Schüler einer 5. Klasse am Laptop. (Quelle: dpa/Oliver Berg)
Audio: Inforadio | 14.03.2019 | Kirsten Buchmann | Bild: dpa/Oliver Berg

Digitalisierung an Schulen - Der lange Weg zum WLAN im Klassenzimmer

Im Schulbetrieb ist die Digitalisierung längst noch nicht die Regel. Schulleiter Jörg Balke hat sein Schöneberger Gymnasium mit WLAN ausgestattet - und stieß dabei auf zahlreiche Herausforderungen und Hürden. Von Kirsten Buchmann

Landesschülerausschuss sowie Eltern pochen seit Langem darauf, dass digitale Medien im Unterricht eingesetzt werden. Das Problem: Was die Ausstattung dafür angeht, ist jede Schule auf einem anderen Stand. Nur wenige Schulen verfügen beispielsweise über ein flächendeckendes WLAN.

Das Rückert-Gymnasium in Schöneberg hat ein mathematisch-naturwissenschaftliches Profil und ist stolz auf seine Tablet-Klassen: "WLAN in allen Klassenräumen war als Ziel relativ schnell klar", sagt Schulleiter Jörg Balke. Allerdings sei es ein steiniger Weg dahin gewesen.   

Der Förderverein musste mit ins Boot

Zuerst habe es nur einen Internetraum gegeben, für den sich Lehrer eintragen mussten, um ihn nutzen zu können. Das sei jedoch ineffektiv gewesen. Deshalb machte Balke sich daran, WLAN in anderen Räumen einzurichten. Zunächst seien ganz bestimmte Bereiche angebunden worden: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, so Balke. "Es entspricht den Interessen der Lehrer, in diesen Bereichen eine Vorreiterrolle einzunehmen."

Um weitere WLAN-Zugangspunkte zu schaffen, musste der Schulleiter allerdings die Finanzierung stemmen. Der kleinere Teil sei vom für die IT-Ausstattung zuständigen Bezirk gekommen: "Vom Bezirk gibt es eine gewisse Grundausstattung. Die ist aber nicht dem angemessen, was eine moderne Schule im digitalen Zeitalter bedeuten sollte."

Deswegen musste Balke den Förderverein seiner Schule mit ins Boot holen. Das habe zwar viel Überzeugungsarbeit gekostet, doch dann seien von dort erhebliche Summen geflossen. Von insgesamt nahezu 20.000 Euro des Fördervereins in den letzten Jahren - beispielsweise aus Spenden - sei unter anderem das WLAN im Haus ausgebaut worden, hin zu größerer Geschwindigkeit und Leistungsfähigkeit. Denn dass 100 Schüler gleichzeitig mit WLAN arbeiten können, geht nicht ohne die entsprechende Ausstattung: "Das WLAN wäre so langsam, dass da nichts passiert. Deshalb haben wir bestimmte Access Points eingerichtet, an denen ein schnellerer Zugriff möglich ist."

Nach wie vor ist die WLAN-Reichweite und Bandbreite im Gebäude laut dem neuesten Schulinspektionsbericht aber teilweise nicht zufriedenstellend. Lücken gibt es beispielsweise noch in abgelegeneren Räumen hinter dicken Mauern oder im Untergeschoss. Der Schulleiter kennt die Hürden: Das Gebäude müsse noch umfassend saniert werden.  

Doch immerhin: Das große, denkmalgeschützte Schulgebäude sei bisher weitgehend mit schnellem WLAN ausgestattet. Auch in Unterrichtsräumen, etwa für Sprachen, Deutsch und Sport, können Schüler es inzwischen nutzen: um sich Informationen zu beschaffen, Lehrbücher online abzurufen oder Vokabeln zu trainieren.

Sendung: Inforadio, 13.03.2019, 16:30 Uhr

Beitrag von Kirsten Buchmann

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Solange die Schüler auch die Grundregeln der Naturwissenschaften und der Rechtschreibung in den Schulen lernen und auch beherrschen, sollten moderne Unterrichtsmethoden wissens- und bildngsfördernd sein. Kommt man jedoch z.B. beim Einkauf nur mit dem Taschenrechner bzw. Smartphone zurecht, bleibt ein schaler Beigeschmack. Solange auch die Bildungspolitik Ländersache bleibt, und die Bundesländer stur darauf beharren, wird in Deutschland nie eine einheitliche Bildungsgrundlage geschaffen.

  2. 1.

    Der Schulleiter hätte sich vorher intensiv mit WLAN beschäftigen sollen.
    Er setzt die Schüler einen ungewissen Feldversuch aus.
    Statt WLAN, sollte und kann alles über Kabel laufen.
    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2019/03/wlan-schulen-digitalisierung.html

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