Rüdiger Weida von der "Kirche der fliegenden Spaghettimonster" steht neben seinem Schild "Nudelmesse" in Templin (Brandenburg) und im Hintergrund ist das Schild der katholischen und evangelischen Kirche zu sehen (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Bild: dpa-Zentralbild

Nach "Nudelmesse"-Streit von Templin - "Spaghettimonster" zieht vor Europäischen Gerichtshof

Seit mehreren Jahren kämpfen die Anhänger der "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters" in Templin dafür, als Weltanschauungsgemeinschaft anerkannt zu werden. Nach mehreren juristischen Niederlagen ziehen sie vor den Europäischen Gerichtshof.

Die im brandenburgischen Templin (Uckermark) ansässige "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters" hat Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof der Menschenrechte (EGDM) in Straßburg eingelegt. Das hat der Verein am Donnerstag mitgeteilt.

"Unsere Beschwerde richtet sich gegen die in Deutschland versagte Anerkennung als Weltanschauungsgemeinschaft und die damit einhergehende Diskriminierung", begründet "Bruder Spaghettus" Rüdiger Weida auf der Website des Vereins. Unterstützt werde die Beschwerde von der Giordano-Bruno-Stiftung und dem Institut für Weltanschauungsrecht.

Damit geht der Schilderstreit von Templin in eine weitere Runde.

Pastafari kassierten Niederlage vor dem Bundesverfassungsgericht

Die "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters" wurde 2005 in den USA von einem Physiker gegründet - als Parodie auf die pseudowissenschaftliche Kreationisten-Bewegung. Der Gründer forderte, dass seine Lehre ebenso wie der Kreationismus an öffentlichen Schulen unterrichtet wird. Seit 2014 hält der deutsche Ableger im uckermärkischen Templin eine soganannte Nudelmesse ab. Dabei verzehren die "Pastafaris", wie sich die Anhänger nennen, gemeinsam Nudeln und Bier.  

Auf diese Nudelmessen hatten die Pastafari an den dafür aufgestellten Kirchen-Masten an den Ortseingängen der Stadt hingewiesen. Dies hatte das Landesbetrieb Straßenwesen verboten - mit Rückendeckung der damaligen Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos, für SPD), die die Pastafari eine "Religionsparodie ohne ernsthafte religiöse Substanz" nannte.

Die Pastafari klagten daraufhin und wollten auf diesem Wege als Weltanschauungsgemeinschaft anerkannt werden. Doch im August 2017 wies das Brandenburger Oberlandesbetrieb eine Klage ab, im November 2018 nahm das Bundesverfassungsgericht eine Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung an. "Eine weltanschauliche Betätigung wurde nicht plausibel gemacht", teilte das oberste deutsche Gericht damals dem Verein mit.

Pastafari gaben eigens ein Gutachten in Auftrag

Die Stadt Templin gab sich indes nicht so hartleibig wie die Gerichte - schließlich bescherte der bizarr anmutende Schilderstreit der Kleinstadt auch überregionale mediale Aufmerksamkeit. Gut zwei Wochen lang führte die Seite templin.de im Hitzesommer 2018 die unbequemen Humanisten gar als Kirche auf ihrer Seite - ehe sie den Link nach massiver Kritik wieder löschte. Das "Nudelmesse"-Schild indes durften erstmal hängen bleiben - bis zum abschlägigen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts.

Um vor dem Europäischen Gerichtshof nun bessere Chancen zu haben, gab die Kirche nach eigenen Angaben sogar ein Gutachten bei Philosophin und Theologin Daniela Wakonigg in Auftrag. Es fällt erwartungsgemäß günstig für die Pastafari aus. Wakonigg ist Regionalbeauftragte des "Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten" (IKBA) und trat laut IKBA-Website mit 15 aus der Kirche aus - studierte aber trotzdem katholische Theologie.

Rüder Weida ist jedenfalls optimistisch, auf europäischer Ebene zu siegen. Auf der Website schreibt er: "Wenn es um Beschwerden aus Deutschland geht, werden die in Straßburg zu 95 Prozent abgelehnt. Unserer Beschwerde und diesem Fazit des Gutachtens sollten die Richter aber folgen können."

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16 Kommentare

  1. 16.

    Lothar/Berlin-Charlottenburg, Samstag, 13.04.2019 | 15:47 Uhr:
    "Ich finde Euch echt cool. Toller Name übrigens;-) Viel Erfolg wünsche ich."

    Ja, da haben die von christlichen Sekten erfundenen Fabelwesen Teufel und Engel ernstzunehmende Konkurrenz gefunden. Und das wurmt sie mächtig. Insbesondere finden sie in maßloser Überheblichkeit ihre Fabelwesen besser erfunden und daher "ernstzunehmender" als die der Konkurrenz.

  2. 15.

    Jens, Efringen-Kirchen, Samstag, 13.04.2019 | 05:58 Uhr:
    "Wie kaputt ist die Welt eigentlich? Ich überlege, ob ich auch irgend so einen Verein gründe."

    Auf diese Idee sind schon andere gekommen und einige Vereine sind mit solchen kaputten Ideen auch reich geworden: Katholische Kirche, Scientology, Zeugen Jehovas, ....

  3. 13.

    Für die letzten Aktionen haben wir deutschlandweit und innerhalb weniger Tage so viel Spenden bekommen, dass wir erst einmal sehr gut gerüstet sind.

  4. 12.

    "Wie kaputt ist die Welt eigentlich? Ich überlege, ob ich auch irgend so einen Verein gründe."
    Wie wär´s mit gleich zwei Efringen-Kirchen? Bietet sich doch an ;-)
    Und ja, gerne: lieber selbst so einen Verein gründen und sich eigene Regeln ausdenken und geben als seine Verhaltensmuster einem der großen alten Märchenbücher zu entnehmen und daraufhin alle Menschen, die nicht das gleiche Buch toll finden auszugrenzen und zu bekämpfen, so dass man sich als Außenstehender fragt: "Wie kaputt ist die Welt eigentlich?"

    Ich wünsche Bruder Spaghettus und seinen Mitnudlern viel Erfolg bei diesem zwar einerseits lustigen, andererseits jedoch sehr ernsten Anliegen vor dem EuGH.
    Ramen.

  5. 11.

    Wie kaputt ist die Welt eigentlich? Ich überlege, ob ich auch irgend so einen Verein gründe.

  6. 10.

    Besserwessi, 12.04.2019 | 13:32 Uhr:
    "Der Mann sollte sich schämen die ohnehin schon überlastete Justiz mit solchem Schwachsinn zu beschäftigen."

    Religionsfreiheit, Trennung von Staat und Kirche und Säkularismus sind KEIN Schwachsinn!

    Schämen sollten sich eher die Behörden, die gegen die Religuionsfreiheit und den Gleichbehandlungsgrundsatz verstoßen, indem Sie einseitig nur christliche Sekten fördern, aber nicht deren Konkurrenz.

  7. 9.

    Paul, Bernau, Freitag, 12.04.2019 | 12:55 Uhr:
    "Wer finanziert eigentlich solche Aktionen?"

    Vermutlich engagierte säkulare Menschen und nicht der Steuerzahler bzw. der Staat, denn dieser zahlt nur für die beiden großen christlichen Sekten von der Konkurrenz.

  8. 8.

    Falsch ist, dass der Landesbetrieb Straßenwesen uns mit Rückendeckung der damaligen Kulturministerin Sabine Kunst, die Genehmigung zur Aufstellung der Schilder versagt hat.
    Richtig ist, dass der Landesbetrieb Straßenwesen uns die Genehmigung zum Aufstellen der Schilder schriftlich ausgestellt hat. Nach Protesten der Ortskirchen wurde diese nach einer Beratung mit dem Direktor des Betriebes, dem Bürgermeister von Templin und mir modifiziert.
    Unter Überschreitung der Zuständigkeitsgrenzen wurde dann der Landesbetrieb vom Kulturministerium angewiesen, diese Vereinbarung nicht auszuführen und die erteilte Genehmigung zurück zu ziehen. Die war uns ausdrücklich als Weltanschauungsgemeinschaft erteilt wurden. Die Einschätzung der Kulturministerin Sabine Kunst, Schwester der Bischöfin der Nordelbischen Kirche Kirsten Fehrs, ob wir Religion sind oder nicht, war somit für die erteilte Genehmigung völlig bedeutungslos.

  9. 7.

    'Aus den FAQs der Pastafari: https://www.pastafari.eu/faq/

    Frage: Welche Ziele verfolgen Sie/Ihre Religion?
    Antwort:
    "... Wir sehen uns nicht als Religion, sondern als Weltanschauungsgemeinschaft. Unser Ziel ist die Förderung des evolutionären Humanismus, verbunden mit dem Kampf um die Gleichberechtigung von Weltanschauungs- und Religionsgemeinschaften. ..."

    Damit wird mir schon klar, warum Sie das durchziehen.

    Gruß
    Hajakon

    Die Religion vom Spaghettimonster nutzen wir, um dieses Ziel zu erreichen. Wir wollen damit zeigen, wie Religion funktioniert und wie herzlich man ohne jeden Respekt über Religion lachen kann.

  10. 5.

    Herrlich. Ich hoffe das in diesem Fall positiv entschieden wird. Keine der Weltreligionen hat das gepachtete Recht auf das, was sie in ihren Lehren "Wahrheit" nennen. Auch wenn diese das in Ihrer Ideologie naturgemäß anders sehen.

    Das Vorhandensein eines Spaghettimonsters ist genauso denkbar oder undenkbar, genauso beweisbar- oder eben auch nicht beweisbar, wie die Existenz oder Nichtexistenz jeder anderen göttlichen Entität in der Menschheitsgeschichte.

  11. 4.

    Zumindest nicht auch die Steuerzahler, die mit den Pastafari nichts am Hut haben. So manche aus der Zeit gefallene, weil streng patriarchale Organisationen ind ser Leitung kinderlieben alter Herren wird aber weiterhin gepampert.

  12. 3.

    Der Mann sollte sich schämen die ohnehin schon überlastete Justiz mit solchem Schwachsinn zu beschäftigen.

  13. 2.

    Wer finanziert eigentlich solche Aktionen?

  14. 1.

    Die Klage ist gerechtfertigt. Gleiches Recht für alle, denn die Existenz des fliegenden Spaghettimonsters ist genauso warscheinlich oder unwarscheinlich wie die aller anderen Götter.

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