Strandbad Wannsee (Quelle: rbb/Miriam Keuter)
Audio: Inforadio | 12.04.2019 | Miriam Keuter | Bild: rbb/Miriam Keuter

Start in die Freibadsaison - Wie Berlins Sommerbäder aus dem Winterschlaf geholt werden

In diesen Tagen werden die Freibäder aus dem Winterschlaf geholt. Traditionell eröffnet das erste am Karfreitag - in diesem Jahr sollen gleich mehrere Freibäder früher als sonst eröffnen. Doch noch muss noch einiges geflickt und neu gemacht werden. Von Miriam Keuter

Die Zeit bis zur Eröffnung des Strandbads Wannsee am Karfreitag ist knapp. Die Mitarbeiter der Bäderbetriebe müssen 1.275 Meter Sandstrand säubern und 200 weiße Strandkörbe - bis zu 75 Kilo schwer -  aus den Lagerhallen holen.

Das Strandbad Wannsee ist eines der größten in Europa und eröffnet traditionell als erstes in der Saison. Die weißen Strandkörbe sind das Aushängeschild des Strandbads. Reparaturen daran wurden bereits im Herbst vorgenommen. Jetzt müssen die Mitarbeiter sie in Dreier-Reihen auf dem Sandstrand verteilen.

Bis Karfreitag sollen alle Probleme gelöst sein

Den Sandstrand zu reinigen dauert jedes Frühjahr 14 Tage. Dafür gibt es eine extra Maschine, die den Sand aufnimmt und über eine Rüttelplatte schickt. So wird der Sand vom Dreck getrennt. Zigarettenstummel und anderer Müll fällt in ein Auffangsieb, der Sand auf den Strand zurück. Die Maschine ist aber noch nicht einsatzbereit, sondern noch in der Wartung.

Das Strandbad befindet sich in einem Trinkwasserschutzgebiet, unter dem Sandstrand liegen Trinkwasserbrunnen. Zwei der Brunnen wurden dieses Jahr saniert.

Frostschäden gibt es jedes Jahr auch an den Fliesen, vor allem auf dem Sonnendeck, auf dem extreme Temperaturunterschiede herrschen. Kaputte Fliesen haben messerschaffe Kanten, Badegäste könnten sich daran verletzen. Doch bis Karfreitag will man auch dieses Problem gelöst haben, sagt Bad-Leiter Steve Kleinschmager.

Strandbad Wannsee (Quelle: rbb/Miriam Keuter)
Das Strandbad Wannsee vor Saisonstart Bild: rbb/Miriam Keuter

Sommerbad am Humboldthain

Nicht ganz so früh wie die Kollegen am Wannsee sind die im Sommerbad am Humboldthain dran. Am 1. Juni soll es losgehen. Es sehe gut aus, dass es klappt, sagt Betriebsleiter Thomas Nacke, weil es bis jetzt nur wenige Schäden gebe.

Nacke arbeitet seit zwölf Jahren im Sommerbad am Humboldthain. Wie viele seiner Kollegen kommt auch er aus dem Stadtbad Tiergarten und packt im Frühjahr mit an. Das 50 Meter lange Schwimmbecken ist fast leergepumpt. Im Humboldthain wird das Wasser immer erst nach dem Winter herausgelassen. So könne der Frost nicht so viel kaputtmachen, sagt Nacke. Der Druck sorge dafür, dass die Fliesen bleiben, wo sie sind.

Wenn das Becken geschrubbt wurde, kommt der Fliesenleger, und dann muss noch einmal alles gesäubert und desinfiziert werden. Erst dann fließt neues Wasser hinein.

Warten auf die Laborergebnisse

Spannend ist die Wartezeit von eineinhalb Wochen auf die Laborergebnisse, wenn das Wasser auf Keime getestet wurde. Sollte die Probe schlecht ausfallen, dauert es länger und eine pünktliche Eröffnung wäre in Gefahr.  Aber bisher, sagt der Badeleiter, seien die Ergebnisse immer im grünen Bereich gewesen.

Das große Schwimmbecken ist noch eines mit hellblauen Kacheln. Mittlerweile haben einige Bäder schon Becken aus Edelstahl. Doch Thomas Nacke ist ein Fan von den alten Fliesen, auch wenn diese nicht so pflegeleicht und teurer seien. Für ihn machen sie optisch viel mehr her. Und schließlich seien ja auch die Angestellten der Bäderbetriebe Ästheten und nicht irgendwelche Teichtaucher, sagt er.

Das Schwimmbecken ist längst nicht alles, was in den nächsten Tagen fit gemacht werden muss. Die 1.000 Schließfächer sind noch nicht desinfiziert, die Kohle für die Filteranlage noch nicht da und das Grünzeug zwischen Waschbetonplatten noch nicht herausgezupft. Es gibt noch viel Routinearbeit bis zum Start.

Das Strandbad am Humboldthain (Quelle: rbb/ Keuter)
Das Sommerbad Humboldthain vor Saisonstart. Bild: rbb/ Keuter

Strandbad Wendenschloss

Routine fürs Strandbad Wendenschloss hat der neue Pächter Florian Kawka nicht. Wie auch: Alles im alten Bad am Rande eines Kiefernwäldchens wird neu gemacht.

Demnächst wird es hier einen Biergarten und einen großen Veranstaltungssaal für Hochzeiten oder Betriebsfeiern geben. Eine Art Restaurant, das man auch ohne Badengehen nutzen kann. Fenster werden bis zum Boden vergrößert, Decken erneuert, Räume neu konzipiert für den Blick aufs Wasser. Die Duschen und Umkleiden werden nach draußen in Holzverschläge verlegt. So gebe es mehr Platz für andere Angebote, sagt Kawka.

Alles wird neu - nur die Preise sollen stabil bleiben

Auf dem Langen See führen vier Stege ins Wasser. Der eine Steg mit dem alten Bademeister-Häuschen ist noch ganz gut in Schuss, die anderen sollen erneuert werden.

Hier will Kawka Boote, Kanus und Flöße verleihen. Außerdem soll es eine "Stand-up-Paddling"-Station geben. Und obwohl alles neu wird, sollen die Eintrittspreise stabil bleiben. 4 Euro für Erwachsene, ermäßigt 2,50 Euro. Damit liegt das Strandbad Wendenschloß unter dem Standard der Bäderbetriebe. Ein Familienbad soll es bleiben.

Kaum vorstellbar: Schon am 1. Mai soll es losgehen. Noch sind die Räume nackt, die Fenster draußen und die Handwerker am Sägen, Bohren und Malern.

Das Seebad Wendenschloß (Quelle: rbb/ keuter)
Das Wendenschloss vor Saisonstart Bild: rbb/ Keuter

Sommerbad Kreuzberg

Einen Tag der offenen Tür braucht das Prinzenbad in Kreuzberg nicht. Es steht für sich, sein Ruf eilt ihm voraus. Das weiß auch Randy Riedel. Er ist Bademeister, oder Fachangestellter für Bäderbetriebe, wie es eigentlich heißt. Im Sommer steht er immer am Beckenrand und passt auf, dass keiner ertrinkt, wie er sagt.

Jetzt im Frühjahr steht an den Startblöcken vorm neuen Sportbecken aus Edelstahl. Hier ist schon seit Tagen das Wasser drin. Genauso in dem alten mit Fliesen, hier schimmert die Oberfläche smaragdgrün. Das liege daran, dass noch kein Chlor zugesetzt wurde. Den Schmutz aus den Becken zu schrubben sei tierische Arbeit, sagt Riedel. Deshalb stehe er im Becken mit dem "Kärcher" in der Hand. Das gehöre zum Job und sei auch mal eine nette Abwechslung.

Ein Frühjahrsputz wie jedes Jahr

Im Prinzenbad haben die Bäderbetriebe schon vor Wochen mit den Vorbereitungen für die Saison begonnen, da gab es noch Minusgrade. Insgesamt muss eine Fläche von 4.000 Quadratmetern in und um die Becken gesäubert und überprüft werden. Im Moment sind die Überläufe dran, die Vertiefungen rund um den Beckenrand, in die das Wasser hineinschwappt.

Die Gitter der Überläufe liegen am Boden, und zwei Handwerker bessern Fugen und Fliesenränder aus. Das große Nichtschwimmerbecken mit der Rutsche ist leer, die Fliesen wurden bereits gereinigt. Fliesenschäden, wie sie üblich im Winter sind, gab es vor allem bei den Außen-Duschen. Aber sonst sei das ein Frühjahrsputz wie jedes Jahr. Dem Eröffnungstermin im April steht erst einmal nichts im Wege.

Das Prinzenbad in Berlin Kreuzberg (Quelle: rbb/ Keuter)
Das Prinzenbad vor Saisonstart Bild: rbb/ Keuter

Beitrag von Miriam Keuter

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Über den Ruf des Prinzenbades sollte man heute eher nicht mehr reden. Der ist lange, lange vorbei.

  2. 1.

    Früher gab es die passende Bekleidung für den Saisonstart an kommenden Freitag bei Pelz Lösche. Heute muss man das dicke Fell für den Freudentanz am Wannsee sich selber zulegen.

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