Graffiti auf einer Ubahn der BVG (Bild: privat)
Bild: privat

75 U-Bahn-Wagen fallen aus - Sprayer nutzen BVG-Streik für Graffiti-Streifzug

Nach dem Warnstreik sollte der U-Bahn-Verkehr eigentlich wieder reibungslos anlaufen. Doch 75 Züge mussten in den Depots bleibten - weil Sprayer sie großflächig verziert hatten. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert: Die BVG hätte das verhindern können.

Besprühte U-Bahn-Wagen sieht man selten. Der Anspruch der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ist es, keine U-Bahnen mit Graffiti auf die Schiene zu lassen. Doch damit nach dem Megastreik am Montag ein einigermaßen dichter Takt möglich war, blieb dem Unternehmen nichts anderes übrig. Sprayer hatten offenbar ausgenutzt, das am Montag sämtliche U-Bahn-Waggons in den Depots standen und 140 Wagen besprüht - nach BVG-Angaben etwa ein Zehntel der gesamten Bahnflotte.

65 dieser besprühten Fahrzeuge bekamen dann auch die Fahrgäste zu sehen - die 75 anderen Waggons blieben jedoch in den Depots. Nicht aus ästhetischen Gründen, sondern weil sie laut BVG nicht sicher seien, weil beispielsweise Signalanlagen übersprüht wurden. Auch wenn Lichter oder Fenster übersprüht sind, könnten Behinderte womöglich nicht erkennen, wann eine Tür schließt, so die BVG.

Auch in den kommenden Tagen: Kürzere Züge, vollere Waggons

Diese Graffiti-Schwemme führte einen Tag nach dem Warnstreik zu verkürzten Zügen und längeren Wartezeiten auf den Linien U2 und U3 sowie auf der U6 bis U9 - für viele Passagiere hieß das teils rappelvolle Züge. Auf der BVG-Website wurden die Kunden nicht über diese Einschränkungen informiert. "Der Verkehr fließt weitgehend ohne Störungen" stand dort bei den Verkehrsmeldungen.

Doch wie der BVG-Sprecher der dpa sagte, würden sich die Einschränkungen auch in den nächsten Tagen noch fortsetzen, da die "Kapazitäten zur Graffitireinigung in den Betriebswerkstätten begrenzt" seien. Insgesamt seien rund 2.000 Quadratmeter U-Bahn-Wagen-Fläche besprüht worden.

War das nicht vorhersehbar, dass Sprayer den Streik ausnutzen würden? Ja, die BVG habe mit einer solchen Aktion gerechnet, so der Sprecher. Während des Streiks sei es aber nicht möglich gewesen, sämtliche abgestellte U-Bahnen zu überwachen.

2.000 Quadratmeter Graffiti

Doch, ein besserer Schutz vor der Sprayer-Attacke sei möglich gewesen, widerspricht Jeremy Arndt, der für die BVG zuständige Gewerkschaftssekretär bei Verdi. Die BVG habe jedoch eine im Februar abgeschlossene Notdienstvereinbarung nicht in Kraft gesetzt. Mit dieser Vereinbarung hätten Sicherheitskräfte auch während des Streiks U-Bahnen bewachen können. "Wir distanzieren uns von diesem Vandalismus, der öffentliches Eigentum beschädigt," stellte Arndt klar.

Auch der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Florian Swyter kritisierte, dass die BVG am Streiktag nicht gegen Vandalismus vorgesorgt habe. "Wie will die BVG als vorausschauender Partner wahrgenommen werden, wenn es Stunden nach dem Streik wieder zu selbstverschuldeten Verspätungen und Zugausfällen kommt? Das am Ende die Steuerzahler die Rechnung für die Beseitigung der Graffitis zahlen ist traurig", kommentierte er in einer Mitteilung.

Wie viel die Reinigung die BVG insgesamt kosten würde, stand am Dienstag noch nicht fest.

Kommentar

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97 Kommentare

  1. 96.

    Ich klammere das nicht aus. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass in einer U-Bahn oder im Bus etwas passiert, ist extrem gering. Wer aber vor den täglich ganz normalen Abläufen solch ausgeprägte Ängste und Unsicherheiten an den Tag legt, kann meist etwas dagegen tun. Das war nur ein Tipp von mir. Überall Verbrechen oder Gefahren zu befürchten ist meines Erachtens eine erhebliche Beeinträchtigung der eigenen Lebensqualität. Und Graffiti tut nichts, da sollte man auch nicht drauf ausflippen. In N.Y. und Chicago z.b. wird U-Bahn-Graffiti inzwischen als Kunst angesehen und Touris lieben es, sie zu fotografieren und in solchen Wagen zu fahren. Kommt immer auf den Blickwinkel an.

  2. 95.

    Warum klammern Sie die Möglichkeit aus, dass eine solche Angst berechtigt ist?
    Wenn man Berichte über Personen verfolgt, die in der U-Bahn brutal zusammengeschlagen, oft sogar bereits am Boden liegend getreten oder eine Treppe heruntergekickt wurden, kann man sicher verstehen, dass körperlich schwächere Personen wie z. B. ältere Menschen sich diesbezüglich unwohl fühlen.
    Mit Therapien lässt sich gegen reale Gefahren wenig ausrichten.
    Und ich muss widersprechen:
    Sicherheitskräfte in Supermärkten dienen gleichermaßen auch dazu, Ladendiebe festzuhalten und bei tatsächlichen Attacken einzugreifen.
    Freilich muss niemand beim Einkaufen Angst haben, denn dort sind die Täter ja nicht unbeobachtet.
    Doch um zurück zum Thema zu kommen:
    Einigermaßen gepflegte und ordentliche Verkehrsmittel sorgen bestimmt für ein angenehmeres Gefühl als solche kryptischen Schmierereien, bei denen man sich eigentlich nur noch fragt, warum sich jemand so verzweifelt nach Beachtung und Aufmerksamkeit sehnt.

  3. 94.

    Vielleicht weil der Fahrer nix sieht wenn seine Scheibe beschmiert ist? Und weil es gefährlich ist wenn die Lampen zugesprüht sind? Steht doch alles im Text!

  4. 93.

    Die Verharmlosung, auch das in einigen Kommentaren zum Ausdruck kommende Befürworten eindeutiger Gesetzesverstöße, weil es in das eigene ideologische Weltbild passt, ist nur noch erschreckend.
    Was ist "altmodisch" daran, dass geltende Gesetze eingehalten werden?
    Ist es von einem Verkehrsunternehmen in einer Metropole zuviel verlangt, saubere, graffitifreie Züge UND einen zuverlässigen Fahrplan anzubieten?
    Und natürlich sind es wieder die bösen Autofahrer, die hier "herumkreischen", aber angeblich nie U-Bahn fahren.
    So ein Quatsch!

  5. 92.

    Wer Angst in Bahn und Bus oder vor allem und jedem hat, hat Probleme. Das hat Ursachen. Eine langjährige Freundin von uns begab sich in Therapie und fährt seitdem problemlos und hat zusätzlich viele andere Unsicherheiten abgelegt. Security in Supermärkten dient primär zur Abschreckung von Ladendieben. Diese stellen keine Gefahr für andere Kunden dar. Die Rate an Überfällen im Einzelhandel ist extrem niedrig. Kein Mensch muß Angst vor dem Einkaufen haben.

  6. 91.

    Find ich immer toll, wenn der einzige Beitrag eines Forenteilnehmers in der Aussage besteht, dass ihn das Thema im Grunde nicht interessiert. Derlei Kommentare lösen bei mir nämlich witzigerweise umgekehrt auch immer Desinteresse aus (nicht dem eigentlichen Thema gegenüber).


  7. 90.

    ja ich finde das toll. endlich sieht es mal bunter aus. ob nun die Hauswände bemalt werden oder s-bahn ist doch egal. ich finde das als künstlerisch wertvoll. ja aber wenn man altmodische ansichten hat?! weiter so aber bitte Kunst und die scheiben freilassen!

  8. 89.

    Na ein Glück, dass ich keinen Grund hatte, "Nation", "Volk" oder "Autobahn" zu sagen.
    Vermutlich wären Sie vor Schreck vom Stuhl gefallen.
    Bye.

  9. 88.

    Klar, Gewalttäter gibt es leider allerorten.
    Der Unterschied: Beispielsweise in Supermärkten gibt es aber auch IMMER Personal und seit Jahren (Warum wohl?) sogar oft Sicherheitskräfte. Zumindest letztere können aber natürlich nicht in JEDER U- und S-Bahn mitfahren.
    Schmierfinken (Welches Wort wäre Ihnen lieber?) mögen keine unmittelbare Bedrohung sein, sind aber ganz sicher Leute, mit denen man keinen (auch nur minutenlangen) Umgang pflegen, sondern dieses lieber der Polizei überlassen möchte. Dass dermaßen rücksichtlose Menschen (Nein, nicht die Polizisten) vernünftig mit sich reden lassen, halte ich aber für fragwürdig.
    Auch lieben Gruß.

  10. 87.

    Draaaaaaaama! Graffity auf U-Bahnwagen. Du lieber Himmel, manche drehen hier aber übertrieben am Rad deswegen. Vorteil: wer überall Verschwörung und Verbrechen wittert, braucht kein Netflix. Kopfkino ist kostenlos^^

  11. 86.

    Nicht ärgern, nur wundern^^ Ich bin davon überzeugt, dass die, die hier am lautesten nach Vergeltung schreien, Autofahrer sind und ihnen deswegen völlig wurscht^^ ist, ob Züge fahren oder nicht. Immer schön sauber bleiben. LG

  12. 84.

    Das Wort "Ethnie" ist ein Grund, warum ich mich hiermit aus der Diskussion verabschiede. Mal googeln. Sollte man nicht unbedingt nutzen. Bye

  13. 83.

    Es treiben sich "Gewalttäter" in den öffentlichen Verkehrsmitteln rum??? Aber nur dort^^ Oh man, was für eine Wahrnehmung. Haben Sie auch Angst in den Supermarkt zu gehen? Da rennen rudelweise Ladendiebe herum. Und "Schmierfinken" sind jetzt was genau für eine Bedrohung??? Falls Sie es überlesen haben, jeder Kommentator hier ist nicht erfreut über die Graffiti. Auch ich nicht. Keine Antwort nötig. Wir kommen auf keinen grünen Zweig. Wir sind einfach zu verschieden. Kein Grund zu streiten. Lieber Gruß

  14. 82.

    Da viele Menschen gesund sind, sollte es Ihrer Logik zufolge keine Krankenhäuser mehr geben?
    Ist Ihnen schon mal der Gedanke gekomen, dass man auf jene Rücksicht nehmen, die Rücksicht brauchen und dass der z. Zt. so modische Schutz von Minderheiten nicht nur mit Ethnie und Sexualität zu tun hat?
    Wenn manche Menschen beim Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel ein mulmiges Gefühl oder sogar Angst verspüren, haben Sie das nicht zu kritisieren oder gar zu bagatellisieren, sondern zu akzeptieren.
    Nicht alle Menschen sind so wie Ihre Verwandten und Bekannten.
    Und nicht alle Sorgen und Ängste sind unbegründet.

  15. 81.

    Warum mögen es viele Leute nicht, dass man ihre Wohnung betritt ohne sich die Schuhe abgetreten zu haben?
    Weshalb sind gewaschene Menschen beliebter als ungewaschene?
    Und wozu gibt es eigentlich Bügeleisen?
    Tja, das Leben ist voller Fragen.

  16. 80.

    Auch ohne angesprochen worden zu sein, kann ich diesen Quark nicht unkommentiert lassen.
    NATÜRLICH fühlen sich viele Menschen unwohl, wenn sich in den Öffis Gewalttäter und rücksichtlose Schmierfinken herumtreiben.
    Würden Sie auch eine Quellenangabe verlangen, wenn jemand darauf hinweist, dass die Sonne morgens aufgeht?
    Und nicht dass jemand in "wurscht" Gleichgültigkeit hineininterpretiert ist albern, sondern dass jemand nicht schreiben kann, dass er ein Problem für nachrangig aber nicht unwichtig (denn genau darauf deutet das "wurscht" viel eher hin) hält.
    Und wenn Sie ein Konzept haben, mit dem ALLE Bahnen pünktlich kämen, sollten Sie es den Verkehrsunternehmen unbedingt vorlegen.
    Kein zurechnungsfähiger Erwachsener mag beschmierte/vollgesprayte U-Bahnen.
    Da halte ich eine entsprechende Unmutsäußerung für absolut legitim.


  17. 79.

    Grad ne WhatsApp bekommen. U6 und U7 haben wieder einmal Ausfälle. Wegen "Vandalismus". Ob das mit dem hier zu tun hat?^^ Soviel dazu...

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