Der britische Prinz Charles (l) und seine Frau, Herzogin Camilla, in Berlin. Foto: AFP Pool/dpa
Video: Abendschau | 07.05.2019 | Julia Fischer | Bild: AFP Pool/dpa

Britischer Thronfolger und seine Frau - Politik und Sightseeing für Charles und Camilla in Berlin

Treffen mit der Bundeskanzlerin und dem Bundespräsidenten, Besuche am Luftbrückendenkmal und Brandenburger Tor - und am Abend ein Empfang: Prinz Charles und seine Frau Camilla haben einen Tag Berlin erlebt. Neben Politik ging es auch um ein Baby.  

Der Dienstag in Berlin ist für den britischen Thronfolger Prinz Charles (70) und seine Frau Camilla (71) nach Treffen mit Politikern und Sightseeing mit einem Empfang in der Residenz des britischen Botschafters in Grunewald zu Ende gegangen. Anlass der Veranstaltung war der 93. Geburtstag von Königin Elizabeth II., der am 21. April begangen wurde. Zu den 600 erwarteten Gästen gehörten unter anderen Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit Ehemann Daniel Funke und Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke). 

In seiner Rede wollte Charles laut vorab verbreitetem Manuskript die Verbundenheit von Großbritannien und Deutschland betonen. Angesichts des britischen Vorhabens, aus der Europäischen Union auszutreten, wollte Charles demnach sagen, "dass die Bande zwischen uns Bestand haben müssen und werden". Auf die Menükarte hatte der Küchenchef hat Spargel und Saibling aus Brandenburg gesetzt.

Prinz Charles und Herzogin Camilla zu Besuch in der Hauptstadt

Winkende Menschen am Brandenburger Tor

Zuvor hatte das Paar im Rahmen seines Berlin-Besuchs mehrere bekannte Berliner Orte in der Hauptstadt besucht. Am späteren Nachmittag waren sie in Begleitung des Regierenden Bürgermeisters Müller am Brandenburger Tor.

Am Wahrzeichen der Hauptstadt begrüßten der Prinz und seine Frau die wartende Menge, darunter Touristen und Schulklassen. Viele Menschen winkten mit deutschen und britischen Fähnchen, die zuvor verteilt worden waren.

Kranz am Luftbrückendenkmal niedergelegt

Ebenfalls mit Müller hatte das Paar zuvor das Luftbrückendenkmal in Tempelhof besucht. In Erinnerung an die Opfer der Luftbrücke, darunter auch dutzende Briten, legten die beiden Gäste einen Kranz nieder. 

Auf dem Luftweg hatten Amerikaner, Briten und Franzosen während der sowjetischen Blockade 1948/49 mehr als zwei Millionen Einwohner der Berliner Westsektoren mit Kohle und Lebensmitteln versorgt. Am 12. Mai 1949 hob die Sowjetunion schließlich die Blockade auf. Berlin feiert an diesem Sonntag das 70. Jubiläum des Endes der sowjetischen Berlin-Blockade. 

Bei Merkel und Steinmeier

Charles und Camilla waren am frühen Nachmittag in Berlin-Tegel gelandet. Die beiden bleiben bis Freitag in Deutschland, auf dem Programm stehen Termine in Berlin, Leipzig und München. Sie reisen im Auftrag der britischen Regierung. 

Nach ihrer Ankunft waren Prinz Charles und seine Frau Camilla von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) empfangen worden. Für den 70-jährigen Thronfolger ging es danach weiter ins Schloss Bellevue, wo er von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begrüßt wurde. Etwas später kam auch Charles' Frau Camilla dazu. Bei diesen Treffen standen politische Themen wie der Brexit oder die Wohnungsbaupolitik im Mittelpunkt.

Geschenke für den neuen Enkel

Während Charles zu Steinmeier fuhr, stand für Camilla zunächst ein Besuch an der Gewaltschutzambulanz der Charité auf dem Programm - einer Anlaufstelle für Opfer etwa von häuslicher Gewalt.

Auch das neugeborene vierte Enkelkind des Thronfolgers spielte eine Rolle bei Charles' und Camillas Besuch. So bekam Charles von Bundespräsident Steinmeier einen Teddy und Camilla in der Charité einen Strampler mit Ampelmännchen-Motiv - beide für Charles' jüngstes Enkelkind. 

Königshaus betont "fortdauernde Wichtigkeit" der Beziehungen

Der Besuch in Zeiten des Brexits erfolgt im Namen und auf Bitten der britischen Regierung. Er soll die "Tiefe und Lebendigkeit" der Beziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien betonen sowie deren "fortdauernde Wichtigkeit für beide Länder", heißt es aus dem Königshaus.

Das politisch bestimmende Thema in Großbritannien - das Ringen um den Brexit - dürfte bei den Gesprächen in Deutschland aber nur angerissen werden. Der Brexit sei natürlich "Teil des Kontexts", inhaltlich spiele das Thema beim Besuch aber "keine große Rolle", hatte der britische Botschafter, Sir Sebastian Wood, im Vorfeld erklärt. Die Reise des Thronfolgers werde vor allem im Zeichen der Nachhaltigkeit stehen. Charles engagiert sich seit vielen Jahren für den Umweltschutz und ist Biobauer.

Künast würdigt im rbb Charles Öko-Engagement

Dass Charles sich sehr gut in Agrarpolitik auskennt, bestätigt auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Renate Künast. Sie nimmt am Dinner mit Charles und Camilla am Dienstagabend teil.

Dem rbb sagte sie am Dienstag, Charles habe bereits in den 1970er Jahren in seiner ersten Rede als Prince of Wales Plastik in den Meeren und die Folgen der Umweltverschmutzung angesprochen. Damals sei er noch als "Spinner" betitelt worden. "Diese Bezeichnung kennen wir Grünen ja durchaus auch, jetzt zeigt sich, das man leider Recht gehabt hat", so Künast.

Die Grünenpolitikerin habe auf dem Landsitz des Prinzen in Highgrove in Südengland erlebt, wie der Prinz in der ökologischen Landwirtschaft seine Erfüllung gefunden hätte. "Ich habe bemerkt, wie engagiert er da war. Um nicht nur auf die Thronfolge zu warten, hat er sich damit eine Berufung gesucht", erinnert sich die ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin. Auf seinem Landsitz achte Charles auf Biodiversität und pflanze alte alte Buchenarten. Aber - er kenne sich auch gut in europäischer Agrarpolitik und deren Windungen und Wirrungen aus, so Künast im Inforadio.

Prinz Harry spricht am 6. Mai zur Presse nach der Geburt seines Sohnes. (Quelle: dpa/Steve Parsons)
| Bild: dpa/Steve Parsons

Charles zum vierten Mal Opa

Am Montag hatte Charles jüngerer Sohn Harry die Geburt seines Sohnes bekanntgegeben. Der kleine Sohn von Prinz Harry (34) und seiner Frau Meghan (37) ist Charles viertes Enkelkind und wird vermutlich am Mittwoch der Öffentlichkeit vorgestellt. Harrys Bruder William hat drei Kinder.

Das knapp 3,3 Kilogramm schwere Kind von Harry und Meghan steht an siebter Stelle in der Thronfolge - direkt nach seinem Vater. Welchen Namen das Baby bekommen wird, ist noch nicht bekannt. In Wettbüros wurde am häufigsten auf Arthur, Philip, Albert, Alexander und James getippt.

Sendung: Abendschau, 07.05.2019, 19.30 Uhr

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Antwort auf [Helene] vom 16.04.2019 um 07:19
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10 Kommentare

  1. 10.

    Ach was, bisschen Lametta muss auch sein.
    Bin auch Fan vom Charles und auch und gerade von Charles und Camilla. Die haben sich einfach gefunden und das macht irgendwie ansteckend happy.
    Sein Engagement für Naturschutz schätze ich.
    Wie Georg Friedrich bin ich durchaus auch Anhängerin einer konstitutionellen Monarchie als "Daily Soap" fürs Volk, aber vor allem auch als Symbol für Stabilität und Identität eines Staates. Ich sehe da eher die Vor- als die kostenträchtigen Nachteile (an denen man ja evt. noch arbeiten könnte). Sie schafft eben auch "Zusammengehörigkeitsgefühl".

  2. 9.

    Ist das hier die Gala, die Bunte, die Bild? Klatsch und Tratsch über Prominente - passt das nicht eher in andere, nicht öffentlich-rechtliche Formate?

    Den Leuten muss man kein Unglück o. Übel. wünschen. Wenn aber ein Freundschaftsbesuch ernst gemeint ist, schickt man Mandatsträger*innen etc., keine Personen, die sich mit Benefizveranstaltungen und sonstigem fremden Geld das eigene Image aufpolieren. 'Ach, die tun so viel gegen Armut etc.' Und wie viel haben Brit*innen in Kolonialismus u. Neoliberalismus dazu beigetragen? Wo war die britische Solidarität in der EU-Finanzkrise o. bei der Aufnahme Fliehender? Egoismus, Protektionismus, Nationalismus - UK hat sich den Brexit verdient.

    Monarchist*innen durch die Welt zu schicken, die in Teilen einen Rechtsruck durchlebt und gegen diesen ankämpft sowie auch gegen alle Anhänger*innen von Antiparlamentarismus, Antiegalitarismus, meint, Vertreter*innen dieser antidemokratischen Haltungen zu bestärken.

  3. 8.

    Mir gefällt Charles und ich habe weiter Glaube an die Monarchie als Institution.
    Schade, dass wir in dieser Hinsicht echte Stiefkinder sind, die gezwungen sind, den königlichen Glanz im europäischen Ausland zu suchen.
    Unser eigener ganzer Glanz ist seit einem Jahrhundert weg.

  4. 7.

    Der Charlie ist ein feiner Kerl und sprich zudem auch noch Deutsch. Er hat seine Verdienste und engagiert sich seit je her für Umweltfragen und Menschenrechte. Willkommen in unserer Stadt.

  5. 6.

    Charles und Camilla sind nach der Queen das was die Engländer lieben, lasst den Briten ihren Spaß und bei uns sollten sie herzlich willkommen sein. Ob eine Monarchie noch Zeitgemäß ist oder nicht ist doch egal. Für viele ist auch mal eine Flucht aus dem grauen Alltag.

  6. 4.

    Ob die Monarchie in GB noch "zeitgemäß" ist, sollen die Briten entscheiden. Ich habe den Eindruck, im Augenblick ist die Monarchie für viele Briten eine unverzichtbare Einrichtung.

    Ich finde es eine nette Geste, wenn gerade in diesen Tagen Mitglieder des britischen Königshauses hier in Deutschland einen Freundschaftsbesuch abstatten.

  7. 3.

    @Marat: die, die so einen Hype um Adelstitel machen sind in der Regel die, die keinen haben/tragen.
    Lassen Sie den Engländern doch ihren teuren Spaß.

    So schlecht ist die Idee der konstitutionellen Monarchie gar nicht. Das Volk hat seine tägliche Dokusoap und wen, der im Zweifel (siehe Ihren Kommentar) den Kopf hinhalten muss. Aber auch etwas zuverlässig Beständiges, dass in einer rasanten Welt so etwas wie Sicherheit und Halt bietet.
    Es gibt halt ein paar Aspekte, die durchaus positiv zu sehen sind.

    Was die beiden angeht, so hat es mich für diese wirklich gefreut, dass da endlich die beiden zueinander gekommen sind, die sich auch einander zugehörig fühlen.

  8. 2.

    ... ist Adel eigentlich noch Zeitgemäß? Verdienst, Macht und Besitz aus Tradition? Die Franzosen haben das sehr brutal gelöst und in Östereich mussten wenigstens alle ihre Titel abgeben.. aber In Deutschland...

  9. 1.

    Wen interessiert es, ob in Vietnam ein Fahrrad umfällt oder ob ein Monarch Berlin besucht? Ich werde im Mai in Stockholm sein. Wenn ich Ihnen ein Foto liefere, können die Berliner das auch am Hauptbahnhof lesen? Nein? Also was das?!

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