Luftbild vom Flughafen Tegel (Bild: imago/Günter Schneider)
imago/Günter Schneider
Video: ARCHIV - Eröffnung Flughafen Tegel 1974 - Abendschau | Bild: imago/Günter Schneider

"Herausragende Architektur" - Flughafen Tegel steht unter Denkmalschutz

Vor 45 Jahren wurde er eröffnet, und nach all dem BER-Chaos ist für ihn noch lange nicht Schluss: der Flughafen Tegel. Jetzt wird ihm eine Ehre zu Teil, die zumindest für einen baulichen Fortbestand sorgen wird: TXL steht unter Denkmalschutz.

Das Landesdenkmalamt Berlin hat den Flughafen Tegel unter Denkmalschutz gestellt. Geschützt seien die beiden Bereiche Tegel Süd "Otto Lilienthal" und Tegel Nord "Französisch-amerikanischer Militärflughafen", teilte die Kulturverwaltung am Montag mit.

Der Flughafen sei denkmalwert aus verkehrsgeschichtlichen, architekturgeschichtlichen und sozialgeschichtlichen Gründen. Als Flughafen der kurzen Wege sei Tegel weltweit bekannt, erklärte Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke).

Das 1965 bis 1979 von den Architekten Meinhard von Gerkan, Volkwin Marg und Klaus Nickels (gmp) errichtete Ensemble gelte auch im internationalen Vergleich als herausragendes Beispiel für die Architekturepoche der 1960er und 1970er Jahre.

Besonders intelligent angelegt sei das Terminal A mit seinem sechseckigen Flugsteigring und einer dadurch ermöglichten inneren "Drive-In"-Erschließung der einzelnen Gates. Auch der Berliner Landeskonservator Christoph Rauhut ist zufrieden mit dem neuen Denkmalschutz. "Das ist eine ganz besondere Planungsleistung", sagte er im Interview mit dem Kulturradio des rbb.

Von Gerkan: "Tegel ist der tollste Flughafen der Welt"

Aus insgesamt 68 Entwürfen ging das Konzept des damals 31-jährigen Hamburger Architekten Meinhard von Gerkan und seines Partners Volkwin Marg als Sieger hervor, das war der Startschuss für die erfolgreichen Karrieren der beiden Architekten. Tegel war für die damalige Zeit erstaunlich modern. Die gewaltige Wabe aus Stahl, Beton und Glas, auf deren Innenseite Autos und Busse halten, bot und bietet Passagieren einen denkbar kurzen Weg zum Check-In. "Wir dachten, es wird ein weltweites Vorbild", hat von Gerkan einmal dem "Zeit-Magazin" gesagt.

Für ihn war Tegel nur der Anfang, er plante auch die Flughäfen in Moskau, Stuttgart, Hamburg - und den unseligen BER. Am TXL kann sich von Gerkan noch heute berauschen: "Das Gefühl zu haben, dass der Flughafen im Herzen der Stadt ist. Auch in seinem Ambiente, diesem geschlossenen Ring, übersichtlich, und wenn man ein bisschen Zeit hat, läuft man einmal rum und kommt wieder an der gleichen Stelle an", sagte von Gerkan dem rbb. Tegel habe seit seiner Eröffnung bewiesen, ein hochfunktionaler Flughafen zu sein. "Ich kenne keinen einzigen Fluggast, der nicht sagt, dass es der tollste Flughafen der Welt ist", verkündet der 79-Jährige.  

Tegel als Alternative zu Tempelhof

Von Gerkan plante den Flughafen Mitte der sechziger. Der Flughafen Tempelhof war durch die steigenden Passagierzahlen überlastet. Für ihr neues Tor zur westlichen Welt wählen die Alliierten und die Berliner Regierung ein Gelände im Norden der Stadt - in Tegel hatten sie bereits Erfahrung mit der Fliegerei.

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurden hier Luftschiffe getestet, 1930 eröffnete der erste Raketenflugplatz der Welt. Nach dem Kriegsende übernahmen die französischen Alliierten das Kommando in Tegel und bauten einen Militärflugplatz. Während der Blockade Westberlins landen hier die ersten "Rosinenbomber", zehntausende Berliner haben die Start- und Landebahn in nur 90 Tagen zusammengezimmert. 1969 begannen die Bauarbeiten auf dem 466 Hektar großen Gelände in Tegel.

Monument der vergangenen Zukunft

Sendung: Inforadio, 01.04.2019, 19 Uhr

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Antwort auf [Nachdenker] vom 01.04.2019 um 20:14
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19 Kommentare

  1. 18.

    Für Alle, die es nicht wissen:
    Der Flughafen Tegel stammt aus der Zeit des Kalten Krieges u wurde im räumlich begrenzten Westberlin gebaut. Damals hat keiner mit einem Mauerfall gerechnet!!
    Das wabenförmige Bauwerk ist genial, man konnte! auf kurzen Wegen alle Gates erreichen. Ihn mit heutigen Flughäfen zu vergleichen ist wie Birnen mit Äpfeln u können auch nur Geschichts unkundige Leser auf die Idee kommen. Heute muss er auch noch das never ending BER Projekt ausgleichen und Kapazitäten bewältigen, für die er nie gebaut wurde.
    Ein Hoch auf dieses wunderbare Stück Westberlin u die verdiente Ehrung!!!!
    Möge er nicht weiter mit Zusatzterminals verschandelt werden.
    Übrigens der grösste Flughafen Europa s liegt grad Dank Herrn Wowereit im Dornröschen schlaf. Der hätte alle nötigen Kapazitäten.
    Aber da lassen wir ja Vögel brüten u Drachen steigen und buttern weiter mio ins Brandenburger Flughafengrab.

  2. 17.

    Was nutzt der Denkmalschutz, wenn er nach Belieben wieder entzogen werden kann? Siehe Deutschlandhalle oder Schimmelpfenghaus.

  3. 16.

    Die Deutschlandhalle stand seinerzeit auch unter Denkmalschutz.
    Doch Herr Wowereit hat zusammen mit der Messe Berlin einfach mal Fakten geschaffen, die Halle baufällig werden lassen, damit sie schlussendlich abgerissen werden konnte. So hat die Messe Berlin ihre Cube bekommen und Wowereit war endlich das ihm so verhasste Nazi-Gebäude los. So geht das in Berlin.

    Ein gutes Beispiel dafür ist auch die sog. Asbest-Lüge im ICC. Man hat seinerzeit versucht ein Problem herbeizureden, das in dem Maße gar nicht existiert. Architektin, Bauleiter und Gutachten haben bereits bestätigt das es kein Asbest im ICC gibt.

  4. 15.

    Zum Glück nur ein schlechter Aprilscherz. Weg damit und Wohnungen, Gewerbe und Grünflächen hin. Natürlich erst wenn BER mal öffnen sollte.

  5. 14.

    Sie sind wirklich noch nie international geflogen? Ich finde den für heutige Zeiten zu mickrig und die Gänge zu eng eng, z. T. musste ich sogar noch mit dem ganzen Gepäck über Außentreppen. Betoncharme. Wenn man den ewig stehenlassen will, geht das nur als Feldermaushöhle.

  6. 13.

    Tegelbwurde immerhin fertig gestellt, wenn auch nicht im Endausbau.

    Das Flughafengeböude in Tempelhof ist über weite Teile noch ein Rohbau und begründete die Berliner Tradition der unfertigen Terminals. Dass hier nur den Kölner nachgeeifert wird, ist dann noch ein anderes Thema.

  7. 12.

    Würde das stimmen, fände ich das endlich mal eine gute Nachricht. Nur fürchte ich, dass es sich hierbei leider um einen Aprilscherz handelt.

  8. 11.

    Ach Gott hier wird von Tegel geredet. Ich dachte Tempelhof !!!

  9. 10.

    Dieses grosse Flughafengebäute sucht seines gleichen und war danala in wenigen Jahren fertig errichtet. Im Gegensatz zu heute mit dem BER. !!!

  10. 9.

    Finde ich auch , dass der Flughafen eine herausragende Architektur ist !

  11. 8.

    Bitte die Denkmalpflege Skatern und Sprayern überlassen als Ersatz für die verschwundenen Industriebrachen.

  12. 7.

    Denkmalschutz? Na dann viel Spass bei der Nachnutzung.

    Tegel war mal ein toller Flughafen. Damals war er ein Regionalflughäfen für West-Berlin. Heute flucht jeder Fluggast über jede Maschine grösser als eine A320, weil GMP damals eine Vielzahl grösserer Flugzeuge nicht eingeplant hatte. Dafür trifft ihn allerdings keine Schuld. Abgesehen von der 747 gab es die nicht und die wurde nur selten in der Provinz eingesetzt.

  13. 6.

    Der Denkmalschutz hat wohl überhaupt keine Gegenspieler und kann tun und lassen was er will.
    Völlig absurde Entscheidung. Bald darf in ganz Berlin nix mehr gebaut oder zurückgebaut werden, weil alles unter Denkmalschutz steht.

  14. 4.

    Ich liebe den Weltflughafen Tegel so sehr! Morgens um sechs kommt Hausmeiter "Kalle "und schaltet erstmal das Licht an! Wenn man das Terminal betritt läuft mann garantiert erstmal in die falsche Richtung! Die Vorfahrtsregelung im Innenring ist gefährlich abenteuerlich. Die Taxilobby dankt jährlich für die nicht vorhandene Schienenanbindung seit 50 Jahren.

  15. 3.

    In der guten alten Zeit war ein Flughafen noch ein Flughafen und kein Shoppingcenter mit angeschlossenem Flugbetrieb.

  16. 2.

    Das ist der Aprilscherz, stimmt's? Dann dürfte diese hochwertige verfallende Billigbausubstanz nie abgerissen werden. Lustig. Man könnte später vielleicht Fledermäuse unterbringen?

  17. 1.

    Ja, Berlin war mal fähig einen Flughafen zu bauen aber mit Akteuren die Ahnung hatten und fähig waren.
    Es war einmal. Alle am BER früher und aktuell beteiligten Verantwortlich aus Wirtschaft , Handwerk UND POLITIK sollten sich in Grund und Boden schämen und perslnlich für den finanziellen Schaden haften.
    Wieso sind uns und die fähigen Fachleute und soviele Politiker mit Charakter abhanden gekommen, die noch zu ihrem Wort gestanden haben? Man hat den Eundrück, es gibt nur noch Schwafeler, die die Verantwortung meist bei anderen sehen.

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