Symbolbild: Zwei Frauen laufen in Brandenburg durch einen Wald (Quelle: dpa/ Pleul)
Audio: rbb|24 | 25.04.2019 | O-Ton Werner-Siegwart Schippel | Bild: dpa/ Pleul

Interview | Feuerwehrverbands-Präsident Schippel - Was tun, wenn's brennt im Wald?

Sonne pur und sommerliche Temperaturen: optimales Ausflugswetter für Brandenburg, könnte man meinen. Doch die Gefahr, in einen Waldbrand zu geraten, war nie höher. Was tut man eigentlich, wenn man im Wald ist und es brennt?

rbb|24: Herr Schippel, was bei einem Wohnungsbrand zu tun ist, ist weitgehend bekannt. Doch jetzt ist im Prinzip ganz Brandenburg waldbrandgefährdet. Inwiefern unterscheiden sich die Verhaltensregeln zu denen in der Wohnung?

Werner-Siegwart Schippel: Es fängt schon mal damit an, dass niemand, wenn die Waldbrandstufe 5 ausgerufen ist, im Wald etwas zu suchen hat. Denn da ist das Betreten und Befahren der Wälder verboten. Insofern kann man von der Straße aus einen Brand sehen, wenn man durchfährt. Da kann man dann nur die 112 anrufen - und da kann man lieber einmal mehr anrufen als zu wenig. Auch bei einem Irrtum, also einem Fehlalarm, wird niemandem der Kopf abgerissen.

Wenn es heißt, der Wald darf nicht betreten werden bei Waldbrandstufe 5, gilt das also nicht nur für das Unterholz, sondern auch für die Waldwege?

Genau so ist das. Das Verbot gilt auch für Waldwege. Sie dürfen dann nur da entlang, wo die Straße durchführt.

Daran halten sich ja sicher nicht alle. Viele Ausflügler wissen vermutlich gar nicht, welche Waldbrandstufe gerade für ihr Ausflugsgebiet ausgerufen ist. Was sollte denn jemand tun, der sich im Wald befindet und sich plötzlich einem Waldbrand nahe wähnt, weil er Rauch riecht oder ähnliches?

Erstmal muss man sagen: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Man muss von jedem mündigen Bürger erwarten können, dass er sich – gerade in solchen Zeiten, wo es so trocken ist – erkundigt. Das ist ja heute über die Medien ersichtlich und im Internet abrufbar. Da wird täglich verkündet, welche Waldbrandwarnstufe herrscht. Dass er es nicht wusste, kann heute niemand mehr erzählen. Wer dann aber doch im Wald ist und Waldbrandgeruch wahrnimmt, sollte sich auf befestigte Straßen zurückziehen und, wie schon gesagt, gleichzeitig die 112 anrufen.

Spielt denn auch die Bestimmung der Windrichtung eine wichtige Rolle? Denn es wäre ja fatal, wenn man genau in Richtung Feuer weiterliefe...

Das spielt eine Rolle. Da gibt es das alte Hilfsmittel, das noch jeder lernen sollte: Finger in den Mund, hochhalten – und von der Seite, an der es schnell kühler wird, kommt der Wind. Von da sollte man sich natürlich wegbewegen. Man sollte den Wind nicht unterschätzen. Das haben wir im vorigen Jahr bei dem Waldbrand in Treuenbrietzen bei den sogenannten Wipfelbränden erlebt. Die bewegen sich dann bei solchem Wind, wie wir ihn in den vergangenen Tagen hatten, in einer Geschwindigkeit von 60 bis 80 Kilometern pro Stunde. Da ist äußerste Vorsicht geboten.

Das heißt, wer einen Brand bemerkt, sollte Ruhe bewahren, sich aber zügig wegbewegen?

Richtig. Und die Feuerwehr alarmieren. Vielleicht entsteht der Brand gerade erst und wenn wir schnell da sind, können wir Schlimmeres verhindern.

Was sollte man denn in gar keinem Fall machen? Näher ran gehen für spektakuläre Fotos zum Beispiel?

Jede Sensationshascherei kostet letzten Endes Zeit. Wenn man was merkt, sollte man den geordneten Rückzug antreten.

Wie sagt man der Feuerwehr dann am besten, wo man sich genau befindet?

Das ist natürlich ein Problem. Das hat so mancher Pilzsucher auch schon gehabt. Man kann sich nur an dem orientieren, wie man dorthin gelangt ist, wo man gerade ist. Dass man ungefähr sagt, wo man gegebenenfalls von der Straße abgebogen ist. Was anderes hilft da nicht. Es gibt bestimmte Erkennungspunkte wie gegebenenfalls einen Windpark,  bestimmte markante Gebäude oder einen See, die einem aufgefallen sind. Auch die Entfernung kann jeder abschätzen. Am Tag ist auch klar, wo die Sonne steht. Also, dass sie beispielsweise mittags im Süden steht. Es gibt also schon Orientierungshilfen. Am Besten ist, wenn man sich vorher damit befasst.

Was hat es zu bedeuten wenn man in der Nähe von Dörfern die Sirene hört? Heißt drei Mal ein langes Signal, dass es ein Feuer in der Nähe gibt?

Im ländlichen Bereich gibt es mittwochnachmittags noch die Sirenenproben. Da läuft die Sirene einmal hoch – das ist ein Ton. Mit drei langen Tönen hingegen wird die Feuerwehr alarmiert. Daraus geht aber noch nicht hervor, was und wo es brennt. Das erfahren die Feuerwehrleute, wenn sie in ihrem Gerätehaus sind, per Funk von der Leitstelle.

Für die Bürger sind die Sirenen also eigentlich nicht weiter von Bedeutung?

Naja, sollte die Sirene drei Mal gehen, erfolgt für den Ottonormalverbraucher zwar kein Handlungsbedarf. Aber speziell auf den Dörfern fiebern ja schon alle mit. Wer das Signal hört, für den lohnt es sich aber sicher, mal zu schauen, ob da draußen was los ist, was ihn betreffen könnte.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Sabine Priess.

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12 Kommentare

  1. 11.

    Genau so kenne/lese ich es auch, der Wald KANN gesperrt werden aber das Betreten ist nicht automatisch bei Stufe 5 verboten. Obwohl es immer wieder und überall so behauptet wird.

  2. 10.

    Deswegen ja meine ketzerische Frage - die Möbelholz-Wälder sind mir sozusagen ein "Stamm" im Auge. Bin heute wieder (Autobahn) quer durch Brandenburg gefahren, da stehen sie, wie Zahnstocher im Behälter, die Kiefern. Oben ein Wedelchen, der Rest kahler Stamm. Abstand 1 m (Kreisscheibe). Dürr und eigentlich für nix zu verwenden außer Druckerpapier... oder so... ätzend. Andere Länder schaffen es auch, halbwegs gesunden Mischwald bei winterkalter und sommerheißtrockener Witterung zu haben - ich erinnere mich immer gerne an Südtirol, Überetsch/Unterland, dagegen sind unsere Wälder echter Schrott.

  3. 8.

    was genau ist denn "Wald"?

    Ein Grünstreifen? Eine Baumgruppe im Feld? Wald kann viel sein, vor allem in Brandenburg - wo ja kaum noch jemand wohnt, der Feuer machen kann ;-)

  4. 7.

    Die aktuellen Waldbrandwarnstufen findet man zum Beispiel unter: https://mlul.brandenburg.de/wgs/text

    Die gelten für den ganzen Landkreis und somit für jedes Fleckchen Wald. Unsere FFW hat weder die Kapazität noch das ausgebildete Personal da jeden Tag jemanden durch den Wald zu schicken und die Waldbrandwarnstufe zu ermitteln. Die nehmen, was vorgegeben ist. Letzten Sommer wurde die Waldbrandwarnstufe auch nicht verändert. Als ob da jeden Tag jemand im Internet schauen würde. Ich habe im Internet geschaut und bei meinem Nachbarn (FFW) nachgefragt, weil ich ein Feuer machen wollte. War alles in Ordnung. Als es dann brannte hat sich der andere Nachbar aufgeregt, weil wohl Stufe 5 gewesen sein soll - nur weil die das den ganzen Sommer über nicht am Aushang verändert haben. Um Ärger zu vermeiden hab ich es dann ausgemacht (obwohl ich im Recht war).

  5. 6.

    Hoffentlich sind die Jagensteine noch da und lesbar und der Akku des Smarties noch nicht leer.
    Moos findet man an Bäumen hauptsächlich an der Nordseite. Mit 'ner Uhr kann man die Südrichtung bestimmen.
    Auch nur relativ freistehende Bäume neigen sich nach Osten - entgegen der vorherrschenden Windrichtung aus West. Hat man, auch nur grob, eine Richtung gefunden, hilft es den Satz "Nie ohne Schuhe wandern" (N/O/S/W)im Uhrzeigersinn "abzuarbeiten".
    Am Besten ist es bei dieser Witterungslage sich den Wald von aussen zu betrachten und sich daran zu erfreuen.

  6. 5.

    Auszug aus MLUL Brandenburg Info:
    Darf der Wald bei Waldbrandgefahrenstufe 4 oder 5 betreten werden?
    Zum Zwecke der Erholung ist das Betreten des Waldes grundsätzlich jedermann gestattet. Von diesem Grundsatz kann in Ausnahmefällen abgewichen werden. Ab Waldbrandgefahrenstufe 4 kann durch die untere Forstbehörde der Wald für das Betreten gesperrt werden, wenn dies zum Schutz des Waldes oder seiner Besucher notwendig ist. Davon wird jedoch nur in Ausnahmefällen Gebrauch gemacht. Im Falle einer Sperrung wird der Wald an den Zugängen entsprechend durch Schilder gekennzeichnet (§ 23 (2) LWaldG).

    Ok, solange da keiner eine Sperre/ein Schild aufhängt, lauf ich weiter auf Waldwegen, fahre mit dem Auto auf Straße auf Straßen durch Brandenburgs Wälder.

  7. 4.

    Wo finde ich in Brandenburg den/das Jagen an welchen Kreuzungen? Und wenn ich durch ein gemischtes Gebiet gehe, also (Riesel-)Felder, und da kommt ein Streifchen Wald, darf ich da nicht laufen? Auch nicht am Waldrand? Das kommt in Brandenburg dem Hausarrest gleich - puh.
    Nächste Frage - wo finde ich die Waldbrandwarnstufe? An meiner örtlichen Feuerwehr hängt die für den Ort. Die für den nächsten Ort an deren Feuerwehr. Und die von dort, wo KEIN Ort ist, wo hängt die aus? Doch nicht an jedem Waldfitzelchen in Brandenburg... oder sind genau damit unsere Feuerwehrmänner so beschäftigt - ständig die Klapptäfelchen an jedem Waldstückchen geradezurücken und zu ändern?

    Wann gibt's in Zeiten des Klimawandels eine App, wo ich farblich gekennzeichnet JEDES Stückchen Wald sehe mit Waldbrandwarnstufe? Wo ich sehen kann, wo ich als Fußgänger noch laufen darf, oder auch nicht (Hunde, aufgepasst!). Über diese App könnte man auch sinniger Weise auch Feuer melden....

  8. 3.

    Frage: Was ist ein Jagen? Straße, Weg, Kreuzung? Wo steht das, ist da irgendwo ein Schild?

    Hinweis: Mit einem Smartphone kann man in den Berlin/Brandenburger Forsten i.d.R. recht wenig anfangen, vor allem in Bezug auf das integrierte GPS. Denn das GPS braucht mindestens 3G, besser 4G. Das ist aber oftmals nicht verfügbar. Davon abgesehen dürften die meisten Nutzer nicht wissen, wie man an die GPS-Koordinaten des Standortes herankommt.

    Ich war vor ein paar Tagen am Schiffshebewerk Niederfinow. Da gab es für mich und meine Begleiter nur GPRS, damit können Sie kein GPS betreiben. Wenn Sie Glück haben, ist damit noch ein Notruf absetzbar. Hier werden die Funklöcher wieder mal deutlich, die es seit 2000 gibt und die seitdem nicht gestopft wurden.

  9. 2.

    Zur Orientierung:
    Einfach zur nächsten Waldwegkreuzung, die entsprechenden Jagen nenne. Wer ein Smartphone dabei hat, hat ja sowieso GPS, da kann man auch einfach die Koordinaten durchgeben.

  10. 1.

    Zu einem Verbot, Wälder zu betreten - es sei denn, diese sind abgesperrt - werden Sie im Brandenburger Waldgesetz nichts finden - siehe https://mlul.brandenburg.de/media_fast/4055/Waldgesetz_Brandenburg_2014.pdf. Da handelt es sich wohl nur um Scheinwissen. Die beste Kontrolle sind immer noch Menschen vor Ort.

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