Zum Start der Motorradsaison hat die Brandenburger Polizei verstärkt Kontrollen durchgeführt. (Quelle: rbb/Björn Haase-Wendt)
Antenne Brandenburg | 20.04.2019 | Björn Haase-Wendt | Bild: rbb/Björn Haase-Wendt

Zum Saisonstart - Brandenburgs Polizei kontrolliert verstärkt Motorräder

Sonne satt, blauer Himmel und der Asphalt flimmert. Das Osterwochenende nutzen viele Motorradfahrer zum Start in die neue Saison. Die Brandenburger Polizei verstärkt deshalb die Kontrollen und überprüft beliebte Motorradstrecken. Von Björn Haase-Wendt

Enge Kurven, einige Berge, optimaler Asphalt – die Bedingungen könnten für Motorradfahrer kaum besser sein. Die Landstraße zwischen Eberswalde und Liepe im Barnim ist deshalb eine der beliebtesten Motorradstrecken in der Region. Auch zum Saisonstart am Ostersamstag zieht es viele Biker aus Brandenburg und Berlin auf die Strecke. Doch auch die Polizei hat sich postiert und kontrolliert gezielt.

Die Beamten haben kurz hinter der Brücke über den Oder-Havel-Kanal ihren Kontrollposten aufgebaut. Die Haltekelle geht nach oben und für Motorradfahrer Steve Traindt aus Eberswalde ist die Fahrt erst einmal beendet. "Polizeikontrolle, nehmen Sie bitte den Helm ab, Fahrzeugschein und Führerschein bitte", sagt einer der Polizisten. Die Beamten der Barnimer Polizeiprävention und der Motorradkontrollgruppe der Brandenburger Polizei schauen dich das Motorrad ganz genau an: Sind die Bremsen in Ordnung, gibt es verbotene Anbauten oder ist der Auspuff zu laut?

Zum Start der Motorradsaison hat die Brandenburger Polizei verstärkt Kontrollen durchgeführt. (Quelle: rbb/Björn Haase-Wendt)
Sind die Bremsen in Ordnung, gibt es verbotene Anbauten oder ist der Auspuff zu laut? | Bild: rbb/rbb/Björn Haase-Wendt

Viele überschätzen sich - gerade zum Saisonstart

Bei Steve Traindt ist alles okay - er kann weiterfahren und hat Verständnis für die Kontrollen. Denn auch er musste schon erleben, wie ein Motorradfahrer tödlich verunglückt ist: "Er hatte das gleiche Geburtsdatum wie ich, gleicher Beruf, gleiche Maschine – da habe ich gleich wieder Gänsehaut." Im vergangenen Jahr kam es in Brandenburg zu rund 1.400 Motorradunfällen, mehr als die Hälfte war selbst verschuldet. 17 Fahrer verunglückten laut der Verkehrsunfallbilanz tödlich.

Damit es gar nicht erst zu solch schweren Unfällen kommt, kontrolliert die Brandenburger Polizei jetzt wieder verstärkt an beliebten Motorradstrecken – zum Auftakt in Barnim und Oder-Spree, in den nächsten Wochen aber auch in den anderen Landesteilen. Zum einen wird das Tempo überprüft, vor allem geht es aber um die vorbeugenden Gespräche. Denn gerade zum Saisonstart überschätzen sich viele Fahrer, sagt Wolfgang Heusterberg von der Barnimer Polizeiprävention: "Das Motorradfahren bedingt ganz andere Reaktionen als mit dem Auto und wenn man ein halbes Jahr nicht gefahren ist, dann ist es schwierig, diese Reaktion wieder gleich abzurufen." Die Fahrer sollten deshalb ruhig in die Saison fahren und nicht gleich voll aufdrehen. Dafür seien abgeschlossene Rennstrecken sowieso der bessere Ort, sagt der Polizeihauptkommissar.

Manche sind uneinsichtig

Dass die Kontrollen notwendig sind, zeigt sich wenig später. Die umgebauten Bremshebel an einem Motorrad aus Neuruppin sind das Problem, erklärt Lienhard Mohns von der Motorradkontrollgruppe der Brandenburger Polizei: "Das sind Fälschungen, im Internet billig gekauft und haben keine Zulassung." Für solche Fahrer hat der Experte kaum Verständnis, denn sie würden sich unnötig in Gefahr begeben, nur um ein paar Euro zu sparen. "Im Fachhandel hätte er zugelassene Bremshebel für zehn Euro mehr bekommen, aber sie waren nicht in der Farbe erhältlich, sagt der Fahrer. Das ist es nicht Wert", so Mohns. Für den Motorradfahrer aus Neuruppin ist die Fahrt damit für mehrere Stunden beendet. Die Beamten bestehen auf den Einbau von zugelassenen Bremshebeln. Bekannte aus Neuruppin machen sich deshalb auf den Weg und bringen die Teile nach Liepe.

Unterdessen werden zwei Motorräder aus der Uckermark herausgezogen. Zwei junge Fahrer sind auf dem Weg zur Eisdiele, doch ihre Motorräder sind zu laut. Die sogenannten DB-Killer wurden im Auspuff ausgebaut. Wieder müssen an Ort und Stelle die Teile eingebaut werden, dazu gibt es eine Strafe von 50 Euro. Tom, einer der beiden jungen Fahrer, hält von der Strafe wenig: "Das wird nicht viel ändern, dass ich das zuhause wieder ausschraube." Vor allem die technischen Mängel waren bei der Kontrolle nahe Liepe das Problem. Zu laute Motorräder, zu flach eingestellte Kennzeichen, so dass sie von der Polizei nicht mehr lesbar sind.

Zum Start der Motorradsaison hat die Brandenburger Polizei verstärkt Kontrollen durchgeführt. (Quelle: rbb/Björn Haase-Wendt)
Auch die Geschwindigkeit wurde kontrolliert. | Bild: rbb/Björn Haase-Wendt

"Der überwiegende Teil hat sich an die Regeln gehalten"

Zu schnell waren am Ostersamstag aber eher die Autofahrer – Spitzenreiter ein Mann aus Eberswalde. 31 Stundenkilometer hatte er inklusive Toleranzabzug zu viel auf dem Tacho bei erlaubten Tempo 80. Für ihn gibt es nun einen Punkt in Flensburg und 120 Euro Strafe.

"Insgesamt sind wir mit der Kontrolle zufrieden. Der überwiegende Teil der Motorradfahrer hat sich an die Regeln gehalten und wir haben keine extremen Verstöße festgestellt", bilanziert Wolfgang Heusterberg. Einen Wermutstropfen gab es allerdings dann doch. Kurz vor dem Ortseingang Eberswalde verlor ein Motorradfahrer die Kontrolle und stürzte. Nach bisherigem Stand wurde er bei dem Unfall aber nur leicht verletzt.

Beitrag von Björn Haase-Wendt

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

1 Kommentar

  1. 1.

    Tom, der laute Motorradfahrer auf dem Weg zum Eisladen, bestaetigt, was ich und andere seit Langem fordern: Drastische (!) Strafen und ggf FS-Entzug bei zu lauten Motorraedern und PKW muessen her: Wer ein uebersteigertes Beduerfnis nach Aufmerksamkeit hat, soll sich einen Psychotherapeuten suchen oder ins Showbiz gehen - aber nicht tausenden Menschen und Tieren ungefragt den Krach ihrer laecherlichen Zweiraeder aufnoetigen. Laerm macht nachgewiesen krank, und wer Andere aus purem Egoismus bewusst schaedigt, soll beim ersten Mal 500 (und nicht 50) EUR loehnen, und beim zwoten Mal ist die Pappe weg: Menschlich ungeeignet zur Teilnahme am motorisierten Strassenverkehr. Entsprechendes gilt fuer KFZ-Teile-Versender: Wer nicht zugelassene Komponenten vertickt, die Schaeden verursachen koennen, zahlt Strafe - und zwar richtig.

Das könnte Sie auch interessieren