Grüne Punkte an der Bergmannstraße.
Video: rbb|24 | Abendschau | 25.04.2019 | Bild: Michael Handelmann/imago

Glosse | Tatort: Bergmannstraße - Damit wird der Bezirk garantiert nicht punkten

Die Bergmannstraße soll so vieles sein: "Begegnungszone", "Diskussionsort" oder, wie sie das Land Berlin nennt: "multikulturelle Flaniermeile mit Gründerzeit-Charme". Jetzt scheint sie vor allem eins zu werden: ein Friedhof für verkehrsplanerische Irrtümer. Von Mark Perdoni

Das sündhaft teure "Projekt Begegnungszone" lag bereits im Sterben, bevor es richtig geboren war. Es wird derzeit nur künstlich am Leben gehalten, weil der Senat die Beatmungsmaschine noch nicht abstellen will.

Und das, obwohl die BVV Friedrichshain-Kreuzberg selbst den ambitionierten Versuch, "das verträgliche Miteinander Aller im Straßenverkehr zu fördern", frühzeitig begraben wollte. Radfahrer wurden von Lastwagen bedrängt, Autofahrer beschwerten sich über fehlende Parkplätze, Anwohner zeigten sich von Trinkgelagen in den Parklets genervt. Damit nicht genug: Die Veranstalter des traditionellen Bergmannstraßenfestes beförderte der Bezirk ins Jenseits, es findet dieses Jahr in der Kreuzbergstraße statt.

Mehr "Streetart" ins Verkehrskonzept?

Und nun das: Im Auftrag des Berliner Straßen- und Grünflächenamtes malen offensichtlich selbst irritierte Bauarbeiter giftgrüne Punkte, die an das Kinderspiel "Twister" erinnern, sowie durch verkehrsnormgerechte Schablonen gedrückte Fahrzeuge mitten auf die Straße. "Was soll das?", fragen zu Recht verwunderte Augenzeugen bei Twitter. "Hier in der Bergmannstraße passiert eine Menge – das wird mit den grünen Markierungen sichtbar. Und das ist gut", antwortet der Baustadtrat des Bezirks, Florian Schmidt (Grüne).

Mehr Licht ins Dunkle bringt da die offizielle Stellungnahme des Bezirks aber auch nicht: Die Punkte sollen "allen Verkehrsteilnehmer*innen signalisieren, dass sie sich in einer verkehrsberuhigten Zone befinden". Die Tempo-20-Verkehrsschilder nehme niemand wahr. Die unlogische Konsequenz des Bezirks: Mehr Streetart ins Verkehrskonzept.

Mal ehrlich: Kein Autofahrer der Welt kann ohne gekreuzte Finger hinter dem Rücken einem Beamten glaubhaft machen, er sei mit 60 durch die 30er-Zone geheizt, weil er die Schilder nicht gesehen habe. "Aber die giftgrünen Kreise auf dem Boden, die haben Sie gesehen?" Die sind nicht zu übersehen, ja. "Die hätten Sie an die unsichtbaren Schilder erinnern müssen!" Erwischt.

Zugegeben: Trotz vermüllter und mit Protestbannern geschändeter Parklets, unseliger "Begegnungspoller" und womöglich auch neongrüner Tatortmarkierungen: Es passiert trotzdem weiterhin eine Menge auf dem Friedhof der verkehrsplanerischen Irrtümer. Wäre nur schade, wenn irgendwann keiner mehr die Gräber besuchen will.

Sendung: Abendschau, 24.04.2019, 19:30 Uhr

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20 Kommentare

  1. 20.

    Lieber Christof,
    bei diesem Text handelt es sich um eine Glosse, sprich eine meinungsbetonte Darstellungsform. Einseitigkeit ist hier also bewusst gewählt, da es die Meinung eines einzelnen Redakteurs abbildet. Dass Sie eine andere Meinung zum Thema haben, ist völlig legitim. Besten Gruß

  2. 19.

    Hätten sie sich mal lieber wikipedia belesen.
    Eine Bremsschwelle ist eine quer zur Fahrtrichtung angeordnete bauliche Erhebung auf der Fahrbahn, die zu einer Geschwindigkeitsdämpfung führt und damit zur Verkehrsberuhigung beitragen soll.

    Und die helfen wirklich. Über eine Bremsschwelle fährt man einmal zu schnell. Danach nie wieder.
    Günstig in der Anschaffung und sehr effektiv. Gehören eigentlich vor jede Kita und Schule. Dann braucht man keine aufgemalten Kreise und Verkehrsschilder mehr.

    Man nimmt aber auch keine Gebühren für Geschwindigkeitsüberschreitungen mehr ein. Vielleicht werden sie deshalb in Deutschland so wenig verwendet.

  3. 18.

    Schade liebe rbb24-Redaktion, ich finde es ist ein einseitiger und trauriger Bericht. Es geht hier nur um die Punkte, dass aber die Strassenecken mit Pollern endlich geschützt wurden vor den Autos, denen die StVO egal waren wird nicht berichtet. Dass es endlich gute und viele Fahrradplätze gibt, die auch auf der Strasse entstanden sind und nicht auf dem Gehweg, das wurde nicht berichtet. Dass für eingeschränkte MitbewohnerInnnen Übergangsmarkierungen geschaffen wurden, das wurde nicht berichtet. Das es eine gute Maßnahme gegen die 2. Reihe Parker und Verkehrsraser ist das fällt auch unter den Tisch. Es musste etwas getan werden und es ist immer Neuland in einer so autodominierten Stadt. Gut das jemand anfängt ob es der richtige Weg ist lässt sich sicherlich nicht innerhalb einer Woche beurteilen, aber die Maßnahmen werden rege angenommen, vielleicht wäre auch das mal ein Bericht wert. Veränderungen brauchen Zeit. Das es nicht wie früher bleiben kann, sollte langsam klar werden.

  4. 17.

    Ob aufgemalte Punkte auf der Fahrbahn den Verkehr wirklich ausbremsen ist zweifelhaft. Viel besser wäre es, Berliner Kissen zu verlegen. Diese würden für echte Verkehrsberuhigung sorgen!

  5. 16.

    Was die grünen Gurken wollen, geht IMMER zulasten der Steuerzahler.
    Eine Partei, die ausschließlich von Wünschen geleitet wird, sich aber um Sinn, Machbarkeit und Finanzierung nicht schert.
    Nun bekommt sogar das Straßenpflaster Neonmasern und nicht nur Touris dürfen sich über eine weitere Verschandelung des Stadtbildes wundern, deren Zweck man erraten muss.
    Das ist blödsinniger Aktionismus in Reinkultur.

  6. 15.

    Und wer muss diesen Irrsinn bezahlen? Die Steuerzahler, wie immer. Es muss jetzt endlich einmal diesem Stadtrat klargemacht werden das es so nicht weitergehen kann. Der Mann muss in die Haftung genommen werden.

  7. 14.

    Das überrascht mich jetzt nicht, die Bezirkspolitik, unter dem Grünen Wohnungsbauverhinderer Schmidt, versucht mit allen Absurditäten zu punkten. Jetzt wird der Irrsinn Methode.
    Nun gut, da kommt der Aufschre aus den Reihen der Bü90/Die Grüneni, Boris Palmer aus der Gruppierung rauszuwerfen, gerade recht, lenkt das hervorragend vom eigenen Unvermögen, Politik für die Menschen, für die Stadt zu machen, ab.
    Danke dem RBB, dass sie so ausführlich berichteten und eine Vorlage für die Sendung extra3, der reale Irrsinn XXL, lieferten.

  8. 13.

    Chaos und Ungeregeltheit darf auf keinem Millimeter vorhanden sein. Diese typisch deutsche Denkhaltung eint alle. Das Auseinanderfallen beginnt dort, wo die Bündnisgrünen mit allerlei Gesetzen und Umbauten dem beobachteten Chaos Herr werden wollen und andere dieses von ihnen beobachtete Chaos einfach ignorant aussitzen.

    Sind Menschen, und gerade tyisch Deutsche, mit so bezeichnetem Chaos umgänglich? Das würde eine Weite im Verhalten beflügeln, bspw. dergestalt, genügend Abstand zu lassen, anstatt sich - per LKW, per Fahrrad - zentimentergenau und jenseits aller Sicht sich durchzudrängeln. Warten-Können ist weder Schande noch Erniedrigung, gleich bei wem.

  9. 12.

    Dank RRG erleben alle Berliner Unfähige Politiker nur in Kreuzberg wird es nur noch getopt, weil dort die Grünen an erster Stelle stehen.

  10. 11.

    Die von den Bürgern nicht gewollten und auch nicht akzeptierten "Begegnungsstätten" waren ja schon recht dummdreist.
    Nun malt man lustige Kreise auf den Asphalt und der grüne Baustadtrat ist wirklich der Meinung das diese Kreise die Autofahrer daran erinnern, das man sich in einer verkehrsberuhigten Zone befindet? Warum glaubt er das? Seit wann stehen grüne Kreise auf dem Boden für verkehrsberuhigte Zonen? Wer bringt das eine mit dem anderen in Verbindung.

    Wären Straßenpoller, die den Autofahrer zwingen langsamer zu fahren, nicht sinnvoller gewesen? Aber in diesem Bezirk wundert ich gar nichts mehr.

  11. 10.

    1. in einer verkehrsberuhigten Zone stehen keine Tempo 20 Schilder -entweder verkehrsberuhigter Bereich ( Schrittgeschwindigkeit 4-7km/h) oder Tempo 20 oder Tempo 20 Zone

    2. diese grünen Punkte stehen nirgends in der StVO oder gar dem StVG - somit sind sie KEINE Verkehrszeichen und also nicht bindend!

    3. stellt sich die Frage, ob eine einzelne Verwaltung sich über geltendes Recht hinwegsetzen darf? Ich denke nicht, dass jeder die Fahrbahn nach eigenem Gusto bemalen darf... dafür gibt es eine VwV

    Mein Vorschlag: die Kosten für solch unsinnige Aktionen von verkehrsplanerischen Praktikanten bitte den auftraggebenden Personen überantwortworten.

  12. 9.

    146000 Euro für diesen Schwachsinn ! Typisch Grüne ! Hauptsache die ideologischen Begehrlichkeiten werden bedient , egal was es kostet und egal wessen Geld es ist !

  13. 8.

    Diese Punkte sind doch ne Bastelstunde für den Senat.....bewirkt doch nix.....schade ums Geld

  14. 7.

    Ist das nun ein Fall für den Amtsarzt (Jagdschein) oder den Korruptionsermittler?

  15. 6.

    Die drei Kilometer A100, die gerade durch Neukölln gebaut werden, damit Deutschlands ADAC-Mitglieder künftig Friedrichshain und Mitte noch effizienter vollstinken können, kostet eine HALBE MILLIARDE EURO - und keiner beschwert sich. Aber wenn ein paar Punkte auf die Straße gemalt werden, versteigen sich die automobilen Dinosaurier zu Vokabeln wie "verprassen". Ein anderer Dinosaurier poltert in sach- und weltferner Rhetorik, die Grünen würden "alles zerstören", und demonstriert dann gleich wie "frisch und neu" seine Ideen sind, indem er sich einen Weihnachtsmarkt wünscht - ja geil, das nenne ich Innovation. Bitte mehr solche frischen Ideen, Weihnachtsnippes und Bratäpfel lösen Kreuzberges Probleme. Was für eine Lachnummer! Das ewiggleiche, zerkratzte Schallplate mit konservativem Gemecker, von Leuten die seit dem Flächennutzungsplan von 1965 (autogerechte Stadt und Autobahnkreuz auf dem Kotti) keine frische Idee mehr gehabt haben! Absolut nicht ernstzunehmen, Thema verfehlt!

  16. 5.

    Unfähige Politiker, verprassen Steuergelder von hart arbeitenden Bürger. Was haben wir nur für Entscheidungsträger im Rathaus sitzen. Haben die dort jegliche Realität verloren für die Basis? Grüne Punkte oder wir tanzen unseren Namen. Furchtbar !!!!!

  17. 4.

    Lasst die Bergmannstraße einfach so wie sie war. Denn nur so in ihrer nicht perfekten Art wurde sie einst zur Bergmannstraße. Was sie nun nicht mehr sein darf - nichts begriffen, aber viel Geld ausgegeben. Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer und Innen nun gängeln, funktioniert nicht ...

  18. 3.

    Wer sich nie irrt, lernt auch nix. Der eigentliche Skandal in der Verkehrspolitik findet da statt, wo alles so gemacht wie immer: planieren, betonieren, im Stau stehen.

  19. 2.

    Mit einem wahnsinnigen Feingefühl zeigt der durch die Grünen regierte Bezirk, was er drauf hat... Keine Nähe zu seinen Wählern. Im Pippilangstrumpfprinzip (Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt), wird in der Bergmannstr. nun schon seit mehreren Jahren einfach alles im Alleingang gemacht, auch wenn gelegentlich mal das Wort „Bürgerbeteilligung“ fällt, aber alles dabei ignoriert wird.

    Der schlicht größte Fehler war es, das „neue“ Gewerbezentrum (Ärztezentrum, Edeka, Netto) in der Form mit Tiefgarage etc. ein zu binden. Ohne dieses Aktion hätte man sich ein Verkehrschaos wahrlich erspart und nun ist die Kacke am dampfen und es wird eine irrwitzige Aktion nach der anderen durchgeführt. Die Meinung der Anwohner / Ladenbetreiber spielt aber keine Rolle dabei. Und so macht der Bezirk was er seit Jahrzehnten gut kann.... vernichten! Ich sage nur Kultur, Lust, Wandel... Kreuzberger festliche Tage (nach 59. war einfach schluss), der einzige Weihnachtsmarkt in Kreuzberg... 1x statt gefunden und durch die Bezirksbürokratie in den Boden gestampft usw. Und aus internen Kreisen ist mir auch bekannt, wie der Bezirk hinsichtlich der Kinderbetreuung mit Kitas oder der Tagespflege umgeht. Auch hier werden viele Fakten verschwiegen oder schön geredet aber Kreuzberg ist so ziemlich an der Spitze der Dreistigkeit im Umgang mit seinen Betreuungsplätzen. Räume für Großpflegen werden zum Beispiel nur ungern bezahlt vom Bezirk um nur ein Beispiel zu nennen. Die Liste ist also endlos und das einzige was man dagegen tun kann, ist den Grünen endlich mal die Kante zu geben. Zumindest in Kreuzberg. Damit mal etwas neuer frischer Wind weht und vielleicht sich mal etwas ändert. Ob es dann alles besser wird, steht auf nem anderen Papier.

  20. 1.

    Planen, kiffen und totlachen? Bewerbung ans Planungsbüro ist raus!

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