Mona Lorenz, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, gibt ein kurzes Statement zu dem Fall Rebecca im Kriminalgericht Moabit.
Audio: Inforadio | 23.03.2019 | Annette Miersch | Bild: dpa

Schwere Vorwürfe - Anwältin von Rebeccas Schwager kritisiert Ermittler und Medien

Kurz vor dem Wochenende hatte die Berliner Justiz mit einer Entscheidung im Fall "Rebecca" für Schlagzeilen gesorgt: Der bislang hauptverdächtige Schwager wurde aus der U-Haft entlassen. Seine Anwältin erhebt schwere Vorwürfe gegen Medien und Ermittler.  

Die Berliner Polizei hat ihre Suche nach der vermissten Schülerin Rebecca am Samstag nicht wieder aufgenommen und wird vorausschtlich auch am Sonntag die Suche nicht fortsetzen. Das teilte eine Polizeisprecherin am Samstag mit. Die 15-Jährige Schülerin wird seit dem 18. Februar vermisst.

Am Freitag hatten die Behörden den Hafbefehl gegen den Schwager des Mädchens aufgehoben. Grund für diese Entscheidung seien Zweifel eines Ermittlungsrichters am dringenden Tatverdacht, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der 27-jährige Mann kam daraufhin aus der Untersuchungshaft frei, steht aber laut den Ermittlern weiterhin unter Verdacht.

Detailveröffentlichungen führten zur Vorverurteilung

Unmittelbar nach der Entscheidung über die Freilassung des Schwagers erhob seine Verteidigerin, Petra Klein, schwere Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden und die Medien. Die Veröffentlichung vieler Details der Ermittlungen sowie eines Fotos des Verdächtigen habe zu einer Vorverurteilung geführt, sagte die Anwältin Petra Klein dem rbb am Freitag. "Der Umgang mit meinem Mandanten hat dazu geführt, dass vielerorts spekuliert wurde und praktisch zur Jagd auf meinen Mandanten aufgerufen wurde."  

Polizei und Staatsanwaltschaft nehmen an, dass Rebecca getötet wurde. In den vergangenen Wochen hatte die Polizei aufwendig Wälder, Straßen und einen See in Brandenburg mit zahlreichen Einsatzkräften, Booten und Spürhunden abgesucht. Gefunden wurde nichts.

Anwältin Klein kritisierte, dass die Ermittlungen einseitig verlaufen würden. Die Behörden hätten sehr früh die Arbeitshypothese gefasst, dass Rebecca tot und ihr Schwager der Täter sei. "Man könnte derzeit die Vermutung haben, dass die Polizei nicht mehr die Aufklärung des Falles in erster Linie verfolgt, sondern eigentlich nur noch mit der Suche nach einer Leiche beschäftigt ist, die es möglicherweise gar nicht gibt", so Klein.

So lange er nicht von einem Gericht verurteilt worden sei, gelte ihr Mandant als unschuldig, betonte Klein.

Schwager bleibt Beschuldigter

In Reaktion auf die Entscheidung, den tatverdächtigen Schwager aus der Untersuchungshaft zu entlassen, erklärte die Staatsanwaltschaft, dass die Entscheidung "im Hinblick auf die gegenwärtig bestehende Beweislage" vertretbar sei. Darum werde sie "zum jetzigen Zeitpunkt keine Beschwerde" dagegen einlegen. Dennoch bleibe der Schwager weiter unter Verdacht. "Er ist weiterhin Beschuldigter des Verfahrens", sagte eine Sprecherin am Freitag. Rebecca ist seit mehr als einem Monat verschwunden.

Schwager seit Anfang März in U-Haft

Der 27-Jährige war am 28. Februar erstmals festgenommen worden. Zur Begründung hieß es von den Ermittlern, zwischen seinen Aussagen und den Ermittlungsergebnissen habe es Widersprüche gegeben. Ein Haftrichter hatte jedoch zunächst den Haftbefehl verweigert und sah keinen dringenden Tatverdacht. Einen Tag nach seiner Festnahme war der Schwager dann zunächst wieder frei gelassen worden.

Weitere drei Tage später, am 4. März, wurde der Mann erneut festgenommen und kam dann doch wegen dringenden Tatverdachts in U-Haft. Ermittler sollen einem Zeitungsbericht zufolge Haare von Rebecca im Auto der Familie des Schwagers gefunden haben.

Chronologie des Vermisstenfalls Rebecca

Sendung: Inforadio, 22.03.2019, 11 Uhr

Kommentar

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35 Kommentare

  1. 34.

    Wenn Geschwister einen größeren Altersunterschied haben, ist es völlig normal, dass sie sich im Haushalt und in der Obhut einer Schwägerin oder Schwagers befinden. Bei uns ist das auch so. Dass Sie das den Eltern jetzt ankreiden ist lächerlich und unfair. Sie würden Ihrem Kind das verwehren? Sie wissen ja gar nicht, wovon Sie sprechen. Die Hetze hier kennt keine Grenzen. Ja, es ist jetzt etwas passiert. Aber was und warum weiß bisher niemand. Auch Sie nicht. Hinterher und als Außenstehender ist man ja so super schlau. Schrecklich.

  2. 33.

    "wer würde seine Tochter dem unter Tatverdacht stehenden Schwager Rebeccas zur Aufsicht anvertrauen? Ich jedenfalls nicht, und das hat nichts mit einer Vorverurteilung zu tun sondern wäre das Ergebnis des Abwägens vernunftsbezogener Argumente. "

    Doch, genau das ist es: Vorverurteilung und Hetze. Auch wenn man das unter dem Deckmäntelchen "vernunftsbezogene Argumente" zu verstecken versucht.

  3. 32.

    Auch das Äußern der eigenen Meinung hat seine Grenzen. Nämlich dort, wo man anderen damit schaden könnte.

  4. 31.

    Sie sollten im Zirkus auftreten. Sie würden steinreich werden. Denn Sie wussten schon vor Rebeccas Verschwinden, dass ihr Schwager unter Tatverdacht stehen würde? Sehen Sie, das kommt dabei heraus, wenn die "eigene Meinung" zu Vorverurteilungen führt. Totaler Nonsens. Guten Tag!

  5. 30.

    Jeder Mensch darf sich seine persönliche Meinung bilden und diese äußern. Inwieweit darin eine Vorverurteilung zu sehen ist, kommt auf die Definition von "Vorverurteilung" an. Pragmatisch betrachtet, wer würde seine Tochter dem unter Tatverdacht stehenden Schwager Rebeccas zur Aufsicht anvertrauen? Ich jedenfalls nicht, und das hat nichts mit einer Vorverurteilung zu tun sondern wäre das Ergebnis des Abwägens vernunftsbezogener Argumente.

  6. 29.

    Wenn Ermittler einen oder mehrere Menschen einer Tat verdächtigen oder beschuldigen, ist das die eine Sache. Wenn aber sensationslüsterne Leser sich wie Hilfssheriffs aufführen, obwohl nur ein Teil der Informationen an die Öffentlichkeit gelangen, ist das unseriös und pietätlos. Dass es in diesem Fall einen Beschuldigten/Verdächtigen gibt impliziert nicht, dass man ihn vorverurteilen, oder wilde Spekulationen anstellen darf. Das ist sozialer Mord. Denn wäre er doch unschuldig, wäre trotzdem sein Leben zerstört. Wir sind alle zutiefst betroffen. Sollten das aber aus einer gewissen Distanz sein.

  7. 28.

    Ich habe Sie wohlweislich gut verstanden, beteilige mich aber an null Spekulationen. Bin ein sehr leidenschaftlicher Krimileser und weiß um die Wirksamkeit von öffentlicher Vorverurteilung durch Menschen und der Medien. Ist das jetzt in Ihrem Sinne gut so? Wenn die Ermittler schon das Photo des Schwagers löschen, wird das wohl auch seine Gründe haben.

  8. 27.

    Dann interpretiere ich Ihre Worte dahingehend, dass mutmaßliche Straftäter solange nicht verfolgt werden sollen, bis ihre Schuld bewiesen ist. - Ohne Anklage, die die vorherige aufwendige Ermittlungsarbeit erfordert, kann aber von keinem Gericht die Schuld feststellt werden. Verstehen Sie mich jetzt?

  9. 26.

    Sie erwarten doch wohl sicherlich keine Antwort darauf. Ich verweise auf meinen Kommentar 14. Vielleicht sollten Sie auch den Beitrag von @ Alberts lesen, denn dieser enthält viel Wahrheit. Ich beteilige mich nicht an solch Spekulationen.

  10. 22.

    Schon sind unsere Sonderermittler bei ihrer Suche nach den wahren Täter. Unglaublich. Wie heißt es doch so schön: Und B... sprach zuerst mit den Toten.

  11. 20.

    Andere Anwälte sorgen dafür, dass die Bilder nicht mehr gezeigt werden dürfen, zig Beispiele, dass die Bilder später verpixelt werden.

  12. 19.

    Es gibt in Deutscjand 2000 Zeitungen und Zeitschriften, es gibt unzählige Nachrichtenportale, die Anwältin müsste beim Landgericht Hamburg gegen jeden einzelnen Enstweilige Anordnung beantragen Weder die Pressekammer noch die Anwältin könnten das in paar Tagen durchführen. Und bei Gericht wird um Vorkasse gebeten.

  13. 18.

    Könnte die Öffentlichkeit ohne Schwager- und Kfz.-Foto Hinweise geben?

  14. 17.

    Nein die Ermittlungen der Polizei haben nicht ergebenndas das Mädchen das Haus tot verlassen hat, das ist eine Vermutung. Und bis jetzt steht noch gar nicht fest od das Mädchen tot ist. Aber Sie kennen sozusagen schon den "Schuldigen".

  15. 16.

    Sehr merkwürdig. Die Anwältin hätte doch selbst gegen das ständige Veröffentlichen von den Fotos vorgehen können, wenn ihr Mandant eben viel "öffentlicher" behandelt wird als lauter andere Verdächtige. Letzteres ist allerdings auffällig.

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