Feuerwehrleute verstauen Sauerstoffflaschen in ein Einsatzfahrzeug (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: Abendschau | 06.03.2019 | Norbert Siegmund | Studiogespräch mit Albrecht Broemme | Bild: dpa/Paul Zinken

rbb exklusiv | Innensenator sagt Investitionen zu - Schwere Mängel in Berlins Katastrophenschutz

30 Stunden lang waren weite Teile Köpenicks vor wenigen Tagen ohne Strom. Recherchen des ARD-Magazins "Kontraste" zeigen nun, dass es den Rettern und Freiwilligen Feuerwehren an wichtigen Ausrüstungen für solche Katastrophenfälle fehlt.

Der Stromausfall in Berlin-Köpenick hat nach Recherchen des ARD-Magazins Kontraste schwerwiegende Mängel im Berliner Katastrophenschutz offenbart. So haben mindestens 37 Wachen der berlinweit insgesamt 58 Standorte Freiwilliger Feuerwehren keine eigene stationäre Notstromversorgung. Mit mehr als 1.450 Einsatzkräften stellen die Freiwilligen Wehren eine tragende Säule des Katastrophenschutzes.

Ein leitender Branddirektor der Berliner Feuerwehr, Frieder Kircher, sagte dem Magazin, ohne Notstromaggregate werde "unser Hilfeleistungssystem nach einer ganz bestimmten Zeit zusammenbrechen".

Der Präsident des Technischen Hilfswerks, Albrecht Broemme, sagte, zwar habe die Feuerwehr auf ihren Fahrzeugen Notstromaggregate. Sie seien bei einem Stromausfall aber in der Stadt unterwegs und müssten sich darauf konzentrieren, wichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser zu versorgen.

Laut Broemme sind bei einem flächendeckenden Stromausfall Tote nicht auszuschließen. Viele Nierenkranke seien auf strombetriebene Heimdialyse-Geräte angewiesen. Batteriepuffer reichten aber meist maximal 24 Stunden. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) erklärte, er sehe zwar "keine akute Gefährdung", werde dem Hinweis aber nachgehen.

Geisel stellt auf Nachfrage Investition in Aussicht

Die Recherche der Redaktion ergab zudem gravierende Mängel in der Notfall-Kommunikation. Der Katastrophenschutzbeauftragten des DRK Berlin, Hardy Häusler, erklärte, bei einem flächendeckenden Blackout fehle es an Funkgeräten, um freiwillige Helfer zu alarmieren.

Innensenator Geisel teilte in diesem Zusammenhang auf Anfrage mit, für die freiwilligen Helfer brauche es zusätzliche 1300 digitale Funkgeräte. Zu den Kosten von einer halben Million Euro sagte er wörtlich: "Das sollten wir bewältigen können."

Sendung: Reportage "Blackout Berlin - Wie verwundbar ist die Hauptstadt", rbbFernsehen, 06.03.2019, 21.15 Uhr

Die Serie bildet den Auftakt der neuen Sendereihe „Kontraste – Die Reporter“ im rbb.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

11 Kommentare

  1. 11.

    Der Katastropheschutz in der Bundesrepublik Deutschland ist auf Bundesebene organisiert.

    Federführend ist das BBK im Bundesministerium des Inneren.
    Die Einsatzeinheiten des THW sind ebenfalls eine (zu 99 Prozent ehrenamtliche) Bundesanstalt.
    Der Sanitätsdienst im Katastrophenschutz wird durch die diversen HiOrgs des DRK, Malteser Hilfsdiensts, Johanniter, ASB, und der Wasserrettung getragen.

    Berlin, mit einem finanziellen schwachen Senat und einer großen landeseigenen Berufsfeuerwehr vermeidet es so lange wie möglich, den Katastrophenfall auszurufen, um keine Rechnung vom Bund für die Einsatzkosten zu bekommen (hier auch Verdienstausfall der Ehrenamtler)

    Material und Menpower stehen zur Verfügung.
    Nur die kaputtgesparte Berufsfeuerwehr pfeift auf dem letzten Loch und kann in solchen Lagen nicht genug mit Bordmitteln leisten.

  2. 10.

    Auch diese „Baustelle“ wurde von SPD und CDU hinterlassen. Die haben ja lieber die Stadt verscherbelt und für den Bankenskandal die Stadtkasse geplündert.

  3. 9.

    Ich finde Katastrophenschutz ist eine Nummer zu gross für Gemeinden und Länder. Vor allem haben nicht alle Länder die Finanzkraft Bayerns. Der Osten hat eine schwache Wirtschaft im Vergleich zum Westen, mit der Schuldenbremse hat der Osten doch gar nicht die Mittel.

    Wer weiss ob das ganze gekaufte Meterial, Personal etc je eingesetzt wird oder wie oft überhaupt.

    Der Bund sollte den Katastrophenschutz für das ganze Land übernehmen.

    Sind wir ein Land oder sind wir tausend Fürstentümer, die sich nicht mal im Katastrophenfall gegenseitig finanziell und personell unterstützen?

  4. 8.

    Das Sozialpolitische Problem Deutschlands scheint arge Augenprobleme zu haben.

  5. 7.

    Katastrophen passieren. Was passieren kann passiert. Mann kann nicht auf alles vorbereitet sein.
    Aber ein vernünftiges Managment ist möglich.
    NotstromVersorgung muss funktionieren ausreichend dimensioniert sein und binnen 6 Stunden ersetzt werden. Das war alles nicht der Fall. Stell sich mal einer vor es wäre Winter mit -10*C.
    Herr Geisel tut mir nicht Leid
    Die Bewohner dieser Stadt, diesesLandes sind es die leiden.
    Bei -10*C hätte es Tote gegeben.
    Eingefrorene Heizungen flächendeckend. Und und und

  6. 6.

    Für mich sieht es ganz klar so aus, als mache sich RRG daran, das zu reparieren, was in den vergangenen drei Jahrzehnten kaputtgespart wurde - und zwar damals ohne jedes Verschulden von Grünen oder Linken! In diesem Zusammenhang auf RRG zu schimpfen, scheint mir weniger mit der Realität von Rettungsdienst und Katastrophenschutz zu tun zu haben, als mit einer starken Meinung zu irgendwelchen anderen politischen Themen. Vielleicht sollte man da einfach mal seine Ideologie hintenanstellen und die Leute ihre Arbeit machen lassen?

  7. 5.

    Das ist nicht ganz richtig . Das landesbranddirektor ist herr hombrighausen. Es gibt auch leitende branddirektoren. Das sind seine stellvertreter.

  8. 4.

    Mich regt das so auf, dass "nur" Köpenick ständig im Zusammenhang mit dem Stromausfall benannt wird. Andere Teile, wie Treptow, Königs Wusterhausen waren ebenfalls betroffen....

  9. 2.

    Man kann es nicht mehr hören was RRG von sich gibt. Ständig werden uns Investitionen in allen Bereichen angekündigt und es passiert nichts. Es ist mittlerweile so Unglaubwürdig was vom Senat kommt.

  10. 1.

    "Der leitende Branddirektor der Berliner Feuerwehr, Frieder Kircher, sagte dem Magazin...."

    Der leitende Branddirektor in Berlin heißt Dr. Karsten Homrighausen.

Das könnte Sie auch interessieren