Walpurgisnacht-Fest im Mauerpark 2018 (Bild: imago/Rolf Zöllner)
Bild: imago/Rolf Zöllner

Interview | Anwohnerin des Mauerparks - "Ich kenne niemanden, der dieses Fest verhindern wollte"

Nach dem abgesagten Walpurgisnacht-Fest im Mauerpark ist Veranstalter Alexander Puell im rbb|24-Interview hart mit Anwohnern ins Gericht gegangen. Zumindest eine von ihnen wehrt sich jetzt. Sie warnt vor Vorverurteilungen und Missverständnissen.

rbb|24: Seit wann leben Sie in der Gegend am Mauerpark - und wie erleben Sie dort die Zustände in der letzten Zeit?

Anwohnerin*: Ich lebe schon sehr lange in Berlin, seit den 1990er Jahren. Dazwischen war ich ein paar Jahre im Ausland, und als ich zurückkam, habe ich über meinen Bekanntenkreis am Mauerpark die Wohnung gefunden, das war etwa 2012. Inzwischen erlebe ich es so, dass es von Jahr zu Jahr lauter wird. Von Anfang an war es chaotisch und auch schwierig herauszufinden, was da unten eigentlich geplant ist. Ich bin in die Bürgerwerkstatt gegangen und hatte das Gefühl, hier muss man sich zwischen verschiedenen Fraktionen entscheiden. Das heißt, dieses Bild, was nach außen immer so dargestellt wird als ein großes Friedensprojekt – das ist extrem umstritten, ich empfinde es so, dass da jeder streitet um die Zukunft des Mauerparks.

Manche sagen jetzt, wenn man doch weiß, was sich da seit Jahren auf dem Mauerparkgelände abspielt, warum zieht man dann dorthin und beschwert sich über Lärm?

Erstens frage ich mich, woher man das wissen soll, wenn man jahrelang keine Informationen darüber gefunden hat, was da eigentlich geplant ist. Und zweitens kann ich nur sagen: Es wird von Jahr zu Jahr lauter. Ich habe durch Informationen am Runden Tisch mühsam herausgefunden, was in der Vergangenheit gelaufen ist und was geplant ist. Es scheint so zu sein, dass dem Verein Freunde des Mauerparks vor Jahren faktisch Kompetenzen bei der Zukunftsgestaltung des Parks übertragen wurden. Die Musik im Mauerpark ist zunehmend in die Ecke der Anwohner von Berlin-Mitte gedrängt worden. Da muss auf der an Pankow angrenzenden Seite die Polizei gegen Lärm eingeschritten sein. Zuständig ist seit 2017 das Bezirksamt Pankow, und die legen den Lärm praktisch zu uns nach Mitte.

Also zu viel Laissez-faire im Bezirksamt Pankow? Lässt die Behörde zu viel durchgehen – zu Lasten der Anwohner in Mitte?

Laissez-faire sind in Berlin die Vorschriften. Wem das nicht gefällt, der sollte hier wegziehen. Ich bin Juristin und verstehe nicht, warum diese Vorschriften nicht angewendet werden, die, wie gesagt, sehr liberal sind, aber eben auch Grenzen ziehen zugunsten der Anwohner. Es ist so geplant worden, dass die Zukunft der Kultur im Park praktisch in der Hand jedes Nachbarn von Berlin-Mitte liegt, ob er gegen die Musik vorgeht oder nicht. Das ist unprofessionell, und ich arbeite am Runden Tisch an Lösungen mit, die rechtlich haltbar sind.

Alexander Puell hat uns von verhärteten Fronten zwischen Mauerparkveranstaltern und Anwohnern berichtet – können Sie diesen Eindruck bestätigen?

Es gibt auf beiden Seiten Leute, die sich zusammensetzen und versuchen,  Lösungen zu finden. Es gibt Ingenieure, die versuchen, technische Lösungen zu finden für Lärmschutz. Es gibt Leute, die versuchen, juristische Lösungen zu finden. Es gibt aber leider auf beiden Seiten auch Leute, bei denen ich den Eindruck habe, denen macht das Streiten als solches Spaß.

Aber bei Bedenken gegen das Walpurgisnacht-Fest im Mauerpark haben Sie als Anwohner doch an einem Strang gezogen, oder nicht?

Ich kenne niemanden in unserer ganzen Gruppe, der irgendwann dieses Fest thematisiert hätte. Es war für uns alle selbstverständlich, dass dieses Fest wie jedes Jahr stattfindet, niemand von uns wollte, dass dieses nicht stattfindet. Und wenn ich das richtig lese, was Herr Puell in Ihrem Interview sagte, dann scheint auch hier wieder kein Antrag auf Genehmigung gestellt worden zu sein. 2018 war es so laut, dass eine sogenannte Ermessensreduzierung auf null vorliegt: Die Behörden müssen auf Beschwerden hin einschreiten, wenn die Veranstaltung nicht genehmigt ist.

Aber wie bewerten Sie jetzt als Anwohnerin das abgesagte Walpurgisnacht-Fest? Ist das eine gute Nachricht für Ihren Kiez?

Ich betrachte das mit Sorge und kann nur die Nachbarn aufrufen, in den Park zu kommen. Am 1. Mai beziehungsweise am 30. April. Ich kann nur sagen, die Musiker könnten ja auch einmal auf der Pankower Seite des Mauerparks spielen. Dann wird man ja sehen, wie tolerant und liberal die Anwohner dort sind.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Frank Preiss, rbb|24.

*Die Anwohnerin möchte anonym bleiben.

Kommentar

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Antwort auf [Hipster19] vom 19.04.2019 um 17:19
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21 Kommentare

  1. 20.

    "...die 20 Jahre in der Stadt wohnen vorwerfen, sie wären zugezogene."

    Wieso, stimmt doch! Berliner ist man erst ab der dritten Generation! :-D

  2. 19.

    "Hetze gegen das Autofahren"? Auf welchen Planeten leben sie denn? Es wird Zeit dass wir uns von einer Minderheit, sie aber den größten Platz beansprucht, zudem noch kostenlos, nicht mehr terrorisieren lassen.

    Was das aber mit dem Mauerpark zu tun hat wissen nur sie.

  3. 18.

    Einer wieder von diesen absurden, die die Touristenmeile verteidigen und den Leuten, die 20 Jahre in der Stadt wohnen vorwerfen, sie wären zugezogene.

  4. 17.

    achgottchen... stimmt, hier drehte sich vieles um Kohle, ich vergaß noch Lichtenberg & Fischer - Kohlehandlung, Malicha Heizstoffhandel, B..D. Marschall - Brennstoffhandel, Schmidt - Brennstoffhandel, Tschutschke - Brennstoffhandel, Kohle, Kohle, wohin man schaute ...

  5. 16.

    Achgottchen, achgottchen ...der Kohlehändler (Becker Brennstoffhandel) ist schon längst vom Gelände verschwunden...Ok, das konnten Sie ja nicht wissen, da Sie zu dieser Zeit noch ganz wo anders lebten..

  6. 15.

    Achgottchen. Schon wieder ein paar übliche Relativierer, Nichtleser und Lärmlibertären. Hier geht es doch vor allem um Eines: Kohle

    flohmarkt=kohle
    musiker (naja, vielleicht bis auf die penetranten bongo trommler)=kohle
    karaoke=kohle


  7. 14.

    Sorry @Brockschmidt, falls mein Kommentator arrogant rübergekommen ist, das war nicht beabsichtigt. Ich dachte wirklich, da wurde kommentiert, ohne vorher den Beitrag zu lesen.

    Ich verstehe es halt nicht, warum ich aus einem relevanten Satz des Interviews - es geht im Beitrag ja in erster Linie um die Walpurgisnacht, welche meines Erachtens losgelöst von der restlichen Problematik zu betrachten ist - exakt das Gegenteil herauslesen soll. Ich kann da nichts zwischen den Zeilen lesen und gehe erstmal davon aus, dass diese Aussage nicht vollständig gelogen ist.
    Wie hätte ein solcher Satz denn formuliert sein sollen, damit auch sie ihn der Anwohnerin abkaufen?

  8. 13.

    Das ist mit Sicherheit nicht nur ein Berliner Problem, auch die bayrische Landeshauptstadt hat mit solchen Müllproblemen zu kämpfen siehe https://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.gegen-muell-und-laerm-anwohner-protest-die-isar-ist-keine-partyzone.ecab0a7c-690f-4c99-951f-a3393589c3ff.html

  9. 12.

    Was ist denn das? Ist wohl eine "glaubhafte" Geschichte aus der Anonymität , die uns hier vermittelt werden soll? Schreibt jetzt Claas Relotius Geschichten für den RBB?

  10. 11.

    Doch, habe ich gelesen.Natürlich sagt sie das nicht genau so. Alle anderen Äußerungen von ihr sind genau so zu Werten. Den schließlich ist so etwas nicht unbedingt populär. Hier mal ein Zitat, ich kann das nämlich auch, von ihr :"Ich kann nur sagen, die Musiker könnten ja auch einmal auf der Pankower Seit..usw" Und wenn sie doch dafür ist, warum dann bitte anonym?
    Und ihnen empfehle ich dringend, ihre eigene Arroganz anderen gegenüber mal etwas zu überprüfen. Denn scheinbar sind sie ja auch nicht so gut im Text verstehen....

  11. 10.

    Der Mauerpark im Abschnitt zwischen Eberswalder/Bernauer und Gaudy/Falkplatz wäre also besser als Veranstaltungsfläche oder Festwiese zu bezeichnen (Theresienwiese München, Heiligengeistfeld Hamburg a.s.o.), auch wenn hier bisher keine Zelte stehen.
    Events wie die Walpurgisnacht, Fête de la Musique usw. unterscheiden sich vom Wochenendsnormalzustand nur durch noch mehr Menschen,mehr Müll und mehr Lärm, u.A. aufgrund der dann installierten größeren Verstärkeranlagen, die im Umkreis von 1,5 km Luftlinie nach allen Seiten abstrahlend zu hören sind (ich wohne Cantianstr.).
    Bleibt abzuwarten, was die fast 100-prozentige, in Bau befindliche Geländeerweiterung nach Westen bringen wird. Und wäre aus meiner Sicht zu wünschen, dass alle Beteiligten sich noch mal neu und ohne Vorurteile bzw. Maulkörbe an einen Tisch setzen.

  12. 9.

    Ich bin täglich im Mauerpark, morgens oder abends.
    Folgendes gilt das ganze Jahr über, soweit das Wetter einigermaßen mitspielt: Primär sonntags ist Party mit zig-Tausenden Besuchenden von vormittags bis spät in den Abend, mit einem Mix von Musizierenden, die von der Eberswalder bis zum Falkplatz stehen.
    Hinzu kommen Sprayer oben am Jahn-Stadion; hinzu kommen zig Familien und Gruppen, die auf ihre Weise spielen, grillen ...
    Eine wunderbare, zugleich globale und lokale Party, was die Teilnehmenden betrifft - aber auch ein unfassbarer Mix aus Tönen, Geräuschen, Stimmen, Grillgerüchen, Lackschwaden ... und Berge von Müll, wie ich sie sonst nur von explizit veranstalteten Festen kenne - wohlgemerkt JEDEN Sonntag - jedenfalls von April bis Oktober -; und Party und Lärm bei schönem Wetter abgeschwächt auch sonst an vielen Tagen (gestern z.B. am Karfreitag).
    Von einer Grünanlage oder einem Park, der ja irgendwo auch mit zur Erholung der Anwohnenden dienen soll, kann man kaum noch reden.

  13. 8.

    @ "Brockschmidt"
    @ "Müller ,heidi"

    Haben Sie den Artikel denn gar nicht gelesen?!

    Ich finde es schade, dass immer wieder Kommentare freigeschaltet werden, bei denen offensichtlich ist, dass ihre Verfasser einen Beitrag entweder nicht gelesen oder überhaupt nicht verstanden haben.

    Zitat aus dem Interview, hier bitteschön nochmal auf dem Silbertablettchen:
    "Ich kenne niemanden in unserer ganzen Gruppe, der irgendwann dieses Fest thematisiert hätte. Es war für uns alle selbstverständlich, dass dieses Fest wie jedes Jahr stattfindet, niemand von uns wollte, dass dieses nicht stattfindet."
    Siehe hierzu auch die Überschrift des Beitrags.

  14. 7.

    Da hilft nur Gentrifizierung, damit die Anwohner endlich ihre Ruhe finden.

  15. 5.

    Das gilt leider auch für die Hetze gegen das Autofahren und sonstiges. Erst in die Stadt ziehen wegen dem Rummel und dann meckern über den Rummel. Aber das bevormunden anderer und auch den eigenen Lebensstil und Meinung anderen aufdrängen ist offensichtlich Hipp.

  16. 4.

    Einmal im Jahr und die Frau regt sich auf.....Hätte sie ja nicht hinziehen müssen, das Fest gabs schließlich vorher schon. In spätestens drei Jahren ist von der Atmosphäre des Parks nichts mehr übrig. Dann haben die Anwohner auch ihre Ruhe und Berlin wird wieder ein Stück mehr wie die Dörfer und Kleinstädte aus dem diese Herrschaften herkommen....

  17. 3.

    Also eigentlich versucht sie doch auch nur den Schwarzen Peter jemand anderem zuzuschieben. Und wieder dieses:Ich find's ja super ,ABER.....

  18. 2.

    Wer sich in einer Großstadt über Lärm, Kindergärten, Feste oder Menschen im Allgemeinen beschwert. Ist vielleicht nicht richtig in einer Großstadt.

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