Schafe auf dem Rasen im Park Sanssouci Potsdam (Quelle: rbb/Susanne Hakenjos)
Audio: Antenne Brandenburg | 16.04.2019 | Susanne Hakenjos | Bild: rbb/Susanne Hakenjos

Schafe im Einsatz für mehr Artenvielfalt - Im Park Sanssouci wird der Bock zum Gärtner

Schafe sollen die besseren Gärtner sein. Im Potsdamer Welterbe-Park von Sanssouci pflegen sie Wiesenflächen und helfen bei der Rückkehr der Artenvielfalt. Wissenschaftler untersuchen, ob sie wirklich zum Naturschutz beitragen. Von Susanne Hakenjos

Raus aus dem Hänger und rauf aufs frische Rasengrün: Davon muss Schäfer Olaf Kolecki seine wollweißen Bentheimer Landschafe erst einmal sanft überzeugen. Dabei wartet vor den Römischen Bädern im südlichen Teil des Parks von Sanssouci immerhin "herrschaftliches königliches Rasengrün" auf die Tiere. Bislang standen die Tiere in ihrem Winterquartier in Falkensee im Havelland. Jetzt dürfen sie bis November zehn ausgewählte Wiesenflächen im Potsdamer Welterbe-Park beweiden.

Dass hier der Bock zum Gärtner gemacht wird oder vielmehr gleich eine ganze Schafherde, finden die Mitarbeiter der Schlösserstiftung super. "Wir profitieren ja davon", freuen sich die Gärtner. Auch Ralph Kreutz, einer von drei Parkrevierleitern der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG), zeigt sich begeistert: "Wollige Kollegen, das ist auch ein schöner Aspekt im Park". Vor allem sorge der Einsatz der Schafe aber für die Rückkehr der Artenvielfalt.

Schafe im Hänger (Quelle: rbb/Susanne Hakenjos)
Die Schafe werden per Hänger in den Park Sanssouci in Potsdam transportiert | Bild: rbb/Susanne Hakenjos

Schafe weiden anders als Mähmaschinen mähen

Die Art der Schafe, Grünflächen kurz zu halten, unterscheide sich gravierend von der großflächigen Wiesenmahd mit Mähmaschinen, wie sie bislang die beauftragten Gartenbau-Firmen praktizieren, erklärt der Park-Fachbereichsleiter. Indem die Tiere fräßen und weiterzögen, sorgten sie für ganz unterschiedliche Bodenbeschaffenheit. Diese Vielfalt helfe seltenen und gefährdeten Pflanzen.

"Die Artenvielfalt entsteht durch den Tritt der Schafe. Sie verursachen im Boden auch hier und da offene Stellen, so kann Samen wieder eingebracht werden. Es ist eben ganz anders, als wenn man mit einem Rutsch mit einem Mäher große Flächen an einem Tag abmäht. Das Grün kann auch abtrocknen und sich so sicher wieder aussäen. Die Artenvielfalt, davon gehen wir aus, wird sich erhöhen. Wir hoffen sehr, dass wir bald noch mehr der Wiesenflächen an die Schafe zur Pflege geben können", sagt der Parkfachbereichsleiter. Genug zu tun, gäbe es für die Tiere: Insgesamt umfasst das Wiesengelände des Parks rund 250 Hektar.

Die Tiere mähen besser

Schäfer Kolecki gibt sich sogar überzeugt: "Schafe mähen besser. Durch das Fressen bestimmter Gräser, Blüten und Kräuter vermehren sie seltene Arten", erklärt der 55-Jährige. "Ein Teil der Samen bleibt in ihrer Wolle hängen und wird so weitergetragen, ein Teil wird über den Kot ausgeschieden und verteilt. Also die Artenvielfalt auf den Flächen kann sich wesentlich mehr verbreiten". Wichtig sei ihm auch, dass das Weideprojekt im Schlossgarten vielen Besuchern die wichtige Funktion der Schäfer im Land beim Schutz der Biodiversität vor Augen führe. Dem Insektensterben könne man "am besten durch Weidewirtschaft begegnen". Die Schäfer wünschten sich daher auch mehr Unterstützung aus der Politik.

"Wiesen-Inventur" durch Wissenschaftliche Begleitstudien

In einem auf fünf Jahre angelegten Forschungsprojekt untersucht die Arbeitsgruppe Biodiversitätsforschung der Universität Potsdam die Zunahme der Arten auf den betreffenden Wiesen. Die zehn beweideten Flächen werden einem kontinuierlichen Monitoring unterzogen, um die Auswirkung der Schafe auf die biologische Vielfalt zu erforschen. Dabei wird ermittelt, wie sich die Vegetation verändert.

In einer Begleitstudie etwa erforscht Matthias Kühling vom zur Universität gehörenden Botanischen Garten die Ansiedlung des Dungkäfers. "Artenvielfalt geht schließlich von oben in den Baumwipfeln bis tief in den Boden hinein", sagt der Botaniker. Er sagt, er sei optimistisch, dass insgesamt wieder mehr Schmetterlingsarten, Käfer und andere Insekten in den Park zurückkehren: "Die Schafe werden mit Sicherheit positiv sein, gerade weil eben so nicht mehr großflächig zu einem einzigen Zeitpunkt gemäht wird".

Schäfer Olaf Kolecki aus Brandenburg (Quelle: rbb/Susanne Hakenjos)Schäfer Olaf Kolecki bringt bald noch mehr Schafe nach Sanssouci

Der Schäfer schaut täglich nach seiner Herde

Schäfer Olaf Kolecki – mit Vollbart, Filzhut, Schäfer-Umhang und Hüte-Stab – hält im Havelland noch weitere 400 Schafe. Doch als "Schäfer von Sanssouci" kümmert er sich täglich um seine prominente Versuchsherde, kontrolliert die mobilen Zäune und schaut nach, ob alle Tiere gesund sind. Mit etwas Glück können Park-Besucher den Schäfer mit seinen Hütehunden auch beim Umtrieb auf die nächste königliche Wiese sehen. In einigen Wochen bringt Kolecki noch 40 Mutterschafe mit ihren neu geborenen Lämmern nach Sanssouci. Damit wird die Herde von aktuell 30 auf 70 Tiere vergrößert.

Historisch sei übrigens nicht belegt, dass es früher schon Schafe im Park von Sanssouci gab, sagt Parkfachbereichsleiter Ralph Kreutz. Vielmehr habe das Heu der Wiesenmahd höchstwahrscheinlich als Futter für die Pferde des Hofes gedient.

Beitrag von Susanne Hakenjos

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1 Kommentar

  1. 1.

    30 vorhandene Schafe + 40 Mutterschafe + 40 Lämmer = 110 Tiere.

    Guten Appetit den Schafen und viel Erfolg für die Artenvielfalt!

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