Eine Frau hält am 01.07.2016 ein Kind an der Hand (Quelle: dpa/Marcel Kusch)
Bild: dpa/Marcel Kusch

Vor allem für kleine Kinder - Hunderte Pflegefamilien fehlen in Berlin

Weil es an Pflegefamilien mangelt, kommen in Berlin mitunter auch Säuglinge und Kleinkinder in Heime. Dass sich nicht genügend Pflegeeltern finden, liegt nach Einschätzung von Experten auch an mangelndem Wohnraum.

In Berlin finden sich nicht genügend Pflegefamilien für Kinder und Jugendliche. "Jährlich fehlen etwa 500 Familien", sagte Peter Heinßen, Geschäftsführer der Familien für Kinder gGmbH, der Deutschen Presse-Agentur mit Verweis auf Schätzungen. Der enorme Bedarf könne aus verschiedenen Gründen nicht gedeckt werden. "Eines der wichtigsten Probleme ist derzeit der angespannte Wohnungsmarkt", so Heinßen. Dessen Unternehmen betreibt unter anderem die Landesberatungsstelle Vollzeitpflege Berlin und unterstützt Pflegeeltern.

Ende 2018 lebten laut Senatsverwaltung für Familie rund 2.400 Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien. 44,4 Millionen Euro gab das Land Berlin dafür aus. Die Zahl der untergebrachten Pflegekinder blieb demnach in den zurückliegenden Jahren stabil. "Die Berliner Jugendämter berichten aber, dass der Bedarf an Pflegefamilien/Pflegepersonen größer ist als der Bestand. Das betrifft vor allem die Unterbringung von Kindern unter sechs Jahren", bestätigt Sprecherin Iris Brennberger.

Umzug in größere Wohnung kaum noch möglich

Dass die Zahl der Pflegefamilien überhaupt gehalten werden könne, sei keine Selbstverständlichkeit. "Aus unterschiedlichen Gründen trauen sich immer weniger Familien  die Aufnahme eines Pflegekindes zu", so Brennberger. Auch aus Sicht der Verwaltung spiele insbesondere das Wohnungsproblem eine Rolle. Noch vor einigen Jahren hätten sich Familien, die ein Kind aufnehmen wollten, einfach eine größere Wohnung gesucht. "Das ist heute kaum noch möglich", erläutert Heinßen.

Darüber hinaus fehle es auch an ausreichender Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. "Dafür muss Berlin deutlich mehr Geld in die Hand nehmen", fordert Heinßen. Eine Plakataktion reiche nicht aus. "Wir wissen, dass potenzielle Pflegeeltern etwa fünf Mal mit dem Thema in Kontakt kommen müssen, bevor sie sich dafür entscheiden, Pflegeeltern werden zu wollen. Laut Verwaltung wird regelmäßig für Pflegeeltern geworben.

Immer mehr Fälle von Kindeswohlgefährdungen

Die Gründe, warum Kinder aus ihren Familien genommen werden, sind unterschiedlich. "Drogen in allen Formen sind eines der wichtigsten Probleme. Manche Eltern sind auch einfach nicht in der Lage, ihre Kinder zu erziehen, weil sie selbst schon in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen sind", so Heinßen. Darüber hinaus seien psychische Erkrankungen der Mütter ein häufiger Grund. Gewalt in der Familie und Partnerschaftsprobleme sind laut Brennberger weitere Ursachen.

Laut der Sprecherin steigen die Zahlen der festgestellten Fälle von akuten und latenten Kindeswohlgefährdungen an. "Es ist aber fraglich, ob dies tatsächlich an einer Steigerung der Kindeswohlgefährdungen liegt", so Brennberger. Unter anderem sei die gesellschaftliche Sensibilität gewachsen. Auch die Kinderschutzverfahren in der Jugendhilfe seien weiterentwickelt worden, um Kindeswohlgefährdungen frühzeitiger zu erkennen.

Mehr als 6.000 Berliner Kinder und Jugendliche in Heimen

Alternativen zu Pflegefamilien sind Heime und Wohngruppen. Laut Amt für Statistik lebten Ende 2017 mehr als 6.000 Kinder und Jugendliche in Heimen. Doch diese Betreuungsformen seien für die Kinder schwierig. "Gerade für Säuglinge ist es sehr schwer, eine Bindung aufzubauen, wenn es mehrere verschiedene Bezugspersonen gibt", weiß Heinßen.

Die Unterbringung in Heimen sei für die Jugendämter allerdings unkomplizierter als die Arbeit mit Pflegefamilien, so Heinßen. Dennoch dürfe man den Ämtern nicht pauschal unterstellen, dass sie sich zu wenig Mühe machten. Es gebe dort auch sehr engagiertes Personal. In Berlin sind die Jugendämter und freie Träger für die Vermittlung zuständig.

Eine Rückkehr in die Herkunftsfamilie ist selten

Für die Erziehungsleistung bekommen Pflegeeltern monatlich 300 Euro. Hat das Kind einen erhöhten Förderbedarf, etwa durch Krankheiten wie ADHS oder das Fetale Alkoholsyndrom, steigt der Satz auf rund 960 Euro im Monat. Hinzu kommen Pauschalen für den Lebensunterhalt von rund 400 bis rund 560 Euro je nach Alter der Kinder und Jugendlichen. Für Weihnachten, Schulfahrten und andere Aktivitäten kommt eine monatliche Beihilfe von rund 50 Euro hinzu. Außerdem können Pflegeeltern für höhere Ausgaben weitere Zuschüsse beantragen.

Bei einer unbefristeten Vollzeitpflege leben die Kinder in der Regel bis zu ihrem 18. Lebensjahr oder der Verselbstständigung in der Pflegefamilie. Nur wenn sich die Verhältnisse in der Herkunftsfamilie für das Kind deutlich verbessert haben, kann es dorthin zurück - das passiert laut der Gesellschaft "Familien für Kinder" in etwa drei Prozent der Fälle.

Sendung: Radioeins, 27.04.2019, 10 Uhr

Kommentar

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37 Kommentare

  1. 37.

    Das Modell Pflegefamilie hat hoffentlich bald ausgedient. Die Vereinbarkeit Familie und Beruf ist mit einem oder mehreren Pflegekindern nicht gegeben. Bedenklich wird die Perspektive von Pflegemüttern in Bezug auf Ihre Rentenabsicherung. Oft stellen sich nach der Aufnahme bei einem PK schwerwiegende Behinderungen heraus und die nötige finanzielle und fachliche Unterstützung bleibt aus. Pflegeeltern sind heute noch ein Sparpaket und leisten eine hochwertige Arbeit, verbleichbar mit den Fachkräften der Jugendhilfe. Leider gibt es keine Anerkennung für diese hochwertige Leistung in der Gesellschaft und wird nicht als Beruf anerkannt. Gerade mit der exklusiven Behinderung FASD, sind Pflegeeltern besonders gefordert. Sie leisten eine 1:1 Betreuung, bilden sich weiter und sind Experte in eigener Sache. Dieser erlebten Kompetenz sollte doch Wertschätzung entgegengebracht werden, Pflegeeltern sollten wie Erzieher*innen gesehen und vergütet werden, gerade was die Sozialleistungen angeht.

  2. 36.

    Boykottiert wird auch gern von den Trägern, wie "Horizonte", da man doch gern Macht ausüben möchte. Und da sind die Kinder, die Hilfe brauchen, wohl eher Nebensache. Es werden Pflegeeltern hingehalten, kurzfristig und vage Termine genannt, um dann etwas scheinheilig mit nicht nachvollziehbaren Aussagen, alles platzen zu lassen. Es ist traurig, dass Kindern Hilfe versagt wird, weil dass eigene Ego, den Vermittlern im Weg steht. Pflegeeltern helfen dem Amt und damit den Kindern!

  3. 35.

    Dann sollte die Arbeit der Pflegefamilien auch von den Bearbeitern des Jugendamtes gewürdigt werden, und nicht beukotiert werden, indem die Jugendamt Mitarbeiter die Akten zur Seite legen.

  4. 34.

    Es ist erschreckend, auf wie viele Bereiche sich die steigenden Mieten negativ auswirken! Aktuell läuft eine Petition an den Bundestag zu fairen Mieten: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2019/_03/_21/Petition_92449.nc.html

  5. 32.

    Ich kann mich der Ramona aus Nauen nur anschließen ,
    dass Interesse von den Medien finde ich aber außerordentlich wichtig, nicht aber das Gejammere!!!
    Ich denke, dass es Zeit wird die Probleme beim Namen zu nennen!!! Und es ist gut , dass es zur Zeit so wenig Pflegeeltern gibt , denn nur so wird das Thema wichtig (siehe Erzieherproblematik)Das muss sich auch endlich auf der politischen Ebene wiederspiegeln .
    Auch was Bäbel geschrieben hat ,läuft genauso ab !!! Es wird soviel Engagement, Empathie mit einer Selbstverständlichkeit erwartet . Das man ein Kriesenkind professionell begleitet, alles emotional wegsteckt,es eher als Job anerkennt und dann einen Stundenlohn von 1,28 Euro bekommt .
    Und Rechte ? Mitspracherecht ? Nichts......von alledem
    Herkuntfsfamilien denen Hilfe und Chancen ohne Ende angeboten werden, da ja das Elternrecht vor dem Kindeswohl geht . Die Knochenbrüche verheilen ja.....
    Und Familienrichter ,die die Kinder mit dem Koffer zurück schicken .

  6. 31.

    "Pflegeeltern sind Menschen mit einer begrenzten psychischen Belastbarkeit".... Bitte? Wie kommen Sie denn darauf? Das sind Menschen wie Sie und ich.

  7. 30.

    Pflegeeltern sind Menschen mit einer begrenzten psychischen Belastbarkeit, die sich der Verantwortung für ihre Schutzbefohlenen stellen. Wenn Leistungen beantragt werden können, bedeutet das nicht die gleichzeitige Bewilligung derselben. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Behördenbedienstete die Wechselwirkungen aller Details in jeder Pflegefamilie erkennen können, weil z. B. die Situationen sehr vielschichtig sind. Unbestreitbar, kostet die Bewältigung von Bürokratie enorme Kraft auch wegen der Ungewissheiten, die am Nervenkostüm zerren. Dem anvertrauten Menschen die lebensnotwendige Liebe zu schenken, wird durch die mögliche Überforderung auch seitens des Staats gefährdet.

  8. 29.

    Hallo ,wir hatten uns auch für ein pflegekind beworben des ganze dauerte schon ewig bis es durch war weil jeweils nur 1 Stunde Gespräch geführt wird mit dem jugendamt gestern kam dann der Anruf sie hätten einen 2 jährigen jungen der seit Dez 2018 bei einer bereitschaftspflege lebt ich fragte das jugendamt warum der junge nach so einer langen Zeit da raus soll weil die pflegeeltern nur auf Bereitschaft sind so sind wir also gestern da hin gefahren um den jungen kennen zu lernen er war sehr in der Familie integriert sagte Mama und Papa es tat mir sehr weh weil die Frau gemeint hat sie würde ihn gern behalten darf aber nicht so was ist total gemein wir haben uns dann entschieden ihn nicht zu nehmen

  9. 28.

    Ich muss mich leider vielen Kommentaren hier anschließen.Das Verfahren um Kinder aufnehmen zu können müsste vereinfacht werden, den Pflegeeltern müssten weniger Steine in den Weg gelegt bekommen und es wären mehr Plätze als Kinder da! Das ungerechtfertigte Mitleidsgejammer dürfte von den Medien nicht mehr unterstützt werden! Immer diese Aufrufe, dass sich Pflegeeltern melden sollen, wenn man sich meldet vergehen teilweise Jahre und tausendfache Auflagen um dann ein Kind zu bekommen, was nicht einfach ist, in welches man Liebe, Zeit und Geld hinein setzt um es dann aus Amtswillkür wieder einfach entrissen zu bekommen. Das alles für einen lächerlichen Minimalbetrag der für einen 24h rund um die Uhr Job (denn die Ämter gehen mit den Pflegeeltern ja um als wären sie nichts anderes als Angestellte die einen einfachen Job machen) absolut unverschämt ist. Man darf nichtmal mit dem Kind zum Frisör gehen, ohne Genehmigung. Kein wunder dass es keiner macht.

  10. 27.

    Was ist das denn für eine Aussage?!
    Wo gehören Kinder mit FASD denn hin? Lieber in Heimen statt in Familien?!
    Wenn die Pflegefamilie richtig betreut und begleitet wird ist eine Familienstruktur wohl besser als jedes Heim!!!

  11. 26.

    FASD Kinder gehören nicht in Pflegefamilien!!

  12. 25.

    Wir versuchen seit Monaten eine Pflegefamiliw werden. Unsere Unterlagen sind vollständig abgegeben. Ich bin Integrationserzieherin und meine Frau Sozialarbeiterin und haben auch schon eigene Kinder. Wir würden gerne ein Kind mit Beeinträchtigungen zu uns nehmen. Aber das Jugendamt schafft es seit November nicht, uns Termine für die nötigen Gespräche zu geben. Wir wurden oft vertröstet. Jetzt müssen wir bis zum Sommer warten. Ich denke, dass es nicht unbedingt an zu wenigen bereiten Familien liegt, sondern an völlig überforderten Ämtern, mit zu wenig Personal.

  13. 24.

    Zitat: "... weitere Zuschüsse beantragen." - Mit welcher Rechtssicherheit?

  14. 23.

    Wer ist denn „reich“? Wer nimmt Ihnen Wohnraum weg? Wollen Sie ein Pflegekind aufnehmen? Lassen Sie sich beraten. Vlt ist Ihre Wohnung nicht zu klein.

  15. 22.

    Ich kann mich zu allen genannten Problematiken nur anschließen. Als Krisenpflegemutter bekam ich ein Baby von 3 Wochen. Durch lange Gerichtstermine, Widersprüche, Gutachten blieb das Kind 2 Jahre bei mir. Aus Altersgründen könnte ich es nicht behalten.
    Es kam innerhalb von 4 Wochen zu einer Dauerpflegestelle und seither durften wir das Kind nicht mehr sehen! Meiner ganzen Familie brach es das Herz. Niemand half, um die eng gewordene Bindung freundschaftlich zum Wohl des Kindes aufrecht zu erhalten. Ich könnte nicht loslassen wurde mir gesagt, die neue Familie müsse geschützt werden.
    Ich habe die Tätigkeit hingeworfen, denn mit diesen Erniedrigungen, die ich erfuhr, kann ich nicht leben.

  16. 21.

    Ich soll also meinem Sohn sagen, er soll sich in der Schule anstrengen, damit er sein hart verdientes Geld gleich wieder den Investoren über die Miete geben kann.

  17. 20.

    So, so, schwierige (Lebens)Verhältnisse? - Wer macht denn diese hierzulande?

  18. 19.

    Tatsachen sind Tatsachen. Meinungen darf man haben. Das ist ein freies Land. Auch wenn Reiche uns unseren bezahlbaren Wohnraum wegnehmen.

  19. 18.

    Ich denke es liegt daran, daß man es sich einfach nicht mehr Leisten kann aus zwei Einkommen eins zu machen ohne jeglichen Ausgleich, bei Eintritt in die Elternzeit,da es ja wohl kein Elterngeld gibt. Es sind eben auch normale laufende Unterhaltskosten für den Pflegenden zu tragen. Bei "normalen" Familien wird das ja auch annähernd unterstützt. Da sollte angesetzt werden.

    Mfg

  20. 17.

    Tja, vielleicht sind aber auch die Ansprüche an Pflegeeltern zu hoch. Zb die Altersgrenze. Heutzutage werden auch älteren Menschen Eltern, Pflegeeltern dürfen sie aber nicht sein. Oder was spricht gegen Alleinstehende? Wenn diese den finanziellen Background haben, sollte auch dort ein Kind gut aufwachsen können.

  21. 16.

    Ich kenne zahlreiche leestehende entkernte Gebäude in Mitte, Hohenschönhausen, Biesdorf, Falkenberg,...
    Auch neben dem von Ihnen genannten Grundstück steht ein riesiges Gebäude mit viel Potential.
    Warum sollte man wichtige Luftzirkulationsfläche zubauen und wichtige Sickerfläche versiegeln, wenn man so viele Optionen hat die noch nicht vollständig ausgereizt sind?

  22. 15.

    Dann sollten sie mal das verfahren vereinfachen...

  23. 14.

    Ich bin geschockt. Das geht in anderen Bundesländern aber auch anders. Meine Eltern haben in NRW viele Jahre Notpflegekinder aufgenommen und, nachdem sie zu ihren Dauerpflegeeltern kamen, den Kontakt erhalten. Mit ein paar der Eltern haben sie so engen Kontakt, dass sie eine Art Großelternrolle behalten haben. Sie passen ab und zu auf, sind zum Geburtstag eingeladen oder gehen zum Fußballspiel. Die Kinder kennen Ihre ganze Geschichte und haben noch mehr Menschen, denen sie wichtig sind. Ich bin der Meinung da haben alle nur gewonnen. Mir tut die zweijährige schrecklich leid. Sie hat es als Pflegekind sowieso schon schwerer als ander. Da hätte Ihr ein so traumatisches Erlebnis wirklich erspart werden können.

  24. 12.

    größere Wohnung gesucht:
    schon einmal im Internet gesucht, ca. 2500 Ergebnisse auf einen Hieb gefunden!

  25. 11.

    Ich kenne da ein Grosses Grundstück innerhalb des S-Bahn-Ringes, für das eine Teilbebauung mit mehreren tausend durch städtrische und genossenschaftliche Wohnungsbaugesellschaften vorgesehen war. Die Berliner haben sich aber nicht nur dort für Spass statt Wohnungen entschieden und sollten deshalb nicht über die teilweise selbstverursachte Wohnungsnot jammern.

  26. 10.

    Das rührt mich zutiefst und ist grausam und so unnötig für alle Betroffenen. Wieder ein Beispiel für den Mangel an päd.Fachkräften, die gut geschult sind und zum Wohl des Kindes handeln. Ich habe in meiner Tätigkeit leider auch erleben müssen, dass Kolleginnen den totalen Beziehungsabbruch, ohne sanfte Übergänge, propagierten und durchsetzten. Völlig ungeachtet der Tatsache, dass die Kinder bereits eine feste Bindung zur vorherigen Pflegefamilie aufgebaut hatten. Diese Abbrüche verletzen und können traumatisieren. Auch für die nachfolgende Familie ist der Beziehungsaufbau mit dem verstörten u trauernden Kind viel schwerer und eine neue Bindung ist kaum möglich. Die Methode des Totalabbruchs ist veraltet und stammt aus einer ganz anderen Epoche in Deutschland. Und doch wird sie noch angewandt, wie Sie es hier schildern. Man muss ganz klar sagen, dass manche Entscheidungen von Trägern der Familienhilfe über die Köpfe der Pflegefamilien hinweg getroffen werden, die nicht zum Wohl des Kindes sind und das gehört hier erwähnt.

  27. 8.

    Ich kann mich zu allen genannten Problematiken nur anschließen. Als Krisenpflegemutter bekam ich ein Baby von 3 Wochen. Durch lange Gerichtstermine, Widersprüche, Gutachten blieb das Kind 2 Jahre bei mir. Aus Altersgründen könnte ich es nicht behalten.
    Es kam innerhalb von 4 Wochen zu einer Dauerpflegestelle und seither durften wir das Kind nicht mehr sehen! Meiner ganzen Familie brach es das Herz. Niemand half, um die eng gewordene Bindung freundschaftlich zum Wohl des Kindes aufrecht zu erhalten. Ich könnte nicht loslassen wurde mir gesagt, die neue Familie müsse geschützt werden.
    Ich habe die Tätigkeit hingeworfen, denn mit diesen Erniedrigungen, die ich erfuhr, kann ich nicht leben.

  28. 7.

    Es würden sich vermutlich viel mehr Familien für ein Pflegekind entscheiden, wenn die "Betreuung" seitens der Jugendämter stattfinden könnte. Nicht nur mangelnder Wohnraum ist ein Grund. Es ist leider traurige Wahrheit, dass in manchen Ämtern überhaupt nur noch in Kinderschutzfällen reagiert wird. Hilfeplangespräche, der regelmässige Hausbesuch des Vormunds, all das findet nicht mehr verbindlich in allen Bezirken statt. Viele Sozialarbeiter sind dauerhaft krankgeschrieben, aufgrund von ständig steigenden Fallzahlen.
    Es gibt kaum Nachwuchskräfte, die sich für eine Tätigkeit im Jugendamt interessieren und ein Grossteil, der dort Tätigen, geht bald in Rente.
    Einer mir bekannten Pflegemutter wurde angeboten, sich selbst zum Vormund qualifizieren zu lassen. Das bedeutet für die jetzt in Pflegefamilien lebenden Kinder, dass kaum noch jemand von "Draussen" draufschaut.
    In einem System, in dem immer weniger Fachkräfte auf immer mehr Hilfesuchende stossen, können Situationen, wie zB der Missbrauchsskandal auf dem hessischen Campingplatz, lange unentdeckt bleiben.
    Die Pflegefamilien werden seit Jahren von den Jugendämtern zunehmend allein gelassen, weil auch die dortigen Mitarbeiter am Limit sind.
    Ich möchte trotzdem interessierten, starken Menschen, Mut machen, sich dieser wunderbaren Aufgabe zu stellen. Es gibt gute Vorbereitungskurse von "Familien für Kinder" und es gibt immer mehr Kinder, die dringend Familien brauchen.

  29. 5.

    Ich bin seit vielen Jahren Pflegemutter und empfinde die Betreuungssituation als immer schwieriger.
    Pflegeeltern werden sozial und emotional ausgenutzt.
    Wechselne Sachbearbeiter im Jugendamt, der Träger nicht frei in seiner Meinung (Jugendamt ist ja der "Arbeitgeber")Nicht Einhaltung der Betreuungfristen 3-6 Monate bei Krisenunterbringung (kann dann schon mal 2Jahre dauern ! )
    Das ist alles so eine enorme Belastung, die weder finanziell noch sozial gewährtschätzt wird.
    Ich kann es nicht mehr empfehlen, leider !
    Und die armen Kinder leiden weiter........

  30. 4.

    Sind selber Pflegeeltern und erleben täglich den Wahnsinn an den berliner Jugendämtern. Theorie und Praxis liegen Meilen weit auseinander. Die Betreuung der Pflegeeltern ist mangelhaft und die Koordination zwischen Jugendamt und Pflegekinderdienst funktioniert nicht. Juristisch verpflichtende Hausbesuche gibt es faktisch keine, da die Sozialarbeiter im Amt "Ausgangssperre" haben wegen zu wenig Personal.
    Dass sich da nur schwer Pflegefamilien finden ist verständlich.

  31. 3.

    Neidkomplexe zu schüren und politische Gegner zu diffamieren sind ein schändliches Erbe, das wir verachten.

  32. 2.

    Wohnraum für reiche FDP-Klientel gibt es. Und der wird auch massenhaft gebaut. Ob man sich den leisten kann ist die Frage.

  33. 1.

    @rbb Warum verbessern sich die Verhältnisse in den Herkunftsfamilien nur bei drei von einhundert Familien? Ist hier gesamtgesellschaftlich viel mehr Prävention (Alkoholismus) notwendig? Wie verteilen sich die ursächlichen Poblemlagen statistisch? Werden hier Probleme über Generationen "vererbt"?

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