Was wissen Berliner und Berlinerinnen über STI? rbb|24 hat sich vor der Humboldt-Universität umgehört.
Video: rbb24 | 02.03.2019 | Tobias Goltz | Bild: dpa/ Nobert Michalke

Zahlen des Robert-Koch-Insitituts - Syphilisfälle in Berlin erstmals seit zehn Jahren gesunken

Es juckt seltener - zumindest was die Berliner und ihre Syphilis angeht. Nach Jahren, in denen es immer wieder deutlich mehr Fälle gab, wurden nun erstmals weniger registriert. Dennoch ist der Berliner Anteil an der Bundesstatistik sogar gewachsen. Von Oliver Noffke

In Berlin wurden im vergangenen Jahr 1.205 Fälle von Syphilis registriert - 153 Infektionen beziehungsweise 11,3 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor. Das teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) am Freitag mit.

Der Großteil dieses Rückgangs rührt daher, dass insbesondere unter Männern, die Sex mit anderen Männern haben (MSM), weitaus weniger Infektionen registriert wurden - 963 Fälle in 2018, verglichen mit 1.094 im Vorjahr. Bundesweit stagniert die Zahl von Syphilis bei MSM bei 4.797. Das waren lediglich sechs Fälle mehr als im Jahr davor.

Der Langfristtrend verläuft steil nach oben

Die Gesamtzahl aller Infektionen in Deutschland sank von 7.524 (2017) auf 7.332 (2018). Dieser Wert ist derart stark zurückgegangen, dass Berlin - ironischerweise - trotz des deutlichen Rückgangs mittlerweile einen größeren Anteil zum bundesweiten Gesamtwert beisteuert als zuletzt. Mehr als jede sechste Syphilis wurde im vergangenen Jahr in Berlin diagnostiziert.

Leicht gestiegen ist die Zahl der registrierten Fälle in Brandenburg - auf nun 112 insgesamt. Im Jahr 2017 waren es noch 105. Da es in Brandenburg generell weitaus weniger Diagnosen gibt als im benachbarten Berlin, sind statistische Schwankungen allerdings auch wahrscheinlicher.

Ob es sich um eine Trendwende in der Syphilisbekämpfung handelt oder einen einmaligen Rückgang, wie er in der Vergangenheit immer mal wieder verzeichnet wurde, muss die Zukunft zeigen. Denn: Betrachtet man die Infektionszahlen des RKI langfristig, zeigt der Trend nach wie vor steil nach oben. Noch 2001 wurden bundesweit lediglich 1.995 Fälle von Syphilis registriert, in Berlin waren es 353 und in Brandenburg 34 - jede Zahl jeweils nur ein Bruchteil ihrer aktuellen Referenzen.

Am Ende stehen Penicillin oder der Wahnsinn

Syphilis ist eine recht hinterhältige Krankheit: Symptome sind in der Mehrheit der Fälle nur kurz nach der Ansteckung zu sehen und werden von Betroffenen oft falsch gedeutet. Ausgerechnet in dieser Phase sind die Erkrankten jedoch hochansteckend. Insbesondere wenn sich auf der Haut offene, feuchte Stellen gebildet haben. Darauf tummeln sich Syphilisbakterien in enormer Anzahl und warten darauf, per Hautkontakt weitergegeben zu werden. Werden die Symptome einer Syphilis richtig erkannt und mit Penicillin behandelt, ist man anschließend zwar geheilt, aber nicht immun vor neuen Ansteckungen.

Bleibt die Syphilis unerkannt, agieren die Bakterien meist im Hintergrund, oftmals ohne akute Beschwerden auszulösen. Oder sie bereiten eher allgemeine Beschwerden, wie Hautausschlag oder Haarausfall. Nisten sich die Erreger irgendwann im Rückenmark ein, können starke Schmerzen, Gefühlstörungen und sogar Lähmungen eintreten. Erreichen sie das Gehirn sind oftmals Halluzinationen, Wahnvorstellungen und andere psychische Auffälligkeiten die Folge.

Beitrag von Oliver Noffke

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Antwort auf [EUROPASTOLZ] vom 01.03.2019 um 17:19
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1 Kommentar

  1. 1.

    Herrje, wo soll das denn noch hinführen? Unter diesem Senat und dieser Bundeskanzlerin ist tatsächlich etwas besser geworden!?!

    Da kann ich ja gar nicht mehr laut vor mich hinmeckern, dass alles immer viel schlechter wird. Entsetzlich. Was mach ich nur mit dem Satz "Merkel muss weg"?

    O.K. Im Ernst:
    Es freut mich aufrichtig, dass offenbar die Früchte der guten Arbeit der Fachleute, Informationsstrategien und andere Maßnahmen auch zu Erfolgen führt. Herzlichen Glückwunsch dazu! Und weiterhin viel Erfolg!

    Mehr davon auch in anderen Bereichen!

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