Symbolbild: Das Benjamin Franklin Klinikum in Berlin Steglitz. (Quelle: dpa/Schöning)
Audio: Antenne Brandenburg | 30.04.2019 | R. Westphal | Bild: dpa/Schöning

Standort Wedding übernimmt - Charité schließt Kinder-Notfallversorgung in Steglitz

Die Berliner Charité konzentriert ihre Notfallversorgung für Kinder ab dem 1. Juli 2019 auf ihrem Campus Virchow-Klinikum im Stadtteil Wedding. Die spezielle Versorgung von Kindern am Campus Benjamin Franklin in Steglitz werde damit eingestellt, teilte die Charité am Dienstag mit. Die zentrale Notaufnahme stehe aber weiter für akute und lebensbedrohliche Erkrankungen von Kindern offen.

Auch Charité-Mediziner hatten Schließung gefordert

Die Charité hat nach eigenen Angaben seit 2008 ein Schwerpunktkonzept und zieht Fachabteilungen an ihren einzelnen Standorten zusammen. Am Virchow-Klinikum wird unter anderem die Kinder- und Jugendmedizin konzentriert, inklusive Intensivmedizin mit Spezialisten. Für Steglitz habe der Krankenhausplan des Landes keine Kinder-Notfallversorgung mehr vorgesehen, teilte die Charité weiter mit.

In die Rettungsstelle kamen zum Schluss laut Tagesspiegel nur noch sieben oder acht Kinder pro Tag. In schweren Fällen seien diese Kinder demnach auch in andere Kliniken transportiert worden, weil es im Campus keine eigene, voll ausgestattete Kinderklinik mehr gebe. Zudem hätten laut Tagesspiegel im Dezember 2018 auch 100 Charité-Mediziner in einem Brief an die Senatskanzlei gefordert, dass die Rettungsstelle geschlossen wird. Das Personal für die Betreuung der wenigen Patienten fehle sonst auf anderen Stationen.

FDP kritisiert Schließung

Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Florian Kluckert, kritisierte dennoch die Schließung in Steglitz. Er forderte den  Senat auf, den Standort der Kinder-Notfallambulanz im Süden Berlins zu erhalten.

Nach Charité-Angaben leisten dort aber auch das Helios Klinikum Emil von Behring in Zehlendorf und das St. Joseph-Krankenhaus in Tempelhof kinderärztliche Notfallversorgung.

 

 

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9 Kommentare

  1. 9.

    Häh - verstehe ich nicht. Die letzten 8 Jahre gabs doch am Ben Franklin auch keine Kinderklinik - man musste für ernsthafte Probleme doch immer nach Tempelhof oder Zehlendorf - oder halt Wedding oder Westend. Ans Ben Franklin ging man doch ohnehin nur für Schnupfen und Husten...

  2. 8.

    Das sehe ich wie Sie, auch durch eigene Erfahrung. Wir wohnen am Stadtrand und mussten letztes Jahr 2 Wochen lang täglich in den Campus Virchow im Wedding. Die Problematik, die unser Kind hatte, konnte angeblich nur dort behandelt werden (stellte sich hinterher ärgerlicherweise sogar noch als Irrtum heraus). Bei dem Höllenverkehr nach der Arbeit hin und zurück, das war ein Albtraum. Urlaub nehmen war uns nicht möglich. Ich kann die Argumente für die Schließung verstehen, in einer so großen Stadt mit so einem Verkehrsaufkommen ist das aber eine Zumutung. P.S.: Der Weg dauerte mit dem Auto genauso lang wie mit der BVG ;-)

  3. 7.

    Dem Grunde nach geht es also um eine Konzentration der spezielleren medizinischen Versorgung von Patienten*innen im Kindesalter. Haben sich jemals die Befürworter die notwendigen Gedanken darüber gemacht, welche Lasten den Elternteilen der betroffenen Kinder aufgebürdet werden, wenn diese quer durch Berlin fahren müssen, um ihrem Kind in der schweren Zeit beizustehen?

  4. 6.

    Das Denken in Finanzkategorien setzt sich wieder durch. Oder: Kinder sind zu teuer...
    Armes Land!

  5. 5.

    Um eine Rettungsstelle mit einem Arzt 24 Stunden am Tag zu besetzen braucht man mindestens 5 Personen, die sich mit Schichten abwechseln. 5 Kinderärzte für unter 10 Patienten am Tag. 5 Kinderärzte, die in anderen Kliniken bitter fehlen. Außerdem nochmal: wenn es auf Minuten ankommt, wird ALLEN Patienten am CBF auch weiterhin selbstverständlich geholfen. Die Charité Mitte hat auch keine Kinderärzte im ihrer großen zentralen Notaufnahme und da klappt es auch. Dafür kann am Standort Wedding universitäre Medizin für besonders komplexe Fälle geleistet werden, die anderswo in Berlin nicht versorgt werden können. Die Qualität der Kindernotfallversorgung in Berlin wird durch diesen Schritt gestärkt, da sind sich die Fachleute einig. Hier wird endlich umgesetzt, was die Kinderärzte seit langem fordern. Nur die Lokalpolitik meckert - ohne genau zu wissen, wovon sie spricht. Es geht um populäre Symbolpolitik - die Argumente sprechen seit Jahren für die Schließung.

  6. 4.

    Zehlendorf und Tempelhof sind nicht Steglitz, wenn es um Minuten geht.

  7. 3.

    Es gibt in Berlin 9 Kinderkliniken - quer über die ganze Stadt verteilt. Steglitz hat seit über 9 Jahren keine Kinderklinik mehr und wird seit Jahren nicht mehr von Rettungswagen angefahren. Eine Notfallversorgung von Kindern ist dort ohne Kinderklinik einfach nicht möglich - über 100 Assistenz- und Oberärztinnen der Charité haben davor in einem Brandbrief gewarnt. Was hat das mit Finanzdenken zu tun? Den jungen Kinderärzten wird es doch wohl um das Kindeswohl gehen oder unterstellt ihr denen etwa unlautere Absichten?

  8. 2.

    Wedding....liegt ja auch gleich um die Ecke.
    Für eine Kinder NOTFALLversorgung viel zu weit, ein Hohn. Da hat das Finanzdenken wieder mal gewonnen.

  9. 1.

    ... NUR noch sieben oder acht Kinder pro Tag. - Nicht aus Sicht des Kindes.

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