Ein Mann haelt in Berlin einen wiederverwendbaren Kaffeebecher. Quelle: dpa/Andrea Warnecke
Video: rbb|24 | 27.04.2019 | Abendschau | Bild: dpa/Andrea Warnecke

Krebserreger in Bambus-Produkten - Verbraucherzentrale Berlin warnt vor giftigen Mehrwegbechern

Coffee-to-go-Becher oder Grillgeschirr: Im Kampf gegen Plastik wird mehr und mehr auf Bambus gesetzt. Doch die angeblich so nachhaltigen Produkte können krebserregend sein. Berliner Verbraucherschützer schlagen Alarm.

Die Berliner Verbraucherzentrale warnt davor, heiße Getränke oder Speisen aus Bambus-Geschirr oder Bechern zu konsumieren. Bei Flüssigkeiten, die heißer als 70 Grad sind, könnten sich Bindemittel in Form von Formaldehyd oder Melamin lösen - und in Speisen und Getränke gelangen.

Die Becher bestünden nur zu einem kleinen Teil aus gemahlenem Bambus oder Maisstärke. Darüber hinaus seien vor allem synthetische Bindemittel in den Produkten enthalten. "Das Problem mit dem Bambus-Geschirr ist, dass groß Bambus draufsteht, aber Bambus kann eigentlich nur als Füllstoff verwendet werden", sagt Britta Schautz von der Berliner Verbraucherzentrale.

"Ein Großteil dieses Geschirrs besteht eigentlich aus Melamin- oder Formaldehyd-Harzen. Wenn ich Formaldehyd zu mir nehme, kann es im Verlauf krebserregend sein." Das heiße nicht, dass man automatisch krank werde, allerdings bestehe durchaus ein Risiko - vor allem für Kinder.

Ökologisch vermarktet, für Kunden kaum festzustellen

Die Senatsverwaltung für Verbraucherschutz bestätigte dem rbb auf Anfrage, dass im Laborverbund der Norddeutschen Kooperation, der auch im Auftrag Berlins Testversuche durchführt, 2018 und 2019 insgesamt 37 Proben von Bambusprodukten untersucht wurden. "In allen Proben wurde der Grenzwert für Formaldehyd deutlich überschritten, bei einer Probe zusätzlich der Grenzwert für Melamin," so der Sprecher der Senatsverwaltung, Sebastian Brux.

"Neben diesen Beanstandungen aufgrund der stofflichen Beschaffenheit wurden auch irreführende Kennzeichnungen beanstandet." Da viele der Waren als ökologische Alternative zu herkömmlichen "Coffee to go"-Bechern vermarktet würden, sei die Gefahr für den Konsumenten praktisch nicht zu erkennen. Eine allgemeine Empfehlung oder Warnung könne die Senatsverwaltung aber nicht geben. "Die Gefahr hängt ja ganz wesentlich von dem jeweiligen Produkt ab – ob Melamin-Harze verwendet wurden und wenn ja, welche Verwendung vorgesehen oder zu erwarten ist", sagt Brux. Eine einheitliche Regelung für alle Bambus-Produkte müsse zudem auf Bundesebene beschlossen werden.

"Habe meinen Bambusbecher heute weggeworfen"

Solange sie nicht erhitzt werden, können aber auch melaminhaltige Produkte "rechtskonform und sicher" sein, sagt Brux. "In einer Bambus-Schale können Sie ohne Bedenken Obst aufbewahren. Eine heiße Suppe würde ich daraus allerdings auch nicht essen", so Sprecher Sebastian Brux. "Ich habe meinen Bambusbecher heute weggeworfen."

Eigentlich hätten die getesteten Produkte aber nie auf den europäischen Markt kommen dürfen, wo für Stoffe wie Melamin und Formaldehyd bestimmte Grenzwerte gelten. In Berlin müssen sich jetzt die Lebensmittelbehörden der Bezirke darum kümmern, dass die beanstandeten Produkte wieder aus den Regalen verschwinden.

Grenzwerte gibt es, Kennzeichnungen nicht

Neu ist das Problem mit den gesundheitsgefärdenden Bechern nicht. Das Bundesamt für Verbraucherschutz schreibt auf seiner Website [externer Link], dass solche Produkte aus Exportländern wie China häufiger zu hohe Konzentrationen von Melamin und Formaldehyd aufweisen. Seit 2011 sollen Behörden sich eigentlich stärker darum bemühen, dass solche Produkte gar nicht erst in den Regalen landen. Damit sie schon bei der Einfuhr kontrolliert werden können, dürfen sie nur über bestimmte Transitwege in die Europäische Union geliefert werden.

Ein Sprecher des Zolls erklärte rbb|24 am Freitag aber, dass die Kontrolleure effektive Prüfungen gar nicht durchführen können. "Wir können nicht jedes Produkt im Labor untersuchen", hieß es. Deshalb seien Zollbeamte bei Kontrollen auf Kennzeichnungen angewiesen. Eine Pflicht zur Kennzeichnung von Bechern, Schalen oder Besteck bestehe in Deutschland allerdings nicht.

Sendung: Abendschau, 26.04.2019, 19.30 Uhr

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44 Kommentare

  1. 44.

    hallo, ich hatte einen Bambusbecher und täglich eine Tasse heissen daraus getrunken.
    Ich entwickelte eine teilweise Inkontinenz, beim Husten z.b trat Urin aus. In den Handflächen bildeten sich Leberzeichen aus. Nachdem der Becher zurückgerufen wurde und ich ihn daraufhin austauschte gegen einen Metallbecher, hörten die Symptome schlagartig auf. Vor allem die Inkontinenz hat mich sehr belastet.
    Heute weiss ich, dass diese Symptome eindeutig auf den gebrauch dieser vergifteten Becher zurückzuführen ist.
    Ob es bleibende Schäden gibt, wird gerade untersucht.
    Benutzt diese Teile nicht, es gibt bessere Alternativen.

  2. 43.

    Sie übertreiben maßlos. Und das ist das eigentliche Problem. Die Radikalität ist erschreckend. Menschen sind nicht perfekt. Wir alle haben unterschiedliche Vorstellungen. Und niemand möchte bevormundet werden. In anderen Ländern gehen die Menschen mit dem Thema Umweltschutz viel entspannter um.

  3. 42.

    Wenn es um das Thema Müllvermeidung, Klima- und Umweltschutz, Reduzierung des Privatverkehrs usw. geht, wird durch viele Kommentare schnell klar, dass sich nichts ändern wird, es sei denn, Gesetze erzwingen es. Ernsthaft diskutieren zu wollen, was an Einwegprodukten schlecht sei, das läßt tief blicken. „Ich will auf nichts verzichten, ich ändere nichts, mich interessiert das alles nicht die Bohne.“ Und dann wird wieder laut lamentiert, dass alles verboten wird. Ich kann nicht nachvollziehen wie es sein kann, dass sich nicht alle bessere Luft, sauberere Städte und eine Zukunft für sich und ihre Kinder wünschen. Schon sehr betrüblich. Das Argument einfach den Kopf in den Sand zu stecken, weil man das ja schließlich könne, ist erschütternd. Es geht um Kaffeebecher und den Müll, den sie weltweit verursachen. Nicht einmal darauf kann verzichtet werden? Betrüblich. Und die Bambusbecher dürfen ungeprüft, vergiftet, verkauft werden? Entsetzlich. Macht weiter so, ich hoffe trotzdem für jeden, dass er nicht irgendwann an den Folgen seines Tuns erkranken wird. Denn unsere Natur ist fast am Ende. Und ja, wir haben unseren Lebensstil deutlich verändert und entziehen uns sehr viel diesen Vorgängen. Und das geht gut und gibt uns auch ein gutes Gefühl. Traurig, das alles einfach auszublenden. Alles gut? Nicht wirklich :-(

  4. 41.

    Wo ist eig das Problem bei den Pappbechern? Die Einwegteile sind aus doppelwandig verstärkter Pappe....

  5. 40.

    Was tragen Sie denn für Jacken? Marke Zelt? Rucksack hat nun nicht jeder immer dabei. Kann doch jeder machen wie er will.

  6. 37.

    "Übrigen ist der altmodische Thermosbecher eine gute Alternative". Nicht wirklich. Denn wo lassen Sie das Ding wenn es leer ist? Ständig Verpackungen herumtragen ist ja auch unbequem. Kollege kommt jeden morgen mit einem Einwegbecher ins Büro. Denn auf dem Heimweg will er keinen Becher mit sich herumtragen. Ich selber trinke mal Cafe Latte mal Tee mal einen Kaffee ohne Milch. Möchte ich auch nicht nacheinander über den Tag verteilt in denselben Thermobecher schütten. Völlig unrealistisch immer mit einem eigenen Becher unterwegs zu sein.

  7. 36.

    Ja, das ist es. Und zu allen anderen Themen, die den Umweltschutz betreffen, wird dieser Kommentator wohl ähnlich positioniert sein. Darüber sollte man sich aber nicht ärgern. Gibt halt „solche Leut‘“^^ Einweg-To-Go-Becher gehören ohnehin bald der Vergangenheit an, alles gut! Im Übrigen ist der altmodische Thermosbecher eine gute Alternative. Und bei McDoof wird‘s auch teurer werden, des Mülls wegen. Von mir aus sollte der Burger 10€ kosten. Dafür Bio-Futter günstiger :-)

  8. 34.

    Na da bin ich ja froh, dass ich solche Becher nicht nutze. Mir reichen die Einwegbecher. Schon eine Frechheit, giftige Stoffe zuzulassen. Der ToGo ist für mich einfach eine tolle Sache. Nach dem Trinken kommt der Becher in den Müll. Soll die BSR eben eine umweltfreundliche Entsorgung sorgen. Ich mache mir damit keinen Stress. Gibt ja genügend andere, die moralischer ticken. Müll sollte verbrannt werden. Dann kann er auch nicht im Meer landen. Basta

  9. 33.

    Wie im Kindergarten: JAAAA, jeder darf das selber entscheiden. Das heißt aber nicht, dass es richtig ist. Weiter so zu tun, als ob‘s kein Morgen gäbe ist ein Ding, aber dann noch Anderen ihre Bemühungen vorzuwerfen, das ist schon frech. Wer es noch nicht kapiert hat, es muss weniger konsumiert werden, damit wir weniger vergiftet und vermüllt werden. Und dass sich das ändert, liegt an uns, dem Verbraucher.

  10. 32.

    Weniger verkrampft? Da lachen ja die Hühner. Ich bin mit Amerikanern groß geworden und habe dort ein paar Jahre gelebt. Vordergründig sind sie lustig und locker, hinter der Fassade aber meist spießig und prüde. Ich habe gute Freunde dort gefunden, die übrigens die Offenheit und sexuelle Entspanntheit vieler Länder Europas sehr schätzen^^

  11. 31.

    Tja, nicht alles von früher war schlechter^^ Es ging ohne. Und aus Walen wurden nicht Tonnen an Müll geklaubt. Machen Sie was Sie meinen, aber ein wenig Besinnung und Reflektion täte auch Ihnen gut.

  12. 30.

    Genau diese Ignoranz läßt uns im Müll ersticken. Und klar, der Berliner ist soooo mobil, dass er unterwegs ständig essen und trinken muss. Natürlich ist es jedermanns eigene Entscheidung, aber wenn das Thema Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit immer noch ignoriert wird, ist das schon sehr befremdlich. Na dann Prosit und Guten Appetit, auf dass die to-go-Mentalität das Gewissen weiter unbelastet läßt.

  13. 29.

    Wer jammert denn? Es geht um angeblich umweltfreundliche Produkte, die aber giftig sind. Das ist nunmal wirklich das Allerletzte. Da wird etwas vorgegaukelt, was nicht stimmt. Und zum grundsätzlichen Teil; jeder darf das wohl selbst entscheiden.

  14. 27.

    Danke für diesen sachlichen Kommentar. Besser als die üblichen „braucht kein Mensch“, ist eine „Unsitte“ und das beste „früher ging es ohne“. Der Mensch ist mobil. Er arbeitet und isst und trinkt unterwegs. Er liest und hört Musik. Der Weg ist nicht nur ausschließlich dem „Transport“ gedacht, man kann auch in der BVG private Dinge machen. Das ist entspannter als nur zu warten auf „sind wir schon da?“ Zum Thema eigene Becher mitnehmen.. Das ist eben eine Frage der Bequemlichkeit. Den Einwegbecher kann ich entsorgen und habe keInen Ballast mehr dabei. Ich mache es sowohl als auch. Soll die BSR doch mal Mülleimer für Recycling aufstellen, statt nur für Restmüll.

  15. 26.

    Was soll diese Bashing gegen Amis? Die sind viel weniger verkrampft als wir Deutschen. Und im Umgang auch höflicher. Aber Sie kennen die Staaten offenbar nur aus dem TV.

  16. 25.

    In meinem ganzen Leben habe ich noch nie einen solchen Becher benutzt. Für Ausflüge oder Reisen gab es Thermoskannen. Für Proviant Tupperdosen. Man überlebt aber auch, wenn man mal 2 Stunden nichts isst oder trinkt. Und genau das ist der Punkt. Gehirnwäschemäßig hat uns die Werbung eingehämmert angeblich Dinge zu benötigen oder tun zu müssen, die völlig unnötig sind und diese werden uns Stück für Stück zum Verhängnis. Ich wurde oft belächelt, weil ich mich meist nicht hab manipulieren lassen und viele Dinge nicht mitgemacht habe. Inzwischen bin ich froh darüber. Der Zirkus, der immer öfter abläuft, bezüglich vergifteter Dingen, Müllvermeidung und bedenklicher Konsumartikel, betrifft mich relativ selten. Ich hoffe, dass unsere Jugend sich Stück für Stück dem Konsumwahn entsagt und sich wieder auf die wichtigen Dinge des Lebens besinnen wird. Coffee to go gehört definitiv nicht dazu ;-)

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