Polizisten der Bundespolizei gehen auf Streife im Bahnhof (Quelle: dpa/Matthias Balk)
Bild: dpa/Matthias Balk

Durchsuchung in Schleswig-Holstein - Mutmaßlicher Verfasser rechtsextremer Droh-Mails in U-Haft

Monatelang soll er unbehelligt Drohungen per Mail an Politiker, Gerichte und andere Institutionen verschickt haben. Nun befindet sich ein 31-jähriger Tatverdächtiger aus Schleswig-Holstein in Untersuchungshaft. 

Der wegen einer Serie von E-Mails mit rechten Gewaltandrohungen Tatverdächtige ist in Untersuchungshaft genommen worden. Der zuständige Richter in Elmshorn in Schleswig-Holstein habe dies am Samstag angeordnet, sagte eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft in Berlin der Nachrichtenagentur AFP. Demnach handelt es sich um einen 31-jährigen deutschen Staatsbürger aus Schleswig-Holstein.

Der Mann, der am Freitag festgenommen worden war, soll in den kommenden Tagen nach Berlin gebracht werden. Am Donnerstag hatten Ermittler seine Wohnung durchsucht und Beweismittel beschlagnahmt.

Der Verdächtige ist der Polizei einschlägig bekannt

Nach Informationen des NDR soll der Mann der Polizei oder dem Verfassungsschutz bereits einschlägig bekannt sein. Laut dem ARD-Hauptstadtstudio soll es eine Kette von Indizien sein, die die Polizei zu ihm führte. Der Verdächtige soll psychisch labil sein.

Der Verdächtige soll in anonymen Mails Politikern, Gerichten und anderen Institutionen gedroht haben und seine Schreiben mit "Nationalsozialistische Offensive", "NSU 2.0" oder "Wehrmacht" unterzeichnet haben. Die Mails wurden an Behörden in Hamburg, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Brandenburg verschickt. 

Täter verwischte seine Spuren im Netz

An den Ermittlungen waren Beamte des Landeskriminalamtes Berlin, dem Bundeskriminalamt und des Landeskriminalamts in Schleswig-Holstein beteiligt. 

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll die Serie bereits im Sommer 2018 begonnen haben. Dass der Absender lange Zeit nicht ermittelt wurden, hänge damit zusammen, dass er beim Versenden der Botschaften darauf geachtet habe, dass diese E-Mails nicht zurückverfolgt werden können, hieß es. Jetzt werde ermittelt, ob der Mann auch Verfasser von weiteren der insgesamt 200 Drohschreiben sei, die Gegenstand der Ermittlungen sind. 

Gedroht wurde darin mit Bomben oder - wie im Fall der Bundestagsabgeordneten Martina Renner (Linke) - damit, "Bürger auf offener Straße zu exekutieren". Mehrfach evakuierte die Polizei Gebäude wie einen Hauptbahnhof, Rathäuser, ein Finanzamt und auch einen Kindergarten. Sprengkörper wurden aber nicht gefunden. Auch gegen Berliner Axel Springer Verlag wurden Drohungen ausgesprochen.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 05.04.2019, 19.30 Uhr

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7 Kommentare

  1. 7.

    ...und wieder einmal sind sie vorneweg wenn es um das Verharmlosen und relativieren rechtsextremer Gewalt und rechtsextremistischer Täter geht. Was für ein Zufall...

  2. 6.

    Netzwerke gibt es überall und bei allen politischen und religiösen Strömungen. Dass schließt aber noch lange nicht aus, dass es auch Einzeltäter gibt. Der hier geschilderte Fall weist nun mal alle Merkmale einer Einzeltäterschaft in Verbindung mit einer psychischen Storung auf und hat mit anderen Vorfällen, wie den Drohmails, die mutmaßlich aus rechtsextremen Kreisen einer Frankfurter Polizeiwagen kamen, überhaupt nichts zu tun. Deshalb hier dem RBB eine Verharmlosung vorzuwerfen, ist einfach nur daneben! Gerade der RBB macht ständig und sehr deutlich klar, was er von solchen Ansichten hält. Also kommen Sie mal wieder runter und erkennen die Tatsachen des aktuellen Ermittlungs- und Kenntnisstandes an.

  3. 5.

    Dazu müssen sie nur die eigene Berichterstattung lesen. Auch diesem Bericht fehlt die kritische Distanz zu den Verlautbarungen der Berliner Polizei. Rechtsradikaler Terror wird immer von Einzeltätern verübt oder wie beim NSU von drei Leuten, wobei die Frau ja nur gekocht hat und eigentlich nicht so richtig dazu gehörte. Und Rechtsradikale Netzwerke innerhalb der Polizei gibt es nur in Hessen.

  4. 4.

    Wie kommen Sie zu der Behauptung, "Teile des rbb" seien "grundsätzlich unkritisch" oder hätten "keine die Distanz zu Pressemitteilungen von Polizei, VfS und Co."?

  5. 3.

    Rechtsextremismus auf die individuelle Ebene und noch drastischer, auf eine einzelne Person zu reduzieren, die schon vorweg pathologisch statt selbstverantwortlich dargestellt wird, ist ja eine schrecklich neue Methode von Polizei, Verfassungsschutz und Teilen der Medien. Hm, Moment: Für Teile der Drohmails muss direkter Zugriff auf Dienstinformationen der Polizei bestanden haben, speziell im Zusammenhang mit der Drohung an Linke, deren Namen und Adressen ggf. an Rechtsextreme weiterzuleiten. Strukturelle o. institutionelle Probleme? Fremdwörter für den rbb.

    Wo war noch mal die Distanz zu Pressemitteilungen von Polizei, VfS und Co.? Achja, Teile des rbb sind grundsätzlich unkritisch und machen sich freiwillig zum Sprachrohr von Akteur*innen, die in Teilen selbst das Problem sind, wenn es um Rechtsextremismus geht. Wozu jahrzehntelange Empirie, wissenschaftliche Arbeiten, wozu Expert*innen konsultieren, wenn man alles glaubt, was Polizei und Co behaupten?

  6. 2.

    Der bekommt doch allenfalls Bewährung und ein "Du, du!"

  7. 1.

    Warum werden ernsthaft nur Politiker, Gerichte und andere Institutionen geschützt? Es gibt Hasskommentare in der ganzen Breite der Presse zu lesen, welche das unteilbare Zusammenleben einer globalen Zivilgesellschaft ganz erheblich bedrohen.

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