Der Prozess um ein illegales Autorennen mit Todesfolge auf dem Ku'Damm wird neu aufgerollt © dpa/Annette Riedl
Video: rbb24 | 07.03.2019 | 16 Uhr | Bild: dpa/Annette Riedl

Landgericht Berlin - Staatsanwalt fordert für Ku'damm-Raser lebenslange Haft

Auch in der Neuverhandlung des Falls der "Ku'damm-Raser" steuert das Urteil auf lebenslange Haft wegen Mordes zu. Zumindest hat dafür die Staatsanwaltschaft plädiert. In dem Prozess hatte sich einer der Angeklagten jüngst überraschend geäußert.

Im Prozess um ein tödliches Autorennen in der Berliner Innenstadt fordert die Staatsanwaltschaft für die Angeklagten lebenslange Haft wegen Mordes.

Der Anklagevertreter erklärte am Donnerstag vor dem Landgericht, die beiden Männer hätten heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen gehandelt. Nur um das Rennen zu gewinnen hätten sie den Unfall verursacht, bei dem ein Unbeteiligter ums Leben kam. Das Opfer habe keine Chance gehabt.

Die inzwischen 27 und 30 Jahre alten Angeklagten hatten sich in der Nacht zum 1. Februar 2016 ein illegales Rennen auf dem Kurfürstendamm geliefert und laut Gutachten Geschwindigkeiten bis zu 170 Kilometern in der Stunde erreicht. An einer Kreuzung stieß einer von ihnen mit einem Jeep zusammen. Der 69-jährige Fahrer starb in seinem Auto.

Prozess geht am 19. März weiter

"Tödliche Folgen einer derart halsbrecherischen Fahrt stehen jedem Verkehrsteilnehmer vor Augen", führte der Staatsanwalt weiter aus. Das Opfer sei ohne einen Hauch einer Chance zum Ausweichen gewesen. Der Ankläger beantragte neben den Haftstrafen auch lebenslange Führerschein-Sperren.

Eine andere Strafkammer des Landgerichts hatte im Februar 2017 gegen die Angeklagten deutschlandweit zum ersten Mal in einem Raser-Fall lebenslange Haftstrafen wegen Mordes verhängt. Der Bundesgerichtshof (BGH) sah allerdings einen bedingten Tötungsvorsatz nicht ausreichend begründet und hob das Urteil auf. Der Prozess wird am 19. März mit weiteren Plädoyers fortgesetzt.

"Wird schon gut gehen, da kommt keiner mehr quer"

Am 5. März hatte sich der 27-jährige Angeklagte überraschend und erstmals vor Gericht zu der Tatnacht geäußert. Er sei damals überzeugt gewesen, dass durch seine Raserei "niemals etwas passiert, weil ich einfach zu gut war". Es sei eine maßlose Selbstüberschätzung gewesen.

"Mein AMG-Mercedes war damals mein Statussymbol", heißt es weiter in der Erklärung, die einer der beiden Anwälte des 27-Jährigen verliest. Er habe geglaubt, dass er "jede vorstellbare komplizierte Situation im Griff haben würde". Bis heute verstehe er nicht, wie es zu einem solchen Maß an Selbstüberschätzung gekommen sei. Den Jeep, den der Mitangeklagte gerammt hatte, habe er nicht gesehen. Auch sein Leben habe sich zu einem "Trümmerhaufen" verwandelt.

Zu dem Rennen mit dem 30-Jährigen sei es spontan gekommen. Es habe ein Stechen von Ampel zu Ampel sein sollen. Der 30-Jährige habe verloren und sei einfach weiter gerast. "Letztlich entschied ich mich dafür, seine Verfolgung aufzunehmen", beschrieb der 27-Jährige den fatalen Verlauf. Als er auf die rote Ampel zugefahren sei, an der sich der Unfall ereignete, habe er noch gedacht: "Es wird schon gut gehen, da kommt keiner mehr quer."

Sendung: Inforadio, 07.03.2019, 13:20 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

7 Kommentare

  1. 6.

    Der BGH hat das erste Urteil kassiert, weil die Begründung für den bedingten Tatvorsatz im Verfahren nicht ausreichend begründet und damit auch nicht nachgewiesen wurde. Nun gibt es dafür zwei mögliche Ursachen. Entweder es war ein Formfehler, der im zweiten Verfahren beseitigt wird. Oder es lag kein bedingter Vorsatz vor, was in Anbetracht der Tatumstände schwer zu glauben ist. Bedingter Vorsatz heißt hier "Ist mir doch egal, wenn es kracht!", im Gegensatz zu Fahrlässigkeit "Ich konnte doch gar nicht ahnen, dass da jemand meinen Weg kreuzen könnte!". Letzteres könnte man bei Nacht in einem Gewerbegebiet gelten lassen, aber sicher nicht auf dem Ku'damm.

  2. 5.

    Es ist die Frage, wie man allgemein dem via Motorfahrzeug (Bikes, Autos) ausgelebten Testosteronüberschwang bei (nicht nur) jungen Männern beikommen könnte. Führerschein ab 25? Oder besondere Auflagen bis Ende 20? Psychologische Eignungsprüfung? Härteres Durchgreifen bereits bei kleineren Vergehen wie Geschwindigkeitsübertretung der moderateren Art?
    Allgemein frage ich mich, wie man aus Kerlen diesen "Raserei- und Wettbewerbsmodus" im normalen Straßenverkehr austreiben könnte. Gilt btw. auch für die Radraser, die passiv suizidal über die Kreuzungen jagen mit dem Motto "wird schon gut gehen".
    Müssen immer erst multiple Trümmerhaufen entstehen, bis solche Menschen aufwachen?

    Wer Wettkampf und Rasen möchte, soll sich in einem Sportverein anmelden. Dort kann er das ausleben. Allerdings auch "mit Regeln".

  3. 3.

    Hoffentlich kommt es zu diesem Urteil.
    Solche Leute haben auf der Strasse nichts zu suchen.

  4. 2.

    Hier fehlt eine Info dazu, was das BGH anders gesehen hat, wenn jetzt sowieso wieder wie im 1. Verfahren wegen Mordes verhandelt wird. So ist das nicht nachvollziehbar, dass sich gleich 3 Gerichtsverfahren ergeben. Was soll denn im 3. Verfahren anders sein, steht ja hier nicht?

  5. 1.

    Auch mit bestialischer Aggression um das mörderische Rennen durchfahren zu können.

Das könnte Sie auch interessieren