Verkehrsüberwachung durch Kameras und Messgeräte auf der Autobahn. (Quelle: dpa/Tack)
Audio: Brandenburg aktuell, 07.03.2019, Stefan Sperfeld | Bild: dpa/Tack

Fahndung im Fall Rebecca - Berliner Polizei verrät Standort von Kennzeichenfalle an der A12

Nach der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" gibt es 150 neue Hinweise zur vermissten Rebecca. Dort war bekannt geworden, dass der Wagen des Schwagers der Schülerin in Brandenburg geortet wurde. Über diese Veröffentlichung ist man dort "stinksauer".

Details eines Fahndungsaufrufs der Berliner Polizei im Fall Rebecca vom Mittwoch sorgen für Unmut in Brandenburg. Dabei war der Standort einer Überwachungsanlage für Autokennzeichen öffentlich geworden. Diese hatte den Wagen des dringend tatverdächtigen Schwagers am Tag des Verschwindens der 15-Jährigen erfasst - sowie einen weiteres Mal am Abend des Folgetags. Das System dient hilft bei der Erfassung von Autodieben.

Der Sprecher des Brandenburger Polizeipräsidiums, Torsten Herbst, sagte dem rbb, er sei "stinksauer" und mit dem Vorgang "alles andere als zufrieden". Nun sei die "Existenz dieses Systems und das, was wir damit können" öffentlich. Aus ermittlungstaktischer Sicht könne dies bei der Lösung zukünftiger Fälle nachteilig sein, sagte er. Jetzt wüssten "alle Straftäter wie sie sich zu verhalten haben" und könnten die Ortungssyteme der Polizei umfahren.

Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, sagte Brandenburg aktuell: "Das sind Informationen, die nach meinem Erkenntnisstand schon veröffentlicht waren." Es gehe darum Fotomaterial zu haben, zu veröffentlichen, um so ein Tötungsdelikt aufklären zu können, sagte er.

Weiterfahrt nach Polen unwahrscheinlich

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) rief Polizisten dazu auf, keine sensiblen Informationen an die Öffentlichkeit weiterzugeben. "Wenn da irgendwelche Sache durchgestochen werden, dann bin ich sehr sehr verärgert darüber. Weil jeder Polizist wissen müsste, dass solche Indiskretionen für zukünftige Fahndungsmaßnahmen Gift sind."

Dass das Auto des Tatverdächtigen überhaupt erfasst wurde, hing mit der Nahost-Konferenz zusammen, die wenige Tage vor dem Verschwinden Rebeccas im polnischen Warschau stattfand. Die Anlagen waren Teil des Terrorabwehrkonzepts der Konferenz, zudem gab es an der Grenze zwischen Deutschland und Polen verstärkt Kontrollen. Deshalb bezweifeln die Ermittler, dass der tatverdächtige Schwager des Mädchens mit seinem Wagen weiter nach Polen gefahren sei.

Ein auf der A12 befindliches Gerät zur Kennzeichenfahndung, das verwendet wurde um das Auto von Rebeccas Schwager zu identifizieren (Bild: Morris Pudwell)
Eine der Kennzeichenfahnung-Kameras in Brandenburg auf der A12 | Bild: Morris Pudwell

Auf Brandenburgs Straßen sind seit 2010 mindestens neun solche automatischen Kennzeichenüberwachungssysteme - genannt Kesy - fest installiert. Ihre Standorte sollen geheim bleiben, im Internet kursieren allerdings bereits seit einiger Zeit Hinweise dazu. Fünf weitere können von der Brandenburger Polizei mobil eingesetzt werden. Das System gleicht in sekundenschnelle Kennzeichen mit einer Fahndungsliste ab, die Kennzeichen unverdächtiger Fahrzeuge werden umgehend und automatisch wieder gelöscht.  

Schröter nutzte den aktuellen Fall, um für eine längere Speicherung auch dieser Daten zu werben. Dass der Wagen des Tatverdächtigen auf der A12 Richtung Frankfurt (Oder) entdeckt wurde, war ein Zufallstreffer - zu diesem Zeitpunkt war wurde noch nicht gegen den Schwager ermittelt. Die Daten lagen lediglich aufgrund einer anderen Fahndung vor.

Chronologie des Vermisstenfalls Rebecca

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38 Kommentare

  1. 38.

    Wir sehen Leute, die Listen missliebiger Lehrer, von Journalisten und „Zersetzungsagenten“ anlegen, Verzeichnisse ihrer Kritiker, die sie pauschal unter „Antifa“ zusammenfassen und nach ihrer Machtübernahme als „terroristische Vereinigung“ verfolgen wollen. Diese Leute fabulieren seit wenigstens 4 Jahren immer wieder davon, ihre Widersacher „jagen“, „zur Rechenschaft ziehen“, „einsperren“ zu wollen.
    Diese Leute haben Chancen, noch in diesem Jahr in einigen Kommunen und Landtagen stärkste Kraft zu werden. Die Werkzeuge, die ihnen von den im neuen Jahrhundert Angekommenen in die Hand gegeben werden, werden plötzlich ziemlich gruselig.

  2. 37.

    @Tom
    sie scheinen noch in der Vergangenheit zu leben und verwechseln Äpfel mit Birnen, wenn Sie hier eine Kennzeichnung von Namen oder sogar Adressdaten in einem Blog mit dem eines Erfassungssystems für PKW Kennzeichen vergleichen.
    Genauso könnten Sie das Verfahren einer "stillen sms" kritisieren. Wenn Ihr Vergangenheitsdefizit alleine nur mit Erwiderung mit GeStaPo oder Stasi Vergleiche aus dem letzten Jahrhundert rührt, sind Sie im neuen Jahrhundert nicht angekommen.
    Die alte "ich habe doch nichts zu verbergen" Floskel entstammt ebenso dem alten Jahrhundert.
    In den a-sozialen Medien geben alle alles preis. Wenn es um effiziente Strafverfolgung geht empören sich alle wieder einmal.

  3. 36.

    Na dann veröffentlichen sie doch hier ihre Adresse, ihren vollen Namen und verlinken sie zu einem Bildhoster, wo sie Bilder von sich hochgeladen haben.

    Sie haben doch nichts zu verbergen oder?

  4. 35.

    Was soll die Aufregung?? Wer nichts zu verbergen hat kann doch registriert werden, oder?? Man gut das es so etwas im "geheimen" gibt.

  5. 34.

    "werden sofort wieder gelöscht..."

    Aha - wie kann man dann ca. 3 Tage später das Fzg das bisher unauffällig war, nachweisen?

  6. 33.

    Nee, muß ich auch nicht. Die Aufklärungsrate bei der Verfolgung von Verbrechen ist in GB wohl weiterhin nur Sherlock Holmes zu verdanken. Welch Ironie.

  7. 32.

    Sie werden sich meiner Meinung nach nie frei fühlen wenn Sie hinter allem eine Gefahr sehen.
    Ich fühle mich durch die Erfassung meines Kennzeichen jedenfalls nicht verdächtig. Und es stärkt mein Gefühl der Freiheit wenn weniger Straftäter auf der Straße herumlaufen.
    Sie sind definitiv im falschen Jahrhundert geboren.
    Sie haben mit Ihrem Kommentar hier schon zig Mal mehr Daten preisgegeben als mit der Erfassung Ihres Kennzeichen, nutzen vermutlich Onlinebanking und Shopping, Navis, Foren Onlinedienste und, und, und. Vermutlich beraubt Ihnen das aber nicht die Freiheit.
    Mir kommt es mittlerweile so vor, als wird hier in Deutschland durch so Menschen wie Sie alles unnötig verkompliziert.
    Wie ich schon sagte, ich halte Datenschutz für SEHR wichtig und möchte natürlich auch nicht, dass irgendwelche sensiblen Daten über mich in die falschen Hände geraten.
    Aber über was wir hier diskutieren, ist lächerlich!

  8. 31.

    Gerne doch. In einer Falle werde ich aufgehalten,.

    Wir reden hier jedoch von einer Kennzeichen-ERFASSUNG, die mich in keiner Weise behindert oder (so ich ein braver Mensch bin) Sanktionen nach sich zieht.

    Und nun ist es genug, bevor es noch lächerlicher wird. Gelle?

  9. 29.

    Man kann auch alles künstlich skandalisieren. Natürlich ist der Begriff von Radarfalle bzw. Fotofalle abgeleitet. Nach Ihrem Argument ist auch eine Radarfalle keine Falle, weil die Geschwindigkeitsbeschränkung ja deutlich vorgegeben ist.
    Und richtig, in der KennzeichenFALLE verfängt sich offenbar schlichtweg jedes Fahrzeug, einfach nur durch Anwesenheit. Und da auf die Datenbank offenbar beliebig nachträglich zugegriffen wird, ist der Begriff "Falle" hier eigentlich am meisten gerechtfertigt. So, und jetzt Ihre Ausrede bitte.

  10. 28.

    Offensichtlich wurden hier seitens der Polizeibehörden nicht die Datenschutzgesetze eingehalten. Sonst hätte das Kennzeichen gar nicht als verdächtig erfasst werden können. Auch wenn es in diesem Fall für die Ermittlungen von Vorteil ist.
    Darum geht es im Kern aber gar nicht. Die Legislative entscheidet als gewählte Vertreter des Volkes über die Gestaltung des Datenschutzes. Sicher kann man als Einzelner eine andere Meinung haben, ob der Schutz nun übertrieben ist oder nicht. Deswegen aber das Recht in die eigene Hand zu nehmen, ist auch für Polizeibehörden nicht akzeptabel und bedarf staatsanwaltlicher Ermittlungen. Alles andere führt und direkt in den Polizeistaat. Aber bei den gegenseitigen Abhängigkeiten von Polizei und Staatsanwaltschaft sehe ich da eher schwarz.

  11. 27.

    Hier ... ich schenke ihnen noch eine Mücke. Damit sie noch was haben um sich aufplustern. Sie haben echt Probleme...

  12. 26.

    ...und nu denken sie mal zu Ende. Wegen eines Verdächtigen werden Tausende unter Generalverdacht gestellt.

    In einem Land, welches die Gestapo und die Stasi erlebt hat wünsche ich mir ein wenig mehr Sensibilität. In einem Land wo Verfassungsschutzämter mit Nazis zusammenarbeiten, Löcher in Anstaltsmauern sprengen, die Polizei von "Dönermorden" fabuliert und alles totalüberwachen wollen sollten alle Alarmglocken schrillen...

  13. 25.

    Die Begründung ist recht unlogisch.
    In eine Radarfalle verfängt man sich wegen zu hoher Geschwindigkeit.
    In welcher Form verfängt man sich in einer KennzeichenFALLE?

    Man kann für alles eine faule Ausrede finden.

  14. 24.

    Weil es auch Radarfalle heißt...

    Aber man kann auch aus jeder Mücke einen Elefanten machen.

  15. 22.

    Wenn Sie diese Frage stellen, haben Sie das Prinzip von Freiheit nicht verstanden. Aber mit Ihrer Selbstabgrenzung zu "uns selbsternannten Datenschützern" wollten SIe wohl eh nur provozieren.
    Pauschal für etwas verdächtigt zu werden und unbegründeten Überwachungsmaßnahmen unterzogen zu werden - darüber reden wir bei Videoüberwachung, Kennzeichenscans, Telefonabfragen etc. Dass viele dieser Maßnahmen im Geheimen stattfinden, Wirksamkeit nicht evaluiert wird, sondern immer nur nach mehr mehr mehr Ausweitung gerufen wird, spricht Bände. Dass Kommentar 20 ausgerechnet Großbritannien als Positivbeispiel aufführt, ist einfach nur noch lachhaft.

  16. 21.

    "Jetzt wüssten "alle Straftäter wie sie sich zu verhalten haben" und könnten die Ortungssyteme der Polizei umfahren."

    Die Antwort der Sicherheitsesoteriker und Allmachtsphantasten ist jetzt schon klar: Dann muss man die System natürlich zu umfänglich überall installieren, dass Umfahren unmöglichwird.

    Guck, dDa kommt schon einer aus dem Loch gekrochen:
    "Schröter nutzte den aktuellen Fall, um für eine längere Speicherung auch dieser Daten zu werben. "

  17. 20.

    Eben. Die britischen Polizeibehörden arbeiten schon lange mit diesem System und keiner im Land regt sich darüber auf.

  18. 19.

    Das ist keine Paranoia, das ist ein Automatismus von sinnfreier Ablehnung.

    Ich denke nur an GB. Wieviele Straftäter konnten aufgrund von Überwachungskameras festgenommen werden?
    Und auch bei uns sind schon viele Öffentlichkeitsfahndungen erfolgreich beendet worden.

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