Sven Krüger vor seinem fahrenden Supermarkt (Quelle: rbb)
Video: Himmel & Erde | 02.03.2019 | Susanne Heim | Bild: rbb

Rollender Supermarkt in Brandenburg - "Eigentlich haben wir fast alles"

Wenn der Kunde nicht zum Supermarkt kommt, kommt der Supermarkt eben zum Kunden. In abgelegenen Dörfern Brandenburgs ist das ein Segen für Menschen, die nicht mehr beweglich sind. Sven Krüger hat so einen rollenden Supermarkt – sein Geschäft wird schwieriger. Von Susanne Heim

Morgens um halb sieben belädt Sven Krüger seinen Truck mit allem, was zu einem Supermarktsortiment gehört: Brot, frisches Obst und Gemüse,  Fleisch, Käse und Milch. Sonderwünsche gibt es auf Bestellung: Kohlen, Futtermittel für Tiere, Kleidung. "Eigentlich haben wir fast alles", sagt Krüger

15 Dörfer wird er an diesem Tag anfahren und etwa 40 Kunden versorgen. 160 Kilometer liegen vor ihm und seinem Lkw - Sven Krüger fährt jeden Tag eine andere Strecke. Bisher habe es sich immer noch einigermaßen gelohnt, sagt er. Mittlerweile sind aber so viele seiner Kunden gestorben, dass es langsam eng wird: "Wenn wir plus minus null machen, dann sind wir schon zufrieden.

Krüger ist seit mehr als 20 Jahren als fahrender Lebensmittelhändler in der Prignitz unterwegs. Seine Kunden sind auf ihn angewiesen, weil sie nicht mehr mobil sind und es in den Dörfern schon lange keine Läden mehr gibt.  

Als erste Station fährt der Lkw Bresch an, mit seinem rollenden Supermarkt hält Sven Krüger direkt vor der Tür seiner Kundin, die bereits auf ihn wartet. Sie hofft, dass Sven Krüger noch sehr lange die Dörfer beliefert, denn ihr Mann ist ein Pflegefall und sie selbst hat keinen Führerschein. Sie habe zwar mit Ende Fünfzig noch probiert, die Fahrprüfung abzulegen, aber das habe nicht geklappt, sagt sie: "Da war ich immer zu aufgeregt. Das hab ich dann nicht geschafft, die praktische Prüfung."

Manche Kunden können nichts mehr tragen

Rund 1.800 Supermärkte wie der von Sven Krüger rollen durch Deutschland, und zwar dahin, wo es keine Geschäfte mehr gibt und wo der nächste Laden kilometerweit entfernt ist.

Weiter geht es nach Reetz, und auch hier hält Sven Krüger wieder direkt vor der Haustür. Dieses Mal holt er seine Kundin sogar ab und macht den Einkauf gemeinsam mit ihr, denn sie kann nichts mehr tragen.

Rollender Supermarkt (Quelle: rbb)Der Supermarkt kommt direkt zu den Kunden. | Bild: rbb

Er ist auch ein bisschen Seelsorger

Der rollende Supermarkt ist viel mehr als nur ein Geschäft. Sven Krüger hört sich die Sorgen seiner Kundschaft an, hilft ihnen beim Einkauf und wechselt manchmal sogar durchgebrannte Glühbirnen.

Feierabend hat er erst, wenn alle Kunden bedient, die Abrechnung gemacht und die Bestellungen für den nächsten Tag aufgegeben sind. Trotzdem schätzt Sven Krüger seinen Beruf.

Er sei auch so ein bisschen Seelsorger, sagt Krüger. Und dass es eigentlich ein sehr enges Verhältnis ist: "Man ist so ein bisschen Vertrauter und auch ein Ansprechpartner, denn sie haben ja niemand. Die freuen sich, wenn man kommt, man soll ein bisschen was Neues erzählen."

Sendung: rbb-Fernsehen, 02.03.2019, 17:25 Uhr

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