Die Lehnitzschleuse auf dem Oder-Havel-Kanal
Bild: dpa/Bernd Settnik

Kein Schiffsverkehr durch Bombenfund - Hohe Verluste wegen Sperrung des Oder-Havel-Kanals befürchtet

Der Oder-Havel-Kanal, eine der wichtigsten Wasserstraßen Brandenburgs, wird wohl noch wochenlang gesperrt sein. Der Grund: Ein Bombenfund am Kanal in Oranienburg. Die Sperrung trifft vor allem kleine Reedereien hart: Eine Umfahrung ist nämlich nicht möglich.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam hat den Bund aufgefordert, die Sperrung der Oder-Havel-Wasserstraße zu beenden. IHK-Fachbereichsleiterin Barbara Nitsche sagte dem rbb am Montag, die Sperrung sei existenzgefährdend für die kleinen und mittelständischen Betriebe in der Region. Sie müssten mitten in der Hochsaison Aufträge abgeben oder Kunden vertrösten. Nach ersten Analysen belaufe sich der wirtschaftliche Schaden bereits auf bis zu zwei Millionen Euro.

Bombe in Oranienburger Kleingartenkolonie vermutet

Das Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde hatte die Oder-Havel-Wasserstraße am Freitag in Oranienburg (Oberhavel) zwischen Kilometer 25,1 und Kilometer 25,3 wegen eines möglichen Bombenfunds in einer Kleingartenanlage gesperrt. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst hat laut Mitteilung der Stadt Oranienburg "den konkreten Verdacht, dass es sich um eine 500kg-Bombe amerikanischer Bauart handelt".

Sebastian Dosch vom Wasser- und Schifffahrtsamt erklärte am Montag im rbb, die Bombe liege zwar an Land, aber in der Nähe des Ufers. Die Schwingungen der Schiffsmotoren seien gefährlich, weil sie den Langzeitzünder des Blindgängers auslösen könnten. Daher sei die Sperrung nötig. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst rechnet damit, dass die Freilegung der Bombe mindestens bis Ende Mai dauern wird.

Keine Umfahrung möglich

Damit ist die wichtige Wasserverbindung zwischen Berlin und Stettin unterbrochen. Über den Oder-Havel-Kanal verkehren jährlich bis zu 5.000 Berufsschiffe und rund 10.000 Freizeitschiffe. Die direkte Verbindung von Brandenburg zur Mecklenburgischen Seenplatte über die Havel ist zudem zwischen Zehdenick und Fürstenberg/Havel ebenfalls unterbrochen. Denn dort ist die Schleuse Zaaren wegen Bauarbeiten noch bis zum 1. August geschlossen.

Die Berufsschifffahrt musste den Betrieb auf der Route Berlin-Stettin weitgehend einstellen. Eine Umfahrung in Richtung Polen über den Oder-Spree-Kanal und die Oder sei wegen geringer Wasserstände für viele Schiffe nicht möglich, sagte Sebastian Dosch vom Schifffahrtsamt am Montag nach einer Krisensitzung. "Die Oder hat derzeit Flachstellen in der Fahrrinne von nur 1,25 Metern, Tendenz fallend", erläuterte Dosch. Ein voll beladenes Güterschiff benötige jedoch mindestens 1,80 bis 2 Meter Wassertiefe.

Auch dürften die Schubverbände auf dem Kanal wegen der Abmessungen der Schleusen nur eine maximale Länge von 67 Metern haben, so Dosch. Die Deutsche Binnenreederei habe bereits erklärt, dass die Umfahrung für das Unternehmen keine Alternative sei. "Für kleinere Reedereien, kann diese Entwicklung existenzbedrohend sein", sagte Dosch.

Sendung:  Antenne Brandenburg, 08.04.2019, 14.00 Uhr

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