Sanitäter des Deutschen Roten Kreuzes in einem Klinikum (Quelle: dpa/Andreas Arnold)
Bild: dpa/Andreas Arnold

Krankenhausatlas - Brandenburger haben teils lange Wege bis zur nächsten Klinik

In medizinischen Notfällen zählt jede Minute. Was aber, wenn die nächste Notaufnahme mehr als eine halbe Stunde entfernt liegt? In einigen Teilen Brandenburgs müssen viele Bürger weit bis zum nächsten allgemeinen Krankenhaus fahren.

Im Norden Brandenburgs müssen Bürger teils weite Wege von mehr als 45 Minuten zurücklegen, um bis zum nächsten Krankenhaus zu gelangen. Im Landkreis Ostprignitz-Ruppin, bei Wittstock/Dosse und Rheinsberg gibt es einige Bereiche, in denen Bürger diese Strecken mit dem Auto nicht unter einer Dreiviertelstunde zurücklegen können. Das geht aus dem aktuellen Krankenhausatlas der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder hervor. Auch im Niederen Fläming sind Bürger demnach oft mindestens 30 Minuten unterwegs.

Der interaktive Krankenhausatlas zeigt an, wie lange Menschen in bestimmten Regionen fahren müssen, um verschiedene Krankenhäuser zu erreichen. Voreingestellt ist die Karte auf Krankenhäuser mit allgemeinen Fachabteilungen. Es lassen sich auch Krankenhäuser mit spezielleren Angeboten auswählen, etwa für Kinder und Jugendliche oder mit Frauenheilkunde oder Geburtshilfe-Stationen.   

Notaufnahme am Elisabethkrankenhaus (Quelle: imago/Schellhorn)
Bild: imago stock&people/Schellhorn

Benutzungshinweis Krankenhausatlas

In Brandenburg sind weite Wege zur nächsten Klinik mit allgemeinen Fachabteilungen keine Seltenheit: nur 43 Prozent der Bevölkerung legen diese Strecken binnen zehn Minuten zurück, fast jeder Fünfte ist 20 Minuten oder länger unterwegs.

Die Daten offenbaren gerade in ländlichen Regionen Ostdeutschlands häufig große Abstände zwischen Wohnsiedlungen und der nächsten Notaufnahme. Am schlechtesten steht bei den ländlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommern da: rund 28 Prozent der Bevölkerung sind länger als 20 Minuten in ein Krankenhaus mit allgemeinen Fachabteilungen unterwegs. Gefolgt wird es von Sachsen-Anhalt (>23%) und Thüringen (>22%).

Falls Sie an dieser Stelle keine Grafik sehen, klicken Sie bitte hier.

In Berlin erreichen dagegen über 90 Prozent der Bevölkerung innerhalb von zehn Minuten ein Krankenhaus mit allgemeinen Fachabteilungen. Im Bereich rings um die Hauptstadt kommt es dann sehr darauf an, wo man wohnt: Südlich von Zossen (Am Mellensee) und südlich von Storkow (Mark), beim Großen Selchower See und dem Neuendorfer See fahren Bürger mehr als 30 Minuten lang.

Geburtshilfe bzw. Frauenheilkunde-Kliniken

79 Prozent der Berliner erreichen in weniger als 10 Minuten Krankenhäuser mit Frauenheilkunde- oder Geburtshilfe-Station, länger als 20 Minuten ist in der Hauptstadt im Schnitt praktisch niemand unterwegs.

Für viele Brandenburger sieht es da nicht so gut aus: Besonders schlecht versorgt in Brandenburg ist im Süden des Landes eine kleinere Region zwischen Rückersdorf und Hohenleipisch mit über 45 Minuten Fahrzeit sowie im Norden des Landes ein größerer Bereich entlang der Landesgrenze zwischen Wittstock/Dosse und Großwoltersdorf mit ebenfalls über 45 Minuten Fahrzeit.

Über 30 Prozent der Bevölkerung (31,5 Prozent) muss im Schnitt mindestens 20 Minuten unterwegs sein. Damit liegt Brandenburg bei den Flächenländern (bzw. deren ländlichen Regionen) auf dem drittletzten Platz. Noch schlechter sieht es in Schleswig-Holstein (32,2%) und Mecklenburg-Vorpommern aus (42,1%). Der Bundesdurchschnitt für ländliche Regionen liegt bei knapp 26 Prozent (25,8%).

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 5.

    ... so sieht eben die Zukunft aus, jeder wird sich hald selbst überlassen. Warum erreichbare Kliniken, wenn man schlechte Verkehrsanbindungen hat ...?

  2. 4.

    Der Weg zum Krankenhaus ist weniger entscheidend. Der entscheidende Faktor ist, wie schnell medizinische Erstversorgung vor Ort ist, also ein Notarzt bei Ihnen eintrifft. Der anschließende Transport ins Krankenhaus unter ärztlicher Betreuung kann dann auch länger sein, ohne dass dies mit einer Verschlechterung des Zustands oder der Genesungsaussichten einher geht. Fast das gesamte europäische Ausland beweist dies eindrücklich. Praktisch nirgends gibt es eine so hohe Dichte an Krankenhäusern wie hier in Deutschland. Lange Anfahrten sind außerhalb Deutschlands normal. Im Gegenzug verbessert die hohe Klinikdichte nicht die medizinische Versorgung, erhöht aber die Kosten des Gesundheitssystems spürbar. Das Krankenhaussterben, das längst im Gange ist, kommt nicht von ungefähr.

  3. 3.

    @ Sander
    Wenn Sie sich den Artikel richtig durchgelesen hätten und nicht mit verbalen abfälligen Bemerkungen beschäftigt gewesen wären, hätte Ihnen auffallen müssen das dieser Artikel den "Inhalt des Statistiken Bundesamt" entnommen worden ist.
    Statistik und Tatsache lagen schon immer weit auseinander.

  4. 2.

    Dämlicher Kommentar, tut mir leid. Wenn Sie in Birkenwerder neben einem Krankenhaus wohnen, das zudem noch geringe Wartezeiten hat, ist das für Sie und Ihre Familie sicher sehr schön. Wenn ich in einem schlecht versorgten Ort einen akuten Notfall habe, der 35 Minuten Anfahrt des Notarztes und dann nochmal 35 Minuten Transport ins Krankenhaus beinhaltet, sieht es weniger schön für mich aus. Wie anders als Medizinische Unterversorgung wollen Sie das denn benennen? Der Artikel ist völlig zutreffend.

  5. 1.

    Es mag ja sein dass es für manchen einer weiter Weg zum nächsten Krankenhaus ist aber dass hat nichts mit medizinischer Unterversorgung zu tun.
    Hier in Birkenwerder und anliegende Ortschaften sind die Krankenhäuser sehr gut zu erreichen.
    Vor allen Dingen nicht so eine lange Wartezeit wie in Berlin und freundliches Personal und spezielle Fachkliniken. Das soll Berlin erst mal nachmachen . Dieser ganze Artikel ist Quatsch und entspricht nicht den Tatsachen.

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