Razzia in Cottbus gegen Hooligan-Szene
Video: Brandenburg Aktuell | 10.04.20119 | Adrian Bartocha | Bild: Olaf Sundermeyer/rbb

Durchsuchungen in vier Bundesländern - Schlag gegen kriminelles Hooligan-Netzwerk in Cottbus

Die Polizei ist am Mittwochmorgen mit einer großangelegten Razzia in vier Bundesländern gegen kriminelle Hooligans vorgegangen. Der Schwerpunkt lag in Cottbus. Dort steht eine eigentlich längst aufgelöste Gruppierung im Fokus. Von A. Bartocha, T. Mandalka und O. Sundermeyer

Der "Blickfang-Store" in der Cottbusser Mühlenstraße am Mittwochmorgen: Die Polizei ist mit einem Durchsuchungsbefehl angerückt, gegen 6 Uhr vollstreckt sie ihn. Die Ermittler folgten der Spur eines stadtbekannten Neonazis und Kampfsportlers, der auf dem Papier bis vor Kurzem noch Betreiber des Geschäfts war, in dem szenetypische Kleidung geführt wird. 

An diesem Morgen wird nicht nur dieses Geschäft duchsucht: Allein in Brandenburg sind 30 Objekte betroffen. Die Razzia geht weit über Cottbus hinaus. Auch in anderen Orten Brandenburgs, unter anderem in Frankfurt (Oder), sowie im sächsischen Görlitz, in Kühlungsborn (Mecklenburg-Vorpommern) und in Berlin nehmen Ermittler Ladengeschäfte und Wohnungen ins Visier. Die Aktion richtet sich gegen 20 Personen, einige davon werden konkret als Beschuldigte geführt. Sie sollen eine kriminelle Vereinigung gegründet haben, das entsprechende Verfahren läuft seit April 2018. Festnahmen gab es zunächst nicht. Zentrum der Fahndungsmaßnahmen ist die südbrandenburgische Stadt Cottbus.

Aufgelöste Hooligan-Gruppe "Inferno" wirkt nach

In den vergangenen Jahren hatte die Redaktion "rbb24 Recherche" wiederholt über ein Netzwerk berichtet, das sich dort gebildet hat. Es besteht aus Rechtsextremisten, Kampfsportlern und Fußball-Hooligans und soll sich mit organisierten Kriminellen verbunden haben. Auch die Ausschreitungen in Chemnitz sind u.a. auf Aktivitäten dieses Netzwerks zurückzuführen. Die Verbindungen der Gruppe sollen auch ins Ausland reichen, vor allem nach Polen. Konkret wird den Beschuldigten der Verstoß gegen insgesamt 50 Straftatbestände vorgeworfen. Es geht dabei um Bedrohung, Körperverletzung, illegalen Waffenbesitz, Steuerhinterziehung und ähnliche Delikte.

Kern des Netzwerks könnte die Hooligan-Gruppe "Inferno Cottbus" sein. Zwar hat sich "Inferno" formal aufgelöst, um einem Verbot zuvor zu kommen. Nach Erkenntnissen von "rbb24 Recherche" dominieren frühere "Inferno"-Mitglieder aber immer noch die Fan-Szene des Fußball-Vereins Energie Cottbus. Zudem sind sie nach wie vor tief verankert in der rechtsextremistischen Szene der Stadt und der Region. Dazu gehören auch Teile des Sicherheitsgewerbes, Musiklabels und Bekleidungsläden. Aus all dem hat sich in Cottbus ein florierender Wirtschaftszweig gebildet.

Hohe Gewaltbereitschaft eines "toxischen Gebildes"

Der Brandenburger Verfassungsschutz hat schon Anfang des Jahres bestätigt, dass Cottbus ein Hotspot ist. Die Szene ist äußerst professionell und schwer zu überblicken. "Es gibt eine sehr, sehr hohe Gewaltaffinität in dieser rechtsextremistischen Szene", sagt Heiko Homburg vom Verfassungsschutz. "Auch deshalb, weil der Kampfsport, der dort so professionell betrieben wird, von sehr hoher Bedeutung ist. Die Beteiligten etablieren gerade eine gemeinsame Subkultur, die sie auch versuchen ökonomisch aufzustellen, damit man Geld daraus ziehen kann. Für uns als Verfassungsschutz ist das ein toxisches Gebilde."

Mehrere Informanten, die unerkannt bleiben wollen, berichten dem rbb von den kriminellen Machenschaften der Szene. Das Cottbusser Netzwerk sei keine lokale Geschichte, sagen sie. "Das läuft europaweit. Nach Frankreich, nach Russland. Auch in die polnische Hooligan- und Nationalisten-Szene. Und bei denen geht total viel in Richtung organisierte Kriminalität. Türsteherszene, Prostitution, Drogenhandel. Das ist schon ein erschreckendes Bild."  

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    Das könnte Ihnen so passen. Dafür bezahle ich Gebühren - das der öffentliche Rundfunk nicht den Ball flach hält. Mag sein das sie die vorliegende Entwicklung nicht als Teil, als bloss eine Facette in einem Gesamtbild sehen möchten - das jeder sehen kann, wenn er denn nur will. Da irrt auch die Lausitzer Lokalpresse wenn sie glaubt das alles notorisch beschönigen zu müssen. Ist mir ein Rätsel wessen Respekt sie damit erringen will. Nach dem Motto - sind zwar kriminell und Nazis, aber doch ebenen unsere Jungs... "Nestbeschmutzer" ist dieses rechte Gelichter. In einer Universitätsstadt von internationaler Bedeutung. Sowas ist die Zukunft der Lausitz. Nicht irgendwelche Sicherheitsfirmen, Abbruch- und Bauunternehmungen, die ihren Firmennamen in Fraktur schreiben und auf ihren Saufgelagen kruden Quatsch über Rasse, Biologie und eine deutsches Deutschland der Deutschen lallen. Kennen wir alles schon vom "Thüringer Heimatschutz /NSU" Auch noch ein Haufen des organisierten Kleinkriminellen.

  2. 11.

    Der Satz bedeutet natürlich auch, dass es Unterschiede gibt, ergo, ein Kampfsportler ist kein Rechtsextremist und kein Hooligan. Sonst müsste man nicht drei Gruppen erwähnen. Und gewiss sind nicht pauschal alle Kampfsportler gemeint.

  3. 9.

    Es wird Zeit, daß sich der Rechtsstaat nicht länger auf der Nase herumtanzen läßt.
    Es wäre Zeit, daß der FC Energie endlich mal verbindlich gegen Rechtsextremismus in seinem Umfeld vorgeht und nicht nur gelegentlich Sprüche klopft.
    Dier Spitze des Eisbergs war doch die Berichterstattung in der Lausitzer Rundschau zu den Ereignissen in Jena, wo man sowohl von Seiten der Zeitung, als auch in Zitaten des FCE Bosses den armen rechtsextremen Hooligans aus Cottbus die Opferrolle zugebilligt hat. Ein gewisser Rechtsruck in Teilen der Rundschau Berichterstattung (allgemein, speziell aber auch bei der Auswahl von Leserbriefen) ist seit Monaten nicht mehr zu übersehen.
    Und noch eine Frage an die Kommunalpolitik: wie ist es eigentlich zu erklären, daß ein rechter Verein aus einem Landkreis weit weg von Cottbus ständig "Demonstrationen" in der Stadt genehmigt bekommt, die dann auch noch von unseren Steuern durch die Polizei abgesichert werden müssen? Hat die Polizei nichts Wichtiges zu tun?

  4. 8.

    In Cottbus gibt es ein "toxisches Gebilde" ... Nur fehlen die Beweise, denn diese wollte man heute mit dieser Aktion finden. Solange diese allerdings nicht existieren, gibt es auch kein "toxisches Gebilde" ... Also RBB haltet den Ball flach!

  5. 7.

    Liebe Redaktion,
    danke, bitte dranbleiben und über die Ergebnisse der Strafverfahren sowie mögliche weitere Verfahtren berichten, die sich aus dieser Ajktion ergeben. Die Heimlichkeit muss enden, denn nur im Verborgenen kann so etwas sich entwickeln.

  6. 3.

    Man hat schon zu lange zugesehen was sich in Deutschland und Europa zusammenbraut, wenn man nicht konsequent ohne wenn und aber gegen diese gut vernetzten und organisierten Banden vorgeht ....
    Diesmal kann keiner sagen er hätte von nichts gewusst.

  7. 2.

    Liebe Redaktion,

    ich habe ein kleines Problem mit dem Satz:
    "Es besteht aus Rechtsextremisten, Kampfsportlern und Fußball-Hooligans und soll sich mit organisierten Kriminellen verbunden haben."
    Ich denke, man sollte hier aufpassen, Kampfsportler mit Nazis und Hooligans in einem Atemzug zu nennen. Mag sein, dass diese Leute Kampfsport betrieben haben, aber umgekehrt hat Kampfsport i.A. ganz sicher nichts mit solchen Leuten zu tun.
    Man sollte etwaige Problematiken sicher nicht unter den Tisch fallen lassen, aber die Aufzählung "Rechtsextremisten, Kampfsportlern und Fußball-Hooligans" führt unter Umständen zu einer Pejoration des Wortes, was dem Sport sicher nicht gut tut.
    Viele Grüße aus MV

  8. 1.

    Ob diesmal mehr herauskommt als heiße Luft? Denn, der Zeitgenossse liest und liest, er versucht irgendwelche Fakten herauszudestillieren, aber da ist nichts.

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