern auch Fotos des Mannes ins Internet stellte [externer Link].

Fahrer sind durch Kesy nicht zu identifizieren

Das Kennzeichen des Renault wurde den Angaben zufolge von der automatischen Kennzeichenfahndung Kesy registriert. Das kameragestützte System wird von der Brandenburger Polizei seit 2010 eingesetzt und dient laut Polizeipräsidium vor allem der Gefahrenabwehr. Dabei geht es etwa um die Suche nach Fahrzeugen, die zur Fahndung ausgeschrieben wurden, nachdem sie gestohlen oder für Straftaten genutzt wurden.

Ein auf der A12 befindliches Gerät zur Kennzeichenfahndung, das verwendet wurde um das Auto von Rebeccas Schwager zu identifizieren (Bild: Morris Pudwell)Kameras an der Autobahn

Kennzeichen unverdächtiger Fahrzeuge werden wieder gelöscht, können aber nach einem entsprechenden richterlichen Beschluss erneut ausgelesen und gesichtet werden. Dieses Vorgehen ist durch das Polizeigesetz Brandenburgs (§36a) gedeckt. Neun Geräte sind den Angaben zufolge landesweit aufgestellt. Für Laien sind sie von außen nicht zu erkennen. Wie die üblichen "Blitzer" erfassen die Kameras das Nummernschild, aber nicht die Frontscheibe des Fahrzeugs. Der Fahrer des Wagens ist damit nicht zu identifizieren.

Zeugin will Rebecca noch am Montagabend gesehen haben

Aussagen einer jungen Frau, die Rebecca noch am Abend des 18. Februar an einer Bushaltestelle gesehen haben will, wollten die Ermittler nicht kommentieren. Der Fernsehsender N-TV hatte am Mittwochmorgen ein Video veröffentlicht, in dem sich eine Schülerin vor laufender Kamera äußerte. Dabei gab sie an, Rebecca um 18 Uhr gesehen zu haben. Eine Verwechslung sei ausgeschlossen: "Mir war 100-prozentig klar, dass es Rebecca war." Dies habe sie auch der Polizei gesagt. "Wir werden uns zu den laufenden Ermittlungen nicht äußern", sagte Stefan Stöhr von der Pressestelle der Generalstaatsanwaltschaft rbb|24 dazu am Mittwoch.

Familie hält Rebeccas Schwager weiter für unschuldig

Die Familie der 15-Jährigen hält den in U-Haft sitzenden Schwager von Rebecca weiterhin für unschuldig. "Die ganze Nummer" hänge mit einer anderen Sache zusammen, sagte Rebeccas Vater dem Sender RTL am Mittwoch. Um was es geht, dürfe er aber nicht sagen. Stattdessen wandte er sich direkt an seinen Schwiegersohn: "Florian, rede einfach. Klär' das, damit die ganze Suche in die andere Richtung geht, und zwar in die richtige. Wir müssen Becky finden."

Schon zuvor hatte der Vater den Mann seiner älteren Tochter in Schutz genommen. Die Haare im Kofferraum des Autos seien "garantiert vom Vortag". Da habe seine Tochter mit der Nichte im Auto gespielt. Die "Bild"-Zeitung zitierte Rebeccas Mutter, wonach ihr Schwiegersohn auch die Fahrt nach Brandenburg plausibel erklärt habe. Was die auffällige Fleecedecke betreffe, sei diese bei Ausflügen ständig dabei gewesen.

Anmerkung: In einer früheren Version des Beitrags hatten wir geschrieben, Rebecca habe das Haus nicht mehr lebend verlassen - um das Missverständnis zu vermeiden, sie befinde sich noch im Haus. Das Originalzitat des Leiters der Mordermittlungungen lautete jedoch: "Wenn wir die allgemeinen Ermittlungen übereinanderlegen (...) kommen wir zu dem Schluss, das Rebecca das Haus des Schwagers nicht verlassen haben dürfte."

Auf Nachfrage ließ die Pressestelle der Berliner Polizei jedoch offen, ob mit der Aussage gemeint war, dass Rebecca nicht mehr am Leben war, als sie das Haus verließ. Oder ob damit gemeint war, dass sie das Haus nicht selbstständig verlassen habe.

Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Chronologie des Vermisstenfalls Rebecca

Kommentar

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38 Kommentare

  1. 38.

    empfinde ich auch so. Angesichts der hohen Wahrscheinlichkeit eines Gewaltverbrechens an einem Mädchen, finde ich datenschutzrechtliche Fragen an dieser Stelle wirklich nebensächlich und unangebracht.
    Die Form des hier vorgeführten Familienzusammenhaltes erzeugt in mir auch Unwohlsein.
    Trotzdem gilt der Familie und dem vermeintlichen Opfer mein absolutes Mitgefühl.

  2. 37.

    Sie vertreten eine vernünftige Sichtweise der Dinge. Ihrem Kommentar stimme ich zu.

  3. 36.

    Duese Sache ist sehr mysteriös und ich denke, dass wir noch so manche Überraschung erfahren. Das Verhalten der Familie ist für mich nicht so recht nachvollziehbar. Zur Kennzeichenerfassung muss ich sagen, dass mich persönlich dieses absolut nicht stört und ich mich nicht beobachtet fühle, ganz im Gegenteil. Hätte man auch neben dem Kennzeichen den Fahrer erfassen können, wären die Ermittler wohl schon weiter. Ich weiß wirklich nicht, wer sich darüber so aufregen kann.Wenn die Daten nach einer vorgeschriebenen Zeit gelöscht werden ist für mich alles o.k.

  4. 35.

    Zitatat: "wohl nicht mehr lebend" - Diese Formulierung verursacht Unwohlsein!

  5. 34.

    @Hans Müller und @ Neo
    um was geht es hier in diesen Beitrag, um das einscannen von Fahrzeukennzeichen oder um ein Menschenleben!?

  6. 33.

    Was ist das bitte für eine Überschrift! Dass sie das Haus "nicht lebend" verlassen hat wurde definitiv nicht gesagt, auch wenn es danach ausschaut. Zum Glück kann man die Sendung in der Mediathek ansehen...

  7. 32.

    Die automatische Erfassung von Kennzeichen ist hoheitliches Handeln. Dieses unterliegt der Kontrolle der Justiz. Will aber jemand gegen diese Erfassung klagen, und die erhobenen Daten würden sofort wieder gelöscht, könnte niemand dagegen klagen. Wo nichts mehr vorliegt, kann auch nichts vor Gericht geklagt werden.

    Werden Kennzeichen schlicht erfasst, dann ist das auch kein Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Die Kennzeichen sind ja für jeden frei einsehbar. Erst, wenn diese Daten zu einem bestimmten Zweck durchsucht oder ausgewertet werden, liegt ein Eingriff vor. Genau das hat das BVerfG in seinem Urteil bemängelt. Nicht das Erfassen der Daten selbst sieht das Gericht kritisch, sondern die anschließende Durchsuchung der Daten aufgrund kleinster Delikte. Wäre in diesem Fall ein Bewegungsprofil des Verdächtigen über die Handynutzung möglich gewesen, wäre es auch statthaft die anderen Nutzer der in Frage stehenden Mobilfunkmasten zu durchsuchen, um vielleicht Mittäter oder Gehilfen zu finden. Am Ende des Verfahrens werden die Daten aller Betroffenen wieder gelöscht. Aber eben erst am Ende der Aufklärung und nicht irgendwann dazwischen.

  8. 31.

    Lieber RBB, der Leiter der MoKo hat nicht gesagt, dass Rebecca das Haus nicht mehr lebend verlassen hat. Richtig ist die Aussage, dass sie das Haus, wie zuvor vermutet, wohl nicht mehr verlassen hat. Das kann aber gleichwohl bedeuten, dass sie das Haus nicht mehr allein verlassen hat, aber trotzdem noch am Leben war. Das soll nicht kleinkariert sein, aber für das Informationsinteresse der Öffentlichkeit finde ich dieses Detail durchaus wichtig. Es macht einen großen Unterschied, auch für etwaige Fahndungserfolge, ob die Gesuchte bereits im Haus getötet worden sein soll oder aber das Haus erstmal (ggf. mit dem Tatverdächtigen) verlassen hat.

  9. 30.

    Allerdings! Das ganze stinkt doch zum Himmel!
    - Wer das Interview des Vaters gesehen hat: Warum ist der so tiefenentspannt? Wie kann er so entspannt plaudern, wenn seine Tochter seit Tagen verschwunden ist? Das Interview kommt mir sehr komisch vor...will er seinen Schwager decken?
    - Auch die Mutter hatte ein Radio-Interview gegeben, welches ich LIVE mitgehört habe. Da war auch sie total ruhig! Da hat die Moderatorin ja mehr geweint als die Mutter... erst dachte ich, die Mutter ist bestimmt in einem Schockzustand, aber im Nachhinein kommt mir auch das sehr seltsam und unecht vor!
    - Was verheimlicht der Vater für eine "Nummer"?
    - Wenn der Schwager erst morgens gegen 5:45 von einer Feier nach hause kam, wie kann er dann nur ein paar Stunden später schon wieder mit dem Auto Richtung Polen unterwegs sein? Zumal er doch gegen 7:15 noch nach Rebecca im Wohnzimmer geschaut hat? Oder wollte er nur Drogen o.ä. holen, und schweigt deshalb?
    Hier stimmt was ganz gewaltig nicht!

  10. 29.

    Ich sch... auf meine Daten, wenn dadurch der Mörder eines Kindes ermittelt und unschädlich gemacht werden kann.
    Nehmt Euch davon, was ihr braucht.

  11. 28.

    "Daß das Mädchen lebend wieder auftaucht halte ich nach dem Medienrummel, der inzwischen stattgefunden hat, für ausgeschlossen."

    Ganz entgegen Ihrer Einschätzung halte ich es sogar für sehr gut möglich bzw. wahrscheinlich, dass Rebecca noch lebt. Welcher Vater, der seine Tochter liebt, würde SO entspannt auf das für alle Unbeteiligten mysteriöse Verschwinden seiner Tochter reagieren wie Herr Reusch? Ich habe heute morgen eine Aufzeichnung seiner Aussage im Radio gehört, der Stimme fehlte jedwedes Anzeichen von Angst und Sorge um die Tochter sowie jegliches Indiz von Aggression gegenüber dem tatverdächtigen Schwiegersohn. Ich denke, er weiß, dass sie lebt, ist aber (womöglich) in Unkenntnis, wo sie sich aufhält.

  12. 27.

    Genau dieser Gedanke kam mir auch, als ich von den neuen Indizien/Beweisen hörte. Da hilft es auch nicht, dass im Artikel behauptet wird, die Daten unauffälliger Fahrzeuge würden gelöscht, könnten im Falle des Falls aber wieder ausgelesen werden. Wenn sie doch jederzeit wieder ausgelsen werden können, wurden die Daten nicht gelöscht - und wir werden alle BELOGEN! Wir werden also doch alle ohne Grund überwacht und unsere Bewegungsprofile werden gespeichert und was sonst noch damit gemacht...

  13. 26.

    Die ganze Sache ist mehr als merkwürdig. Man kann Vermutungen anstellen so viel man will, mir ist es unerklärlich warum dieser Schwager schweigt und man auch das Gefühl das irgendwie die ganze Familie damit zusammenhängt. Ich weiss es nicht, es ist einfach nur traurig um so ein junges Mädchen das bestimmt noch viel vorhatte. Ich möchte mich nicht einreihen in irgendwelche Vermutungen.

  14. 25.

    Was ist das für eine Familie?
    Der Schwager schweigt und macht sich immer verdächtiger. Die Beweislast wird immer erdrückender gegen ihn.
    Das ist doch kein Verhalten von jemandem, der etwas aufklären möchte.
    Die Familie beharrt konsequent darauf, dass der Schwager unschuldig ist.
    Der Vater gibt mysteriöse Aussagen von sich.
    Ich finde, die ganze Familie macht sich langsam verdächtig.

  15. 24.

    Doch hat sie das Haus verlassen, vermutlich eingewickelt in der Decke, so traurig alles. Und die ganze Familie ist suspekt! Wäre es mein Kind würde ich alles sagen was zur Klärung beiträgt und nicht ständig mit den Medien.
    Und das Allerschlimmste ist das Foto. Ich hoffe das die Wahrheit siegt und alles ans Licht kommt.
    R.I.P. kleine Rebecca

  16. 23.

    Der Vater der Verschwundenen sagt öffentlich, daß das Verschwinden seiner Tochter "mit etwas anderem zusammenhängt, was er aber nicht sagen darf" ?!?!
    Kann ich natürlich nicht so einfach werten, allerdings, wenn meine Tochter verschwunden wäre und ich Wert auf ihr Wiederauftauchen legen würde, würde ich alles erzählen, was zum Erhellen des Tatbestandes führen könnte.
    Daß das Mädchen lebend wieder auftaucht halte ich nach dem Medienrummel, der inzwischen stattgefunden hat, für ausgeschlossen. Hoffentlich irre ich mich.

  17. 22.

    Die familären Aussagen lt. rbb24-Artikel, lassen mMn ein dunkles Geheimnis erahnen.

  18. 21.

    Zitat: "Die ganze Nummer" ... stinkt in vielerlei Hinsicht gewaltig.

  19. 20.

    Es ist in der Tat sehr merkwürdig, dass der Vater etwas weiss, was er nicht sagen darf..... wenn es um meine Tochter ginge, gäbe es nichts, was ich nicht sagen würde, um sie wiederzufinden. Vielleicht geht das ganze ja doch in eine ganz andere Richtung. Stichwort Beziehungstat. Könnte es eventuell sein, dass zwischen Rebecca und dem Schwager ein heimliches Verhältnis bestand, wo z.B. ein Streit eskaliert ist? Wäre ja auch eine Möglichkeit, wenn auch reine Spekulation.

  20. 19.

    Wie jetzt? Der Vater weiß, was lost ist und sagt nichts? Hab ich das richtig verstanden? Sieht doch arg nach Behinderung der Justiz aus. Das passt alles nicht mehr zusammen...

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