Ein Mischlings-Welpe läuft im Tierheim in Berlin über eine Wiese. (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)
Bild: dpa/Bernd Von Jutrczenka

Illegaler Welpenhandel in Berlin - Nicht geimpft, nicht entwurmt - aber superbillig

Das Berliner Hundegesetz erlaubt den Verkauf von Welpen im Internet nur unter strengen Auflagen. Spandaus Bezirksverordneter Thorsten Schatz fordert stärkeres Durchgreifen der Behörden - denn illegale Händler werden nur selten gefasst. Von Stefan Ruwoldt

Kleine Hunde auf einer Kuscheldecke zusammengerollt und mit großen Augen in die Kamera starrend - nicht wenige Berliner sind da schwer motiviert und wollen sich sofort solch ein "süßes kleines Tierchen" zuzulegen, einen Hundewelpen. Diese Sehnsucht nutzen illegale Händler für ihr großes Geschäft: Hündinnen müssen am Fließband werfen, Welpen werden vorzeitig von den Müttern getrennt. Offiziell aber darf ein Welpe erst nach acht Wochen unter strengen Auflagen verkauft werden, in der Praxis der illegalen Händler passiert dies aber oft bereits nach vier Wochen.

Und die Hunde werden dafür teils aus dem Ausland unter miserablen Bedingungen nach Deutschland geschafft. "Die Tiere werden für eine Vereinfachung des Handels und der Haltung sediert und nie geimpft oder entwurmt", schildert Annette Rost, Sprecherin des Tierschutzvereins Berlin, die Situation solcher Welpen.

Regelungen im Hundegesetz seit 2016

In Berlin wie auch in anderen Bundesländern ist daher der Handel mit jungen Hunden inzwischen reglementiert - zumindest auf dem Papier. So regelt das Berliner Hundegesetz aus dem Jahr 2016 auch Fragen der Hundehaltung und -anschaffung. "Um illegalem Welpenhandel vorzubeugen, aus dem oft kranke und nicht artgerecht aufgezogene Hund hervorgehen, dürfen in Berlin unter ein Jahr alte Hunde nur noch bei sachkundigen Personen/Züchtern erworben werden", sagt die Senatsverwaltung für Verbraucherschutz. Diese bräuchten eine tierschutzrechtliche Erlaubnis für das gewerbsmäßige Züchten oder Halten von Hunden oder das gewerbsmäßige Handeln mit Hunden. Wer einen Hund kauft, muss sich demnach die Handelserlaubnis vom Verkäufer schriftlich bestätigen lassen.

Konkrete Regelungen zur Eindämmung des illegalen Welpenhandels im Gesetz fehlen jedoch. Dazu kommt: Papier ist geduldig. Annette Rost vom Berliner Tierschutzverein sieht durch diese Regelungen keine wesentlichen Verbesserungen in der Praxis. "Ja, wir haben leicht das Gefühl, dass die Zahlen rückläufig sind", sagt Rost: "Aber nur leicht." Nach ihren Worten gibt es aber, insbesondere in Online-Kleinanzeigen, einen recht breiten Markt für  illegalen Welpenhandel in Berlin.

Checks von rbb|24 an mehreren Tagen bei ebay-Kleinanzeigen ergaben, dass bei der Suche von "Hundewelpen" oder "Welpen" und "Hunde" meist mittlere zweistellige Ergebnisse für Berlin zu finden waren, bundesweit lagen die Ergebnisse im mittleren vierstelligen Bereich.

Senatsverwaltung: Fallzahlen nicht sehr hoch

Um diesen illegalen Welpenhandel einzudämmen, fehle es dem Senat wohl an einem "klaren Untersuchungsinteresse", so Annette Rost. "Und das, obwohl nach unserer Einschätzung dieser illegale Handel die drittgrößten Umsätze hat - nach Waffen und Drogen."

Solche Umfänge allerdings resultieren aus einer Hochrechnung, die der Senat so nicht macht oder nachvollziehen kann. Von der Senatsjustizverwaltung heißt es, die angezeigten und ermittelten Fälle in Berlin seien seit dem Beginn des Bello-Dialogs - also der Debatte um das 2016er-Hundegesetz - sehr deutlich angestiegen, doch seien die blanken Fallzahlen sehr gering.

Wie der Sprecher der Senatsjustizverwaltung, Michael Reis, rbb24 sagte, wurde 2013, also dem ersten Jahr des Bello-Dialogs und der Debatte um neuere und strengere Hundeschutzbestimmungen, ein Fall registriert. 2017 habe es 34 Fälle gegeben, in denen Welpen aus illegalen Geschäften beschlagnahmt wurden.

"Strafen eingepreist"

Nach Einschätzung des Spandauer CDU-Bezirksverordneten Thorsten Schatz liegt das Problem an zu laschen Sanktionen: "Die Strafen sind derart gering, dass sie in diesem illegalen Online-Handel bereits eingepreist sind in den erzielten Einnahmen." Den illegalen Welpenhändlern "gewerbsmäßigen Betrug" nachzuweisen - hier würden dann hohe Geldstrafen oder sogar Gefängnis- oder Bewährungsstrafen drohen - sei aber meist schwer.

"Das Tierschutzgesetz und die Tierschutz-Hundeverordnung kennen hinsichtlich des illegalen Welpenhandels in erster Linie Ordnungswidrigkeiten", sagt auch der Sprecher der Senatsjustizverwaltung, Reis.

Jeder Bezirk kämpft für sich allein

Der Bezirksverordnete Schatz fordert zudem eine bessere Durchsetzung der bestehenden Regelungen. "Was aber vor allem gebraucht wird, ist eine übergreifende Handhabe durch den Senat", meint Schatz.

Das Problem liege darin, dasss die illegalen Händler mittlerweise sehr gut wüssten, dass die Bezirke einzeln ermitteln und sich bislang kaum absprächen, so Schatz. Die geringen Zahlen von registriertem und sanktioniertem illegalem Welpenhandel seien auch damit zu begründen, dass kaum ein Bezirk hier fokussiert vorgehe. "Ausschließlich in Reinickendorf gibt es hier ein konzentriertes Vorgehen", lobt Schatz diesen einen Bezirk - und kritisiert damit die anderen.

Wenn man bei den Bezirken frage, würden die Verwaltungen dort ihr verhaltenes Vorgehen mit den bislang nur geringen registrierten Fallzahlen begründen, erklärt Schatz. Allerdings könnten die Zahlen auch erst steigen, wenn man hier ermitteln, kontrollieren und verfolgen würde. Ein Kreislauf. "Die Ursache für dieses Nicht-Verfolgen ist natürlich auch begründet in der personellen Unterausstattung der Veterinärämter", meint Schatz.

Eine Lösung könnte hier sein, wenn der illegale Welpenhandel durch die Senatsbehörden strenger verfolgt würde, so Schatz. Zwar sieht der Senat laut einer behördlichen Antwort auf eine Parlamentsanfrage im Frühjahr 2018 "Handlungsbedarf bei der Eindämmung des illegalen Welpenhandels",  allerdings gibt es bislang dafür noch keine Entscheidungen.

Online-Plattformen sehen sich sogar als die Guten

Tierschutzorganisationen wie beispielsweise Vier Pfoten fordern, die Internetportale stärker in die Pflicht zu nehmen und deutlich strengere Auflagen für den Tierhandel im Internet zu machen [externer Link]. Die Portale, auf denen Welpen angeboten werden, versichern indes, dass sie sich um Recht und Ordnung bemühen. Hinweisen zu "auffälligen Anzeigen in der Haustierkategorie" gehe man besonders schnell nach, heißt es beispielsweise von Ebay-Kleinanzeigen [externer Link]. Mit den Strafverfolgungsbehörden arbeite man zusammen.

Den Tierhandel stelle man aber nicht ein: "Kriminelle Machenschaften würden auf diese Weise der Öffentlichkeit entzogen oder sich auf Plattformen verlagern, die den Handel weniger stark regulieren. Das Problem würde somit noch verstärkt", so die Begründung.

Und während die Behörden um Zuständigkeiten streiten, läuft der Welpenhandel weiter - mit Folgen für Tier und Halter. So kommen auf die neuen Besitzer nicht selten hohe Kosten für Entwurmung und Impfungen zu sowie Tierarztkosten wegen Krankheiten durch die schlechte Aufzucht. Viele der Jungtiere würden bleibende Schäden erleiden oder sogar sterben, sagt Tierschützerin Annette Rost. Tot, aber günstig, laute für diese Fälle dann das zynische Fazit.

FAQ: Berliner Hundegesetz

  • Leinenpflicht

  • Hundeführerschein

  • Gefährliche Hunde

  • Rasseliste

  • Hundeverbote

  • Kotbeutel

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrags hieß es, Hundewelpen dürfen in Deutschland erst im Alter von mindestens 16 Wochen verkauft werden. Das stimmt nicht, es sind laut Tierschutz-Hundeverordnung mindestens acht Wochen. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

Beitrag von Stefan Ruwoldt

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Fake Klamotten, Fake Rolex, Fake Hund... hauptsache man geht mit einem Prestigeobjekt Gassi. Wenn überhaupt, in Berlin sollte man sich ohnehin überlegen, ob das dem Tier noch gerecht wird und ob man es wirklich hinbekommt, das Tier artgerecht zu versorgen. Was auch täglich mehrere lange Spaziergänge bedeutet, bei Wind und Wetter, inkl. Häufchen zu entsorgen. Wer sich Welpen vom seriösen Züchter nicht leisten kann und sich zu fein für einen geimpften, entwurmten und gechipten Hund aus dem Tierheim ist, sollte ohnehin verzichten. Und wo keine Nachfrage ist, benötigt es kein Angebot. Die Käufer solcher armen Geschöpfe sind genauso schuld, wie die verantwortungslosen Verkäufer.

  2. 7.

    Danke, für diese Einschätzung.
    Seit Jahren kläre ich in diese Richtung auf, aber die Mühlen mahlen leider immer noch sehr langsam.
    Das www mit den unzähligen Portalen ist einfach zu 'mächtig'.

  3. 6.

    Es wäre doch ein leichtes den Händler ausfindig zu machen wenn beim Anmelden in der Kommune ein Kaufbeleg mit den Vorbesitzern (Ausweisdaten) verlangt würde.
    Aber wo der Wille fehlt.....

  4. 5.

    Sie beschreiben es vollkommen richtig. Noch im letzten Jahr wollte ich mir einen Hund zulegen.Allerdings nicht über dubiose Anzeigen, sondern aus dem Tierheim. Doch wiedererwarten kam schnell bei mir die Ernüchterung als ich dort ankam und ein 30 minütiges Gespräch hatte mit einer Pflegerin. Weil ich ihr sagte, es sei dann mein erster Hund im Leben und dass ich alleinstehend bin, riet Sie mir sogar davon ab. Auch wegen meines Alters. Niemals käme ich nur auf die Idee, mir so einen Welpen aus ungeklärter Herkunft anzuschaffen, bloß weil ich gerade Lust auf einen Vierbeiner habe und dabei Geld sparen will.

  5. 3.

    Nicht entwurmt?
    Vielleicht ist der neue Besitzer Angler?

  6. 2.

    Höhe Strafen einführen! Woanders klappt es doch auch.

  7. 1.

    Das Gesetze und entsprechende Regelungen nicht konsequent durchgesetzt werden, ist leider nicht neu und wird auch oft mit Personalmangel begründet. Deshalb ist auch der Ruf nach schärferen Gesetzen sinnlos, wenn nicht mal die Bestehenden umgesetzt werden. Und das gilt eben nicht nur für dieses Thema.
    Umso wichtiger ist es, dass die Menschen endlich lernen, solche Tiere nicht zu kaufen. Das ist falsch verstandene Tierliebe und damit wird der illegale Tierhandel nur unterstützt. Wenn endlich keine Käufer mehr gefunden werden, verschwinden auch die illegalen Welpenhändler/Hundequäler, weil sie kein Geld mit der "Ware" Hund mehr machen können. Wir sind also alle gefragt und ich werde nicht müde, in meinem Umfeld vor dem Kauf von Tieren auf der Straße, vom Polenmarkt oder vor dubiosen Kleinanzeigen zu warnen.

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