20.04.2019, Berlin: In eine große Rauchwolke gehüllt sitzen Menschen im Görlitzer Park und rauchen Joints bei einer Protestaktion für legalen Cannabis-Konsum (Quelle: dpa/Paul Zinken).
Video: rbb|24 | 20.04.2019 | Laurence Thio | Bild: dpa

"Smoke-in" im Görlitzer Park - Berliner kiffen für Legalisierung von Cannabis

Kiffen im Görlitzer Park, das ist nichts Neues. Doch am Samstag waren es gleich Hunderte Menschen, die demonstrativ ihre Joints rauchten - offiziell alles Patienten, die das auch dürfen. Die Berliner Polizei war zwar vor Ort, kontrollierte aber nicht.

Hunderte Menschen haben am Samstag im Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg rauchend für die Legalisierung von Marihuana demonstriert. Die Ortsgruppe Berlin des Deutschen Hanfverbands (DHV) hatte unter dem Motto "Smoke-in" zu einer "großen, gemeinsamen Zündung" um 16.20 Uhr in der Grünanlage aufgerufen, wie es in der Ankündigung hieß: "Für Patienten und alle anderen, die sich solidarisch zeigen wollen". Mit der Aktion forderten die Aktivisten den legalen Zugang zu Cannabis.

Keine Kontrollen der Polizei

Offiziell durften bei der Veranstaltung nur Patienten Cannabis konsumieren, die ein Rezept dafür hatten. Weder die Veranstalter noch die Polizei führten jedoch Kontrollen durch, wie Boris Walpert vom DHV Berlin sagte. Die Veranstalter sprachen von rund 700 Teilnehmern, die Polizei von rund 300. Nach Polizeiangaben verlief die Aktion, die bereits im dritten Jahr stattfand, friedlich.

Das "Smoke-in" war für den 20.4. um 16.20 Uhr angekündigt - auf amerikanischer Schreibweise am Tag 4/20 um 4.20 Uhr. Offiziell waren 420 Teilnehmer angemeldet. Die Zahl 420 ist ein in der Cannabis-Szene gebräuchliches Codewort für den regelmäßigen Konsum der Droge. Nach dem "Smoke-in" soll ab 23 Uhr eine Afterparty im Humboldthain stattfinden.

Grüne wollen medizinisches Cannabis in Berlin anbauen lassen

In Berlin gibt es Cannabis bei bestimmten Erkrankungen auf Rezept, zum Beispiel bei Multipler Sklerose. Seit März 2017 dürfen Ärzte in Deutschland schwerkranken Patienten medizinische Cannabis-Präparate unter besonderen Umständen verschreiben, etwa gegen Schmerzen.

Allerdings müsse das Cannabis bisher aus Kanada oder den Niederlanden importiert werden, wie die Grünen-Fraktion mitteilte. Dadurch komme es zu Lieferengpässen. Die Fraktion hatte zuletzt angekündigt, den Anbau von Cannabis für den medizinischen Gebrauch fördern zu wollen. Deshalb prüft die Partei jetzt die Gründung eines landeseigenen Unternehmens, das beispielsweise Flächen für den Anbau bereitstellen soll. Die Grünen schlagen vor, Flächen an Start-up-Unternehmen zu vermieten, die Cannabis anpflanzen wollen. So könne es etwa in den Hangars in Tempelhof, in Buch oder auch in Kooperation mit Brandenburg angebaut werden.

Auch die Berliner SPD hat sich für eine neue Cannabispolitik ausgesprochen. Auf einem Parteitag im November wurden die SPD-Mandatsträger aufgefordert, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass die Produktion und der Konsum von Cannabis unter bestimmten Voraussetzungen legalisiert werden.

Sendung: Abendschau, 20.04.2019, 19.30 Uhr

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67 Kommentare

  1. 67.

    Es wird immer Menschen geben, die beim Konsum übertreiben. Das gilt für vieles, für Alkohol, Essen und natürlich auch Cannabis.

    Aber es ist kein Grund für ein Verbot. Und offensichtlich hat Sie es ja auch nicht daran gehindert, an Cannabis zu kommen. Das Verbot ist sogar gefährlich, weil auf dem Schwarzmarkt die Qualität nicht kontrolliert, oft gestreckt und kein THC-Wert angegeben wird.

    Die meisten Menschen konsumieren verantwortungsvoll. Wir brauchen deshalb nicht Verbot, Bestrafung und Bevormundung, sondern Aufklärung und Prävention.

  2. 66.

    THC kann vielen Menschen helfen, die an bestimmten Erkrankungen leiden. Es ist eine echte Alternative zu Medikamenten. Leider kann es auch ein Leben extrem zum negativen beeinflussen... Wenn du dann Jahre gekifft hast, wird es so schwer wieder aufzuhören und du merkst erst viel zu spät, wie viel Geld und Zeit drauf gegangen ist! Geholfen hat mir https://aufhörenzukiffen.de/ aber ich sag Nein zu legalem Cannabis!

  3. 65.

    Wird sich niemals ändern solange oben nur alte engstirnige Leute sitzen, die werden niemals einsehen wie viel Geld die zum fenster raus werfen mit der "Strafverfolgung" und wie viel sie dem Schwarzmarkt schenken

  4. 64.

    Ist es Ihnen tatsächlich egal, dass Milliarden für eine Verfolgung ausgegeben wird, die nicht mal im Ansatz funktioniert? Etwa 4 Mio Konsumenten allein in Deutschland, ein bis zwei Tonnen Tagesumsatz, der komplett und steuerfrei in den Taschen des Schwarzmarkts landet. Sind das nicht auch Ihre Steuern? Warum wollen Sie dem illegalen Markt das Monopol sichern?

    Und nochmal: Man ist wenige Stunden nach dem Konsum von Cannabis nicht mehr „high“, nicht ansatzweise. Es gibt dann keinerlei negative Wirkung auf die Fahrleistung. Daher gibt es auch keinen Grund für die Bestrafung von harmlosen und verantwortungsvollen Konsumenten. Auch wenn Sie das nicht verstehen wollen oder es Ihnen nicht passt.

  5. 63.

    Wer sich wirklich für die Gründe des weltweiten Verbotes für Cananbis interessiert, der schaue sich dieses 5-minütige Video von 3sat an. Meiner Meinung nach der ehrlichste und am besten recherchierte Aufklärungsbeitrag der Öffentlich -rechtlichen Sender. > http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=56673

  6. 62.

    Hallo Steffen,

    diese Diskusion hier wäre um einiges fruchtbarer, wenn Sie nicht nur immer wieder Ihre persönlichen Meinungen zum Besten geben würden, sondern stattdessen wissenschaftliche Fakten miteinbringen würden. Hier möchte ich wieder mit gutem Beispiel voran gehen. > https://hanfverband.de/nachrichten/news/us-studie-cannabis-hat-kaum-einfluss-auf-die-unfallwahrscheinlichkeit

    Metaanalyse von 24 Studien zu den Wirkungen von Cannabis auf Verkehrsunfälle. Fazit: "Der gesamte Größeneffekt für das Fahren unter dem Einfluss von Cannabis auf ungünstige Verkehrsereignisse ist statistisch nicht signifikant."(Carol Davila Universität für Medizin und Pharmazie, Bukarest, Rumänien, Veröffentlicht am 22 Februar 2018) > https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29487531

  7. 61.

    Offen gestanden, verstehe ich die Ungleichbehandlung wohl, sie ist mir trotzdem egal. Es ist das Problem des Kiffers, wenn Abbauprodukte zu langsam abgebaut werden, weil er zu oft konsumiert. Jemand, der so regelmäßig kifft, ist meines Erachtens für das sichere Führen eines Fahrzeugs genau so ungeeignet wie ein Pegelsäufer. Dauerhigh sozusagen. Von mir aus dürfen die Regeln für Alkohol aber gern auch deutlichst verschärft werden. Warum billiger Fusel in jedem Supermarkt und Kiosk erhältlich sein muss, erschließt sich mir ohnehin nicht. Das norwegische Modell der Winmonopolet halte ich für sehr gut. In Schweden sind es die Systembolaget. Beiden gemeinsam ist, dass man für harten Alkohol meist sehr weit fahren muss und die Abgabe streng kontrolliert wird.

  8. 60.

    Wenn jemand Cannabis konsumiert, dauert es leicht 10 Std bis TC komplett abgebaut ist. Wenn jemand regelmäßig konsumiert, kann es sogar 10 Tage dauern.
    Es handelt sich aber nur um einen Abbaustoff, unwirksam und völlig ohne Einfluß auf die Fahrleistung. Es wäre so, als wenn man am Sonntag jemanden bestrafen würde, hätte er am Freitag davor nur 1 Bier getrunken. Stattdessen kann man, jedenfalls in Deutschland, sogar unter Alk (hier wirksamen 0,5 Promille) fahren.
    Der Grenzwert von 1ng THC/ml ist viel zu niedrig angesetzt. Er ist z.B. in der Schweiz 10x höher, ohne dass es ein Problem wäre. Cannabis-Patienten wird auch in Deutschland übrigens nicht verboten, ein Auto zu lenken.

    Dazu kommt: Selbst wenn Sie stockbesoffen am Steuer erwischt werden, wird Ihnen eine Weinsammlung (oder die Bierkästen im Keller) nicht weggenommen. Es wird Sie auch niemand als Dealer, als „Weinhändler“, bezeichnen.

    Verstehen Sie diese Ungleichbehandlung wenigstens oder ist Sie Ihnen nur völlig egal?

  9. 59.

    Wer sich bisher vor den Argumenten für eine Legalisierung verschließt, wird sich auch nicht umstimmen lassen. Die Angst vor allem Neuen läßt die Menschen sich an's Althergebrachte klammern, egal wie uneffektiv oder nicht mehr zeitgemäß das sein mag. Fast alle Befürworter sehen auch die Schattenseiten, die sind aber gegen die Vorteile eher gering und wären zu handeln. Ich hoffe also auf eine politische Entscheidung, die die positiven Aspekte einer Legalisierung erkennt.

  10. 57.

    Erstaunlich solch Kommentar von Ihnen. Diese Coffeeshops müssen auch brav ihre Steuern an den Fiskus abgeben. Cannabis wird schon lange in Holland staatlich kontrolliert. Es wird auch nur an Landsleute verkauft, mit Personalausweis. Klar, kann man ja auch umgehen. Hier hat der Tourist vielleicht mehr Glück in Amsterdam.

  11. 56.

    Stimme zu. Allerdings wurde schon an anderer Stelle hier im rbb Forum mit denselben Leuten zu diesem Thema alles genau so durchdiskutiert...

  12. 55.

    Hallo Steffen, zu Ihren Vermutungen bezüglich den angeblichen "Nachteilen" einen Legalisierung in den USA.

    1.Mehr Menschen Kiffen > Das dies überhaupt als negativ zu werten wäre, ist allein Ihre persönliche Ansicht und für Jugendliche gilt dies z.b. GARNICHT >>> http://blogs.taz.de/drogerie/2017/04/15/trotz-cannabislegalisierung-kiffen-immer-weniger-schueler-in-den-usa/
    2.Der THC-Gehalt nimmt aufgrund der Nachfrage danach sogar zu > Kausalität? Fehlanzeige!!!
    3. Dealer verlagern sich auf wirklich gefährliche Drogen > Jemand der Cannabis in einer Apotheke kaufen will und kann, der geht zu keinem Dealer mehr!
    4. Es entstehen Produkte, die Dealer nie angeboten hätten > Niemand braucht mehr zum Dealer und was sind das genau überhaupt für Produkte???
    5.Die Hemmschwelle zu anderen Drogen sinkt durchaus > Bitte nennen sie mir die Physiologischen bzw. Psychologischen Mechanismen, die dafür verantworlich sind bzw. wären!

  13. 54.

    Hallo Steffen,

    wer als Bestätigung seiner persönlichen Vermutungen nicht mehr als einen Link der "Bundesdrogenbeauftragten" zu bieten hat, der scheint selbst wenig bis keine Ahnung von der Materie zu haben. Das Frau Mortler auf diesem Posten die Inkompetenz in Person verkörpert, das dürfte selbst Ihnen, nach dem Betrachten folgenden Videos wohl einleuchten.

    >>> https://www.youtube.com/watch?v=v2BCmB3v9lQ

  14. 53.

    Hallo Steffen,
    da Sie leider keinerlei Quellen angegeben haben, um Ihre zahlreich gemachten Vermutungen in irgendeiner untermauern zu können, möchte ich daher versuchen, Ihre scheinbar zahlreich vorhandenen Wissenslücken aufzufüllen. Ihre Darstellung, das ich es bei THC um ein Substanz handelt, die ausschließich auf ihre "Rauschwirkung" reduzieren lässt, ist schlichtweg absolut falsch! Ganz im Gegenteil , THC besitzt genauso wie CBD, zahlreiche medizinische Anwendungsmöglichkeiten. https://www.arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de/2018/10/12/die-wirkungen-von-thc-dronabinol/

    Sicherlich werden Sie nun feststellen, das THC sogar noch weitaus mehr medizinische Einsatzmöglichkeiten bietet, als dies nach heutigem Wissenstand z.b. bei CBD noch der Fall ist. Das wichtigste aber was ich Ihnen mit auf den Weg geben möchte wäre, das Cannabinoide am besten im Zusammenspiel ihre positiven Wirkungen entfalten können. (siehe Entourageffekt). https://en.wikipedia.org/wiki/Entourage_effect

  15. 52.

    Hi Lothar, nicht falsch verstehen, ich bin ein Befürworter neuer Medikamente auf Hanfbasis, die ohne Frage sehr vielversprechende Wirkstoffe hat. Das alles hat aber mit dem berauschenden THC nichts zu tun, weshalb eine Legalisierung des Kiffens ein anderes Thema ist. Genau an dem Punkt sehe ich die Diskussion als verlogen, es geht den Kiffern dann wohl doch eher darum, billiger an ihren Stoff zu kommen. Das muss ich nicht gut finden, verurteile deswegen aber auch niemanden, der sich einen Joint reinzieht.
    Nachteile einer Legalisierung sind in den USA und Kanada eben nicht weg zu diskutieren.
    - mehr Menschen als vorher Kiffen.
    - Der THC-Gehalt nimmt aufgrund der Nachfrage danach sogar zu.
    - Dealer verlagern sich auf wirklich gefährliche Drogen.
    - Es entstehen Produkte, die Dealer nie angeboten hätten, was weitere Kundengruppen erschließt.
    - Die Hemmschwelle zu anderen Drogen sinkt durchaus.

  16. 51.

    Die Diskussion verläuft wieder wie immer. Dagegen und dafür. Wir werden uns nie einig. Die Argumente sind glaub ich alle ausgetauscht. Möge bitte das Parlament entscheiden. Dieser Kreislauf der Diskussion endet sonst nie.

  17. 50.

    Kleine Ergänzung noch: Als Diskussionsgrundlage bevorzuge ich dann doch eher Fakten und nicht Halbinformation, die unangenehmes einfach ausblendet.

    https://www.drogenbeauftragte.de/presse/pressekontakt-und-mitteilungen/2016/2016-2-quatarl/aktuelle-who-studie-zum-thema-cannabiskonsum.html?L=0

    Cannabis ist nicht so harmlos, wie es gern dargestellt wird.

  18. 48.

    Schön, wenn Sie sich freuen. Versüßt mir den Tag. Die Argumente für eine Legalisierung verstehe ich durchaus, ich lasse sie nur nicht gelten. Das ist der feine Unterschied. Es gibt kein Pro ohne Contra und eben jenes Contra erscheint mir schlüssiger. Vom Pro konnte mich noch keiner überzeugen, gleich recht nicht, wenn man sich unvoreingenommen mit dem Thema beschäftigt. Wenn es nur um den medizinischen Nutzen gänge, wäre keine Legalisierung nötig. Ergo liegt der Sinn dann doch nur im Rausch. So viel Ehrlichkeit erwarte ich in der Diskussion, nicht mehr, nicht weniger.
    P.S.: Steuern auf Rauschmitteln aller Art finde ich unanständig, da diese nicht der Prävention und Behandlung der Folgen dienen sondern vom Staat rein als Gelddruckmaschine gesehen werden, ein Zuruckdrängen also gar nicht gewollt wird.

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