Archivbild: Eine Ratte läuft am 08.04.2014 über den Oranienplatz (Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka)
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Video: rbb|24 | 20.04.2019 | Vanessa Klüber | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Schädlingsbekämpfung - Lageso verzeichnet deutlich mehr Ratten-Meldungen

Spielplätze, Grünanlagen, verdreckte Müllräume - Ratten finden in Berlin ideale Brut- und Lebensräume. Oftmals dank der Großstädter, die bewusst oder unwissentlich die Tiere füttern. Im vergangenen Jahr gab es mehr als 11.000 Einsätze von Schädlingsbekämpfern.

Ein Eldorado für Schädlingsbekämpfer: In Berlin hat die Zahl der gemeldeten Rattenbekämpfungen 2018 deutlicher als in den Vorjahren zugenommen. Stadtweit wurden 11.414 Einsätze erfasst, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) auf Anfrage mitteilte. Im Vergleich zu 2017 seien das rund 14 Prozent mehr - ein "bemerkenswerter Anstieg", wie eine Lageso-Sprecherin sagte. Bereits seit 2013 mit damals rund 6.370 dokumentierten Einsätzen steigen die Zahlen immer weiter an.

Die Entwicklung bei den Bekämpfungsmaßnahmen bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass es auch mehr Ratten in der Stadt gibt. Wie die Sprecherin erklärte, könne der Anstieg auch mit besserer Umsetzung der Anzeigepflicht, besserer Zusammenarbeit mit Schädlingsbekämpfern oder einer geänderten Wahrnehmung der Menschen zusammenhängen. Seit 2011 müssen in Berlin zum Beispiel Hauseigentümer Rattenbefall melden und eine Bekämpfung einleiten. Privatleute sind dazu aufgerufen, dem Gesundheitsamt Bescheid zu geben, wenn sie eine Ratte gesehen haben.

Schädlingsbekämpfer: Einsätze gegen Ratten leicht gestiegen

Die Zahlen des Verbands Deutscher Schädlingsbekämpfer, die rbb|24 vorliegen, zeigen, dass die Einsätze gegen Ratten seit 2014 nur steigen. 2014 zählte der Verband 10.287 Einsätze, 2018 wurden 11896 Einsätze gezählt.

Schädlingsbekämpfer Mario Heisig, der mit seinem Unternehmen für das Lageso Ratten bekämpft, bestätigte rbb|24, dass die besseres Zusammenarbeit und die Anzeigepflicht dazu beitrügen, dass die Zahlen der Meldungen stark angestiegen sind.  

Futterquelle Straßenrand

Die mit Abstand meisten Bekämpfungen, rund 2.400, wurden vergangenes Jahr laut der Lageso-Statistik in Marzahn-Hellersdorf registriert. Die hohen Zahlen hängen traditionell mit den vielen Wohnungsbaugenossenschaften mit hoher Meldebereitschaft zusammen. Auf den Plätzen folgen die dicht besiedelten Innenstadtbezirke Mitte mit rund 1.530 Bekämpfungen und Friedrichshain-Kreuzberg mit rund 1.240. Dort bieten sich auch mit Gewässern wie Spree und Landwehrkanal sowie angrenzenden Grünflächen oft ideale Bedingungen für Ratten.

Wegen ausgelegter Giftköder werden immer wieder Spielplätze und Grünanlagen teilweise abgesperrt. In Friedrichshain-Kreuzberg ist das nach Angaben von Sprecherin Sara Lühmann aktuell an acht Orten der Fall, darunter am Boxhagener Platz, am Paul-Lincke-Ufer und am Lausitzer Platz. Die Ratten würden "bis zur Tilgung des aktuellen Befalls" bekämpft, so dass sich einige Maßnahmen über einen langen Zeitraum erstreckten. Auf dem Areal hinter dem Jobcenter des Bezirks an der Rudi-Dutschke-Straße etwa stehen seit Monaten Bauzäune.

"Nach wie vor besteht ein großes Problem darin, dass im öffentlichen Straßenland Tiere gefüttert werden, so dass viele Maßnahmen nicht zu einer dauerhaften Beseitigung der Ratten führen", erklärte Lühmann.

Bis zu sieben Mal Nachwuchs pro Jahr

Bekannte Problemstellen mit kontinuierlichem Befall in Mitte seien etwa Hackescher Markt und Umgebung, Alexanderplatz, Augustenburger Platz, Leopoldplatz und der Kleine Tiergarten, teilte das Bezirksamt mit. Ausprobiert wurde demnach klassische und nachhaltige Bekämpfung - "aber nur mit allenfalls temporärem Erfolg", wie es hieß. In einem aktuell vom Gesundheitsamt koordinierten Projekt in der Leipziger Straße versuchten mehrere Akteure, dem Problem in engerer Abstimmung Herr zu werden. Beteiligt seien Anwohner, Hausverwaltungen, Schädlingsbekämpfer, Grünflächenamt und Wasserbetriebe.

Selbst in den eigenen vier Wänden tragen manche unwissentlich zum Gedeihen der Nager bei, etwa indem Essensreste in der Toilette runtergespült werden. Auch Keller bieten oft gute Nistmöglichkeiten. Es gibt Schätzungen, dass Millionen Ratten in Berlin leben. Die genaue Zahl ist aber unbekannt. Sicher ist nur: Die Tiere vermehren sich sehr schnell. Ein Weibchen kann nach Lageso-Angaben pro Jahr vier bis sieben Mal Nachwuchs bekommen, ein Wurf besteht aus acht bis zwölf Jungen. Ihre Lebenserwartung ist allerdings nicht allzu hoch.

Die Zahl der Jungen und die Häufigkeit von Würfen hängt laut der Lageso-Sprecherin auch stark mit dem Nahrungsangebot zusammen: Steht ein Weibchen gut im Futter, bekommt sie demnach mehr Junge. Um den Rattenbestand einzudämmen, müssten die Berliner im Umkehrschluss das Nahrungsangebot reduzieren, betonte die Sprecherin. Die Tiere sind als Überträger von Krankheitserregern wie Salmonellen gefürchtet.

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Zufällig war ich mal morgens zw. 4Uhr30-5 Uhr unterwegs am Bahnhof Zoo. Wartete lange auf den Bus. Während ich dastand konnte ich ein sehr reges Kommen und Gehen von Ratten beobachten, wie diese unverblümt aus der Kanalisation heraussprangen. Beim Geld Exchange befindet sich wohl ein Nest, denn am unteren Rand kamen massenweise Ratten hervor. Viele versierten die provisorische Treppe( Metall) an und verschwanden dort. Sie rannten sogar zwischen die ersten Pendler herum. Stampfte ich mit dem Fuß auf, war kurz keine zusehen, dann ging wieder die Post ab.

  2. 2.

    Der Lageso-Artikel und Mike-Kommentar treffen den Nagel auf den Kopf. Es ist zu Wenigen bewußt, daß Ratten Überträger von Krankheiten sind. Herrenlose Katzen, Vögel und Enten zu füttern ist ja nicht verkehrt, wer frisst aber die übrig gebliebenen Futterreste speziell nachts ?? Die Ratten !! Wer aber denkt daran ?
    Zu beachten ist auch die Beseitigung von Zuschlupfmöglichkeiten für Ratten z.B. geschlossene Kellertüren, Mäusegitter vor den Kellerfenstern, intakte Reinigungsklappen in den Abwasserrohren im Hauskeller u.ä.
    Bei der Rattenbekämpfung sollten der Vermieter,Schädlingsbekämpfer und ggf. das Gesundheitsamt als Ordnungsbehörde
    hinzu gezogen werden.
    Das größte Rattenreservior ist das Öffentliche Abwassersystem, Essenreste gehören in Biotonne !!

  3. 1.

    Wenn ich große Haufen alte Backwaren auf Spielplätzen und Grünanlagen in der Nachbarschaft sehe, frage ich mich schon "wer macht das?" und muss immer wieder an The Kid von Charlie Chaplin (1921) denken. Denn die Nachbarn sind das bestimmt nicht. Doch auffällig häufig befindet sich der Rattenbefall auch in der Nähe der Gastronomie-Mülltonnen und leicht zugänglichen Parkmülleimern, wie z.B. hinter dem Imbiss am Oranienplatz und auf dem Platz. Die BSR und manche Bezirke setzen inzwischen Mülleimer in den Grünanlagen ein, die für Vögel und Ratten nicht zugänglich sind.
    @rbb Warum machen das nicht längst alle Bezirke bzw. Grünflächenämter? Gibt es diesbezüglich einen Austausch untereinander, um die Ratten berlinweit erfolgreicher aus den Grünanlagen fernzuhalten?
    https://www.youtube.com/watch?v=qNseEVlaCl4 3 min Video aus The Kid

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