Lkw parken an an einer Raststätte (rbb/Robert Ackermann)
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Audio: Radioeins | 04.03.2019 | Gespräch mit Robert Ackermann | Bild: rbb/Ackermann Download (mp3, 5 MB)

Fahrer nutzen illegale Abstellplätze - Für Lkw fehlen oft Parkplätze, um Ruhezeiten einzuhalten

Sie haben ein Problem, für das es oft nur einen illegalen Ausweg gibt: Lkw-Fahrer müssen die vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten, finden aber an überfüllten Autobahn-Raststätten keinen Stellplatz mehr. Bislang gibt es nur Notlösungen. Von Robert Ackermann

Da stehen sie in der Dunkelheit: große und kleine Lkw, Tanklaster, Zugmaschinen, Transporter - viele davon aus Osteuropa. Es ist Dienstagabend, 19 Uhr, und der Parkplatz der Raststätte Am Fichtenplan an der A10, dem südlichen Berliner Ring, ist voll. Mehr als das: Die Laster stehen dicht an dicht - teilweise quer zu den Parkbuchten.

Fahrer Sascha hat gerade 16 Tonnen Margarine in Berlin abgeliefert und noch einen Stellplatz gefunden. Wer später dran sei, habe aber häufig ein Problem, sagt er: "Auf den Hauptverkehrsverbindungen kann es teilweise sein, dass man schon gegen 17 oder 18 Uhr nichts mehr kriegt. Dann werden schon die 'Einflugschneisen' an den Tankstellen zugeparkt", sagt er. Er habe den Eindruck, "dass es jedes Jahr früher wird, das nichts mehr geht." Auch die Unfallgefahr steige durch das wilde Parken auf den Raststätten: "Jede Nacht ist anders", sagt Sascha, "mal stehen die Kollegen rechts an der Leitplanke, mal stehen sie links. Und wenn man sich falsch einsortiert, macht es knack."

Immer mehr Lkw, aber kaum neue Parkplätze

Die Gefahr für einen Unfall wird größer, denn es gibt immer mehr Lkw, aber kaum neue Parkmöglichkeiten. Rund 31.000 Plätze fehlen in ganz Deutschland – so schätzt die Vereinigung deutscher Autohöfe. Etwa 4.000 davon fehlen alleine in Brandenburg. Ähnlich wie Am Fichtenplan sieht es auf der Raststätte Michendorf, ebenfalls an der A10, aus. Hier stehen die Laster sogar schon vor der Tankstelle, in der Verlängerung der Ausfahrt, die Fahrer Sascha "Einflugschneise" nennt. Denn die Trucker müssen ihre Ruhezeiten einhalten, sonst können saftige Bußgelder fällig werden.

Möbel-Fahrer Roman kennt dieses Dilemma: "Das Bundesamt für Güterverkehr sieht das sehr, sehr verbissen. Ich bin manchmal zehn Minuten oder eine Viertelstunde über der erlaubten Fahrzeit und habe ein schlechtes Gewissen. Dann muss ich halt einen Ausdruck machen und darauf eintragen, dass die Parkplätze belegt waren." Die Fahrer fahren dann oft notgedrungen weiter: ins Gewerbegebiet oder zu anderen Rasthöfen.

Lkw-Fahrer Sascha lehnt an seinem Truck (rbb/Robert Ackermann)Hat gerade tonnenweise Margarine nach Berlin gebracht: Lkw-Fahrer Sascha

Technik soll ein politisches Problem lösen

Was also tun? Anfragen zu diesem Thema beantwortet das Bundes-Verkehrsministerium nicht. Dabei weiß man dort mindestens schon seit einer Studie aus dem Jahr 2008, dass tausende Plätze fehlen. Gebaut wird aber nur sehr langsam. Auch weil Anwohner und Umweltschützer häufig gegen größere Parkplätze protestieren. Alternativ wird derzeit in Bayern eine App getestet, die den Fahrern anzeigen soll, wo noch etwas frei ist. Außerdem im Test: ein System, das die  Parksituation kompakter machen soll. Technik als Lösung für ein politisches Problem?

Der Deutsche Gewerkschaftsbund weist darauf hin, dass osteuropäische Fahrer oft wochenlang als Nomaden unterwegs seien. Weder ihre Firmen noch die Kunden kümmerten sich darum, wo sie ihre Ruhezeiten verbringen. Meistens schliefen die Fahrer im Führerhäuschen auf Raststätten - obwohl das für längere Pausen eigentlich verboten ist. Daran wird wohl auch ein neues Gesetzespaket der EU nichts ändern, das die Bedingungen für Fahrer eigentlich verbessern soll. Denn schon jetzt mangelt es an wirksamen Kontrollen.

Beitrag von Robert Ackermann

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    Na dann bauen wir zu jedem Supermarkt einen Schienenanschluss, um die bis zu 10 Tonnen Lebensmittel, die der täglich braucht. Dabei geht es nicht um Himbeeren und Mangos im Winter sondern um ganz normale Dinge des täglichen Bedarfs wie frisches Gemüse, Fleisch, Obst, Molkereiprodukten, Brot, Getränke, Drogeriewaren usw. Die Alternative wäre wenn 100 Lastenfahrräder pro Supermarkt dann die Waren vom 20 km entfernten Güterbahnhof abholen würden. Von der Belieferung von Baumärten, Gartencenter und ähnlichem will ich gar nicht erst anfangen. "mehr Güter auf die Schiene! ". Es geht immer schnell so einen weltfremden Unsinn von sich zu geben wenn man vorher nicht das Gehirn einschaltet.

  2. 8.

    ... dann vielleicht beim Einkaufen auch mal bissel nachdenken, dass man Im Winter keine Himbeeren aus Mexiko braucht, und die neue Jacke vielleicht auch lieber beim Klamottenladen in der Fußgängerzone kauft als bei Zalando, auch wenn's da vielleicht 'n Zehner günstiger ist. Je weniger Waren von sonstewo nach hierundda transportiert werden müssen, destoweniger Transportfahrzeuge sind erforderlich. Und ja, natürlich: Gütertransporte gehören auf die Schienen!!

  3. 7.

    Ich vergaß zu erwähnen, dass besagte Umzugsfirma sich einen feuchten Kehricht um Ruhezeiten schert. Da wird gerne mal mitten in der Nacht der LKW beladen (alles Mögliche, auch Metallstanden, einfach scheppernd hineingeschmissen) und morgens geht der Krach dann gerne mal ab 5 oder 6 Uhr los, mit Motor anlassen, Hupen beim Wegfahren usw. Beschwerde beim Ordnungsamt brachte nichts. Die kümmern sich einfach um nichts in Berlin. Dafür werden Anwohner ständig aus dem Schlaf gerissen, konnen morgens nicht lüften, weil unterm Fenster der "Brummi" 10min warmläuft und der Dieselmief ins Zimmer zieht.

  4. 6.

    Die Bahnstrecken sind ebenfalls gut ausgelastet. Deren Ausbau dauert aber noch länger, sofern das überhaupt politisch gewollt ist.

    Die Verkehrswende scheitert nicht nur am fehlenden Willen, den ÖPNV auszubauen, auch beim GV müsste dafür gegen den Willen der NIMBYs viel investiert werden.

    Eher bekommen die wichtigsten Autobahnen Oberleitungen, was aber das Parkplatzproblem auch nicht löst.

  5. 5.

    Mann könnte das Problem auch auf die Schiene verlagern. So wie im Osten vor der Wende.
    Jetzt auch mittels Lkw Transport auf der Schiene/
    Die Technologien gibt es, doch das hilft nicht der Autoindustrie.
    Die Güterbahnhöfe in den wichtigsten Städten sind verhökert.
    Also auch hier Vorsatz.
    Liebe FreitagsdemoKinder fangt an hier zu verändern.

  6. 4.

    Tja, da müssen wohl weitere Flächen versiegelt werden, damit nochmal LKW noch mehr Waren auf den Strassen transportieren können. Diese Entwicklung entspricht sicherlich auch einer modernen und fortschritlichen Gesellschaft stimmts ?

  7. 3.

    Es gibt nicht zu wenige Parkplätze, es gibt zu viele LKW. Mehr Güter auf die Schiene!

  8. 2.

    Seit ca. 2 Jahren stellt ein Umzugsunternehmen seine Riesen-LKWs immer direkt vor sein Unternehmen, das mitten in einem reinen Wohngebiet liegt. Zur "Freude" der Anwohner werden da nicht nur regelmäßg etliche Parkplätze blockiert, sondern beim Anfahren und Motor-Warmlaufenlassen (dasgerne mal 10-15 Minuten betrieben wird), kommt es auch zu nicht unerheblichen Lärm- und Abgasbelästigungen.

  9. 1.

    Das ist aber nicht das eigentliche Problem. Sondern, dass die Lagerung der Ware immer mehr auf die Straße verfrachtet wird. Lagerhallen sind eben teuer und werden vermieden. Deswegen gilt das "Just-in-time"-Prinzip. Weniger Lager, dafür mehr Straßen und Raststätten verstopfen. Hier muss die Politik einen anderen Handlungsansatz finden!

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